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Seite ». 20. Jum LVVL. LLiesvadener Lagviatt (Morgett-Ansgsve). «erlag: Lkrtzggasse 27. LS. Jahrgang. SV», 2»I.

muH spätestens am Tage nach seiner Einlieferung in das Ge- I fängniß über den Gegenstand der Beschuldigung gehört wer- * Den" rc. Der Schwerpunkt ist auf die Worteüber den Gegen­stand der Beschuldigung" zu legen. Weder der Divisionsgeneral, noch der kommandirendeGeneral konnten Hickel vernehmen lassen, denn weffen sollten sie ihn beschuldigen? Nahm man Hickel fest, so mußte Hickel nach der Freisprechung etwas Strafbares be­gangen haben. Das hatte er nicht gethan, folglich konnte man ihn keiner strafbaren Handlung beschuldigen und deshalb über die Beschuldigung auch nicht nach § 177 vernehmen lassen. Daß bei Erlaß des neuen Haftbefehls weder Generalleutnant v. Alten, noch der kommandirende General v. Finckenstein neue Verdachts- zründe oder Beweismittel kannten, wird nach derNat.-Ztg." bewiesen werden durch das Zeugniß desjenigen Kriegsgerichts- caths, welcher Hickel den neuen Haftbefehl des kommandirenden Generals bekannt machte. Hickel, der von seinem Bertheidiger angewiesen war, auf diese neuen Verdachtsgründe und Beweis­mittel genau zu achten, sagte dem Kriegsgerichtsrath, es lägen doch keineneuen Thatsachen und Momente" gegen ihn vor. Darauf erwiderte der Kriegsgerichtsrath: Die haben wir allerdings noch nicht, aber die Untersuchung ist einge­leitet. Diese Aeußerung wird, außer dem Kriegsgerichtsrath and Hickel, der als Militärgerichtsschreiber zugezogene Sergeant und der lms Arresthaus in Gumbinnen verwaltende Feldwebel bekunden. W«in aber die Kriegsgerichtsräthe nichts von neuen Verdachtsgründen und Beweismitteln wissen, dann können die Gerichtshnren hiervon wohl kaum Kenntniß haben, denn die Gerichtsherren dürfen nach § 167 an Untersuchungshandlungen nicht Tbeil nehmen, also solche auch nicht vornehmen. Weiter jheilt dieNat.-Ztg." mit, daß der Bertheidiger Hickels nach 299 des Reichsstrafgesetzbuchs Strafantrag wegen erletzung des Briefgeheimnisses stellen wird.

Nach § 348 der Militärstrafprozeßordnung ist dem ver­hafteten Angeklagten schriftlicher und mündlicher Verkehr mit dem Bertheidiger gestattet. Solange die Anklage nicht erhoben ist, kann der Gerichtsherr schriftliche Miitheilungen zurück- weisen, deren Einsicht ihm nicht gestattet wird. Der Rechts­anwalt Horn ist dem Angeklagten Hickel erst nach Erhebung der Anklage von Amts wegen zum Bertheidiger bestellt. Hickel und Rechtsanwalt Horn durften daher völlig ungehindert Briefe wechseln; kein Dritter war berechtigt, diese Briefe zu öffnen und zu lesen. Der Gerichtsherr hätte vor Erhebung der Anklage auch nicht daL Recht gehabt, die Briefe des Rechtsanwalts Horn an Hickel ohne Weiteres aufzubrechen und zu lesen; er mußte fie uneröffnet dem Bertheidiger zurückgeben, falls der Bertheidiger die Einsicht ihm nicht gestattete. Wie die Sache aber hier lag, durfte der Gerichtsherr die Briefe des Vertheidigers an Hickel nicht einmal zurückweisen. Hickels Briefe an den Bertheidiger sind diesem stets auch uneröffnet zugegangen. Der Vorsteher des Arresthaufes in Gumbinnen, Hauptmann v. Renkendorf, hat durchaus korrekt angeordnet, daß Hickel diese Briefe ver­schließen solle. Es war dem Bertheidiger unter diesen Um­ständen auch nicht im Entferntesten der Gedanke gekommen, daß seine Briefe an Hickel geöffnet wurden. Erst jetzt ist durch eine gelegentliche Aeußerung Hickels dieses dem Bertheidiger bekannt geworden. Hickel hat es nämlich für selbstverständlich gehalten, daß seine Korrespondenz von den Mitgliedern des Kriegsgerichts gelesen würde, und hat sich bei seinem Bertheidiger deshalb darüber nicht beklagt. Es steht nun unzweifelhaft fest, daß alle Briefe des Vertheidigers an Hickel erbrochen und dem Ange­klagten offen zugestellt sind. Alle diese Briefe waren in Brief­umschlägen enthalten, die den deutlichen Aufdruck auf der Vorderseite trugen:Rechtsanwalt Paul Horn in Insterburg". Brieft des Vertheidigers, di« den Poststempel vom 6. und 6. Juni trugen, sind Hickel erst am 13. Juni zugestellt. Dem Verthei- diger ist die allerdings unkontrollirbare Mittheilung gemacht, seine an den Sergeanten Hickel in Gumbinnen gerichteten Briefe würdem beim Kommando des Dragoner-Regiments v. Wedel von der Post abgegeben, das Regiment habe die Briefe an das Kriegsgericht in Insterburg gesandt, von dort kämen sie offen an das Regiment zurück und würden dann dem Angeklagten Hickel offen zugestellt.

