Einzelbild herunterladen
 

1. Beilage Mi» Mestmüener Tagblatt.

Uo. 300. Abend-Ansgalre.

Ä . ,.. . _

*

»

* *

r

Zreh lieber des Blitzes grclllcuchtendeu Strahl Dem Haus veruichtciid umlodern.

NIs langsam, der Würmer willkommenes Mahl, -j. Die schwankenden Pfeiler vermodern, j _ F. Avenarius.

(2. Fortsetzung.)

(Nachdruck verboten.)

G«1 genaht.

Allgäuer Erzählung von Arthur Achleitner.

Gegen Mittag sprach Eugen abermals im Hanse des Sagmullers Nuef vor, diesmal in der Absicht, den Nach­bar selbst zu begrüßen, und schlankweg trat Fleschhut in dessen Wohnstube mit einem vergnügten „Guten Morgen!" auf den Lippeu.

Nicht eben angenehm überrascht, wendete sich der Müller, welcher am Erkertischchen mit Lektüre beschäftigt war, nach dem Besucher um und suchte rasch in unzweifel­hafter Verlegenheit Papiere und ein Büchlein zu ver­bergen.

„Nur ungeniert weiter schaffen!" lachte Engen

„Grüß Gott o! Was wollt Ihr? Was giebt's?" fragte brmnniig und verlegen Ruef, der Vater der un­sichtbar gebliebenen schwarzhaarigen Cilli.

„Mit dem linken Fuß aufgestanden, Vater Ruef, was? Kreuzfuchtig und svinngiftig am Hellen Morgen und bei lachenden! Sonnenschein! Haha! Na, werft nur den Nachbar und Huigart itt' 'naus!"

Ruef knurrte seinen Dank für den nachbarlichen Be­sicht ohne Beifügung einer Frage nach dem Befinden des Henngekehrteu, doch Engen ließ sich deshalb nicht aus der rosigen und ubermüthigen Feriallaune bringen. Im Gegentheil reizte des Alten Brummiqkeit zu neuer harm­loser Neckerei: „Händr wohl gar an schwarze Katz' gesehen in der Früh?"

„Ach was, schwarze Katz', vom Feuer hat mir ge­träumt heut' Nacht, und sellen Traum find' ich itt' im Buchet!"

Fleschhut pfiff durch die Zähne und setzte sich zum offensichtlichen Aerger des Sägmüllers an den Erkertisch. „Also Ihr sucht die Deutung des Traumes im Traum­buchs! Ganz gut; aber dazu muß nian g'studirt sein, lesen und deuten können! Laßt mal mich darüber, ich bin, Ivie Ihr wißt, ein gründlich G'studirtek!"

„Schon — aber ob Ihr vom Traumdeuten etwas versteht —?"

»Mit dem Büchel sicher! Also nur her damit!" Und flink zog Eugen das gelbe Heft vom „ehrwürdigen" Nostradamus mit dem vielverheißenden Titel: „Großes, vollständiges egyptisches Traumbuch nach alten, bewähr­ten Urkunden in zuverlässigster Weise zusammengestellt von Nostradamus" an sich, unbekünunert um die Ab- wehrversuche Ruefs, und begann zu blättern. „Also vom Feuer hat Euch geträumt, da müssen wir unter Buchstabe „F" suchen. Hat ihn schon! Hier steht die Weisheit wunderschön: „Feuer hell lodern sehen — unbedingtes ©liic! und Wohlstand, Liebe der Seinigen, Segen an Kindern!" — Ich gratulire, Herr Nachbar!"

„Ach was, Unsinn!"

„Na, erlaubet doch! In Euren Jahren, des Alters Silber auf dem Haupte und Segen an Kindern! Alle Achtung!"

„Die Nummer ischt die Hauptsache!" rief erregt Ruef.

„Was für eine Nummer?"

„Die Nummer der Traumbedeutung zum —"

„Huch! Capisco! Freilich steht eine Nummer dabei, und diese heißt: Es wird fortgesoffen!"

„Was?"

»Ja so! Was versteht der Kuhschwanz vom taroken!"

