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Erscheint tu zwei Ausgabe». — BezugS-Preis: durch den Verlag So Pfg. monatlich, durch die Post S Mk. S« Pfg. vierteljährlich für bcidl Ausgaben zusauinien.
Verlag: Langgasse 27
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Ncdaktions-Fernfprecher No. 52.
Freitag, den 12. Juli.
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Das englische DolKsvermogen.
Unser Londoner u-Korrespondent schreibt:
In gewissen Kreisen Englands liebäugelt inan schon seit geraumer Zeit mit deni Schutzzollprinzip, und wiewohl das Ausland wahrlich kein Recht hätte, den Engländern Vorwürfe zri machen, >ve„n sie, dem Beispiele anderer Nationen folgend, ihrem Ackerlande zu einem eingebildeten künstlichen Werthe verhelfen und daheiur erzeugte Waaren viel theurer bezahlen wiirden, als sie dieselben anderwärts kaufen könnten, so bedeutete es doch für alle Industriestaaten, nantentlich aber für Deutschland ein fürchterliches llnheil, wenn Großbritannien plötzlich mit seinen alten freihändlerischen Grundsätzen bräche. Lord Salisburys „Made in Oermanv-Gesetz" hatte bereits etwas von einer schutz- zöllnerischen Maßregel an sich, der kanadische Vorzugszoll für Waaren des Mutterlandes bildete einen weiteren Schritt in der beivußten Richtung und mit dem diesmaligen Budget erreichte nian beinahe das von Vielen ersehnte Ziel. In einem hiesigen Journale, dem „Bankers' Magazine", erschien nun soeben ein Aufsatz aus der Feder des Mr. W. R. Lawson unter dem Titel „Schwindet unser Volksvermögen?" Derselbe erregte großes Aufsehen, und um seinetwillen ist die City nun gewissermaßen in zwei feindliche Lager getheilt. In dem einen jammert man, daß England von seinem Kapitale zehre und seinem sicheren Ruin entgegen gehe, indeß in dein anderen eine ultra-optimistische Stimmung herrscht. Mi. Lawson betrachtet die letztere als die einzig für Englands Zukunft gefährliche, denn es ist das auch die der Leute, denen er in seinem Aufsatze den Vorwurf macht, den Dingen unter allen llinständen ihren eigenen Lauf lassen zu wollen. Es thun das z. B. die Freihändler, mit denen Lawson daher nicht einverstanden ist, und wie er sagt, hätte sich England nicht zu fragen, ob es reich genug ist, lahraus, jahrein für etwa 170,000,000 Pfund Sterling mehr aus dem Auslände zu beziehen, als es arrsführt, sondern mußte erwägen, ob es einen gesunden wirth- schaftlichen Grundsatz bildet, den Ausländer die Arbeit des Engländers verrichten zu lassen, nur weil er es "'“'ff letzterer thut. Die Anregung zu dem ganzen Artikel fchus übrigens ein Vortrag, den Sir Robert Gissen, der hervorragende Statistiker, unlängst vor dem Institute of Bankers über das englische Volksvermögen hielt. Danach sollte dasselbe 15,000,000,000 Pfund Sterling betragen und unaufhörlich wachsen. Natürlicherweise kann es sich bei der Aufstellung dieses Betrages lediglich um eine auf wenig zuverlässige Anhaltspunkte gegründete Schätzung handeln, die verhältnismäßig geringen Werth besitzt, und weshalb Lawson sie auch dementsprechend kritisirt. Etwas ernster nimmt er '"gegen dre Berechnung des jährlichen Volkseinkommens,
das Gissen auf 1,500,000,000 Pfuiid Sterliiig veranschlagt. Das nachweisliche, weil besteuerte Einkoinmen in England beläuft sich auf 759,000,000 Pfund Sterling, so daß also auf die weniger begüterten Klassen noch
741.000. 000 Pfund Sterling kämen. Jener Betrag steht aber keineswegs vollständig für Steuerzwecke, sowie zur Deckung der Differenz zwischen Ein- und Ausfuhr zur Verfügung, und nach Abzug des Aufwandes für Staat, Kirche u. s. w. repräsentirt derselbe nur etwa 30 Pfund Sterling auf den Kopf der Bevölkerung. Nicht weniger als 122,000,000 Pfund Sterling sind nämlich für den Staatshaushalt aufzubringen, 65,000,000 Pfund Sterling bilden Kommunalabgaben, und die Kirche und wohlthätigen Anstalten erfordern jährlich
100.000. 000 Pfund Sterling, sodaß also von dem Nationaleinkommen nur noch 1,200,000,000 Pfund Sterling übrig blieben. Wie geringschätzend Mr. Lawson aber auch die Ziffern Sir Robert Gissens behandeln mag, so ist er doch noch weit kühner als dieser, indem er einfach erklärt, derjenige Theil des englischen Volks- Vermögens, das der Statistiker zu ermitteln vermöge, sei nicht in der Abnahme begriffen. „Großbritannien, schreibt er, hat nicht nöthig, sich wegen des Schwindens seines Reichthumes zu beunruhigen, die Degeneration seiner Reichen aber giebt Anlaß zur Sorge. Ueber der modernen Methode des Geldmachens haben dieselben diejenigen Verfahren vergessen, die die Größe einer Nation herbeiführen." Alles in Allem genommen, sind seine Aeußerungen Wasser auf die Mühle der englischen Schutz- zollner. Namentlich die Finanzblätter begeistern sich über dieselben, und Lord Salisbury und Chamberlain haben gewiß in Gedankeii bereits seanend die Hände auf Law- sons Haupt gelegt.