Wenn sich das Alles so verhält, wie es hier dargestellt ist, dann wird sich bei der Weiterentwicklung dieser Angelegenheit wieder einmal zu zeigen haben, ob wir wirklich in einenr Rechts­staate leben.

Deutsches Deich.

Erweiterung des Kolonialbesitzes in der Südsee. DasDeutsche Kolonial-Blatt" enthält folgendes amtlicheProto- loll des Gouverneurs v. Bennigsen und des Bezirksamimanns r. i. Sensfi vom 8. März d. I. über die Inbesitznahme einiger Inseln derPalau-Gruppe. Zufolge Auf­trags der Kolonialabtheilung des Auswärtigen Amts vom 6. Dezember sind für das Deutsche Reich in Besitz genommen worden die Inseln: 1. Sonsorol, 5° 20' N, 132° 16' 0, am 6 . März 1901, 10V 2 Uhr Vormittags; 2. Merir, i a 20' N, 132o 28' 0, am 7. März 1901, 6% Uhr Vormittags; 3. Pul (Pulo Ana), 4° 38' X. 132-> 2' O, am 7. März 1901, 1% Uhr Nachmittags. Die Kenntlichmachung der Besitzergreifung ist durch Einrammung je eines schwarz-weiß-roth gestrichenen Pfahls bewirkt, an dem sich ein Schild mit der Aufschrift ^Kaiserlich Deutsches Schutzgebiet" befindet. Nach Einrammung der Pfähle ist von dem mitanwesenden Polizeitrupp in Anwesen­heit eines großen Theils der Einwohnerschaft ein dreifacher Salut gefeuert worden. Auf der Insel Sonsorol ist ferner eine deutsche Flagge gehißt worden. Die Häuptlinge der genannten Inseln, und zwar:Gurrut und Moses von Sonsorol, Tobiran und Las von Merir und Maier von Pul, hatten sich mit der Besitzergreifung einverstanden erklärt.

* Die Geburtsziffer war im Jahre 1900 unter den Großstädten nächst Dortmund (43.5) am höchsten in Essen (43.4), Köln (39.7), Düsseldorf (39.1) und Posen (38.1), am rriedrigsten in Charlottenburg (25.8), Berlin (27.4), Crefeld @28.8), Kassel und Frankfurt a. M. (je 29.8). Hinsichtlich der Heirathszifser steht Essen (22.9) obenan. Dann folgen Frankfurt a. M. (22.1), Berlin (22.0) und Köln (21.7). Ver- hältnißmäßtg die wenigsten Eheschließungen kamen unter den preußischen Großstädten vor in Aachen (15.9), Kiel (16.0), Posen 0-6.1) und Halle a. S. (16.6). Die Sterbeziffer war am größten in Königsberg i. Pr. (29.6), Danzig (28.9), Breslau (27.0) und Stettin (26.7), sämmtlich Städte, welche cm der nördlichen und östlichen Grenze der preußischen Monarchie gelegen sind. Am wenigsten starben auf 1000 Köpfe der Bevölkerung km Jahre 1900 in Charlottenburg (16.4), Frankfurt a. M. (17.4), Kiel (18.0) und Crefeld (18.7). Von tan WaLstLum der -McuWftUa Eroßstadtbevölkeruna der