„Wie meint der Nachbar?"

„Nm vom Bierkomment weiß der ehr- und tugend­

den 1. Juli.

40* Jahrgang. löOli

fönte Hausvater natürlich nichts! Also § 11 gilt der Ziffer nach auch für Eure,: Glückstraum!"

„Nr. 11, hm, eine gute Nummer, aber die kommt itt' oft 'raus!"

„Schlagt den Ofen ein — der Nachbar spielt in der k. k. Lotterie! Artikel 57 des Polizeistrafgesetzes sagt: Mit Geld bis zu 160 Mark wird bestraft, wer in einer in Bayern nicht zugelassenenLotterie spielt. Das österreichische Lotto ischt in Bayern verboten. Der Herr Nachbar kommt da in Kollision und Strafe, so er angezeigt wird!"

„Ihr werdet doch itt' ?"

„Geht mich nichts an! Ich bin Ferienmensch und noch nicht dekretirter Amtsrichter! Etliche Wochen später wäre der Fall anders! Wollt Ihr Nr. 11 setzen?"

„Eine Numnier kommt itt' leicht heraus!"

„Hm! Hat Euch denn sonst nichts geträumt?"

„Freilich! Ganze Haufen Fledermäus' sind vom brennenden Haus weggeflogeit!"

„Wird immer besser! Suchen wir „Flederntaus" im Traumbüchel! Hat ihm schon! Pagina 42 „Fledermäuse sehen bedeutet zweifelhaften Erfolg in Geschäften, flatter­hafte Umgebung" —"

„Sell könnt' stimmen!" warf Ruef trocken ein.

„Dummes Zeug! Wer wird da auf ein Traumbüchel was geben! Nummer 6 hat dieser Fledermaus-Traum!"

„Taugt nix selle 6! Einschichtige Zahlen kommen itt' leicht heraus!"

Der Schalk spottete: „Versuchen wir es doch mit was Anderem, z. B. krumme Füße haben, he? Krumme Füße: Pagina 45, famose Nummer, Nachbar, ganz famos: 88!"

„Das wäre besser: 11 und 88. Die setz' ich ambo solo! Ich wett', die zwei Zahlen kommen 'rus!"

„Na, viel Glück! Setzt aber itt' zu viel! Ischt ein Unsinn!"

Mit Ruef war nichts weiter anzufangen, der Mann blieb im Bannkreis seiner Lotto-Kombinationen und wollte nicht länger gestört sein. Eugen wünschte daher „gesegneten Appetit", drückte sich in die Küche, um Cilli noch schnell zu begrüßen. Die Eßglocke am First des elterlichen Gehöftes rief Fleschhut dann aber heim.

Bei Tisch brachte Frau Fleschhut einige Vorwürfe an, die mit Bemerkungeir über spätes Hausverlassen, Hui- gartgehen gleich am ersten Abend, begannen und sich mäh­lich zu einer Warnung steigerten, nicht zu viel sich mit dem Sägmüller abzugeben, denn der Nachbar sei nach der Leute Meinung dem Lotteriespielteufel verfallm.

„Hui!" lachte Eugen, ^nun kann's gut werden!"

„Was meinst Du?"

„Na, ich han ihm zu zwei ausgezeichneten Lotterie- nummern verholsen!"

„Du, der künftige Strafrichter?"

„Freilich! Krumme Füß' und Feuer sehen, Kinder­segen! Nr. 11 und 88! Die Cilli hat sich schier krumm gelacht!"

«Aber, Eugen! Du treibst die Studentenscherze zu weit! Cilli ischt eine brave Föl!"

„Sei nur wieder gut, Muetti! Der Kindersegen geht ja den Alten an, der ischt Wittwer, eisgrau auf'm Schädel! Ich möcht' blos wissen, wie viel der Nachbar aus das dumme Spiel setzt!"

„Frag' lieber itt'! Man hört nichts Gutes über ihn! Er soll ganz närrisch viel Geld ins nächste Lottoamt über der Grenz' schicken! Vom Gewinn hört man nix!"

