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t®. Jahrgang.

Erscheint tri zwei Ausgaben. BezugS-Prei-r durch den Verlag »« Pfg. monatlich, durch die Post S Mk. S® Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Perlag: Langgasse 27.

Abormemen«

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Moi*gen«ilusgaibe.

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Publikum und Eiseubuhnen.

einer der letztm Nummern desHamb. Corr." veröffentlicht ein Mitarbeiter eine Beobachtung aus einer- kurzen Eisenbahnfahrt, die im Interesse einer besseren Eisenbahnerziehung" vieler Fahrgäste eine weitere Ver- breitung verdient. Der Beobachter schreibt:

An einen: Maisonntag beschloß ich, zur Auffrischung meiner durch Stubenarbeit angegriffenen körperlichen und geistigen Kräfte, sowie zur Befriedigung meiner Borlrebe für die Entwickelung unserer deutschen Flotte einen Ausflug nach Kiel zu machen.

Es hatte in der Nacht geregnet, wovon der Schmutz der Straßen noch Zeugniß gab; aber die Sonne schien jetzt klar, und der Himmel versprach, unterstützt von einem steigenden Barometerstände, einen herrlichen Tag. In fröhlichster Stimmung, ohne jegliches Gepäck, wun­derte ich nach den: Bahnhof am Klosterthor, in der schlauen Berechnung, daß ich hier, wo der Kieler Zug be­ginnt, leicht einen guten Platz in einem noch nicht über­füllten Wagenabtheil finden könnte. Meine Hoffnung wurde nicht getäuscht; ich fand einWagenabtheil 2. Klasse noch unbesetzt und nahm einen Eckplatz ein, von dem ich unterwegs die Bahnumbauten in Hamburg beobachten and auf der Fahrt nach Kiel mich an dem Anblick der grünen Wiesen und Felder erfreuen konnte. Als ich mich behaglich in meiner Ecke niedergelassen hatte, schweiften meine Augen durch das Wagenabtheil, und ich erfreute mich an seinem äußerst sorgsam hergerichteten sauberen Zustande: Wände, Decke, Fußboden, die mit gestreiftem Plüsch überzogenen Polstersitze waren in tadelloser, staubfreier Verfassung, die Fenster blank geputzt, die Vor­hänge rein und glatt; Alles um mich herum war dazu »ngethan, die Behaglichkeit meiner Stimmung zu er­höhen, und ich hatte nur noch den einen Wunsch, daß ich entweder allein bleiben oder in gleicher Stimmung be­findliche, nicht zu zahlreiche Reisegesellschaft erhalten möchte.

Noch drei Minuten bi§ zur Abfahrt; schon hoffte ich, daß der Schaffner die Thür schließen und mein Wunsch in Erfüllung gehen würde; da erschien zuerst ein junger, elegant gekleideter Herr, der das Innere meines Ab­theils prüfend musterte und es für sich und seinen neuen hellen Sommeranzug geeignet befand. Ehe er den Wagen bestieg, blies er eine große Rauchtoolke aus seiner, wie ich mit gewissem Neid bemerke,: mußte, sehr würzig duftenden und mit einer Leibbinde versehenen Cigarre tn das Abtheil hinein, und ich konnte die Güte dieser echten .Havana auch daran erkennen, daß die auf die halbe Länge der Cigarre sich erstreckende Asche weiß und stramm m die Luft ragte. Jetzt stand der Herr in der Mitte des Abtherls und setzte sich nach kurzer Umschau mit einem l gewissen Ruck auf den Platz neben mir; bei diesem Ruck j

verlor die Cigarrenasche ihren Halt und rollte über die Beine ihres Eigners auf den Fußboden, ivo sie in viele Theile zerstob.

Gleich hinter diesen, Herrn erschien ein Elternpaar nnt zwei Knaben in: Alter von 4 und 6 Jahren und nahm auf der anderen Seite des Abtheils Platz. Die beiden Knaben waren aufs Beste sonntäglich hergerichtet, wozu allerdings ohne ihr und der Elten: Verschulden

die kleinen Stiefelchen nicht recht paßten, die sich auf dem Wege zum Bahnhof nicht die reinsten Stellen des Straßenpflasters ausgesucht hatten und daher mit einer recht ansehnlichen Schmutzschicht versehen waren. Die lieben Kleinen erhielte:, die beiden gegenüberliegenden Fensterplätze, damit sie sich durch Hinauseheu aus dein Fenster die Zeit vertreiben könnten; da dies in, Sitzen aber nur sehr schwer möglich war, wurden die Knaben von Vater und Mutter auf die Sitze gestellt, auf denen sie dann während der Fahrt vergnügt herumsprangen und die Pölstersitze binnen Kurzem in einen erschreckend unsauberen Zustand versetzten. Die Eltern sahen dies wohl nicht oder wollten den lieben Kleinen doch dieses Vergnügen nicht versagen.