preußischen Monarchie, welches im Jahre 1900 27,0 v. T. betrug, entfiel nur etwa ein Drittheil auf die natürliche Verjüngung durch den Geburtenüberschuß über die Sterbefälle, der Rest auf die Zuwanderung fremder, erfahrungsmäßig meist im leistungs fähigsten Lebensalter stehender Personen.

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Aus mrd Irmd.

Wiesbaden, 20. Juni.

Kuustauktion Wcmbergcr. Auch die gestrige Auktion Meister Weinbergers in Bangers Kunstsalon war sehr zahlreich besucht und gingen besonders große Gemälde weg. Der Rest der Studien wird Donnerstag und Freitag bei Banger freihändig ausverkauft werden.

d. Non der Eisernen Hand. Bekanntlich hat der Halte­stelle-Aufseher Heckelmann vom Bezirksausschuß die nachgesuchte Konzession zum Ausschank von Getränken (Wein, Bier in Flaschen, Cognac, Kaffee rc., aber keines gewöhnlichenSchnapses) an der StationEiserne Hand" erhalten. Das Verwaltungs­gericht hat bei dieser Konzessionsertheilung in der That einem richtigen Bedürfnis Rechnung getragen, denn an der Station Eiserne Hand" herrscht, hauptsächlich im Sommer, ein recht lebhafter Verkehr, der jetzt, wo dort Erfrischungen zu haben sind, sich naturgemäß noch steigern wird. An das Bahnhofs­gebäude ist eine geräumige, massive Halle, deren Vorderseite verglast ist, angehüngt worden, und seit einigen Tagen schon ist die hübsche Eisenbahn-Restauration im Walde eröffnet. Man kann hier wohl sagen, daß das Publikum dieseWirthschafts- eröffnung" mit Freuden begrüßen wird.

Verband Mittelrheinischer Volksbildungs- Vereine. Die diesjährige Generalversammlung soll in Biebrich a. Rh. Sonntag, den 23. Juni, Vormittags 11 Uhr, im Saale des HotelsBellevue" abgehalten werden mit folgen­der Tagesordnung: 1. Mittheilung über die Jahresberichte der Einzelvereine; 2. Bericht über die Benutzung des Skioptikons; 3. Bericht über die Entwickelung des Verkaufs guter und billiger Volksschriften (Referent Prof. Dr. K ü h n - Wiesbaden); 4. An­trag betr. Gründung und Organisation von Volksbibliotheken (Referent Herr Gymnasiallehrer Lerch-Darmstadt); 6. Be­richt der Rechnungs-Prüfungskommission über die Jahres­rechnung von 1900; 6. Wahl von 3 Revisoren zur Prüfung der Jahresrechnung von 1901; 7. Voranschlag der Einnahmen und Ausgaben für das Vereinsjahr 1901; 8. Neuwahl des

Ausschusses. Nach der Generalversammlung, um 2 Uhr, soll ein gemeinsames Essen, das Gedeck zu 2 Mk., im Hotel Bellevue", sowie um 4% Uhr eine Festfahrt auf dem Rhein stattfinden.

