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«». Jahrgan-.

Erscheint in zwei Nnsgnbc». - Bezngs-PreiS: durch den Bering so Pfg. monatlich, durch die Vost S Mk. SO Pfg. vierteljährlich sur beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

AKonrrenleu

Sluzcigen-PrciSr

Die einspaltige Petitzeile für locale ?l»zeiger 15 Psg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. - Jieclauien die Petitzcilc für Wiesbaden 50 Psg-. für Auswärts 1 Mk.

politische Neberlichl.

Es Yassiren auch noch angenehnw Dinge. Die Ein- jührung dev 4 5 - t ci g i 9 c it jiüdföl). tfci t 1 c u , bic nach dem Vorgänge Preußens alsbald von.mmt- lichen Bundesregierungen acceptirt wordei: sind, hat eine angenehme Ueberraschting für alle Diejenigen bedeutet welche von der wohlthätigeir Erfindung des Dampfrosses Gebrauch machen können. Mit den Eiseubahnreformcn geht es zwar langsam vorwärts, aber es geht doch vor­wärts. Zuerst wurde aus denl Retoiirbillet die sprach- reinlicherc Rückfahrkarte, da>m ist seht aus der drei-, hier-, fünf, und so weiter -tägigen Rückfahrkarte die 45-tagige Einheitsrückfahrkarte geworden. Und vielleicht erleben wir noch einmal die Zeit, lvo die gailzcil Tariffonder- heiten, die Rückfahrkarten und all die anderen Ausnahme- karten in die Rumpelkammer geworfen werden, um^ einem gleichmäßigen, aber eutsprechend verbilligten Tarif Platz zu machen, bei dem die Eisenbahuverwaltuugen ebenso auf die Kosten kämen als bisher, der Staatsbürger aber, meine Reise thut", nicht eines besonderen Fahrkarten- studiunis benöthigte. _ ,

Roch eine andere Reform ist fetzt zur That oder viel­mehr erst zum Beschluß geworden, denn zur Tlwt wird sie erst am 1. Januar nächsten Jahres werden. Wir meinen die Reform der G e iv e r b e g e r i ch t e, die nunmehr auch die Zustimmung des Bundesraths gefunden hat. Die Kämpfe, welche sich um die Reform der Gewerbe­gerichte, deren einigungsamtliche Thätigkeit durch das neue Gesetz eine wesentliche Förderung erfahren wird, abgespielt haben, sind erheblich heftiger gewesen, als es der Bedeutung der von den Gegnern des Gesetzes sehr übertriebenen Reform entsprach.. In mehr als zehn­jähriger Praxis haben die Gewerbegerichte Nützliches und Gutes geleistet. Wir haben gar keine Besorgniß vor der Bilanz, die man nach abermals einem Jahrzehnt über das Kredit uiid Debet der Gewerbegerichte ziehen wird.

Weniger günstig sind die Erfahrungeii, die man zur Zeit mit einer anderen Reform macht, der man nnt großen Hoffnungen entgegengesehen hat. Anläßlich des G u m b i n n e r M i l i t ä r p r o z e s s e § hat man die unliebsame Entdeckung gemacht, daß bei der Reform der Wlitärstrafprozeßordnung noch mancher Haken zurück­geblieben ist, den man entweder inl Eifer des Paria- mentarischen Gefechts übersehen hatte, oder der slch lewer nicht aus dem Wege räumen ließ. Der Gumbinner Pro­zeß hat manche recht sonderbare Erscheinungen gezeitigt und der bisherige Verlauf des Prozeßverfahrens hat nicht dazu beigetragen, das Militärstrafverfahren populärer zu machen. Die Militärbehörden hätten Ur­sache, sich mit der Frage zu beschäftigen, ob in dein Gum- binner Fall Alles so zugegangen ist, wie es hätte zugehen sollen Auch in Bezug auf die A u t o m o b i l f a h r t P a r i s - B e r l i n lväre eine solche Erwägung recht an

gebracht. Ein Automobil mag eine recht schöne Sack)e sein, aber sicherlich nicht, wenn man darunter liegt. Die Knochen des Staatsbürgers sind zu besseren Dingen gut als dazu, von siegeslüsternen Automobilisten zu Brei zer- inalmt zu werden. Selbst in Frankreich hat man trotz des Sieges der französischen Automobile' ein Haar m diesen Rennrasereien gefunden, lind man will dieser männermordeudenAutomobilmachung" in Zukunft ein Ziel setzen. Heißt es jetztEile mit Weile", so wird man in Zukunft hoffentlich sagen: Kvmm langsam zum Ziele per Automobilei ,

