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Verlag Langgafie S1

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Montag, 31. Mai, morgens.

Der Krieg.

Der Tagesbericht vom 30. Mai.

Schwere Verluste der Franzosen bei einem nächtlichen klngriff am yserkanal. — viele französische Frauen und Kinder die unschuldigen Gpfer der französisch-englischen Beschießung von Drtschaften hinter der deutschen Front. — In Kurland und Galizien russischeklniriffe unter schweren Verlusten fUr den Feind abgewiesen.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 30. Mai. (Amtlich.)

westlicher Kriegsschauplay.

Nach zehnstündiger Artillcrievorbe- r r, t u n q griffe« die Franzosen östlich des Ufr r- k a n a l s unsere Stellung nördlich von d'Hondt - Ferm um Mitternacht an. Der Angriff ist aus der ganzen Front unter schweren Verlusten für den Feind abgeschlagen. Eine Anzahl Zuaven von vier verschiedenen Regimentern wurde gefangen oenommln

Zwischen dem La B a s s 6 e - K a n a l und Arras fanden nur Artilleriekämpfe statt. An der Straße Be t h u n e - S o „ ch ez nahmen wir einige Dutzend schwarze Franzosen gefangen, die sich in einem Wald- chen verstellt hatten. Dir übliche Beschießung der Ort­schaften hinter unserer Fron» durch die Verbündeten hat unter den dort zurückgebliebenen französischen Frauen und Kindern, die an ihrer HeimatschoNr Han- gen, wieder viele unschuldige Opfer gefordert.

Dektlicher Kriegsschauplatz.

Bei Jllkoij, 60 Kilometer südöstlich L i b a u, wurde eint feindliche Abteilung durch unsere K a v a l- l e r > e in nördlicher und nordöstlicher Richtung zurück- geworsen. An der D u b i s s a mußte eine kleine Ab- reilung den Ort Lawdvniky vor einem überraschen- den russischen Angriff aufgeben. Vier Geschütze sielen in Frindeshand. Eintrrsfendr Verstärkungen von »ns nahmen das Dorf wirdrr und trieben den Regner zurück. In Gegend S ch a n I e n wurden feindliche Angriffe a b g e w i e s e n. Der Gegner erlitt schwere V e rl u st e.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Bei nisiischrn Angriffen auf deutsch? Truppen am unteren Lause der L« ba izow ka (nordöstlich Iaroslau) sowie kn der Gegend von Stryj erlitt der Feind schwere Verluste. Oberste Heeresleitung.

»

Der österreichisch. ungarische Taaesberiebt.

W.T.-R Wien, 30. Mai. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 30. Mai, mittags:

Russischer Kriegsschauplatz.

weiteres vor schieben Ser EinschlietzungsNnie

um przemysl.

An der unteren Lubaczowka wurde nachts ein starker russischer Angriff, der bis zum Hand- gemengt führte, zurückgeschlagen. über- gangsversuche der Russen am S a n bei und abwärts S i e ni a w a scheiterten schon im Beginn. Östlich des San ist die Lage unverändert. Eigene schwere Artillerie hält die Bahnlinie Przemysl- Grodeck bei Medyka unter Feuer. Truppen des 7. Korps eroberten am 27. Mai neuerdings 8 russische Geschütze. Die Einschließungslinie um Przcmysl wurde von den verbündeten Truppen im Norden und Süden der Festung weiter vorgeschoben.

Am T n j r st r und südlich desselben dauern die Kämpfe fort.

An der P r u t h»Linie und in Polen hat sich nichts ereignet.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Noch nichts von Bedeutung vom italienischen Kriegsschauplatz.

Die Italiener haben das Geschützfeuer gegen unsere Werke auf dem Plateau von Folgaria-Lavasone wieder ausgenommen. Feindliche Abteilungen rückten in Cortina ein. Ihre Sicherungsabteilungen flüch­teten jedoch aus den ersten Kanonenschuß.

An der Kärntner Grenze hat sich nichts er- eignet.