Gruppenbild. Am 6. Juni (Frohnleichnamstag) unternahm eine Anzahl Mitglieder der GesellschaftFraternitas" einen Ausflug nach dem durch seine landschaftlichen Schön­heiten hervorragenden, leider aber noch nicht genug gewürdigten Unterwesterwald. Dabei wurden alle hervorragenden Punkte, die sich in der durch ungünstige Bahnverbindung etwas be­schränkten Zeit erreichen ließen, besucht, so Schloß Molsberg mit seinen schönen Parkanlagen, das Wasserschloß Neurod, der Weltersberger Kopf, der aber leider an dem betreffenden Tage keine sehr große Fernsicht bot, die Blasiuskapelle und vor Allem die berühmten Eishöhlen bei der Dornburg. Von verschiedenen der berührten Punkte hat einer der Theilnehmer, Herr Photo­graph Kipp, photographische Aufnahmen mit der Touristen- Gesellschaft gemacht, so in Molsberg mit Hintergrund eines im 17. Jahrhundert erbauten Hauses, auf der Brücke des Wasser­schlosses Neurod, von der Mittagstafel auf der Dornburg und zuletzt noch auf Bahnhof Diez von dem zur Abfahrt bereit stehenden Zug der Schwalbacher Bahn. Sämmtliche Aufnahmen sind sehr gut gelungen und ein geschickt arrangirtes Tableau sämmtlicher Bilder ist in dem Schaukasten des Herrn Kipp, Michelsberg, gegenüber der Synagoge, ausgestellt, woselbst es die lebhafte Aufmerksamkeit der Vorübergehenden fesselt.

Amorctten-Griitze. Unter diesem Titel ist in M. H. Bayerles Kun st Verlag in München eine neue Serie von Kllnstlerkarten nach den Originalen des Münchener Künst­lers Wilhelm Wittmann erschienen, und zwar sowohl in technisch vollendeter Ausführung in feinster Crayon-Manier, so­wie in einer handkolorirten farbigen Ausgabe. Diese neue Serie wendet sich an das große Publikum im weitesten Sinne, denn Gott Amor hat überall Beziehungen und Verbindungen. Es sind wohl die schönsten und originellsten Amoretten-Karten auf dem großen Gebiete der Künstlerpostkarte.

Tagblatt"-Sammlungen. Für die Sommer- pflege armer Kinder gingen demTagblatt"-Verlag ferner zu: Von A. K. 3 Mk., A. Z. 15 Mk., Struß 20 Mk. Für eine Ehrung zu Wilhelm Raabes 7 0. Ge­burtstage sind unserer Redaktion bis jetzt übergeben: Von Mustklehrer Deutsch 3 Mk., N. N. 6 Mk. Wir danken verbind­lichst und sind zur Entgegennahme weiterer Beiträge zu vor­genannten Zwecken gern bereit.

(?) Flörsheim a. M., 18. Juni. Gestern wurden die drei für die evangelische Kirche bestimmten Glocken feierlich am Bahnhofe abgeholt und nach der Kirche gebracht. Nach Abstngung eines Liedes hielt Herr Pfarrer Kortheuer von Hochheim die Weiherede. Mit dem Lied:Lobe den Herrn" rc. schloß die Festlichkeit. Die Glocken sind in der Glockengießerei von I. W. Rinker in Sinn bei Herborn gegossen. Sie haben ein Gefammtgewicht von 36 Centner und kosten 4600 Mk. Das Probeläuten findet nächsten Donnerstag in der Mittags­stunde statt.

Hofheim a. T., 19. Juni. Am letzten Sonntag hielt die hiesige freiwillige Feuerwehr am M e i st e r t h u r m (pracht­voller Aussichtspunkt) ihr vom schönsten Wetter begünstigtes Waldfest ab. Die Thurmbaukommission hat vor kurzer Zeit die untere Gallerie des Meisterthurms zu einem geräumigen Musikpodium ausgebaut, was sich ganz außerordentlich bewährt. Ueberhaupt bietet der Platz in seiner jetzigen Gestaltung, inmitten eines herrlichen Waldes, und mit feiner großartigen Fernsicht einen empfehlenswerthen Ansflugspunkt für Gesellschaften und Vereine.