Inzwischen war die Wagenthür geschlossen worden; mein Nachbar zündete seine ausgegangeneCigarre wieder an, warf das brennende Streichholz achtlos auf den Fuß­boden, zog eine Zeitung aus der Rocktasche und setzte, um den Genuß der Cigarre und der Zeitung durch eine recht bequenie Körperlage zu erhöhen, beide Füße auf die Kante des ihm gegenüber frei gebliebenen Polstersitzes; daß auch seine Stiefel die Spuren des Straßenschmutzes trugen und sich auf den, Plüschbezug abzeichneten, achtete er nicht.

BahnhofDammthor" war erreicht; die Wagenthür wurde geöffnet, und ein junger Mann in, Radleranzug setzte sich als siebente Person mir gegenüber, nachdem er mit turnerischer Gewandtheit über die Beine meines in die Zeitung versenkten Nachbars hinweggeklettert war. Als er Platz genommen, erzählte er uns Mitreisenden, daß er soeben auf dem durch den nächtlichen Regen schlüpfrigen Straßendamm n,it seinem Rade ausge­glitten und mit dem Rücken auf dasStraßenPflaster ge­fallen sei; er erbrachte für die Wahrheit dieses Mißge­schickes auch sogleich den Beweis, indem er uns seine übel zugerichtete Rückseite zeigte und sich dann erschöpft in die Polster seines Sitzes zurücklehnte.

Die beiden Knaben hatten der erregten Erzählung des Radlers erstaunt zugehört und warfen jetzt lieb­äugelnde Blicke auf den Korb, den die Mutter auf ihrem Schooß hielt. Die sehnsüchtigen Blicke fanden Erhörung, der Korb wurde geöffnet, die beiden .Knaben erhielten jeder ein Butterbrod; der Vater entnahm eine halbe Flasche Rothwein und ein Glas, und die Mutter wählte für sich eine Apfelsine, Die Familie mußte sehr zeitig aufgestanden sein, denn sie ergab sich der leiblichen Stär­kung mit großen: Behagen. Die beiden Knaben unter- suchten zunächst die Innenseite der Butterbrode und rückten das darin Vorgefundene Wurststück verschiedent­

lich hm und her, bis es nach ihrer Ansicht die richtige Lage erhalten hatte; mit den hierdurch recht glänzend ge- tvordenen Fingern zeichneten sie dann lachend Figuren auf d,e Fensterscheiben und wischten, als die auf Reinlich­keit bedachte Mutter ihnen dies verwies, ihre fettigen Fingerchen an den Hellen Fenstervorhängen ab. Der Bater hatte beim Einschänken des Weines wenig Glück gehabt: der Rothwein war bei der Bewegung des Zuges weniger in das Glas, als aus den Sitz und den Fuß- boden, ja sogar auf die Hellen Beinkleider des Durstigen geflossen; unmuthig hierüber entnahm er zum Trost aus dem reichen Inhalt des Butterbrodkorbes ein Ei, ivelches er säuberlich abpellte und mit Behagen verzehrte, nach- er ^ e Eierschalen auf den Fußboden geworfen hatte. Mein Nachbar, hierüber erschrocken, rückte heftig zur Seite und verlor dabei abermals die kunswoll lang er- haltene Asche seiner Cigarre. Die Mutter hatte iiatür- lich d,e Schalen der Apfelsine ebenfalls auf den Fuß­boden geworfen und ihnen die Papiere, in die die Butter- brode eingewickelt waren, zugesellt.

Altona Hauptbahnhof, nach Blankenese umsteigen!* Dieser Ruf wurde meine Rettung; meine iämmtlichen Reisegefährten verließen den Wagen, und ich war wieder allem. Was aber war in der Fahrt von zwanzig Minuten Dauer aus meinem reinlich und gemüthlich Vorgefun­denen Abthe:l geworden! Es sah geradezu erschreckend und ekelerregend aus, und ich beinühte mich, einen der vorübereilenden Schaffner und Stationsbeamten heran- 31 ,rufen, um ihnen dies Chaos in meinem Wagen zu zeigen. Die Beamten hatten aber große Mühe, in dem kurzen Aufenthalt von vier Minuten die massenhaft herandrängenden Reisenden in den Wagen unterzu- bringen, und hatten thatsächlich keine Zeit, meinem Rufe zu folgen. Was hätte es auch genutzt? In der kurzen Zeit von vier Minuten konnte dies voii Unsauberkeit strotzende Abtheil unmöglich gereinigt, ein neuer Wagen nicht eingestellt werden.