Ans Stadt und Fand.
Wiesbaden, 12. Juli.
— Erfolg des einheitlichen Gasprciscs. Wie wir erfahren, sind die Erwartungen, welche an die mit Anfang April d. I. eingeführte Vereinheitlichung der Gaspreise geknüpft wurden, bis jetzt in vollem Maße in Erfüllung gegangen. In den seither verflossenen 3 Monaten beträgt d» Zugang neuer Gasabnehmer 4 3 0 und es stieg der Verbrauch in dieser gleichen Zeit gegenüber dem Vorjahre um 160,000 Kubikmeter! Es sind dies Zunahmen, welche seither noch niemals erreicht worden sind. Ganz besonders erfreulich ist es, daß dies- Zunahme sich hauptsächlich auf kleine Haushaltungen bezieht, die jetzt in der Lage sind, aus einer einzigen Leitung ganz nach Belieben kochen und beleuchten zu können und davon nunmehr ausgiebigen Gebrauch machen. Ein Beweis auch, daß die Vortheile und Annehmlichkeiten, welche der Gasverbrauch bietet, immer weiteren Kreisen zu gute kommen.
— Kleinbahn-„Jdhlle". Die oft gerügten Mißstände auf der Dampfstraßenbahn Eltville-Schlangcnbad werden in der „Biebricher Tagespost" durch die Schilderung einer Fahrt vom vorigen Sonntag wieder einmal drastisch illustrirt: Der Zug,
Verlags-Fernsprecher No. 2266. 1901.
der planmäßig 3 Uhr 40 Minuten von Eltville abfahren sollte setzte sich mit einer Verspätung von 25 Minuten (die Lokomotive mußte noch Kohlen fassen und hatte keinen Dampf!!) unter Hurrahrufen des Publikums in Bewegung. Der Zug bestand aus 3 Wagen, welche voll besetzt waren; 10 bis 12 Personen mußten auf der Plattform stehen (für 1 Mk. 20 Pf. Retourbillet 2. Klasse!). Auf der halben Anhöhe vor Neudorf hielt der Zug plötzlich an; er war zu schwer. 20 Minuten hielt er, die Lokomotive machte vergebliche Versuche, anzuziehen, wobei das Publikum durch den Stoß jedesmal hin- und hergeschleudert wurde. Jetzt hieß es. um den Zug zu entlasten: Freiwillige heraus! Ein großer Theil des Publikums folgte dem Rufe und ging einen halben Kilometer voraus bis auf die Anhöhe. Der Zug gewann die Anhöhe und die Passagiere stiegen wieder ein. Die Freude des Vorwärtskommens sollte nicht lange dauern. An der Haltestelle Rauenthal stand der Zug wieder. Die Lokomotive mußte erst wieder Dampf haben. 20 Minuten Aufenthalt! Einzelne Passagiere gingen zu Fuß nach Schlangenbad, wo sie früher ankamen als der Zug, da dieser so langsam fuhr, daß man nebenher gehen konnte. Die weiteren Züge sollen dieselbe Langsamkeit entwickelt haben. Die Rückfahrt war ähnlich, sodaß viele Ausflügler die Anschlüsse zur Bahn oder zum Schiff nicht erreichten. „Wozu braucht man einen Fahrplan, wenn die Züge ganz willkürlich abfahrcn; dabei theure Preise, schlechte Wagen. Wozu unterscheidet man 2. und 8. Klaffe, wenn das Publikum sich in die Wagenklasse setzt, wie es ihm beliebt? Was müssen die zahlreichen Fremden für einen Eindruck von dieser Kleinbahn erhalten? Giebt es keine Behörde, die gegen einen solchen Betrieb einschreiten kann. Zur Entschuldigung sagte ein Hülfsbeamter (in Civilkleidung), die Lokomotivfübrer wechselten fast alle 4 Wochen, ebenso die Schaffner.
d. Die Hitze, die nachgerade anfängt, unerträglich zu werden, fordert ihre Opfer. Gestern Vormittag wurde auf dem Fruchtmarkt in der Bleichstraße das Pferd eines Landmanns aus Wörsdorf vom Hitzschlag getroffen, fodaß es auf der Stelle abgeschlachtet werden mußte. Der Landwirth, der mit ziemlich niedergeschlagener Miene neben dem verunglückten Gaul stand, hatte das Glück, ein zweites Pferd zu besitzen; er konnte also wenigstens seinen Wagen ohne besondere Kosten heimbringen. Auch von außerhalb werden zahlreiche Fälle von, Hitzschlag gemeldet.
uc. Warum ist im Krankenzimmer stehendes Trinkwasser schädlich. Das Wasser nimmt die in der Luft befindlichen Krankheitsstoffe auf, und wer von dem Wasser trinkt, nimmt diese mit dem Wasser zugleich zu sich, sodaß schon oft ansteckende Krankheiten auf diese Weise verschleppt wurden. Auch das Wasser zu trinken, das in Schlafzimmern stand, ist nicht rathsam, da die Luft des Schlafzimmers meist verdorben ist.