Langsam, aber sicher scheinen die Machte auch m China zum Ziel zu kommen, d. h. zu dem Ziel, das die Mächte sich allmählich aus den chinesischen Angelegen­heiten Herauswickeln. Wir werden dabei freilich nur aus dem Gröbsten heranskoinmeu, denn die sogenannte chiuesisckie Frage ist niit der offiziellen Beendigung der akuten chinesischen Wirren nichts weniger als gelost. Die chronischen Wirren in China werden auch nach dem Ab­zug des Gros der internationalen Truppen noch fort- dauern, und wir werden froh sein müssen, wenn es wenigstens eine geraume Zeit mal heißen w,rd: Nicht-

Neues vor Peking! _

Nichts Neues aus S ü d a f r 1 1 a ! _ So hegst es in England. Aber es hat seine guten Gründe, wenn es so heißt. Siege und Erfolge hat die englische Kriegsleitung nicht zu u,eiben, und Niederlagen und Mißerfolge behalt Lord Kitchener für sich, denn er hat ein zartes Geuuith und ist deshalb beflissen, deni englischen Volke kein Un­gemach zu bereiten und vor Allem die englische Re­gierung vor dem Mißmuth des englische» Volkes zu schützen, lind trotz alledem verhehlt sich der englische Bürger die Thatsache nicht mehr, daß es auf dem süd­afrikanischen Kriegsschauplatz faul mit England Zieht. Das Verlangen Lord Kitcheners nach neuen Vecstarkuu- gen spricht weit deutlicher als alle schönfärberifcheu Be­richte der englischen Kriegsleitung. Wie lange wird sich das englische Volk noch diese lügnerische Kriegsbericht­erstattung gefallen lassen, die aufs Haar der französischen Berichterstattung im Kriege 1870/71 gleicht? Wir fürchten, noch recht lange!

Anstand.

lSckikuk a. d. Abend-Ausgabe.) (Nachdruck verboten.)

Meine Erbschaft.

Skizze von Schulte vom Brühl.

,,'Hast Du denn gar keine Ahnung, wer wohl von Deiner Verwandtschaft der Erblasser fein konnte?"

Keine blasse Idee! Es müßte denn so was wie em entfernter Onkel auf Haus Bergen fein, von dem nur mein Vater früher einmal erzählte und der m jener Gegend ivohl arlgesessen gewesen fein könnte. Ich habe nur über ihn in Erfahrung gebracht, daß er Morgens die fünf Fingerspitzen der Rechten ängstlich ins Wasser ge­tunkt, sie dann gegen das Angesicht gedrückt und daraus das Gesicht mit einem Handtuch abgerieben habe. Diese Prozedur habe er als feine Morgen Wäsche bezeichnet. Daun war hin und ivieder auch die Rede von einem mir persönlich ebenfalls ganz unbekannten Vetter Johann, der init seiner dicken Frau irgendwo im Münsterlande gesessen sei. Diese dicke Frau habe die Wirthschaft schneidig geführt, er hingegen sei fast nie aus seinerOfen- ecke hervorgekommen. Dort rauchte er den ganzen Tag aus seiner langen Pfeife, ließ sich ab und zu von seiner Tvchter etwas auf dem Klavier vorklimpern und las die Kölnische Zeitung" vom ersten bis zum letztenBuchstaben. An Geist hätte er natürlich nicht allzuviel aufzuwenden gehabt, aber obgleich er niemals Soldat gewesen, habe er doch auf das Genaueste gewußt, wo dieses Pionier-, jenes Infanterie-Bataillon oder die so und so vielste Train-Abtheilung in Garnison gelegen oder gestanden

Der war's!" rief meine Frau mit Bestimmtheit. .Seine Frau, seine Kinder werden gestorben sein, und närrisch, wie er doch gewesen. Iffii 8Nk, hat W Dich km

* Oesterreich - Ungarn. Wie aus B u d a p e st berichtet wird. hat die ungarische Negierung be­schlossen, den an der Westgrenze Ungarns gegen Nieder-Oesterreich gelegenen Neusiedler See trocken zu legen und somit einen Flächenraum von 385 Quadratkilo­metern für Kulturzwecke zu gewinnen. Die Entstehung des Sees fällt erst in das 13. Jahrhundert, da der Rohrsumpf Hansag die ihm zuströmenden Gebirgswäffer nicht mehr auf­nehmen konnte, die sich dann stauten, zurückströmten und dt« um­liegende Niederung unter Wasser setzten. Nach einer Urkunde aus Forchenstein trat diese Katastrophe im Jahre 1230 ern, und sechs Dörfer gingen dabei zu Grunde. Seither hat der See im Laufe der Jahrhunderte seinen Waffcrstand viele Male ge­wechselt; er war zeitweilig ganz ausgetrocknet und bebaut, zeit

Gutsbesitzer machen wollen

Zweifel mehr." c . r . . u r ..

