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Viksbsilkmr Taglilck.

«». Jahrgang. Verlaa: Lanaaasie 27. Anreigen-PreiSt

4». Jahrgang

Erfcheüü in "zwei Ausgabe». — Bezugs-Preis

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Verlag: Langgasse 27.

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Uo. 267." Redaktions-Fernsprecher No. 52. Mittwoch, -Sil 12. IttNI. Berlags-Ferusprccher No. 2266. 1661.

Morgen-Ausgabe.

(Nachdruck verboten.)

Unterseeboote.

Von Nautilus.

Die von einigen Blättern gebrachteNachricht, daß auch hie deutsche Regierung bei Schichau Versuche mit Unter- seeboten anstelle, bestätigt sich nicht. Dagegen wendet die Marineverwaltung der Angelegenheit eingehende Auf­merksamkeit zu und prüft alle Vorkoinmnisse und Fort­schritte auf diesem Gebiete auf das Genaueste. That- ache ist ferner,, dass auf der Howaldt-Werft in Kiel ein .lntcrseeboot liegt, mit welchem Versuche unternominen werden. Es ist dieses jedoch von privater Seite aus er­baut worden, wahrscheinlich in der Absicht, zu beweisen, daß die Werft dereinst unserer Marine diese Boote zu liefern fähig sei. Auch auf der „Versuchsanstalt für Schiffswiderstände" in Uebigau bei Dresden hat inan jüngst Versuche mit einem vorzüglichen Musterboote an­gestellt, die indeß nach dem jetzigen Stande der Technik die Kriegstüchtigkeit noch nicht erwiesen haben.

Bekanntlich nimnit Frankreich für sich den Rühm in Allspruch, die llnterseebootfrage aufgerollt zu haben uild sich am eingehendsten mit Versuchen in dieser Richtung zu befassen. Es ergiebt sich dies aus dem Verlauf der ge­schichtlichen Ereignisse währeild der Napoleonischeil Epoche zu Anfang des 19. Jahrhunderts, denn die damaligen Verhältnisse, durch die Blockade der französischen Kriegs­höfen Seitens der englischen Flotte hervorgerufen, könnell sich trotz Dmnpfkraft und drahtloser Telegraphie für Frankreich wiederholen. Damals verhinderte bekanntlich oie enge Blockade der englischen Flotte sowohl den Bezug von Kriegsbedürfnisscn aus dem Auslande, namentlich aus Amerika, wie auch die Vereinigung der einzelnen französischen Flottenabtheilullgen, um den Engländenr mit der gesummter: Flottenmacht entgegentreten zu können. Gegen den Erbfeind zu Wasser richten sich also speziell die Anstrengungen der Franzosen in dieser Richtung.

Wozu dient nun das Unterseeboot? Es soll sich unter Wasser unbemerkt dem feindlichen Schiffe nähen: und den verderberlbringenden Torpedo abschießen. Da es unter Wassergac nicht oder, falls derThurm desKoinmandanten ein klein wenig über die Oberfläche hinausragt, nur sehr schwer erkennbar ist, würde es diesen Zweck besser als das Torpedoboot erfüllen, das leicht dem feindlichen Geschütz­feuer ausgesetzt ist. Augenblicklich sind aber die technischen Bedingungen, die eine zweckentsprechende Verwendung der Unterseeboote garantiren, rwch nicht erfüllt. Bekannt­lich kann man unter Wasser schwer sehen, und gerade das Sehen ist eine unerläßliche Bedingung zur Erfüllung der Aufgaben des neuen Schiffstypus. Schon aus diesem .Grunde muß das Boot sowohl über wie unter Wasser fahre:: können und darf nicht längere Zeit unter Wasser

Mittwoch) den 12. Juni.

bleiben. Neuerdings hat man dasselbe auch so konstruirt, daß nur ein kleiner Thurm, der Aufenthaltsort des Kommandanten, hinausragt. Eine weitere Schwierigkeit ist die verhältnißmäßig große Langsanlkeit des Auf- und Untertauchens. Je nach der Tiefe, in welcher das Boot schwimmen soll, wird eine entspreckiende Wassermenge in dazu bestimmte wasserdichte Abtheilungeu hineingelassen, und das Erscheinen des Fahrzeuges an der Wasserober­fläche wird wieder durch Auspumpen des Wassergewichts erreicht. Das erfordert beides mehr Zeit, als vor dem Feinde wünschenswerth ist. Ein schnelles Austauchen ist selbstverständlich Bedingung zur Festlegung der Fahrt­richtung auf den Feind, an den es zur Schußabgabe nahe heran muß. Liegt das Ziel fest, so ist die Sache einfacher, erfordert aber vor dem Abfeuern jedenfalls noch einmal eine genaue Orientirung. Ein weiterer Nachtheil ist die geringe Seefähigkeit und Stabilität der Boote, die bei geringer Wellenbewegung bereits so stark in der Längs­und Querrichtung Pendeln, daß der Torpedoschuß nicht die geringsten Treffchancen hat.