Fm Küstenland griff der Feind auf der Höhe nördlich Görtz nicht wieder an. übergangsversuche über den I s o n z » bei Monfalcvne wurden von unseren Patrouillen mühelos abgewiesen.

Der Stellvertreter des Chefs des GeneralstabS: tz. Hü irr, Keldmarjchallentvairt.

Sonder-Kusgabe.

Dir deutsche Antwort an Kmrrika. Eme eindringliche klareZeststellung der alleinigen Schuld der englischen Regierung im Lusitaniafall.

Berlin, 30. Mai. Die Ariiwortrivie der Kaiserlich deut­schen Regierung in der „Lusitania"-Angelegenheit lautet wie folgt:

Berlin. 28. Mai 1915.

Der Unterzeichnete beehrt sich. Seiner Exzellenz dem Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika Herrn James W. Gerard auf das Schreiben vom 15. d. M. über die Beeinträchtigung amerikanischer Interessen durch den deutschen Unterseebootskrieg nachstehendes zu er­widern :

Die Kaiserliche Regierung hat die Mitteilungen der Regierung der Vereinigten Staaten einer eingehenden Prüfung unterzogen und hegt auch hr-rs.its den leohusten Wunsch, in offener und freundschaftlicher Weise zur Aufklärung etwaiger Mißverhältnisse beizutragen, die durch die von der amerikanischen Regierung erwähnten Vor­kommnisse in den Beziehungen der beiden Regierungen ein­getreten sein könnten.

Was^ zunächst die Fälle der amerikanischen Damr-see „Cushing" und „Gulflight" betrifft, so ist der amerikanischen Botschaft bereits mitgeteilt worden, daß der deutschen Regie­rung jede Absicht fernliegt, im Kriegsgebiet neu» i r a I e Schiffe, die sich keiner feindlichen Handlung schuldig gemacht haben, durch Unterseeboote oder Flieger an­greifen zu lassen; vielmehr sind den deutschen Streitkräften wiederholt die bestimmtesten Anweisungen gegeben worden, Angriffe auf solche Schiffe zu vermeiden. Wenn in den letzten Monaten infolge von Verwechslungen neu- träte Schiffe durch den deutschen Unteeseebootskrieg zu Schaden gekommen sind, so bandelt es sich um ganz der- ein zelte Ausnahmefälle, die auf den Flaggen- mißbrauch der britischen Regierung in Verbindung mit einem fahrlässigen oder verdächtigen Verhalten der SchiffSkapitäne zurückzuführen sind. Die deutsche Regierung hat in allen Fällen, wo ein neutrales Schiff ohne eigenes Verschulden nach den von ihr getroffenen Feststellungen durch deutsche Unterseeboote oder Flieger zu Schaden gekommen ist, ihr Bedauern über den unglücklichen Zufall ausgesprochen und, wenn es in der Sachlage begrün­det war. Entschädigung zugesagt. Nach den gleichen Grundlagen wird sie auch die Fälle der amerikanischen Dampfer „Eusbing" und „Gulflight" behandeln; über diese Falle ist eine Untersuchung im Gange, deren Ergebnis der Botschaft demnächst mitgeteilt werden wird, und die ge gebenenfalls durch eine internationale Untersuchungs- kommission gemäß Titel 3 des Haager Abkommens zur friedlichen Erledigung internationaler Streitfälle vom 18. Oktober 1907 ergänzt werden könnte.

Bei der Versenkung des englischen Dampfers ..F a l a b a" hatte der Kommandant des deutschen Unterseebootes die Ab­sicht. den Passagieren und der Mannschaft volle Gelegenheit zu ihrer Rettung zu geben. Erst als der Kapitän der Auf­forderung. bcizudrehen. nicht nach kam, sondern flüchtete und mit Raketen-Signalen Hilfe hecbe-rief. fordert- per deutsche Kommandant zunächst die Mannschaft und die Passagiere durch Signale und Sprachrohr auf. das Schiff binnen zehn Minuten zu verlassen; tatsächlich ließ er ihnen 2 3 Minuten Zeit und schoß den Torpedo erst ab. als verdächtige Fahrzeuge der „Falaba" zu Hilfe eilten.

Der „Lusitan>a"-Fall.

