Leite S 4. Juni 11)01.
Wiesbadener Tagblatt (Abend-Ausgabe). Verlag: Langgassc 27 .
49. Jahrgang. No. 25«.
wb. Kapstadt, 3. Juni. Die Stadt Willowmore wurde I gestern vo« dem 700 Manu starken Burenkommando unter Scheepers angegriffen. Der Feind wurde schließlich nach neunstündigem Kampfe mit einem Vertust von 2 Todten und 3 Bcr- wnndeten znrückgeworfen. Ein anderes Burenkommando, unter Foncha bedrohte gestern Jamestown.
rvb. London, 3. Juni. Gegenüber dem hier verbreitete« Gerüchte, das Kriegsamt habe nicht alle ihm in lehter Zeit vom Kriegsschauplatz- in Südafrika zugegangenen Mittheilungen veröffentlicht, erklärt jetzt das. Kriegsamt feststellend, daß cs alle Meldungen, dir ihm Uber die Gefecht- der jüngsten Zeit in Südafrika von Kitchener zugcgangen seren, auch zur öffentlichen Kenntnis; gebracht habe.
hd. London, 4. Juni. AnS Pretoria wird berichtet, daß Burenkommandos fortwährend dis Eisenbahnlinien bedrohen. Die Buren lehnen jedoch jedes Gefecht ab. General Viljoen versuchte mit starken Kommandos den Truppenkordon zwischen Karolina und Ermelo zu durchbrechen. — Die englische Bcrlustliste umfaßt für gestern: 10 Todte, 18 Verwundete,
1 Vermißten, 31 an Krankheit Verstorbene und IS Schwerkranke.
Kd. London, 4. Jnni. „Daily Mail" meldet aus Amsterdam: Die Anwesenheit des Sekretärs Botha bei
dem englischen General Smut in Standerton sei damit aufzu- ilären, daß die Buren die Engländer um ärztliche Hülfe ersucht habe». _ Sir Alfred Milner' verlaßt heute Abend London, um sich aufs Land zu begeben. — Der Besuch Milners bei Chamüer- laiit galt, wie es heißt, ganz besonders der Erwägung der Frage, betreffend die Absendung neuer Trrrppen an Kitchener und der gegen die Kapkolonie emzufchlagendeu politischen Richtung. Milner soll die Aufhebung der verfassungsmäßige« Rechte befürwortet haben, obgleich dieser Schritt allgemein als sehr gefährlich angesichts des jetzt wieder cmflrbenden Buren-Wider- standes angesehen wird. Ein diesbezüglicher Beschluß wird erst nach weiteren Besprechungen mit den übrigen Mitgliedern des Kabinetts getroffen werden.
wk London, 4. Juni. „Daily Mail" meldet aus Pretoria: Es ist eine militärische Kommission ernannt worden, um alle Ersatzansprüche wegen der durch britische Truppen in Südafrika angerichteten Schäden zu erwägen. Es seien bereits 3000 Anforderungen auf Schadenersatz erhoben, deren Betrag eine Million Pfund übersteigt. — Ein Telegramm aus Kapstadt bezeichnet als Ort, w« das Gefecht am 31. Mai stattfand, Vlakfontein in der Nähe von Krügersdorp, nicht Vlak- fontein an der Bahn von Johannesburg nach Natal.
wk Lvrrdou, 4. Jum. Die „Times" melden aus M a d r a s: Ein Transport von 800 lriegsgefangencn Buren ist gestern eingetroffen. Sie wurden Abends mit der Eisenbahn nach Trichi- nopoky geschafft.
hd. Amsterdanr, 4. Juni. Präsident Krüger hat Dr. Leyds und Dr. Fischer nach dem Haag berufen, da dort augenblicklich interessante Nachrichten aus Südafrika erwartet werden. Die Buren planen, wie cs heißt, eine große Bewegung.