In Frankreich wurden bisher die Boote „Gymnote" zu Anfang der achtziger Jahre, „Gustave C6d6", „Morse" und „Narval" in den neunziger Jahren gebaut. Auf den: zweitgenannten Fahrzeuge unternahn: bekanntlich Präsident Loubet vor Kurzem in Toulon eine anscheinend nicht mißlungene Probefahrt; neuerdings will man nun den sämmtlichen Neubauten den Morsetyp zu Grunde legen. Außer diese:: Schiffstypen kommen nur noch die in Amerika gebauten Holland-Boote in Betracht, die ähn­lich konstruirt sind.

Im Allgemeinen haben alle diese Boote eine Länge von ca. 25—35 Meter und die Forn: etwa einer Spindel. Bei der Fahrt über Wasser treiben Dampf- oder Gasoline- Maschinen eine Schraube und außerdem haben die Boote eine Dynamomaschine zum Laden der Akkumulatoren. Letztere liefern bei der Fahrt unter Wasser wieder den Strom für dieselbe DyncMomsschine, die auch . zun: Drehen der Schrauben verwendet wird. Ein Hülismotor treibt die Pumpen, sowie die Luftkompressionsmaschine und die Luftpumpe füllt die Flaschen zum Antrieb des Steuer- und Tauchmechanismus. So einfach dies aus­sieht, so wenig hat es sich aber bisher bewährt, so daß man in Wirklichkeit kaum 6 Stunden ohne Havarie fahren konnte. Die kleine Bemannung, aus etwa 5 bis 7 Mann bestehend, wird während der Fahrten aufs Aeußerste an­gestrengt, und der Lärm in dem nur etwa 80 Kubikmeter großen Raume ist fast unerträglich. Hierin muß unbedingt Wandel geschaffen werden.

Es ist bezeichnend für die Stellung Englands zu Frankreich, daß man in ersterem Staate eifrig bemüht ist, einen Unterseebootszerstörer zu konstruiren. Im Allge­meinen ist wohl jedes Kriegsfahrzeug stärker gebaut als ein Unterseeboot und dieses würde bei einem Zusammen­stöße unzweifelhaft zerschellen. Man glaubt, durch den Bau von Fahrzeuge:: mit großer Geschwindigkeit und ge­waltigem Kiel die Frage lösen zu können. Andererseits stellt man in Frankreich mit der Tauchtiefe der Boote

Feuilleton.

Ans Kunst und Leben.

* Kunstsalon Banger. In dem Raum, den Japan ver­lassen hat, ist nun wieder Europa eingezogen. Von den Wänden, von denen der Japaner oft in bizarrer, hier und da vielleicht etwas eintöniger, nie aber kraft- und wirkungsloser Sprache ans sein Schauen und Sinnen Predigte, sprechen nun wieder unsere Maler in vertrauteren Tönen. Es ist, als wäre man nach wochenlangem Aufenthalt auf einer Insel der Tropen, die ans durch ihren exotischen Reichthum entzückte und doch oft durch ihre fremde Art bedrückte, plötzlicb wieder in eines der euro­päischen Kulturcenkren zurückversetzt, wo uns die Zeugnisse ver­wandten Denkens und Empfindens mit wohligem Hermath- gefühl umfangen. Selten haben sich mir die zwK verschiedenen Arten des Kunstgenießens, das bewundernde Nurvonaußensehen und das im Innersten mitempfindendr Boninnenschauen, in solcher Klarheit ihres abgrundgetrennten Gegensatzes gezeigt, wie hier an Japan und Europa. Man konnte und mußte „Hoku- fai" bewundern, könnte Manches mit ihm empfinden, daS Meiste unter inietistver Arbeit der Vorstellungen und Gedanken sich verständlich machen. Aber man blieb doch immer außen stehen. Die innerste Seele feiner Werke öffnete ihre Thore dem Pochen des Fremdlings nicht. Das Gegentheil unsere eigene Kunst. Da treten wir in die innerste Seele wie in einen Tempel ein, und erst von da aus, von den Empfindungsschauern deS heiligen Ortes wachgerüttest, gesteigerten Lebens voll, schauen wir alle Schönheiten d«K Kunstwerke-, Diese Empfindung drängte sich mir am klarsten vor den Bilderst Leistiko WS und Hans Völlers aüf. d&o wie Leistikow iy seinem Bilde „Wald­inneres" dm Wald mit heimlich raunendem Leben, mit unsicht­baren Märchengestalien erfüllt, wie er zwei einsame Boot? auf weitem Meere mit den lebten Lichtzaubern der sinkenden Sonne verklärt, wie Völker i« se:nem Bild« „Sehnsucht^ den alten Park mit allen wehwüthigen Träumen einer versmüenen stolzen Ver­gangenheit verschleiert, so und nur so leben Wald, Meer und M AMLrM LiLLsssOML»!,