Was die Verluste an Menschenleben bei der Versenkung des britischen Passagierdampfers „Lusitania" anlangt, so hat die deutsche Regierung den beteiligten neutralen Regierungen bereits ihr lebhaftes Bedauern darüber zum Ausdruck gebracht, daß Angehörige ihrer Staaten ihr Leben be, dieser Gelegenheit verloren haben. Die Kaiserliche Regierung vermag sich im übrigen dem Eindruck nicht zu ver­schließen, daß gewisse wichtige Tatsachen, die im unmittelbarsten Zusainmenhang mit der Versenkung der „Lusitania" stehen, der Aufmerksamkeit der Regierung der Vereinigten Staaten entgangen sein könnten. Sie hält es deshalb im Interesse des von beiden Regierungen ange­strebten Zieles einer klaren und vollen Verständi­gung für notwendig, sich zunächst davon zu überzeugen, daß die den beiden Negierungen vorliegenden Nachrichten über den Sachverhalt vollständig sind und üb er ein­st i m m e n.

Die Negierung der Vereinigten Staaten geht davon aus, daß die „Lusitania" als ein gewöhnliches, unbe­waffnetes Handelsschiff zu betrachten ist. Die Kaiserliche Negierung gestattet sich in diesem Zusammen­hänge darauf hinzuweisen, daß die „Lusitania" einer der größten und schnellsten mit Regierungs­mitteln als Hilfskreuzer gebauten englischen Handelsdampfer war und in der von der englischen Admirali­tät herausgegebenen „Navy List" ausdrücklich aufgeführt ist. Der Kaiserlichen Regierung ist ferner aus zuverlässi­gen Angaben ihrer Dienststellen und neutraler Passagiere bekannt, daß schon seit längerer Zeit so gut wie alle wert­volleren englischen Handelsschiffe mit Geschützen. Munition und anderen Waffen versehen und mit Personen bemannt sind, die in der Bedienung der Ge» schütze besonders geübt sind. Auch die „Lusitania" hat nach hier vorliegenden Nachrichten bei der Abfahrt von New §ork

1915.

Geschütze an Bord gehabt, die unter Deck versteckt ausgestellt waren.

Die Kaiserliche Regierung beehrt sich ferner die beson­dere Aufmerksamkeit der amerikanischen Regierung darauf zu lenken, daß die britische Admiralität ihrer Han­delsmarine in einer geheimen Anweisung vom Februar dieses Jahres empfohlen hat, nicht nur hinter neutralen ülaggen und Abzeichen Schutz zu suchen, sondern sogar unter dieser Verkleidung durch Rammen cmgriffsweise gegen' deutsche Unterseeboote vorzugehen. Auch sind als besonderer Ansporn zur Vernichtung der Unterseeboote durch Handels­schiffe von der britischen Regierung hohe Preise ausge­setzt und auch bereits ausgezahlt worden. Angesichts dieser ihr einwandffei bekannten Tatsachen vermag die Kaiserliche Regierung englische Kauffahrteischiffe aus dem vom Admiralstabe der Kaiserlich Deuffchen Marine bezeich- neten Seekriegsschauplatz nicht mehr als „unverteidigtes G-.biet anzusehen; auch sind die -deutschen Kommandanten infolgedessen nicht mehr in der Lage, die sonst für das See- beuiterechl üblichen Regeln zu beobachten, deren ste früher stets nachgekommen sind. Endlich muß die Kaiserliche Regie- rung besonders darauf Hinweisen, daß die „Lusitania", wie schon ffüher, so auch auf ihrer letzten Reise kanadische Truppen und Kriegsmaterial, unter diesem nicht weniger als 5409 Kisten Munition, an Bord hatte, die zur Vernichtung tapferer deutscher Soldaten, die mit Opfermut und Hingebung ihre Pflicht im Dienst des Vaterlandes er­füllen, bestimmt war.

