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„Tagblatt-Haub" Nr. KKS0-bll.
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8ti wi^derholter^Aufnahme unveränderter Anzeigen in lurzen Ztoiichenruumen entiprechender Nachlaß.
Dienstag, 1 . Juni 1915
Abend.Ausgabe.
Nr. 250. * 63. Jahrgang.
Die neue Schlacht bei przemysl
Von Major a. D. M. v. Schreibershofen.
Nördlich von Przemysl war die Armee Mackensen keilförmig über den San in östlicher Richtung vor- gegangen. womit die Grundlage zu einer rauen Durchbrechung der frisch gebildeten russischenFront östlich des San gegeben -war. Das war für die R u s s e n in doppelter Hinsicht gefährlich. Ihr Widerstand, den sie ani unteren San noch leisteten und der die linke Flanke der polnischen Front sicherte, wurde bei weiterem Vordringen der Verbündeten unhaltbar. Außerdem wurde das Vorgehen der Verbündeten gegen Przemysl erleichtert. Die völlige Abschließung dieser Festung war nur noch eine Frage weniger Tage.
lim diesen Gefahren zu begegnen, haben die Russen st a r k e st > i; v t e auf diesem Teile des Kriegsschauplatzes versammelt und dazu auch die g a n z e B o s- p o r u s ar m e e aus Südrußland herangeholt. Die Bosporusarmee als solche ist a u f g e I ö st worden, und auch diejenigen Teile von ihr, die zunächst in Südost- galizieu am Dnjestr und Pruth eingesetzt waren, sind nach dem Mittellauf des San herangezogen. Auch von anderen Teilen des Kriegsschauplatzes scheinen neue Verstärkungen eingetroffen zu sein, so daß die Russen wieder über stärkere geordnete Truppenverbände verfügten. Mit ihnen sind sie zum Gegenangriff gegen die nördliche Flanke der über den Sanabschnitt vorgedrungenen Verbündeten vorgegangen. Es ist also eine neue Schlacht nördlich Przemysl in der Entwicklung begriffen.
Die russischen Gegenangriffe konnten bis auf einen Punkt überall abgewiesen werden. Nur bei Sieniawa gelang es ihnen, die Verbündetn wieder auf das West' ufer des San zurückzuwerfen. Sie waren aber nicht in der Lage, diesen vereinzelten, örtlichen Erfolg weiter anzubauen. Alle ihre Ubergangsverfuche s ch e i t e r- r c n, und die an den anderen Punkten unternommenen Angriffe wurden unter schweren Verlrrsten für sie abgÄviesen, und dies war schließlich auch für die Abteilung bei Sieniawa von entscheidender Bedeutung. Danach kann man annchmen, daß die russische Offensive vollkonmren zum Stehen. gebracht ist. Während der Nordftügel der Verbündeten seine Stellungen erfolgreich behauptete, setzten die übrigen Teile ihre Angriffs- bon^egimgen in östlicher Richtung fort, ein Zeichen, von welchem geringen Einfluß auf die Gesamtoperationen der russische Gegenangriff gewesen ist. Es ist dadurch möglich gewesen, die Eisenbahnlinie Przemysl- Lemberg bei Medyka unter eigenes schweres Artilleriefeuer zu nehmen und -dadurch auch die letzte Verbindung der auf den übrigen Fronten bereits gänzlich eingeschlossenen Festung Przemysl zu unter- binden.
Nach dem letzten Telegramni des deuffchen Hauptquartiers haben die deutschen Truppen sich auch am gestrigen Tage wieder näher an die Nord- und Nord- östfront h e r a n g e s ch o b e n, so daß dieEinschließungen inuner enger gezogen werden. Im W e st e n ist bereits schwere Artillerie in genügender Menge herangeschafft und hat den planmäßigen artilleristischen Angriff gegen die Fortslinie begonnen. Es kann deshalb mit einem baldigen Fall der Festung gerechnet werden.
Auch vom Süden dringen die Verbündeten immer weiter erfolgreich vor. Sie haben die Magiera-Höhe und den Höhenzug von Hufakow bereits erreicht und stehen nu r noch $ Kilometer von der Straße Przemysl-Lemberg entfernt. Weiter nach Osten hat die Südarmee des Generals v. Linsin gen bereits einen großen Teil der feindlichen Hauptkampfstellung in der Linie Drohobycz-Stryj erobert und den Gegner nach Norden zurückgeworfen. Um den Rest wird noch gÄänrpft. So sind die Verbündeten auf allen Seiten siegreich. Auch diese neue Schlacht bei Pr-emysl dürfte aller Voraussicht nach mit einem vollen Erfolge fiir die verbündeten Waffen enden.
