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Jahrgang.

Vertilg: Langgusse zu

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Abendausgabe.

Pie pilanf des iBafrtaifdjrn Krieges

Am Donnerstag, beit 11. ds., sind 1% Jahre seit dem Ausbruch des südafrikanischen Krieges verflossen, dessen Anfang ans den 11 Oktober 1899 fiel. Damit ist die Leu, welche die Engländer auf die Beendigung des süd- afrikan,scheu Krieges und auf die Unterwerfung der ^/wen zu vertvenden gedachten, bereits um 18 Monate Überschritten. Denn nach der prahlerischen Ankündigung der Engländer sollte der Burenkrieg bereits nach drei Monaten nnt der völligen llnterwerfnng der beiden Burenstaaten endigen.

,Fuch die englische Nation lernt jetzt die Wahrheit des geflügelten Wortes kennen: „Es kommt immer anders!" >?n absehbarer Zeit ist kaum an ein Ende des südafrika- mswen Krieges zu denken. Die Berichte, welche am Monrag im englischen llnterhause über die Verhand­lungen zwischen Kitchener und Votha verlesen worden und, zeigen zur Genüge, daß zwar die englische Kriegs- leitilng leidenschaftlich den Frieden herbeisehnt, baß aber die Führer der Buren und sie diirften hierbei alle noch w <>elde befindlichen Buren hinter sich haben, für keinen Frieden zu haben sind, dessen Bedingungen nicht mit dem ^^siufsingcn: „Die beiden Burenstaaten sind frei und unabhängig."

Wenn man die Lage auf dein Kriegsschauplätze nicht nach den amtlichen euglischeii Meldungen, sondern nach den Berichten betrachtet, ivelche ab und zu theils aus privaten englischen Onellen, theils aus deni Burenlager zu uns kommen, so gelangt man zu dem Ergebnis daß dn-Situation der Buren jedenfalls nicht völlig^ hoffnungs­los ist, denn dw englischeArmee ist durch Strapazen, Ent- oehnuigen, epidemische Krankheiten und vor Allem durch die wachsende Demoralisation und Kriegsmüdigkeit der- ürr d^orgmiisirt dasi sie eben nicht hinreicht, um mit deni Aest der kämpfenden Buren auf einem Terrain fertig zu werden, welches der natürliche Verbündete der Buren ist

Vielleicht könnten die Engländer mit den Buren fertig werden, wenn sie wesentliche Verstärkungen, wenn sie frische Truppen nach Südafrika schicken könnten Aber „woher nehmen und lischt stehlen?" denkt die eng­lische Negierung. Was England an verfügbaren Truppen besaß, hat es nach Südafrika gesandt und die Werbetrommel ertönt vergeblich, seil die Engländer er­kannt haben, wie lebensgefährlich der „Spaziergang nach ' ~ r< J”f baaI 'st- Da die Engländer den Buren nicht in ehrlichem Kampfe beikoininen konnten, haben sie es mit der Mordbrennerei und mit der rücksichtslosesten Barbarei versucht. Aber auch diese Mittel sind zum Unheil Eng- 'siU"f„ch"-geschlagen. Die verbrannten Farmen haben ihre Besitzer nur daran erinnert, daß sie jetzt nichts mehr zu verlieren haben, und die barbarische Behandlung der Frauen und Kinder hat nicht den Muth der Buren ge­brochen, sondern ihre Erbitterung auf das Höchste ent- ^6 Engländer sich einer wenn auch verhaltnrtzmaßrg klemen Schaar an den Krieg gewöhnter und entschlossener Männer gegenüber, die nichts niehr zu verlieren, aber Alles zu gewinnen haben. Und daß ein solcher Gegner nicht zu verachten ist, das sieht man all­gemach auch in England ein.

Man sieht aber auch weiter ein, daß, wie auch der Krieg enden möge, die Bilanz desselben für England eine ungünstige sein muß. Der südafrikanische Krieg ist nicht nur jetzt schon einer der längsten modernen Kriege sondern auch einer der blutigsten, und, was für die Eng­länder vielleicht noch mehr besagen will, auch einer der kostspieligsten Kriege. Noch niemals zuvor hat England eine Viertel Million Soldaten auf einen überseeischen Kriegsschauplatz geworfen, wie es diesmal der Fall ist Die Abgänge und Verluste, welche dieses Riesenheer er* litten hat, sind ganz ungeheure. Die offiziellen Angaben der englischen Kriegsleitung geben nur ein ganz unzu­reichendes Bild von diesen Verlusten. In diesen Angaben werdm die m den Lazarethen und Krankenhäusern be- fmdliaien Soldaten verschwiegen und desgleichen die wegen körperlicher Unfähigkeit aus dem Heer Ent-

