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Erscheint in zwei Ausgaben. Bezugs-PreiS: Verlag: Langgasse 27. Auzeigen-Prei-r

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Der ewige Krieg.

Unser Londoner n-Korrespondent schreibt:

... Militärische Kritik der Kriegführung in Südafrika l,t länger kaum mehr möglich, und zwar, weil es fast an jeglicher Information über die Vorgänge auf dein Kriegsschauplätze fehlt. Die spärlichen Meldungen, die elntreffen, genügen aber, um selbst unter dein patrio­tischen Thiüle der Bevölkerung, d. h. also demjenigen, der blindliiigs Alles gntheiht, was Dir. Chaniberlain und seine kriegerischen Kapitalistenfreunde thun und lassen, nachgerade Bedenken hinsichtlich der militärischen Leistungsfähigkeit Englands zu erwecken. Dabei nnter- u^t es indes; keiner Frage, daß, falls sich nicht etwa Plötzlich das gefanmlte holländische Element Südafrikas erhebt, die gegenwärtig angeivendeten Methoden das Ende desKnegeS früher oder später herbeiführen müssen voraussichtlich ivird es jedochspäter" geschehen, denn »or Ablauf des sudafrikanisck)en Winters dürften die Engländer nicht viel ausrichten können, und selbst fanguinisch gestimmte Leute inachen sich auf weitere zwölf Monate des blutigen Ringens gefaßt. Was das Iwdentet, weiß man hier entweder nicht oder aber fügt och, ^e Lord Salisbury, voll christlicher Ergebenheit in dasUnvermeidliche". Zu letzterem gehört bei zwölf- monatlicher Verlängerung des Krieges eine Verlustliste Srn 1 100,000 Mann, ein Gefanimtanstoand von 250 Millionen Pfund Sterling und die vollstäiidige Verwirstung von zwei, wenn Nicht gar dreienglischen' Kolomeei,. Die Methoden Kitcheners sind darauf be- reapiet, die angeblich eroberten Territorien zu verivüsten, um dem Feinde das Leben in deiisclben uniiiöglich zu inachen. Dabei sind sie aber die langfanisten zur Be endrguirg des Krieges. Das schirellste und auch gebräuch- Ilchste Mittel pflegt die Besiegung der Hauptstrcitkraft eineL Feindes^zn sein, worauf ihm, so lange er noch ent- muthigt ist, ^riedensbedinguiigen gestellt werden Das nächstbeste Vorgehen besteht in der Verilichtung der ein- Solnen feindlichen Trnppenkörper, doch die Unterwerfung mit Hülse der vollständigeil Verloüstung eines Landes ist eine so langsame und erfordert einen solchen Grad der rlnmenschlichkeit dcii Richtkombattanteii gegenüber, daß ein derartiges Vorgeheii in moderneir Zeiten niminer- mchr von einem vonVeninnft und Hmnanität geleiteten Staatsmanne gebilligt werdeil könnte. Mr. Chiimberlain und seine Kollegen irn Minffterinm thaten das jedoch seit acht Monaten und sind auch, wie wir soeben von Lord Salisbury horten, entschlossen, ihren Brand- und Mord- bubenin Südafrika so lange freiesSpiel zu gestatten, bis vollbracht ist. Wie der Premierminister neu- dich erklärte, würde England geradezu die Angriffe aller Welt Herausforderin wenn es sich in Südafrika schwach zeigte respektive nachgäbe. Sein gegenlvärtiges Vor­gehen sei aber eine Warnung für Jedermann, daß es nicht ungestraft mit sich spaßen ließe. Die Engländer haben feinen Sinn für das Lächerliche, heißt es immer und Lord Salisbury hat das nun aufs Neue bewiesen! Nichts bewundert die Welt heute an de»i Eiigländern, als die scheinbare Unerschöpflichkeit ihrer Hülfsmittel, die allein sie davor bewahrte, schoii längst einem winzigeir Feinde gegenüber ihre Unfähigkeit und Schwäche einge

stehen zu müssen. Der Kriegsschauplatz gewinnt mehr und mehr an Ausdehnung und ist heute zweimal so groß als im Juni vorigen Jahres, wo Lord Roberts Pretoria erreichte. In dem ganzen riesigen Gebiete von Pieters­burg bis Calvinia in der Kapkolonie und von Mafeking bis Zululand ziehcii die Vurenssast ungehindert umher, belageni Städte uild greifen englische Streitkräfte an, wo immer sich geeignete Gelegeiiheit bietet. Dabei han­delt es sich aber gar nicht nur um einen einzigeir Krieg, sondern um deren zwei oder drei. In dem ersten han­delte es sich darum, der Invasion britischen Gebietes ein Ende zu machen und dem Feinde eine solche Niederlage beizubringen, daß er gezwungen würde, Friedensbe- dmgnngen anzunehmen, die lediglich die interne Unab­hängigkeit der Burenstaateii übrig ließen. Der zweite lvar bestimmt, den Buren auch noch jene interne Unab­hängigkeit zu rauben, und der dritte begann, nachdem Chamberlain die Friedensvorschläge Kitchenersver­bessert" hatte, und gilt der Einführung des Kronkolonie- systems im Transvaal und dein Oranjestaate.