Die Furcht meiner Frau, daß ste den Annehmlich­keiten der Weltknrstadt den Rücken wenden und mit nur in eine gottverlassene Einöde ziehen müsse, raubte, ihr fast ganz die Freude an unserem künftigen Besitz. Aber im Laufe zweier Tage ging doch durch kluge Politik inemer- seits eine merkliche Wandlung in ihr vor. Em in Aus­sicht gestelltes Ponhgespann und das Versprechen, daß wir alljährlich einige Wintermonate in einer großenStadt oder aber an der Riviera verbringen würden, brachte dies zu Stande. Auch mein Töchterchen war bald Feuer und Flamme für die Umgestaltung unserer Verhältnisse, da ich ihm die Wartung des Hühnerhofes und die Ertrag­nisse desselben feierlich versprach. Waltrud hatte ja- schon immer rustikale Anwandlungen gehabt, indem sie früher behauptete, keinen Andern als einen Gutsbesitzer dereinst mit ihrer Hand beglücken zu wollen. .

So waren wir uns denn in der Hauptsache enng und begeisterten uns immer mehr für die Geschichte. Und als ich am dritten Tage zu Gerichte zog, da sagte meine Frau noch an der Hausthür:Geh' denn in Gottes Namen, Schatzi, und erledige alle Formalitäten recht ordentlich. Und wenn ich denke, wie nervös und abgearbeitet Du manchmal bist, dann ist's am Ende doch als ein Gluck zu betrachten, daß uns das Gut in den Schooß siel."

Es war noch das frühere, niedere und altersschwache Gerichtsgebäude. Mit vieler Mühe fand ich mich nach dem besümmten Zimmer zurecht und überreichte im Vorraum dem Schreiber, einem würdigen Manne, meine Vor-

^^Jch wollt' erst gar nicht glauben, daßich geerbt haben könnte", sagte ich. Er lächelte.Oh , Keß er sich vernchmen,wir bei derErbschaftsabtheilung müssen dos öfter erleben. Wir sind eben die Einzigen bei Ge­richt. MeJjttjsik w ieder gnL mol sm otmeMme Uebsr-

weilig so groß und fischreich, daß man außer der Versorgung des Wiener Fischmarkts die Schweine mit Weißfischen und Karpfen fütterte. Im 19. Jahrhundert war der See bis 1866 ganz ausgetrocknet, im Jahre 1869 stieg das Waffer Ivieder und erreichte im Jahre 1884 den höchsten Stand.

* Großbritannien. Unter dem Titel:Ein fach­

männisches Urtheil über die englifci)« Flotte" schreibt der Lon­doner Mitarbeiter derM. N. N.": Lord Charles Bcresford, das eirkant terrible der Admiralität, , der schon einmal eine Flottenagitation gegen di- Behörde siegreich zum Ziel geführt hat, macht wieder viel von sich reden. Die Admiralität hat ihm letzten Herbst die zweite Kommandostelle im Mittelme-r-Äe- schwader übertragen und glaubte offenbar, ihm damit den Mund gestopft zu haben. Der Artikel 682 derKings Regulaticns" verbietet jedem Angehörigen der Flotte,an irgend eine Zeitung über Dinge, die mit dem Marinedtenst Zusammenhängen, zu schreiben, in einer Zeitung oder Zeitschrift irgend etwas darüber zu veröffentlichen oder direkt oder indirekt veröffentlichen zu lasten". Trotz dieser Vorschrift konnteDaiky Mail" einen, 10. Juni datirten Brief des Admirals veröffentlichen, der zu- giebt, daß die weitverbreitete Befürchtung, das Mittelmcer- Geschwader sei nicht stark genug und nicht kriegsbereit, berechtigt ist. Der Admiral erklärt darin,er hege die schwerster. Befürchtungen, wenn er an die g e r i n g e Stärke und die mangelnde Kriegsbereitschaft des M i t t e l m e e r - G e s ch w a d e r s d e n k e" und er versichert, er habe diese Ansichten in so kräftigem und deutlichem Englisch, als ihm zu Gebot stehe, den zuständigen Behörden mitgetheilt." Auf eine Anfrage im Parlament antwortete der Martnemtnister, der Brief sei jedenfalls ohne Genehmigung des Admirals publt- zirt worden; man könne ihn, keinen solchen Bruch der Disziplin zutraucn. Die Admiralität habeseine Mittheilungen in ernsteste Erwägung gezogen, beabsichtige aber nicht, ihr Resultat bekannt zu machen." Die Antwort befriedigt wenig; b«nn es ist ein offenes Geheimniß, daß der Admiral den Brief an ein Mitglied der Flotienliga richtete und sein- Veröffentlichung voranssah. Er nahm wahrscheinlich an, daß seine Dienstberichte einfach in den Papierkorb wandern würden, und er will nun durch An­rufung der Oeffentlichkeit einen Druck auf die Admiralität aus- Uben. Seine Freunde versichern, daß Lord Beresfords Ansichten thatsächlich von allen Seeoffizieren geiheilt werden und daß er Schritten der Admiralität gegen ihn mit größter Gelassenheit entgegensetze.