„Na, so dumm wird der Sägmüller kaum sein und den Leuten auf die Nase binden, wenn er was gewinnt. Viel schaut itt' heraus bei der ganzeir Geschichte!"

„So oder anders — ich meine, es ischt besser, Du meidest das Nachbarhaus! Huigarten können Bauern­burschen! Du, der Hochg'studirte solltest das lassen!"

„Aber, lieb' Muetti! Du sagst ja selbst: die Cilli ischt eine brave Föl! Ich huigarte ja nicht dem Alten, nur der Cilli! Und so viel häng' ich doch noch an Heimath und deren Gebräucheit, um mit zu leben wie's Brauch ischt im

lieben Allgäu! Du solltest es eher an mir loben, daß ich mir die Liebe zu Natur und Heimath draußen in bet: kalten Stadt bewahrt Hab'! Wie viele Buben vout Land vergessen das Heimathle, werden städtisch in Sinneit und Trachten, verlernen die Freud' an Natur und Volksleben! Gott bewahr' mir die Anhänglichkeit ans Vaterhaus, all Heimath und Landsleut'!"

Wie verklärt blickte Muetti auf den warmfühligeit Sohn, der innigen Tones seiner Heimathliebe so bered­ten Ausdruck zu geben verstand. „Du bischt brav, Eugen! Mir macht es ja Freud', Deine Lieb' zum Heimathle! Aber sell kann ich doch itt' verdrucke: In Huigart paßt eirf G'studirter nimme!"

„Na, für später mag die lieb' Muetti ja recht haben! Der Amtsrichter kann nimmer huigarten! Aber noch bin ich blos Nechtspraktikant, „frei ischt der Bursch", und die. Ferien möcht' ich schon durchkosten! Und die Cilli ischt ja so viel lieb' und nett! Schau, Muetti! Ich ha'n als Knirps gern mit des Nachbar Föl gespielt, gerauft, Hab' die Cilli gegen Lausbuben vertheidigt, bin für 's Maidli oft genug jämmerlich durchgeprügelt worden. Dergleichen haftet in der Erinnerung, ich kamt der Cilli itt' bös' sein!"

„Du bischt ein braver Sohn!"

„Grazias!"

„Wenn Du aber gar so scherwenzelst, mußt da die Cilli itt' auf andre Gedanken kommen?! Weckst Dir so itt' Hoffnungen? Hat der Herr Amtsrichter etwa die Ab­sicht, die Föl in die Stadt zu nehmen und zur Amts­richterin zu machen?"

Jetzt schwieg Eugen. An dergleichen Entwicklungen aus seinetn harmlosen, brüderlichen Verkehr mit der Nachbarstochter hat er wahrlich nicht gedacht.

„Siehst Du, Eugen! Dein Schweigen ischt die beste Antwort! Und scheint die Cilli noch so brav —"

„— einmal muß sie schlafen geh'n!" lachte im alten Uebermnth der unverbesserliche Schalk.

Unbeirrt führt die Mutter aus: „Es ischt am Maidli gar nichts auszusetzen, aber das «spielen vom Nachbar, das ischt eine bedenkliche Sach'! Wer weiß, wie schlecht Nuef bereits steht —!"

„Deswegen laß' ich mir keine grauen Härle wachsen! Komm' ich mal zunt heirathe, ich nehm' die Cilli, auch wenn sie nuit hat!"

„Das wird der Herr Amtsrichter gefälligst bleiben lassen! Wie viel der Nachbar schon im Lotteriespiel ver- than hat, ich weiß es itt'. Eine einzige verfehlte Holz­spekulation oder gar ein Brand kann den Mann ruiniren, dann ischt Cilli bettelarm."

Durch das offene Fenster der Wohnstube im Parterre strich ein Luftzug, welcher die Frau Fleschhut, die an Gicht zeitweise litt, veranlaßte, den Sohn um Schließung Fensters zu bitten.

„Gern, Muetti! Aber wir haben nun abgegessen und genug geschwätzet, im geschlossenen Raum sitz' ich zu Kempte mehr als gesund ischt, wünsche Wohl gespeist zu haben, ich druck' mich in Gottes freier Natur! Behüt' Gott, Muetti bis zum Abend!"