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heit in unserem Innersten. Das ist nationale Kunst im besten Sinne des Wortes, unserem tiefsten und geheimsten Fühlen blut­verwandt. Gleich stark wirkt ein drittes Bild Leistikows: „Got­land", das die düstereSchwermuth der Landschaft mit suggestiver Kraft auf den Beschauer überträgt. Leistikows bekannte sou­veräne Herrschaft über den Pinsel kann jeder weiteren, bewun­dernden Erklärung entbehren. Volkers „Alter Park" („Sehn­sucht") ist eine selten vollendete Kunstschöpfung, an deren tiefer Wirkung die aus dem Innern wachsende, wie von der Wirklich­keit selbst gegebene Stilisirung der wenigen, großen Linien und die überzeugende Sprache der Symbolistrung gleichen Antheil haben. An einem todten, alten Schlosse vorüber, das klug im Hintergründe mit wenigen Linien hingestellt ist, sodaß cs den Blick nicht ablmkt, zieht ein Wasserlauf dem natürlichen Thore, das die gleichförmig beschnittenen, mauerartigen Baumwände öffnen, zu. Zwei einsame Schwäne lassen sich von seinen stillen Wellen treiben. Ueber dem Park verschleiern die regungslos lastenden Wolken träumender Erinnerung die Sonne. Jenseits der Baumwände spielt das Licht froh und übermüthig wie ein sorgloses Kind, kost in der Ferne um einen blühenden Baum und läuft auf dem weiten Wiesengrund mit den huschenden Schatten der weißen, im blauen Luftmeer segelnden Wölkchen um die Wette. Die Stimmung verdichtet sich fast zum Greifbaren und wird von selbst zum Symbol. Minder stark wirken zwei andere Gemälde Völlers: „Im Park" und „Marine", zum Thril wohl auch durch dar größere Werk ihres Schöpfers beeinträchtigt. Ganz andere Stimmungen, doch auch mit der überzeugenden Kraft des echten Kunstwerkes, geben Franz Staffens „Zur Reifezeit" und „Mittag". Man glaubt das gährende, nach Be­freiung drängende Leben, das in der heißen Sommerfonne über­all in Pflanzen und Früchten dumpf brütet, förmlich sehen zu können. DK Bilder „Mainlandschaft", „Schloß bet Hanau" »eigen tzaS gleiche, achtenswerthe Können. Nicht so überzeugend m der Stimmung, minder einwandftei in der Technik sind die Landschaftsbilder y. Stahl», obwohl sie mehr als ein schönes Moment in fich finde» lasse». H. Schramm-Zthan malt sitae Sceuen au» dem Geflüaelhof mit brutaler, nicht selten . Breit» WaM sWt Mrbir^ AelM M hMit.

Versuche an, die denselben ein Durchschlüpfen unter dem Kiel des feindlichen Schiffes erlauben und man soll mit den Ergebnissen zufrieden sein.

Eine iveitere Schwäche der neuen Fahrzeuge ist ihre geringe Geschwindigkeit von etwa nur 8 KAwten in der Stunde, was in keinem Verhältntß zu der Schnelligkeit der modernen Schlachtschiffe steht. Auch die Dauer der Fahrten ist naturgemäß begrenzt, da die geeignetste Energiequelle für die Fortbewegung nur die in Akkumu­latoren aufgesveicherte Elektricitüt sein kann, denn Dan:pfmaschinen sind wegen des Raumerfordernisses der Heizmaterialien ausgeschlossen.

Erst wenn allen diesen Mängeln wirklich abgeholfen sein tvird — alle werden wohl nicht zu beseitigen sein — ist ein neues, und dam: allerdings äußerst wirksames Kampfmittel geschaffen, welches das Torpedoboot bei der Vertheidigung von Häfen und bis zu gewissen Grenzen auch auf offener See ersetzt und die Unsichtbarkeit und fast völlige Unverletztbarkeit durch Geschosse für sich hat. Jedenfalls ist Wohl bei dem ewigen Fortschreiten der Tech­nik anzunehmei:, daß die Hauptaufgaben: schnelleres Auf- und Untertauchen, größere Aktionsfreiheit, größeres De­placement und größere Fahrtgeschwindigkeit, nicht unlös­bar sind. Solange diese nicht erfüllt sind, beschränkt sich der Nutzen der Unterseeboote auf das friedliche Gebiet des Bergungswesens, der Meeresbodenforschung und der Perl- und Korallenfischerei.