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Die Einschkietzung von przemysl.
Berlin, 1. Juni. sKtr. Mn.) Nach einem Bericht der „Voss. Ztg." schreitet die Einschließung von Przemysl ständig kort. An der Südfront haben sich die Brlageriingstrupven den Anßenforts nunmehr auf S t u r m st c l l u n g genähert.
Der Zusammenbruch der russischen Gegen- Gffensive in Mittelgalizien.
Berlin, 1. Juni. (Ktr. Bln.) Die an der Linie D r o h o - bycz-Stryj-Dolina mit großen Verstärkungen begonnene russische Gegenoffensive in Mittelgalizien brach an dem Widerstand der deutschen und österreichischungarischen Truppen gänzlich zusammen und verursachte dem Angreifer bedeutende Verluste. Die Russen bezeigten trotz ihrer wiederholten Niederlagen und Verluste eine besondere Heftigkeit im Angriff.
Ruch Lemberg bereitet sich vor.
Br. Wie», 1. Jum. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Nach Meldungen aus Lemberg sind jetzt dort die an der Peripherie in Angriff genommenen Erdarbeiten, die strategischen Zwecke» dienen, plötzlich eingestellt worden.
Die Bureaus der Filiale der Russisch-Asiatischen Bank, die erst vor einiger Zeit ihre Tätigkeit in Lemberg er- efsnete, sind seit 12. Mar geschlossen. Ein Teil der Behörden ocs Generalgouvernements von Galizien wurde von Lemberg nach Zloczow verlegt. Die Verhaftungen von Polen, Ilkrarner» und Juden dauern ohne Unterbrechung fort. Der Führer der russophilen Ruthe- nen hat in Begleitung mehrerer Gesinnungsgenossen eine Erholungsreise (!‘?) nach Kiew angetreten.
Radom von den Russen geräumt.
Br. Wien, 1. Juni. (Etg. Drahtbericht. Ktr. Mn.) Die
in Petrikow erscheinende Zeitung meldet vom 28. Mai, daß die russischen Truppen Radom geräumt haben.
Verschlechterung der Lage der deuffchen Kriegsgefangenen in Rußland?
Br. Berlin, 1. Jum. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der „B. 3-" wrrd von einem Berichterstatter gemeldet: Petersburg, indirekt: Soeben geht mir der Wortlaut des jüngsten Befehls des Kommandanten des Moskauer Militärbezirks zu. In dieseni Befehl rveist der General Sondetcki alle Kommandanten von Gefangenenlagern darauf hin, daß hinsichtlich der deutschen Kriegsgefangenen, _ namentlich gefangener deutscher Offiziere, „keinerlei Erleichterungen oder Erbarmen geduldet werden kann."
Wie die Rusien die galizischc Bevölkerung behandeln.
W. T.-B Wien, 1. Juni. (Nichtamtlich) Aus dem Kricgsprefsequartier wird gemeldet: Wegen angeblichen Verrats haben die Russen 70 der ä lt e ft e n I u d e n von Sada-zora nach Rußland weggefchleppt. Die Veranlassung zu dieser Gewalttätigkeit hat die Auffindung eines Fern- sp r e.ch a p Par at es und da» erfolgreiche Feuer unserer Artillerie geboten. In Schipenitza wurden wegen Begünstigung und Benachrichtigung unserer Truppen 1-3 2 Häuser niedergebrannt. Der Ort ilst furchtbar geplündert worden.
Verheerendes Schadenfeuer im Palast des Großfürsten Nikolajewiffch.
Br. Wien, 1. Juni. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Im Palais des Großfürsten Nikolai Nikolajewiffch in Petersburg brach ein Brand aus, der erheblichen Schaden verursachte. An demselben Tage ereigneten sich in Petersburg noch mchrere rätselhafte Brände, so der Gebä'kde der Gendarmerieverwaltung.
Rumänische Knklagen gegen Rußland.