Dentsches Reich.

* lieber die Verhaftung und inzwischen wieder erfolgte Entlassung des Verlegers und Herausgebers der deutsch- völkischen ZeitschriftOdin". Ignaz K u t s ch e r a in München, erfährt dieAugsburger Abendztg." Folgendes: An, 22. v. Pi. erschien die längst augekündigte. wortgetreue Uebersetzung der das sechste und neunte Gebot behandelnden Kapitel aus Liguoris Mvraltheologie, welche Uebersetzung der ehemalige Franziskaner­pater Josef Ferk, nunmehr altkatholischer Pfarrvikar in Graz, besorgt hatte. Die Uebersetzung wurde nach der vom Autor selbst verbesserten 6. Ausgabe seiner Tlieolog-ia moralis, erschienen in Bologna im Jahre 1763, vorgenommen. Sie citirt auf ihrem Titelblatt zwei . Aussprüche der Päpste, Pius IX. und Leo XIII. wörtlich wie folgt:Wir bestimmen und wollen,

daß alle Werke dieses. heiligen Doktors nicht allein privat,' sondern auch öffentlich in Gymnasien, Akademieen, Schulen vor­getragen, citirt werden. ... Pius IX., 7. Juli 1871."Was sollten wir sagen über dies Moralwerk, das berühmteste auf der Erde, das in der That eine sichere Richtschnur giebt. . . . Und was besonders bcachtenswerth ist . . . es können seine Werke alle von den Gläubigen ohne Anstoß gelesen werden. Leo XIII., 28. August 1879." Nach einem Vorwort folgt dann auf 15 enggedruckten Seiten die Uebersetzung der erwähnten Kapitel, sowie als Anhang Einiges aus dem KapitelVom Eidschwur"! Die Uebersetzung enthält sich im Gegensatz zur Graßmann'schen Broschüre jeder Schlußfolgerung und jeder Kritik. Nachdem das Erscheinen der Uebersetzung in der Presse angekündigt worden war, erschien im Aufträge der Polizeidirektion ein Beamter bei Kutschera und verlangte ein Exemplar der Ferk'schen Ueber- setzung, das auch ausgehändigt wurde. Am folgenden Tage er­schien im Aufträge der Staatsanwaltschaft abermals ein Be­amter der Polizei bei Herrn Kutschera und verlangte ebenfalls ein Exemplar der Uebersetzung. Als sich dann Kutschera am nächsten Tage Früh auf die Redaktion begeben wollte, wurde er auf der Straße von drei Kriminalbeamten abgefaßt, die ihn zu seinem Büreau begleiteten. Hier nahmen sie unter Vorzeigung einer Verfügung des Amtsgerichts München I die vorhandenen Exemplare der Ferk'schen Uebersetzung in Beschlag und ver­hafteten Kutschera auf Grund eines Haftbefehls. Kutschera legte sofort Haftbeschwerde ein, der auch stattgegeben wurde, worauf seine Entlassung aus der Haft verfügt wurde. Die Be­schlagnahme erfolgte auf Grund des 8 184 des R.-Str.-G.-B. Beanstandet wird der Text auf Seite 13:Welches sind die Arten der Fleischessllnden gegen die Natur", und auf Seite 18,

^ 19, 20 und 21:lieber die Nießung der Ehe." 8 184 des St.-G.-V. lautet: Mit Gefängniß bis zu einem Jahre und mit Geldstrafe bis zu 1000 Mk. oder mit einer dieser Strafen wird bestrafst wer 1. unzllchtige Schriften, Abbildungen oder Darstellungen feilhalt, verkauft, vertheilst an Orten, welche denv Publikum zugänglich sind, ausstellt oder anschlägt oder sonst ver­briet, sie zum Zwecke der Verbreitung herstellt oder zu dem- selben Zwecke. vorräthig hält, ankündigt oder anpreist: 2. un­tüchtige Schriften, Abbildungen oder Darstellungen einer Per» son unter 16 Jahren gegen Entgelt überläßt oder anbieietr

3. Gegenstände, die zu unzüchtigem Gebrauche bestimmt sind

wckche dem Publikum zugänglich sind, ausstellt oder solche Gegenstände dem Publikum ankündigt oder anpr«st:

4. offentlichc Ankündigungen erläßt, welche dazu bestimmt sind.