* Aus der Umgebung. Die Stadtverordneten von Ems wählten Herrn Stadtbaumeister Mollenhagen zu Gelscn- kirchen zum dortigen Stadtbaumeister. EinWeißbinderlehrling aus Ruppertshain, welcher in einem Neubau zu K ö n i g- st e i n beschäftigt war, stürzte durch den Aufzugsschacht in den Keller und blieb sofort todt. Die Jubelfeier des fünfzig­jährigen Bestehens des Königlichen Lehrerseminars zu Mon- t a b a u r ist auf den 17. September festgesetzt. Am Tage vor­her findet Morgens hie Enthüllung des Kebrein-Denkmals in

den Anlagen (auf dem sog. alten Friedhofe) vor der neuer. Seminaraula statt. Herr Lehrer Carl zu Holz hausen, Kreis Biedenkopf, ist vom 1. Juli er. ab, an die Volksschule nach Kemel versetzt worden. In Marburg ertrank der Riemenfabrikant Hönle beim Fischen in der Lahn. Die Provinzialdirektion Rheinhefsen macht bekannt, daß der Rhein zwischen Oppenheim und Nierstein am 24. und 25. Juni für Flöße und für Schiffe theilweise gesperrt ist, da das Hessische Pionierbataillon Nr. 11 während dieser Zeit einen Brückenschlag zwischen den beiden Nheinusern ausführt. Aus E p p st e i n wird gemeldet, daß dort ein junger Mann von Vockenhausen an der Oelmühle so unglücklich vom Rad gestürzt sei, daß er schlverr innere Leibfchäden davontrug und zu sofortiger Operation in das Krankenhaus zu Höchst gebracht werden mußte. Auf dem Farbwerk in Oberlahnstein verunglückten die Arbeiter Jak. Hergenhahn und Erlenbach von Niederlahn st ein in Folge einer Gasansammluug in der Kesselheizung. Sie erlitten schwere Brandwunden, die ihre so­fortige Ueberführung ins Krankenhaus nöthig machten. Ein Schreiner von Sulzbach i. T., welcher in Höchst a. M. in Arbeit steht und Abends mit der Sodener Bahn nach Hause fährt, versuchte auf den bereits fahrenden Zug zu springen. Hierbei glitt er aus und gerieth derart unter die Räder, daß ihm beide Beine abgefahren wurden.

* Nennen zu Bad Kreuznach. Unter besonders

günstigen Auspizien finden am nächsten Samstag und Sonntag, den 22. und 23. d. M, die ersten diesjährigen Rennen des Nahe- thal-Renn-Vereins statt. Nicht weniger als 170 Nennungen sind eingegangen; die bekanntesten Herrenreiter Westdeutschlands sind dabei mit ihren besten Pferden vertreten, allein Oberleut­nant v. Kayser bringt nicht weniger als 7 Renner seines Stalles an den Start. Ein interessanter Sport mit reichbesetzten Feldern steht somit in sicherer Aussicht. Zum Hauptrennen des ersten Tages, der Nahethal-Steeple-Chase (Ehrenpreis und 1080 Mk.) sind 18 Pferde genannt. Die Rennen des zweiten Tages er­öffnet wiederum ein Galoppreiten für Landwirthe (Preis 110 Mark), zu welchem Anmeldungen am Sonntag, den 23. Juni, Nachmittags 3 Uhr, auf dem Wagmplatze der Rennbahn ent­gegengenommen werden. Mit besonderem Interesse sieht man dem am 23. Juni zur Feier der vor 125 Jahren in Kreuznach erfolgten Gründung des 5. bayrischen Cheveauxlegers-Regiments eingelegten Jubiläums-Jagd-Rennen entgegen, zu dem 14 Offi­ziere des genannten Regiments Pferde genannt haben. Das größte Rennen beider Tage ist die Fürstenberg-Steeple-Chase (zwei Ehrenpreise und 2050 Mk.), die am zweiten Tage geritten wird und zu der nicht weniger als 21 Nennungen erfolgt sind.