Die deutsche Regierung glaubt in gerechter Selbst­verteidigung zu handeln, wenn sie mit den ihr zu Ge« bitte stehenden Kriegsmittcln durch Vernichtung der für den Feind bestimmten Munition das Leben ihrer Soldaten zu schützen sucht. Die englische Schiffahrtsgesellschaft mutzte sich der Gefahren, denen die Passagiere unter diesen Nm-^ ständen an Bord der „Lusitania" ausgesetzt waren, bewußt sein, Sie hat, wenn sie sie ttotzdcm an Bord nahm, in voller Über­legung das Leben amerikanischer Bürger als Schutz für die beförderte Munition zu benutzen versucht und sich in Widerspruch zu den klaren Bestimmungen der ameri­kanischen Gesetzgebung gesetzt, die die Beförderung von Passagieren auf Schiffen, die Explosivstoffe an Bord haben.

ausdrücklich verbietet und mit Sttafe bedroht.

Sie hat dadurch in frevelhafter Weise den Tod ß, zahlreicher Passagiere verschuldet. Nach der ausdrückliche» Meldung des vetreffenden Unterseebootkommandanten, die durch alle sonstigen Nachrichten lediglich bestätigt wirb, kann es keinem Zweifel -unterliegen, daß der rasche Untergang der ..Lusitania" in erster Linie auf die durch den Torpedoschuß verursachte Explosion der Munitionsladnng zu- rückzusühren ist. Anderenfalls wären die Passagiere der tama" menschlicher Voraussicht nach gerettet worden.

Die Kaiserliche Regierung hält die im Vorstehenden an­geführten Tatsachen für wichtig genug, um sie einer auf« merksamen Prüfung der amerikanischen Regierung zu empfehlen. Indem die Kaiserliche Regierung sich ihre endgültige Stellungnahme zu den im Zusammenhang mit der Versenkung der „Lusitania" gestellten Forderungen bis nach Eingang einer Antwort der amerikanischen Regierung; Vorbehalten darf, glaubt sie schließlich an dieser Stelle darauf Hinweisen zu sollen, wie sie seinerzeit mit Genugtuung von den Vermittlungsvorschlägen Kenntnis genommen, hat, die seitens der amerikanischen Regierung in Berlin and London unterbreitet worden sind, um einen rnodus vivendi für die Führung des Seekrieges zwischen Deutschland und Großbritannien anzubahnen. Die Kaiserliche Regierung hat damals durch ihr bereitwilliges Eingehen auf diese Vorschläge ihren guten Willen zur Genüge dargetan. Die Verwirklichung dieser Vorschläge ist, wie bekannt, an der ablehnenden Haltung der grotzbritannischeu Regie­rung gescheitert.

Indem der Unterzeichnete Seine Exzellenz den Herr» Botschafter bittet. Vorstehendes zur Kenntnis der amerikani­schen Regierung zu bringen, benutzt er diesen Anlaß, um dem Herrn Botschafter die Versicherung seiner ausgezeichnetste» Hochachtung zu erneuern. gez. I a g o w.

Seiner Exzellenz

dem Botschafter der Bereinigten Staaten von Americkq Herrn Gerard.

»

Neue Opfer unserer U-Boote.

W. T.-B. Rotterdam, 30. Mai. (Nichtamtlich.) Der „Rotterdamsche Courant" meldet aus London: Der

Dampfer „A r g yll sh ire" wurde am Donnerstag, abend durch zwei Unterseeboote angegriffen. Das Schiff. enÄ-am mit Volldampf, obwohl zwei Torpedo abge­schossen waren. Der Dampfer „Penny moor" ist gestern früh auf der Höhe von S t a r t p o i n t in den Grund gebohrt worden. Der Kapitän und fünf Mann der Besatzung ertranken. Die übrigen 23 Mann wurden in Falmouth gelandet. Der Dampfer versuchte, zu entkommen, aber als gegen ihn gefeuert Wurde, ließ man Boote nieder, wovon eines gekentert ist. Hierauf wurde der Dampfer torpediert.

W. T.-B. Paris, 30. Mai. (Nichtamtlich.) DvZ Journal" meldet aus London: Der belgische Dampfer Jaqueline" ist gestern in Milfordhaven mit 24 L Dampfes *a£eiaftenflf_ <atf