* Serbien. Aus Belgrad, 1. Juli, wird uns ge­schrieben: Bon offizieller türki.her Seite werden jetzt beschwich­tigend- Darlegungen über die Lage in Alt-Serbien verbreitet, indem es Heißt, daß die Unzufriedenheit, die unter den Arnanien geherrscht habe, beigelegt worden sei. Solche Erklärungen wollen bas europäische Publikum, schon aus finanziellen Rücksichten, beruhigen, ein besonderer Werth aber darf ihnen nicht bcigelegt werden. Augenblicklich mögen sich ja die Wogen der Aufregung etwas geglättet haben, der Eifer jedoch, den die Hohe Pforte an den Tag legte, um die Wünsche der eingeborenen Bevölkerung zu befriedigen, beweist am besten die Schwäche der türkischen 'Re­gierung' und rechtfertigt alle zu Tage getretenen Bedenken. Mag man sagen, was man will: der Zustand der türkischen Provinzen auf dem Balkan ist dazu angethan, di- Freund- des Friedens mtt Besorgniß zu erfülle». Makedonien befindet sich in voller Währung, und Rußland hat der Türket gute Rathschläge ge­geben wie sie sich vor der Hand- de» Unruhen grzenuber r:r-

raschung bereiten. Und so ein Waldbesitz, na, das ist am Ende kein Pappenstiel."

Der Amtsrichter war noch nicht da. Mich aber plagte eine begreifliche Unruhe, und ich fühlte, wie nur der Schweiß ausbrach. Außen aus der Straße wurde ich noch eine Weile ans und nieder gehen, bis der'öen: Ge­richtsrath käme, beschied ich den Mann. Aber au.y nn Freien lvollte die Ungeduld nicht von mir weichen, -so war ich froh, wie im Gerichtsgebäude ein Fenster au;ge­rissen wurde, ein winkender Arm auftauchte und Der Schreiber vernehmlich meinen Namen über den Platz schrie.Er ist da!" tönte es weiter.

Als ich in die muffige Amtsstube mit ihren Akten- repositorieu eiutrat, entpuppteer" sich als ein mir per­sönlich bekannter, liebenswürdiger älterer Richter.

Es thut mir leid, daß ichJhneu die Lauferei machen mußte, aber dieOrdnmig will es nun einmal so ,

l'gt^'pitte. um so eine Sache läßt man sich die gericht- siche Umständlichkeit schon gerne gefallen", entgegnete ich lächelnd. Er deutete auf einen abgeschuppteu Lederstuhl. Ich setzte mich, er setzte sich und suchte in einem Akten.- sascikel hernm.Hm ja, Sie sind der und der Ich kenne Sie ja. Ihr Herr Vater lebt nicht mehr und ihre Frau Mama, Sie und fünf, hm, nein, sechs Geschwister sind seine Erben." ,

Aber die väterliche Erbschaft ist ja doch schon seit Jahren erledigt, Herr Gerichtsrath" wandte ich em. Und was hätte das mit diesem Waldbesitz zu thim?

Hat Alles seine Bewandtniß bei Gericht. Es hat sich da nämlich durch den Tod einer gewissen W'.ttwc Jo­hanna Sibilla Neukert in Butenhemeke erwiesen,

Ihr verstorbener Vater da noch eine Hypothek aus eiMM der besagten Wittwe Neukert gehörigen Grundstück stehen hat. Hm ja, und diese Angelegenheit mußte letzt .geppgeft werdend