Deritschland braucht aber vor Allem schuelle Kreuzer uud Torpedobootszerstörer und muß hierfür das Geld derSteuerzahler eintreiben. So kann man es nur billige», wenn die Marineverwaltung beobachtet und abwartet und Frankreich, England und Amerika in dieser Frage zu­nächst den Vorrang läßt.

Aus Stadt und Land.

Wiesbaden, 12. Juni.

Die Ländchcsbahn.

Als vor fünf oder sechs Jahren — es ist schon lange her — zum ersten Male das Projekt einer Ländches- bahn auftauchte, da ging eine Helle Freude durch das Ländchen, und Viele sagten: „Gott sei Dank! Nun wird doch endlich 'mal etwas mehr Verkehr in unsere Gegend gebracht werden." Die Bauern hofften durch eine bequeme Verbindung mit der rasch aufblühenden Weltkurstadt Wiesbaden ihre landwirthschaftlichen Produkte besser absetzen zu können, geringere Leute rechneten mir der Arbeitsgelegenheit, die sich nach Eröffnung der Ländches- bahn gewiß reichlicher bieten müßte, kurz, im Ländchen gab man sich vielfach recht hübschen Hoffnungen hin. Aber auch in der Stadt Wiesbaden — ich glaube, das Projekt der Bahn durchs Ländchen erblickte sogar in ihr das Licht der Welt — sah man in der Erbauung dieser Bahn einen Voriheil für die Stadt. Das Ländchen ist ohne Zweifel vermögend, und die Bewohner des Ländchens unterscheiden sich in vielen Stücken sehr vortheil- haft von den Landbewohnern manch anderer Gegenden. Sie schreiten rüstig mit der Zeit vorwärts, und es ist selbstverständ­lich, daß Diejenigen, die mit der Zeit vorwärts gehen, mehr Be­

im Großen und Ganzen bleibt aber der Eindruck trotz der lär­menden, lobenden Art der Mittel doch weit unter der sichtlichen Prätention des Malers zurück. Zwei Kinderbilduisse von H. Majendie lassen keckes, seiner Mittel sicheres Zugreisen, und Erfassen erkennen und wecken den Wunsch, sie in größeren, ihrer Technik entsprechenderen Dimensionen ausgefnhrt zu sehen. Ein größeres Landschaftsbild desselben Malers: „Thauwetter", erregt durch hübsch gegebene Lichteffekte die Aufmerksamkeit, ist aber im Uebrigen etwas nüchtern und leblos. „Ein altes, deutsches Nest" von Karl Walter verkümmert sich seine Wirkung zum guten Theil durch seinen nicht absichtreinen, archaisirenden Stil. M. Rosenfelds Allegorien einzelner Leidenschaften sind im Gegensatz zu H. Volkers „Sehnsucht" Musterbeispiele des Symbolisirens, wie man cs nicht machen darf. J. K.

* Verschiedene Mittheilungc». Das Leben der K r y st a l l e unterwirft zur Zeit Professor Dr. v. Schrön be­sonderen Untersuchungen. Schrön, einer der bedeutendsten Lehrer der Universität Neapel, hat sich die Aufgabe gestellt, nach­zuweisen, daß ein Krhstall keine beliebige Bildung, sondern ein Organismus (?) mit Rückgrat, Skelett, Nerven, Krankheiten, ja, daß er sogar .... dem Kampf ums Dasein ausgesetzt ist. Ueber diese seine paradox klingende Theorie hat der Gelehrte sowohl im Collegio Romano, als vor der Königin-Mutter einige interessante Vorträge gehalten, die voraussichtlich in: Druck er­scheinen werden.

M a s c a g n i tritt, wie berichtet wird, diesen Sommer eine zweimonatliche Tournbe durch Amerika an. Der Maestro erhält dabei pro Woche 50,000 Lire, macht zusammen also 400,000 Lire, die bereits auf der Banca d'Jtalia deponirt sind.

Aus Rußland wird mitgetheilt, daß die kaiserliche Akademie der Wissenschaften eine Expedition ausrüstet, die beauftragt ist, denMammuth nach Petersburg zu schaffen, der jüngst voll­ständig konservirt in Sibirien aufgefunden worden ist. Die weitestgehenden Vorsichtsmaßregeln werden getroffen, um das Fleisch, besonders die Eingeweide und die Pflanzentheile, die in dem Magen deS Ungeheuers sich noch befinden, vor dem B-rdsrhen z^ bewMen. ,'