Bukarest, 1. Juni. (Ktr. Bln.) Der Bukarester „Uni Vers ul" vom 11. bez-v. 24. Mai äußert sich mit bemerkenswerter Schärfe über Rußland und sein Verhalten Rumänien gegenüber. Das Blatt wefft darauf hin, daß Rußland «kläre, -die rurnänischen Favderungen seien übertrieben, Rumänien könne bezüglich der Bukowina keinerlei Zugeständnisse von Rußland erwarten, und daß auch das Banat Serbien müsse Vorbehalten bleiben. Es sei Zeit, daß man in Rumänien wisse, daß Rußland nicht so sehr Rumäniens Hilfe brauche, wie angeiwmmen -werde. Demgegenüber führt das genannte Blatt auS:
„Wenn es eine Macht gibt, über deren Slbsichien vollständig aufgeMrt zu sein em-r wesentliche und schmerzliche Not- wendigkeii ist, so ist dies Rußland. Die Berührung -mit ihm -hat uns genug gekostet, alö daß uns noch gestattet sein könnte, unS rn Hoffnungen und Illusionen einschläfcrn zu lassen. Wir wissen aus der Vergangenheit, was die riffsische Hintansetzung unserer Aiacht, unseres Stolz-es, unseres Bewußtseins, wie auch unserer Bestrebungen bedeutet. Genau io -hat Rußland vor der Kette seiner schmerzlichen Ni-edevlagen im Jahre 1877 zu uns gesprochen, bis eines Tages unser ewig unvergessener König Karol von dem russischen Generalissimus buchstäblich augefleht wurde, er möge ihm, unter welcher Bedingung immer, mit seinem Heere zu Hilfe kommen. _ Wir erinnern uns aber, und dies noch zu gut, an das. was im Jahre 1877 diesem verzweifelten Ansuchen um Hilfe folgte. Von heute bis morgen vergaß Rußlaich nach dem Siege, von wo ihm die Hilfe kam, und entlohnte uns mit um )o mehr Geringschätzung, je wertvoller ihm unser Beistand war. Wie wir also ersehen. wiederholt sich die Geschichte ver- ' blüffend ähnlich. Heute weniger als je kann uns gestattet sein, einen einzigen Augenblick daran zu zweifeln, mit wie oielRecht, Klugheit und rumänischer patriotischen Vorsicht der König Karol über die Dinge und Umstände geurteilt hat, als er gegenüber dein übermütigen Znmvorscheink-o-mmen der pamlawistischen Politik mit der ganzen straft seiner großen Seele, mit seinem lichtvollen Verstand als doppelte Ehre und Daseinspflicht anprieS, unfern internationalen Verpflichtungen treu zu -bterben."_
Der Krieg gegen England.
Zeppeline in unmittel'oarer Ratze Londons! viele Brände.
W. T.-B. London, 1. Juni. (Nichtamtlich. Reuter.) Das
Prcssebureau gibt bekannt: Über Ramögate, Brentwood und einiacu anderen Orten in unmittelbarer Nähe Londons
wurden Zeppeline gesehen. Biele Brände brachen aus, doch lässt sich nicht mit Sicherheit scsfftcllcn, ob die Brands mit dem Besuch der Luftschiffe im Zusammenhang stehen.
Zum letzten Zeppelinangriff auf Southend. Berlin, 1. Juni. Die Wut der, englischen Presse über den ltzten Z epp elinangriff auf So ul y- e n d, bei dem eine dort zu Besuch weilende Dame getötet -wuröe, hat, wie der „Voss. Ztg." aus Amsterdam gedrahtet -wird, durch die Leichenschau eine eigenartrge Beleuchtung erhalten. Es stellte sich nämlich heraus, daß die Frau durch einen Granatschuß aus em-em e n 3° lischen Ballonabwehrgeschütz getötet wunde.
Lin rustijcher Segler versenkt.
VT. T.-B. London, 1. Juni. (Nichtamtlich.) Der russisch- Segler „Mars" ist au der Nordküste von Schottland von einem deutschen Unterseeboot zerstört worden. Die Mannschaft bestieg ein Boot, das von dem Unterseeboot 40 Meilen geschleppt wurde. Sie landete in Aberdeen.
Oer Rücktritt Sir Eduard Greys bevorstehend.