— „Hcidelbiern!" Wieder ertönt der monotone Ruf in allen Gassen vom frühen Morgen bis zum späten Abend. Zuweilen sind es Händler mit Hunde- oder Pferdekarren, zumeist aber Frauen aus den umliegenden Gebirgswaldungen, die mit dem Korb auf dem Kopf oder auf dem Rücken die Stadt durchwandern und ihre blaue Maare an den Mann zu bringen suchen. Wahrlich, so schreibt der „Franks. Gen.-Anz.", ein saures Stück- lein Brod. Nachts um 2 Uhr verlassen diese Frauen zumeist schon ihre Heimath, tragen die 60—70 Pfund schwere Last zur oft Stunden weit entfernten Bahnstation, lösen mit den zu-
Kerrilleton.
Kleue Moden.
re« ®. ie "Modenlvelt" und „Jllustrirte Fraüen-Zeitung" (Berlm, Franz Lipperheide) leiten ihren durch Abbil- dnngm bexeicherteu Modenbericht in der Nummer vom
Skizze 1 . Sporthut mit Blumen-Garnituu
ä6. Juli 1901 mit den Worten ein: Es kommt nick allem daraus an, was man trägt, sondern vor Allen wie man es tragt. Das schlichteste Kleid — so plaudei rechter,t«tterin der genannten Blätter iveiter - wrrkt chic, wenn es die „moderne gerade" Magenlini öergt und die Trägerin sich sehr aufrecht mit eingl Sogenem Krem hält. Auch das, Beiwerk der Toilette
Hut, Frisur, die Halsgarnitur rc., ist sorgfältig'zu studiren, so daß jedes einzelne unserer vielen Modenbilder nicht nur für eine bestimmte Toilette, sondern auch stets für den modegerechten Total-Eindruck beachtens- werth erscheint.
Heute sind es vor Allein Hut und Frisur, die eine auffallende Umwandlung erfahren haben. Das nebenstehende Köpfchen zeigt die typische tiefe Frisur, wofür das ganze Haar in losen Wellen in den Nacken gekämmt lmd hier zu Locken oder Puffen aufgesteckt wird. Viel sieht man auch ein flaches Nest aus Zöpfen gewunden, zu deren Verstärkung wieder häufig falsches Haar verwendet wird. . Wie häufig dies nothwendig ist, wissen am besten die Friseure, die schon kaum noch all den Nachfragen nach Flechten gerecht werden können. Auf dieser tief arrangirten Frisur sitzen besonders gut die Hüte mit breiten Köpfen, deren Krempen nach hinten ausnahmslos niedergedrückt erscheinen. Daß dies selbst bei den schlichten Sporthüten geschieht, zeigt unsere Darstellung (Skizze 1), die auch noch eine auffallende Neuheit aufweist: den lose auf die Krempe gelegten Rosenzweig, ein erneuter Beweis für die große Vorliebe für Blumen. Der gleiche Basthut kann zur Reise, bei Sportspielen rc. nur mit dem umgebundenen Sammetband getragen werden, wechselt man die Toilette, so legt Wan einfach einen Blumenzweig, durch Schmucknadeln befestigt, auf und der Hut erhält sofort einen eleganten Charakter.
^ Eine unerläßliche Begleiterin der Promenaden- Toilette ist die B o a in den verschiedensten Arrangements, immer aus luftigem Material und meist schwarz oder weiß, wenn nicht in beiden Farben melirt gehalten, da die neutralen Töne zu jedem Kostüm passen, und jede Farbe durch Schivarz oder Weiß gehoben wird. Meist sind die Boas in Halstheil und Enden getheilt, die beide nicht nur vollständig verschieden arrangirt werden, sondern auch oft aus verschiedenem Material bestehen, z. B. sind einer Hglsrnsche aus Ebiffon lange Band-Enden
angesetzt, oder Tüll wird mit Chiffon, Gaze oder Spitzen rc. zusammengestellt. Immer ist das Bestreben erkennbar, die Enden lose flatternd zu gestalten, deshalb setzt man breite, eng plissirte Theilc oder, wie an unlerer
Vorlage '(Skizze 2), Draperic-Theile an. Die dreifache Halsräsche bildet hier weißer Chiffon mit leicht getöntem, Valenüennes-Spitzenbesatz, die Enden ergeben Dreieck-,, theile aus leicktefter Seide: drei, mit.Spitze %’•
