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i Der Roman, i

gl~ Morgen-Beilage des Wiesbadener Tagblatts, i» • -

Nr. 125,

Dienstag, 1. Juni.

1915.

(8. Fortsetzung.)

Will öfC BßlltC# ^Nachdruck verboten.)

Kriminalroman von Reinhold Ortmann.

„Wie hätte ich ihn verlassen sollen, da ich ihn hoch liebe! Er mag sein, wie er will — er ist mein Mann, und ich werde bei ihm ausharren bis an das Ende."

„Ich denke nicht mehr daran, es dir zu verbieten. Aber du -darfst auch nicht erwarten, -daß ich dich bemit- leide. Ich habe mich nach deines Vaters Tode als deinen väterlichen Beschützer betrachtet. Deine Verheiratung jedoch hat mich meiner Pflichten enthoben. Solange du -dieses Mannes Weib bist, hast du von mir nichts zu hoffen."

Die junge Frau raffte sich auf und wankte zur Tür. „So lebe wohl, Onkel! — Möge deine Härte dich nie gereuen!"

Der Oberstleutnant antwortete nicht. Aber noch ehe seine Nichte den Ausgang erreicht hatte, wurde die Tür aufgerissen, und Martha, deren Augen ebenfalls vom Weinen gerötet waren, warf sich an ihres Vaters Brust.

„Du darfst sie nicht so von dir gehen lassen — du darfst nicht! Wenn das Geld wirklich für mich be­stimmt war, das du ihr gäben sollst, so tu es auf meine Bitte. Ich werde deshalb gewiß nicht in Not und Elend geraten."

An den Schläfen des Oberstleutnants war die Zornesader hoch aufgeschwollen. „Du hast also ge­horcht? Nun, dann brauche ich dir ja weiter nichts zu sagen. Jedenfalls bleibt es bei dem, was du gehört hast. Ewald v. Prenden erhält nicht einen Pfennig mehr! Jetzt aber laßt mich gefälligst in Ruhe. Ich habe keine Lust, mich mit zwei aufgeregten Frauen­zimmern herumzuschlagen."

Unsanft schüttelte er die Arme seiner Tochter von sich ab und ging zur Tür, die er mit einem dröhnenden Knall hinter sich ins Schloß warf.

Magdalena v. Prenden war laut austveinend in einen Stuhl gesunken.

Maickha trat an ihre Seite. „Jetzt ist nichts mehr von ihm zu erhoffen", sagte sie in tiefster Mutlosigkeit. ./So habe ich ihn noch nie gesehen." - -

„Er kann mir's nicht verzeihe,:, daß ich trotz seines Widerspruchs Ewalds Frau geworden bin. Aber ich kann doch nun nichts mehr daran ändern. Ich bereue es auch nicht. Wenn mein Mann jetzt in den Tod geht, so gehe ich mit ihm."

„Um Gottes willen, Magdalene, was für schreck­liche Reden sind das! Es ist unrecht, einen so frevel­haften Gedanken auch nur auszusprechen."

„Mer es ist vielleicht weniger unrecht, ihn zur

t ussührung zu bringen. Es steht uns ja kein anderer teg mehr offen. Ewald h«t mir rundheraus erklärt, -daß er die Schande nicht überleb«, wird, wenn er über­morgen außerstande ist, das Geld zu zahlen."

„So mußt hu alles aufbieten, was du über ihn vWmagst, um ihn von seinem entsetzlichen Borhaben ghzubringep. Wenn er dich lieb har, muß es dir ge- !Men."

Mer die verzweifelte, junge Frau schüttelle mit Entschiedenheit den Kopf. „Es würde mir nicht ge­lingen, und ich werde es auch gar nicht versuchen. Wenn man keine Hoffnungen mehr hat, ist ein Sprung ins Wasser wirklich das beste."

Martha inochte den Charakter ihrer Base zur Ge­nüge kennen, mn zu wissen, welcher Torheiten sie in der Erregung fähig war. Es war ihr vom Gesicht zu läsen, wie furchtbar sie unter der durch Magdalcnens Worte geweckten Vorstellung litt.

Nach kurzem Zaudern begann sie plötzlich: „Höre

mich an! Ich habe vielleicht noch eine Möglichkeit, dir das Geld zu verschaffen. Du inußt mir jedenfalls heilig versprechen, das Ergebnis meines Versuchs abzuwarren. Willst du das tun?"

Die junge Frau hatte das Gesicht aus den Händen erhoben und sah zu Martha auf. Aber tvas sich in ihren Zügen spiegelte, hatte wenig Ähnlichkeit mit hoffnungsvoller Zuversicht. „Du willst das Geld be­schaffen? Du? Ja, wie in aller Welt willst du denn das fertig bringen? Es handelt sich um dreißigtausend Mark — und du hast keine Verfügung über dein Ver­mögen."

„Ich könnte es dir auch nicht aus meinen eigenen Mitteln geben, und ich wiederhole, daß ich nichts mit Bestimmtheit versprechen kann. Es ist nur eine Hoff­nung, die ebenso gut fehlschlagen wie in Erfüllung gehen kann. Eines aber mußt du mir vorweg ver­sichern, Magdalene: dein Mann muß imstande sein

und auch den redlichen Willen haben, das Geld inner­halb einer gewissen Zeit zurückzuzahlen. Denn ich könnte es nur als ein Darlehen erbitten, für dessen Erstattung ich mich verbürgen müßte."

„Wie kannst du Weiseln!" rief Magdalene, in deren Brust nun doch neue Hoffnung aufzuleben schien. „Es wäre ja eine Ehrenschuld im eigentlichsten Sinne des Wortes. Ich selbst würde Sorge tragen, -daß Ewald sie vor allen anderen Verpflichtungen tilgt."

„Bis wann müßtest du das Geld haben?"

„Bis morgen abend. Aber von wem —"

„Danach darfst du mich nicht fragen. Wenn meine Hoffnung sich erfüllt, wirst du es erfahren. Vorher hätte es für dich ja auch keine Bedeutung, wenn ich dir einen Namen nennen würde."

Magdalene war aufgestanden und zog den Schleier über.das verweinte Gesicht herab. „Ich muß jetzt nach Hause", sagte sie, „wo mein armer Mann in fieber- Hafter Spannung auf meine Rückkehr wartet. Ach, wie grausam ist es, daß ich ihm die erhoffte Rettung noch nicht bringen kmm!"

„Du magst ubu immerhin Hoffnung machen. Jeden- falls werde ich alles tun, was in meinen Kräften steht, um das Schlimmste abzuwenden."

Sie geleitete die junge Frau, die sie in dop Tür noch einmal stürmisch umarmte, bis an die Tr«pde. Dann schicke sje in das W-HnziPner zurück, Md die Art, wie Ihre Augen durch das Muster den Dnnmel