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d. Wiesbaden, 19. Juni. (S chwurgerich kt) Heute

loird gegen den des Mordversuchs rc. angeklagten Italiener Caesar Portioli aus Capianc verhandelt. Der Gerichtshof setzt sich zusammen aus den Herren Landgerichtsrath Tile- m a n n (Vorsitzender), Landgerichtsrath Freiherr v. H a r f f und Amtsrichter Leyendecker (Beisitzer). Die Königliche Staatsanwaltschaft wird durch Herrn Ersten Staatsanwal Geheimrath Meyer persönlich vertreten, der Angeklagte durch Herrn Rechtsanwalt Bojanowski vertheidigt. Der An­geklagte Erdarbeiter Caesar Portioli ist 1880 in Capiane bei Mantua in Italien geboren. Bestraft ist er noch nicht. Er ist seit 6 Jahren in Deutschland und hat in verschiedenen Städten Nassaus als Grundarbeiter gearbeitet. In Fachbach war er zur Zeit seiner Verhaftung 7 Wochen. Während er in Fachbach wohnte, arbeitete er am Kurhaus zu Ems. Jetzt wird dem An­geklagten vorgeworfen, er habe zu Fachbach in der Nacht zum 4. März d. I. den Italiener Zuanel zu tödten versucht und den Arbeiter Marcesi mit einem Messer körperlich verletzt. Das Messer, das er sich acht Tage vor der That gekauft haben soll, nach eigener Angabe aber bereits 4 Wochen vorher sich ange­schafft hat, liegt auf dem Gerichtstisch. Es ist ein blankes Messer mit feststehendem Hirschhorngriff und handlanger Klinge. Am Sonntag, den 3. März, ging der Angeklagte Mittags nach Ems, wo er in verschiedenen Wirthschasten ein­kehrte und in einer Baracke mit verschiedenen Italienern zu Mittag. Um 5 Uhr Nachmittags ging er nach Fachbach zurück und kehrte bei seinem Freunde, dem auf der Grube Merkur" beschäftigten Grundarbeiter Marcesi, ein, der ihn einlud, noch eine Wirthschaft zu besuchen. Dort gesellten sich wieder einige junge Italiener zu den Beiden, mit denen Marcesi Karten spielte, während der Angeklagte sich an einem besonderen Tisch mit der Tochter des Marcesi niederließ. Weil der An­geklagte einen neuen Anzug an hatte, mußte er zunächst ein paar Glas Bier bezahlen. Als sich die Köpfe erhitzt hatten, wollte Marcesi mit dem Angeklagten ringen und als dieser sich weigerte, versuchte Marcesi ihm ein paar Ohrfeigen beizu­bringen und nannte ihn einen Stromer, der 14 Monate in Wiesbaden im Zuchthaus gesessen habe. Als er endlich nach langem Streit mit Marcesi in den Hof gekommen sei, hätten die vier Italiener, welche vorher mit M. Karten gespielt hätten, mit bald faustdicken, meterlangen Stangen vor der Thür ge­standen. Zuanel und Marcesi hätten Messer gehabt. PorUoli sei fürchterlich verhauen und verstochcn worden und nun habe er auch mit seinem Messer um sich gestochen. So stellt der An­geklagte die Sache dar. Nach der Anklage soll er allerdings der­jenige sein, der mit Schimpfen den Streit vom Zaun gebrochen hat. Es wird nun behauptet, der Angeklagte hätte bei dieser Gelegenheit vorsätzlich nach dem Zuanel gestochen, in der Ab­sicht, denselben zu tödten. Vorher, als er sich das Messer ge­kauft hat, soll er schon Drohungen gegen Zuanel ausgestoßen und gesagt haben, er müsse noch Blut sehen. Der Angeklagte bestreitet dies; auch bestreitet er, daß er früher schon mit Marcesi und Zuanel Streit gehabt hat. Den Zuanel habe er garnicht gekannt. Der Zeuge Zuanel selbst, daß er vor dem be­treffenden Tage den Angeklagten überhaupt nicht gekannt habe. Die Verhandlung wurde um 1 Uhr abgebrochen und auf den Nachmittag verlegt. Da 13 Zeugen und ein Sachverständiger zu vernehmen sind, wird das Urtheil erst am späten Abend ge­sprochen werden können, zumal mit einer ganzen. Anzahl der vorgeladenen Italiener nur durch die Dolmetscherin, Rräulein Brachmann, verkehrt werden kann.

* Vom Königsberger Schwurgericht wurde am Mon­tag die der Ermordung der Rentiere Secathe angeklagtc Frau Skuttnik freigesprochen und die Kosten der Staatskasse auferlegt, Frau Skuttnik, die mit der Ermordeten in sehr intimem Vev