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nmg§= Gesellschaft getroffen hat^lm seüm^Michliedern gegen eine geringe Leistung hinreichende Sicherheit zu gewahren Nun -nacht die „Krefelder Zeitung " all^ dingo mit Recht darauf aufnierksam, daß nach 8 832 ein Schulden vorliegen muß, wenn Crfatzpflicht ein- treten soll, fei e» ein Verschulden durch die Thal, sei es diirch Fahrlaisigkeit. Aber damit ist iiicht die Unruhe beseitigst die m der Lehrerschaft herrscht. Ein Prozeß auf Grund jene* Paragraphen würde unter allen Umständen ehr unangenehm sein auch wenn der Kläger abgewiesen werden sollte. Es bleibt deshalb jedenfalls wünschens« !|* c % daß sich vor Allem die oberste Schulbehörde ribeL '^E.dlussassung von der Sache ausläßt. Könnte eine be- zugliche Meinungsäußerung auch nicht verbindlich für die Gerichte sein, so ivurde sie diesen vielleicht doch zur nütz- tichen g^lnz willkommen erscheinen.

dw Militärische und politische Einbuße ist die moralische Einbuße, welche England durch diesen , ver­wind ^ aller Kriege in der Werthschätzimg aller civiliprten Nattonen erlitten hat. So weist die Bilanz ievsudafrlkanischen Krieges schon jetzt, vor seiner Be- Ausland ein finanzielles, militärisches, politisches und inoralifches Defizit auf, welches England nie wieder wett zu machen vermag.

Deutsches Deich.

^ Zur Kiiiuilfrage.

v„. fl Grflarung des Herrn v. Thielen beim Festmahl der Rheiustrom-Bauverivaltung, ec werde in der nächste,i Landtags es,ion die Gelegenheit haben, abermals die Kanalvorlage zu vertreten, rufi vielfach Ueberraschung 5,2 f 0 . r ' w y Staatsministerium hat sich, so weit man wußte, bisher mit der Frage der Wiedereinbringung der ^sth'.'l'si'ge in der kommenden Session noch 'nicht be- lchasttgt Dagegen wurde vor einiger Zeit offiziös be- Ekst daß die Vorlage bis zum Herbst 1902 zurückge­stellt werden solle, ioeil die Regierung im bevorstehenden Winter ihre ganze Kraft auf die Zolltarifdebatten im Reichstag konzentriren wolle. Wenn die Tischrede des Kbrru v. Thielen richtig wiedergegeben ist, würde seine Ankündigung m der Thal die Bedeutung eines klärenden Ereignisse^ haben, als das sie heute von den Freunden der Ealvorlage gefeiert wird. Es ist nicht ausgeschlossen, Satz d,e Entscheidung zu Gunsten der alsbaldigen Wieder- ^ubnngung des Gesetzentwurfs in der Konferenz gefallen 'st- dw Graf Bulow mit dem Kaiser kurz vor dem Antritt der üblichen Nordlandsreise hatte, immer vorausgesetzt, datz die Vorlage wirklich bereits in diesem Winter einqe- bracht werden soll.

stissenen. Man kann gut und gern rechnen, daß die Halste dieses Heeres kampfunfähig geworden ist.

Ungeheuer sind auch die Kosten des Krieges Der Krieg gegen Napoleon in den Jahren 1813/1814 hat die

SnÄrr 2880 Mark gekostet, der Krimkrieg

1600 Millionen; der Burenkrieg hat schon jetzt so viel ivie diese beiden Kriege zusammen, nämlich weit über Vwr Milliarden verschlungen. Noch schlimmer aber ist die politische Einbuße, welche England durch diesen Krieg erlitten hat, denn es hat hierbei nicht nur sein mili- «irisches Renommee eingebüßt, sondern es hat auch in Asien überall an Terrain verloren, vor Allem in China und in Persien, wo es von den Russen an die Wand ge­drückt wurde. Und noch schlimmer als die finanzielle.

Lehrerschaft und bürgerliches Gesetzbuch.