Viele Reisende sahen in das Abtheil hinein, schraken aber vor seiner Unsauberkeit zurück und suchten anders- wo einen besseren und sauberen Platz zu finden. Schon nahte die Abfahrt, da erschienen zwei Damen in tadel­losem eleganten Anzuge, die am Zuge entlang vergeblich nach Plätzen gesucht hatten und nun, im letzten Augen­blick, meines leeren Abtheils ansichtig geworden, athem- los emstiegen, worauf der Zug sich sogleich in Bewegung fetzte. Als die Damen nun Platz nehmen wollten nnd bei dem verwahrlosten Zustand des Abtheils thatsächlich nicht wußten, wo sie sich niederlassen sollten, ohne ihre schönen Sommerkleider arg zu beschmutzen, gaben sie ihrer ge- recksten Empörung über diesen Zustand unverhohlenen Ausdruck.^ Ich konnte ihnen, meiner angeborenen Liebenswürdigkeit folgend, zunächst nur meinen sauber gebliebenen Play anbieten und mich bemühen, die Eier- und Apfelsinenschalen, Papiere nnd Cigarrenasche mit den Füßen etwas bei Seite zu schieben. Als aber die Damen dann Platz genommen hatten, nachdem sie vorher ihre Taschentücher einigermaßen schützend gegen ihre

Feuilleton«

Das Buren-Musenm in Pretoria.

Ein Besucher dieses Museums, das Wenige kannten, erzählt darüber Folgendes: Man fand in diesem historischen Museum weder Kunstgegenstande noch Meisterwerke, sondern nur schlichte Erinnerungszeichen aus allen Epochen der Heldenkämpfe des Burenvolkes; aber diese Erinnerungen hatten gerade in ihrer Einfachheit etwas Großes. JmponirendeS. Ueber der Thür des Museums, die große Aehnlichkeit mit dem Eingang zu einem Mausoleum oder zu einem Gesängniß hatte, las man die Worte: .Staats-Museum" undZugang"; über einer anderen Thür standUik" in sehr großer Schrift, und darunterOut" in sehr kleiner Schrift. Dieser Unterschied ärgerte die Engländer sehr, denn die kleinen Buchstaben schienen die Geringschätzung, mit der sie im Transvaal behandelt wurden, zu versinnbildlichen. Unter den im Museum ausgestellten Gegenständen befanden sich Jamesons Revolver und der Sattel des berühmt gewordenen Abenteurers. Aber di« Aufmerksamkeit wurde durch weit ältere Reliquien gefesselt. Da war z. B. di« Bibel Piet Retiefs. Piet JJ****f öon französischer Herkunft und hieß ursprünglich Rotif. Seme Farm bildete den am weitesten vorgeschobenen Posten des Burenvolkes; er saß mit Frau und Kindern mitten mitrr den Zulus, um den Boden zu bebauen und sein Vieh zu züchten. Als aber die erste Hirseernt« gekommen war, überfielen dte Eingeborenen in großen Schaaren die Farm, legten Piet Retief in Ketten und zwangen sein Weib, ihnen einen großen Hrrsekuchenschmaus zu bereiten; den Kuchen wollten sie mit weißem Honig" so nannten sie den Jucker bestreut haben. Sie gaben offen die Absicht kund, nach dem Essen die Farm zu plündern, die Bewohner derselben zu tödten und die Ernte und das Vieh fortzuführen. Piet Retiefs Frau aber wehrte das Unglück von ihrem Hause ab, indem sie den für die Kuchen bestimmten Zucker mit Gift vermischte, wie es gegen die wilden Thiere angewandt wird. Die Zulus fanden alle den Tod und wurden von Piet Retief und seinem beherzten Weib« begraben. Da er aber di« Rache der Stammesgenossen der Er­