Br. Stockholm, 1. Juni. (Eig. Drahtbericht Ktr Bln.) Der Gesundheitszustand Srr Edward Greys, der berei's seit einigen Wochen leidend, gibt Anlaß zu Besorgnissen. Der Leiter der auswärtigen Politik Großbritanniens ist auf den Rat der Arzte cingcgangen, sich auf mchrere Monate doll ständig von den Staatsgeschäften zuruckzuzrehen, wenn er sich nicht dcö Verlustes des Augenlichtes aus- setzeu will. Der Staatssekretär wird daher im Lause dieser Woche das Auswärtige Amt verlassen. Dre Leitung der auswärtigen Politik dürfte ;etzt an den Führer der Unionisten im Oberhaus, L a n s d 0 w n c, übergehen, der bekanntlich als Minister ohne PoAe- fenille in das Kabinett eintrat. Damit hatte die libc- rale Partei einen weiteren wichtigen Sch an dre Unionisten verloren.
Doch nur ein vorübergehendes Ausscheiden Greys?
Im Widerspruch mit der obigen Meldung steht die
folget^, ^ ^ London, 1. Juni. (Nichtamtlich.) Das Reuterbureau meldet amtlich: Grey wird auf den Rat der Ärzte die Arbeit für k u r z e Z e i t aufgeben, um den Augen Ruhe zu gönnen. Inzwischen wird Lord C r e w e die Angelegenheit der äußeren Politik übernehmen. Lord Lansdoivne wird ihm beistchcn.
Neue englische Unterstaatssekretärc.
W T.-B. London, 1. Ju-rri. (Nichtamtlich.) Lord Robert Ereile ist zum Unterstaatsfekr'-tär im Auswärtigen Amt ern-anint worden, der Arbeiterparteiler Brasse zum Unter- staatssekretär im Ministerium des Innern, Addison zum Untefftaatssekretär des Ministeriums für Munition.
W'-e es werter heißt, wind Lloyd George, wenn er vas neue Amt in Gang göbracht hat, den Platz mit McKenrm (dem neuen Schotzkanzler) lauschen. Das Gerücht, daß Asquith seinen Posten aufgibt und Lloyd George Premier- miliister werden würde, ist nicht ohne Grund.
Der Widerstand gegen die allgemeine Wetzrpflicht in England.
W T-B. London, 1. Juni. (Nichtamtlich.) „Daily Mail" schreibt: Das Land ist für die Annahme der allge
meinen Wehrpflicht noch nicht reif. Nur wenige machen sich klar, daß die breiten Volksschichten diese Maßregel zwei, fellos fürchten und mißbilligen. Das Matt erhält zahlreiche Briefe, die sich gegen die allgemeine Wehrpflicht au-rdrücken, besonders viele ans Irland. Die „Daily Ma,l' sagt weiter: Der schlimmste Feind der Wehrpflicht sind-die optimistischen Kriegsberichte. Der Verlust von Triumph" und „Majestic" in den amtlichen Berichten wird mit wenigen Zeilen abgetan. Gute Nachrichten werden aus. führlich, schlechte kurz behandelt. Das Ergebnis ist, daß die Öffentlichkeit schlechte Nachrichten übersieht, da sre in den nächsten Tagen durch die üblichen Berichte über den „deuffchen Rückzug" in Rußland und das englische Vorruckcn be, Bassöe usw. in Vergessenheit gebracht werden. Dre schwerwiegende Tatsache, daß deutsche Unterseeboote die Dardanellen erreichen und dort in zwer Tagen zwei vorzügliche Kriegsschiffe vernichten konnten, machte auf das Publikum daher keinen Eindruck.
Gegner der allgemeinen Wehrpflicht sind dann scheinbar berechtigt zu sagen, daß alles gut geht und keine Notwendigkeit für eine so riefgehende Maßregel vorliegt. — ^as Parteibtatt der Nationalisten „Frecmanns Journal in Dublin schreibt: Es kann in diesem Augenblick nichts
V e r-h ä n gni sv 0 II er e s geben als das Geschrei nach der allgemeinen Wehrpflicht. Es droht mit einem Schlag die Einheit des Volkes und den Burgfrieden der Parteteii zu vernichten. Die Wehrpflicht könnte nur nach bitteren Kämpfen mit den unglücklichsten Folgen cingeführt werden — Der „Economist" schreibt: Der preußische Mili
tarismus soll um jeden Preis vernichtet werden^ Was wird auS diesem hohen moralischen Ziele, wciin wir das System selb st annehmen, für dessen Zefftören man Hun- derbausende von Menschen und Hunderte von Millionen an Geld bereits geopfert hat? Die Koalition hüte sich, Zei- fiir die öffentliche Meinung zu halten.