Vor einigen Tagen wurde in verschiedenen Blättern mitgetheilt, daß der Magistrat von Hannover den c artigen Lehrerkollegien aus eine entsprechende Eingabe die beruhigende Versicherung gegeben hat, die in der Lehrerschaft wegen der Haftpflicht auf Grund des bürger- lichen Gesetzbuchs ausgesprochenen Befürchtungen müßten für sehr übertrieben gehalten werden. Es bleibe abzu- warten, ob auf Grund jener Gesetzesbestimmungen An­sprüche an die Lehrer gestellt und von den Gerichten wür­den anerkannt werden. Sollte ein solcher Fall emtceten so wurde der Magistrat die Schadloshaltung der be- trestenden Lehrer erwägen; er ersuche deshalb die Lehrer­schaft, sich auch in Zukunft der Leitung von Schul- licht zu entziehen. Nun können wir jedoch !'j b st sin den, daß diese Auskunftsertheilung die ihr zuge­schriebene Beruhigung zu gewähren vermag. In anderen Städten denken die Behörden vielleicht anders, und wie E damit auch stehen mag, jedenfalls kommt Alles auf die Spruchpraris der Gerichte an, auf die selbstverständlich irgend welche Erwägungen von Magistraten keinen Ein- fluß haben können. Thatsache isst daß die Haftpflicht des Lehres auf Grund des 8 832 des bürgerlichenGesetzbuches gerichtlich bereits anerkannt worden ist. (Der Paragraph lautet m der Hauptsache: „Wer kraft Gesetzes' zur

Führung der Aufsicht über eine Person verpflichtet ist, die wegen Minderjährigkeit oder wegen ihres geistigen oder körperlichen Zustandes der Beaufsichtigung' bedarf, ist zum Ersätze des Schadens verpflichtest den diese Person einem Dritten widerrechtlich zufügt. Die Ersatzpflicht tntt nicht ein, >venn er seiner Aufsichspflicht genügt, oder wenn der Schaden auch bei gehöriger Aufsichtsführung entstanden sein würde.") Ein Lehrer einer Berliner Schule wurde zu 80 Mk. Schadenersatz verurtheilt, weil ein Junge bei einem Ausflug in den Zoologischen Garten eine werthvolle Ente durch einenSteinwurf getödtet hatte Ein Schüler des Stolper Gymnasiums, der Sohn eines Majors, verunglückte vor längerer Zeit beim Turnen, indem der von ihm zum Hochsprung benutzte Stab zu­sammenbrach, als er gerade auf der Höhe des Sprunges war. Der Sturz hatte einen doppelten Bruch des einen Oberarms zur Folge. Der Vater forderte nun von der Stadt Ersatz der Kurkosten in Höhe von 291 Mark Die Stadt fühlte sich aber zur Zahlung nicht verpflichtet, da nach Aussage des Magistrats bezüglich der Gerüche Alles geschehen ist, um llnglücksfälle zu verhüten. Da auch nach Ansicht des konsultirten Rechtsanwalts die Sache für die Stadt nicht aussichtslos ist, soll eine rechtliche Ent­scheidung herbeigeführt werden. Sollte die Stadt ivider Erwarten verurtheilt weren, so gedenkt sie, den betreffen­de Turnlehrer haftpflichtig zu machen. Solche Vor­kommnisse haben, wie inan weiß, die Lehrer nicht wenig beunruhigt. ' Manche Schulen gaben sogar die üblichen Sommerausflüge auf, da die Lehrer unter dem Eindruck dieser Rechtsprechung Bedenken trügen, die Verant­wortung für ihre Schüler zu übernehmen. Die Sache greift so weit, daß, wie wir aus der „Krefelder Zeitung" erfahren, der Deutsche Lehrerverein sogar schon ein Ab­kommen mit der Frankfurter Trans'portunfallversiche-

Einc merkwürdige Geschichte.