Und fort war Eugen, schnell wie der Wirbelwind.

Zum Abend kam der flotte Praktikant just recht, da das Gesinde des heimathlichen Gehöftes in der Eßstube Tiroler Knödel mit Salat verzehrte. Dies Gericht sehen und sich mit der Betheuerung, daß es in Tirol auch nicht ohne sei, zum Tisch setzen und wacker füttern, war für Eugen eins. Geehrt und bescheiden, bereitwillig machten Knechte und Mägde Platz, der Oberknecht wollte gar den Tisch verlassen aus Höflichkeit, doch Eugen ließ dies nicht zu. Nach beendeter Mahlzeit und dem üblichen Tisch­gebet zögerte das Gesinde bis auf die Magd, deren PflicA das Abräumen war, mit dem Aufbruch, und eine Dirn faßte Muth, den Herrn Fleschhut zu bitten, es möge der junge Herr doch so gut sein und eine recht kriminalische Geschichte erzählen.

(Fortsetzung folgt.)

Akademie

Rar Rhemstratze 59,1.

Dir.: Meyrer. 9094

Lämnrtliche

Schnitt­muster:

Taillen,Jackets, Blonsen, Röcke, Mäntel, Capes, Prinretzkleider, Morgenröcke, Kinder - Kleider nach Maß und. Angabe 1 Mark, Dr Zuverlässigkeit und gute» Sitz wird garanlirt.

Turmstoff

empfiehlt Carl Huum.

HeNniuudstraße 2. 9458

Eigelb Sliafflpooiiig-Powder

ist (La beste Mittel, die Haare zu reinigen, sor.io ein volles 'weiches und seiden- p ä uzendes Haar zu erzielen und dem­selben: seine Frische zu bewahren. Ein Packetin 1 /j Ltr. warmem Wasser aufgelöst, ist genügend um 3 Köpfe, eine Dame und drei Kinder damit zu waschen, ä P. 50 Pf., 5 Stück 2 Mk., in der Parf.-Handlg. ▼. IV. Sulzbacli, Spiegelgasse 8. 4499

Cii

ir Mise, i

8

8

8

8

Empfehle mein Lager in selbstverfertigten Hand- und Hei sek oft er n aller Grössen,

Rolirplattenkofter, ferner Touristen - Taschen, Plaidhnllen, Umliange- Tasclien, sowie sämmtliche Reiseartikel in nur gediegener Sattlerwaare. 8421

Reparaturen prompt und billig.

OQOOOOOQOg

Neu eröffnet!

Dr. Simon’s Wasser- und üchtheiianstalt

„Tauniislbiftil“

I.nisenstr. 24 Wiesbaden t.uisenstr. 24

Institut für Wasserbehandlung. ^

Allgemeine u. lokale Hiclit- u. Dampfbäder. M

Medicinalbäder, Heilgymnastik und Massage.

Röntgen - Cabinet. Ergänzuugsknren bei Tlicnnalbcliandltuig. 13

Leitender Arzt: Dr. med. Alexander Simon. 8614 ^

OOOOOOOOOOOOGGQOOOOOOOOOOOOO

8

8

lupefeiNÄleititi*

Ausverkaufs

zu sehr billige» preise»

6. Marktstraße 6.

Herrrm-MeiSsr

werben dtemifcfj gereinigt, aufgebügelt, auf Wunsch auLgebess. u. abgeh. dl. VSorzinetz, Slistslr. 21 , Hth. P., früh. laug!. Äugest, d. Firma Gcbr. Növer.

8

Gegen Sommersprossen,

Hautausschlägo etc. empfehle ächto Rergmaun’» Ä.iIsO*asBsiId*ss*'3t‘<; ä 50 Pf., Borax- und Lanolinseife, Thecr-, 1 heer- sclnvefel- und Mandelkleieneeife etc.

M. 0. Grnlil, 2 U; r Ä!‘-

Seifen, Lichte, Parfümerien, Biirsten- waaren etc. 8999