mordeten fürchten mußte, verließ Retief mit seiner Familie bie Farm und kehrte zurück in eine stärker besiedelte Gegend, wo er nicht mehr auf sich allein angewiesen war. Die Bibel, die man später im Museum zu Pretoria sah, war während seines ganzen abenteuerlichen Nomadenlebens seine treue Begleiterin gewesen. Ein interessantes Schaustück in diesem Museum bildete auch der seltsame Kalender, den irgend ein altertrekker" erfunden hatte. Es war eine viereckige Platte aus schwarzem Holz, die in hori­zontaler Richtung 7 Löcher aufwies, lieber diesen Löchern standen 7 Buchstaben: Z. M., D. W. D. V. Z., es waren die Anfangs­buchstaben der Wochentage in holländischer Sprache: Zondag, Maandag, Dingsdag, Woensdag, Donderdag, Vrijdag, Zatur- dag. Drei vertikale Löcherreihen, die beiden ersten mit vierzehn Löchern, die dritte mit 3, entsprechen den Tagen des Monats. An der rechten Seite der Platte befand sich noch eine vertikale Reihe mit 12 Löchern, die die zwölf Monate des Jahres be­deuteten. Um ein bestimmtes Datum zu erhalten, steckte man einen Nagel in das Loch des Wochentages, einen Nagel in das Loch des Monatstages und einen dritten Nagel in das Loch des Monats selbst. Das Exemplar dieses eigenartigen Kalenders, das man in Pretoria sah, gab mittels dieses Nagelsystems Donnerstag, den 5. Mai", an. Noch andere merkwürdige Sachen wies das Museum auf, so einen Brief aus dem Jahre 1796, d. h. aus den letzten Tagen der holländischen Herrschaft im Kaplande. Der Brief, den ein Bur von Swellendam an seinetheure und vielgeliebte Gattin" richtete, erzählt von be­vorstehenden Kämpfen mit den Engländern, die durch einen Kommissar die Kapitulation des Ortes gefordert hätten, und schließt mit den Worten:Als gute Mutter sorge für unsere Kinder, wem, ich nicht mehr heimkehre!" Der Brief hätte ebenso gut im Jahre 1901 geschrieben sein können! Unter den Kriegs­waffen, die im Museum zu Pretoria aufbewahrt wurden, gab es unter Anderem eine Kanone aus Weißblech, die von den Buren für die Belagerung von Rustenburg erfunden wurde. Diese Belagerung begann im Dezember 1880; die Besatzung der Stadt bildeten schottische Füsiliere unter dem Befehl des Hauptmanns Auchinleck. Am 24. Dezember 1880 erschienen die Auren.vor der, Stadt und fordertenim Namen der Negierung

der südafrikanischen Republik" die Uebergabe derselben.Ich kenne keine Regierung dieses Namens", erwiderte der englische Offizier. Eine Stunde später eröffneten die Buren das Feuer, und die . Engländer sahen mit Staunen, wie eine von Ochsen gezogene Kanone, oder vielmehr eine Parodie auf eine Kanone, sich der Festung näherte. Es war eine Reihe von Blechwalzen mit einem Reifen, die ein Hufschmied unter den Buren gebaut hatte und mit väterlichem Stolz ins Feld führte. Die Kanonen­kugeln waren von Stein. DieKanone" stand zuerst 2009 Meter vom Fort entfernt, aber die Kugeln flogen nicht so weit; man spannte daher die Ochsen wieder vor und schleppte die Kanone bis auf 600 Meter heran; jetzt versagte sie aber voll­ständig den Dienst. Nach einigen Tagen erschien sie jedoch wieder, feuerte 6 Schüsse ab und wurde abermals zum Schweigen ge­bracht. Der Hufschmied flickte sie aber mit großer Hartnäckigkeit von Neuem zusammen und brachte sie glücklich so weit, daß sie ^30 Kugeln hintereinander abfeuern konnte, ohne zu platzen. Das 'war dem Hauptmann Auchinleck zu.viel: er rief alle seine Sol­daten zusammen und fragte sic, wer mit Gefahr seines Lebens die Burenkanone in die Luft sprengen wolle. Alle ohne Aus­nahme meldeten sich, und ein gewisser John Meadow wurde aus­ersehen, das große Werk zu vollbringen. Mit zwei Dynamit- Patronen ausgerüstet, schlich sich John, als Holzhauer verkleidet, in das Lager der Buren, wo er sich für einen friedliebenden Mann ausgab, der von den Engländern mißhandelt worden sei. So oft die Buren ihre schadhaft gewordene Kanone ausbesscrn mußten und das kam fast jeden Tag vor, pflanzten sie dem englischen Fort gegenüber alsoptische Täuschung" einen mit Weißblech bekleideten Riesenbalken auf, um den Engländern die körperliche Schwäche der berühmten Kanone zu verheimlichen. Dieser Riesenbalken ward John Meadows Verderben. Er hielt die Weißblech-Masse für die richtige Kanone, schlich sich in stock­finsterer Nacht heran und zog das Gehwerk der Uhr auf, welche mit der Dynamitpatrone in Verbindung stand. Im nächsten Augenblick flog er sammt dem Balken in die Luft. Die Weiß­blech-Kanone der Buren nahm aber am folgenden Tage, zum größten Entsetzen der Engländer, die viel zu früh frohlockt, hatten, ihre ersprießliche Thätiakeit wieder auf. iBerl. Moraenp^.