""Ks^llgen Verkehr herbeizuführen. Demgemäß nimmt di« Anklagebehorde an. daß die betreffenden Schriften des heiligen Liguori unzüchtige sind. v a

m c* Unhaltbare Zustande in Kamerun. Durch di« Ölungen der Hauptversammlung der Deutschen Kolonial- Gesellschaft ,n Lübeck sind wieder einmal die Zustände in Kamerun scharf beleuchtet worden. Die Ueberzeugung. daß die Schutztruppc für unsere nächsten Aufgaben dort ganz unzu­reichend isst dringt in immer weitere Kreise ein. Ihre Ver­doppelung ist das Mindeste, was erforderlich ist. Durch die Ver­träge mit England und Frankreich von 1893 und 1894 ist das nördliche Gebiet bis zum Tschadsee als deutsche Sphäre aner­kannt worden, aber trotz der verflossenen 7 Jahre hat Deutsch­land noch nicht das geringste Zeichen seiner Hoheit daselbst ge­geben, und französische Truppen aus dem benachbarten Schars- gebiet müssen auf deutschem Boden den Unruhen steuern. Diese Vorgänge finden nicht ihres Gleichen in der ganzen Kolonial- geschichte der europäischen Staaten. Wiederholt kann man aus französischen Veröffentlichungen den Spott heraushören über das Zurückbleiben der deutschen Kolonie Westafrikas hinter den anderen Besitzungen. Davon nur ein Beispiel; der Professor Lorin bespricht in seinem Buch:Afrika am Anfang des 20, Jahrhunderts" den französischen Eisenbahnbau an der Elfen- beinkuste und fügt hinzu:Allein das deutsche Togo, welches schlechte Verbindungen mit dem Meere hat, besitzt noch keine« Aufschließungsplan."

Ans Stadt und Fand.

W i e s b a d e n, 3. Juki.

'Kurhaus. Wie alljährlich, veranstaltet die Kurver­waltung am Jahrestage der Unabhängigkeitserklärung der Ver­einigten Staaten von Nordamerika morgen Donnerstag, den 4. Juli, ein amerikanisches National-Fest- k o n z e r t mit bengalischer Beleuchtung re.

Deutscher Verband Kaufmännischer Vereine. Zur

diesjährigen H a u p t v e r s a m m l u n g des zur Zeit 101 Ver­eine in allen Gauen Deutschlands umfassenden Deutschen Ver­bandes Kaufmännischer Vereine, die am 10. und 11. Juni in Coburg stattfand, waren 95 Delegirte von 64 Vereinen er­schienen. Als Vertreter der Reichsregierung nahm Herr Geh. Oberregierungsrath Or. zur. L. Wilhelmi, Vortragender Rath im Reichsamt des Innern, Theil, außerdem war die herzoglich coburgische Staatsregierung durch den Wirkt. Geh. Rath, Herr«' v. Wittken, Exc., die Stadt Coburg durch ihren Bürgermeister Herr» Hirschfcld, und die Handelskammern Coburg und Sonne­berg durch ihre Vorsitzenden vertreten. Die vom Verbands-Vor­sitzenden, Herrn Karl Ludwig Schäfer- Frankfurt a. M.. ge­leiteten Verhandlungen ergaben zunächst den einstimmigen Wunsch eingehendster mündlicher Befragung einer ausreichenden Zahl geeigneter Auskunftspersonen in der von der ReicP- regierung in dankenswerther Weise bereits in die Wege ge-

Fruilletarr.

Aus Kunst und Leben»

Aus den Kunstausstellungen.

Die moderne Richtung in der Malerei, die fast an allen Kunstcentren eine Scheidung der vorwärts Strebenden von der konservativen Akademiekunst zeitigte, hat Vielen ein tief ge­purzeltes Mißtrauen gegen alle Professorenwerke in der Malerei eingeimpft. Mau mag das manchmal bedauern, tveil auch durch das scheinbar wohlbegründetste Vornrtheil einmal ein Unschul­diger zu leiden hat. Aber verstehen kann man diese allgemeine Stimmung und sehr oft ist man versucht, sie ohne allen Vor­behalt für die richtige zu erklären. Wer da glaubt, nicht bei- siimmen zu dürfen, der sehe sich die, bei Banger ausgestellten Landschafisknlder von Professor I e r n b e r g-Königsberg ge­nauer an. Es ist eine ganz stattliche Zahl, und glaubt man Denn ersten und zweiten Bild noch das Werk einer schwachen Stunde, wie sie jeder Künstler hat, vor sich zu haben, so muß man bald elnsehen, daß man zu optimistisch war. Das sind sammt und sonders Werke schwacher Stunden, und dürfte ein Homer auch zuweilen schlafen, so wäre er doch eben nicht Homer w-nn er fortwährend geschlafen hätte. Da ist eineWinter­landschaft , m der der Schnee in der wahrheitsbaren, des- illusionirenden Art einer lasirtcn Zuckerschichie wiedergegeben ist in der das Firmament aus einer Unzahl Farben auf das Künst­lichste zusammenkomponirt ist, ohne trotz des Aufioandes an Mitteln nur im Entferntesten die Wirkung zu erreichen, die rchtes L?niU» mit ein paar Pinselstrichen auf hie Leinwaiid,,