Eine Geschichte, die sich unmöglich so zugetragen haben kann, wird von einem Blatte im Westen erzählt. Weil "ber die Geschichte, obwohl sie bestimmt nicht wahr isst weithin Befremden Hervorrufen muß, wird es geboten sein, daß sie von zuständiger Seite als falsch bezeichnet wird. In Essen verurtheilte die Strafkammer vor Kurzem einen Polizeiwachtmeister zu einem Jahr Zucht« U,e i t br emm Schüler mit dem Gummischlauch ge* Ichchgen hatte, damit dieser „wahrheitsgemäß" leine Be- theuigung am Einwerfen einer Straßenlaterne gestehe. Auf eine niedrigere Strafe konnte die Strafkammer nicht erkennen da 8 843 des Reichsstrafgesetzbuchs nur Zucht- hallsstrafe bis zu fünf Jahren auf die Erpressung von Geständnissen durch Zwangsmittel setzt und mildernde Umstande nicht vorsieht. Auf den Antrag des Staats- 93entrtf)eilteit zu verhaften, antwortete d,e Strafkammer ablehnend, und zwar, wie es in dem be­treffenden Berichte heißt, „mit der etwas merkwürdigen Begründung, die Verhaftung sei unnöthig, weil der Ver­urtheilte doch begnadigt werden würde." Wir wieder- holen, daß ivir die Geschichte nicht glauben, richtiger ge­sagt, daß wir an die von der Strafkammer angeblich aus­gesprochene Begründung des Beschlusses der Nichtver- Haftung nicht glauben können. Aber da die Erzählung durch die deutsche Oeffentlichkeit geht, so wird es. wie ge­sagt, geboten sein, alsbald die Wahrheit über den Vor- fall bekannt zu geben. Am zweckmäßigsten würde das durch die amtliche „Berliner Korrespondenz" geschehen, die dem Justizminister ja ebenso zur Verfügung'steht, wie seinen so häufig berichtigungslustigen Kollegen.

* Berti», 10. Juli. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung- veröffentlicht den Wortlaut der A n s p r a ch e, welche der außer­ordentliche Botschafter des Sultans von Marokko am Sonntag an den Kaiser gehalten hat. In derselben wird der Versicherung der Gefühle reiner Freundschaft und auf/ richtiger Zuneigung, die der Sultan für den Kaiser, sowie für di- deutsche Regierung hegt, Ausdruck gegeben und hervorge­hoben, daß es das stete Bemühen des Sultans sein werde, jene Zuneigung noch inniger zu gestalten und die Bande der fest ge­gründeten Freundschaft zwischen der Regierung des deutschen Reiches und Marokko noch fester zu schließen. Der Sultan gebe sich der Hoffnung hin. daß der jetzige Besuch des Botschafters beim Kaiser von dem beabsichtigten Erfolg begleitet sein werde, und daß er, der Botschafter, bei seinem Scheiden vom Kaiser mit Glück verheißender Wegzehrung versehen, seine Rückreise an- treten dürfe. Der Kaiser erwiderte Folgendes: Es gereicht mir zur Freude, Sie als außerordentlichen Botschafter seiner scherisischen Majestät zu begrüßen. Gern erblicke ich in Ihrer Entsendung einen neuen und dankenswerthen Beweis der freund­schaftlichen Gesinnungen, welche Ihr erlauchter Herrscher, dem ich meinen kaiserlichen Gruß durch Sie entbiete, mir und dem deutschen Reich entgegenbringt. Diese Gesinnungen werden von mir aufrichtig erwidert, und ich hoffe, daß die Wahl einer so hervorragenden Persönlichkeit, wie Sie, als Abgesandten be­sonders dazu beitragen wird, die guten Beziehungen, welche seit Langem zwischen Deutschland und Marokko bestehen, zu be­festigen und zu entwickeln.

Zu den vier Handelsattaches, welche im Interesse einer zuverlässigen Auskunftsertheilung über ausländische Be», hältniffe neue Absatzgebiete und Bezugsquellen den deutscheis' Generalkonsuln in großen Handelsplätzen beigegeben sind, sollen in nächster Zeit noch vier neue Handelsattaches hinzukominech' und zwar einer in Sydney, einer in Shanghai oder Yokohamä und zwei an europäischen Plätzen.

Die auf Grund des Gesetzes betreffs Versorgung der: Kriegsinvaliden und Kricgshinterbliebeneft- vom 31. Mai 1901 gewährten Zuschüffe bleiben nach einem Er-' laß des Finanzministers bei der Veranlagung zu den Steuern und anderen öffentlichen Abgaben außer Ansatz. >

* Die neue Todtenkopf-Brigade. Die Bildung einess Truppenkörpers mit dem gruseligen Namen „Todtenkopf«) Brigade" wird beabsichtigt. Das 2 . Leib-Husaren-Regimen^ dessen Chef die Kaiserin Friedrich ist, wird Posen, in dem es jetzt gegen 50 Jahre in Garnison gelegen hat, verlassen und nach Danzig übersiedeln, wo es mit dem 1. Leib-Husaren-Regimenst^ dessen Chef Kaiser Wilhelm ist, zu einer „Todtenkopf-Brigade^ vereinigt werden wird. Als Brigade-Kommandeur iss der'