zaubert. Da ist eineBirkenallee in Westfalen", ein Thema, bon dem man glauben sollte, daß es zur Entfaltung von großen Raumwirkungen geradezu zwingt. Aber nichts davon. Das Bilo muthet wie ein übertriebenes Beispiel gewisser Gesetze der Perspektive an, an dem schwerbegreifende Schüler durch die Uebertreibung dte elementarsten Grundsätze begreifen lernen sollten. Da ist ein BildMorgenreif", dem jede überzeugende Sprache der Stimmung fehlt, dort ein GemäldeMarine", das an Nüchternheit und Härte von Licht und Wasser das Mög­lichste giebt. In keinem der Bilder ist ein individueller Ton zu finden, ein halbwegs eigenartiges Gesehenhaben und Wieder­geben zu entdecken. Wie eine feine Satyre spricht es an, wenn man neben JernbergsWaldweg", der sich mit dem durch­fallenden Sonnenlicht vergebens abquält, unwillkürlich auf LeistikowsEinsame Boote" blicken muß. Dem, der den Unterschied zwischen einem schlechten und einem guten Bilde nie sehen konnte, der den Abgrund zwischen leerer Mache und echter Kunst nie empfand, dem muß hier das Licht der Erkennt- niß wie ein Blitzstrahl aufflammen. Trotz alledem dienen Jernbergs Arbeiten, allerdings ohne jedes eigene Verdienst, der­zeit bei Banger einem höheren Zweck. Sie lassen den Werth der gleichzeitig ausgestellten Werke von Leisttkow, Staffen, Völcker und Melly doppelt empfinden. Dafür kann man sich mit ihnen versöhnen.

Die gleichzeitig ausgestellten Studien von Leopold Baur- Paris geben kein genügendes Material, um ein halbwegs sicheres und abschließendes Urtheil über diesen Maler fällen zu können. Manches Flotte und Sichere in der Zeichnung erfreut, manches Unfertige stört an den Skizzen. .Studienkopf eines alten Mannes" zeigt, haß Bau; charaktex isire« kann, .bei de r Portra it-

zcichnung des Dichters Josef Laufs aber hat ihm diese Fähig­keit augenscheinlich versagt. Von Prof. Curt Stoeving- Berlin sind einige kunstgewerbliche Bronzen ausgestellt, an denen Manches ganz ansprechend ist, an denen man aber die Bedeutung, die man auf Grund anderer Leistungen Stoeving allerorts bci- mißt, kaum begreifen lernen wird.

Der Italiener V i g h i - Bologna, der imNassau- ischen Kunst verein (Museum) eine Serie von Land- schaftsbildern ausgestellt hat, weiß mit dem Pastellstift alle jene Wirkungen zu erzielen, die dem Pinsel Prof. Jernbergs ver­sagt sind. Dem Lichte folgt er, unterstützt von der toeichen Schmiegsamkeit seines Arbeitsmaterials, dis in die feinsten Töne, in die zartesten Tinten. Dabei vermeidet er die nahe­liegende Gefahr, weich und süßlich zu werden, fast vollständig. Im Gegentheil, er weiß dort, wo cs das Motiv fordert, eine Wucht und Kraft zu entfalten, die, angesichts des Auslebens in Feinheiten, an anderen Stellen überrascht. So ist daß Gemälde Sturm" von einer kraftvollen Lebendigkeit der Bewegung, einer gewissen Größe in der Darstellung der jagenden, sich drängenden Wolken, daß man fast einen anderen Künstler in seinem Schöpfer vermuthen möchte als den, der in dem BildeMorgen" die ge­heimsten Lichtspiele der erwachenden Sonne zu erlauschen weiß. Besonders verdienstvoll istMondschein-Poesie", das all« Zauber der Mondnacht lebendig werden läßt, ohne in die soiftk bei diesem Motiv üblichen malerischen Trivialitäten zu verfallen. In dem BildeMarine" sind Luft und Wasser prächtig gegeben,' während die Staffage, die segelnden Boote, wohl noch eine glück-, lichere Darstellung hätte finden können.Heiterer Morgen" » weniger lebendig, als die anderen Gemälde Bighis, und steK .ihnen an SjimoMgsgehalt mk Stärk« der Wi rkmmen «ach