Sie statteten ihre Partieen, zwei lockere Zeisige, mit vielem I
Humor aus und waren vortrefflich bei Stimme. Herr Linke ' trug als alter Schwerenöther mitunter etwas zu stark auf. Fräulein Genell als seine moralfefie Gattin machte eine gute Figur. Zur hochanimirten Stimmung des fast vollen Hauses trug nicht tvenig Herr Koswitz (auf dem Zettel Herr Carlo genannt) als Oberkellner Philippe bei. Der Kapellmeister Herr Hermann Büchel hatte auch diese Vorstellung gut präparirt und führte sie mit straffen Zügeln zu Ende. Der Chor ist vorläufig noch sein Schmerzenskind, doch wird es auch damit wohl bald besser klappen. — Heute Abend findet eine Wiederholung des „Oprrnball" statt. Morgen wird der „Vogelhändler" mit Karl Endtresser in der Titelrolle gegeben. — Die Temperatur im Theatersaak ist, selbst bei starkem Besuch, durchaus angenehm.
o. T tadt-Ausschust. Sitzung dom 4. Juni. Vorfitzender: Herr Bürgermeister H e ß. Beisitzer: Herren Stadträthe Thon und Wage mann. Protokollführer: Herr Buchhalter
Z e u g c r l e. Auf der Tagesordnung steht nur eine Streitsache wegen Errichtung einer Imbißhalle nebst Weinausschank. Der Stadtausschuß erkennt auf Abweismrg der Klage, er hält im Allgemeinen die Zeit der Stehbierhallen für Wiesbaden noch nicht für gekommen.
— Die Thcrluchmcr des Kongresses für Tchul- gesrmdheitspflcge haben bei ihrer hiesigen Tagung auch die höhere Töchterschule besucht, deren architektonische Schönheit natürlich auch ihre Bewunderung erregte. Bei der Gelegenheit sprach der Borsitzende, Professor Griesbach, eine erste Autorität in allen Schulgesundheitssragen, sich außerordentlich begeistert aus über die hhgieinische Einrichtung des Gebäudes, von der er sagte, daß er auch nichts entdeckt habe, das gegen die. Erfahrungen der Schulgesundheitspflege verstieße, und daß die Schule auch in dieser Hinsicht als mustergültig anerkannt werden müsse.
— Der Mittelrhciiri sche Sängerbund hielt am Sonn tag in Gonsenheim im Gasthaus ,Lum goldenen Löwen" eine Vorstands- und Delegirtendersammlung ab. Namens der Musilkommission berichtete Herr Professor v. Wilm-Wiesbaden über die Klassenerntheilung beim Einzelsingen des am 7. Juli stattfindenden Bundesfestes, worauf durch das Loos folgende Reihenfolge bestimmt wurde. 1. Mkheilung für Volksgesaug: 1. „Eimgkeit"-Gonsenheim, 2. „Eintracht"
Oestrich, 3. ,Mäunergesang-Verein"-Kastel, 4. „Concordia"- Hofheim, 5. „Germania"-Oüeringelheim. 2. Abtheilung für
Jus Kunst mrd gebot».
sschiedeue Mittheilmige». Frau Dr. Meßner, unsere frühere Mitbürgerin, die sich unter dem Bühnennamcn Lu eie Bivrna der Schaufpielkuust widmete, hat kürzlich in Wien am Raimnnd-Theakcr und in anderen österreichischen Städten mit einem eigenen Schauspiel-Ensemble gafiirt. Wi- auS uns vorliegenden Kritiken hervorzngehen scheint, hat sich ihre Kunst, die wir in ihren Erftanfängen bei einem Gastspiel im Residenz-Theater lennen lernten, inzwischen wesentlich entwickelt und vertieft, und die Referate lauten meist dahin, daß die Künstlerin ihr Ensemble wefmtlich überrage.
Zwei Novitäten, die beide aus dem Französischen kommen, hatten am Samstag tue Kölner Flora-Theater einen starken Erfolg. Die dreraltige Komödie „Wenn die Liebe ^erwacht" von Pierre Beber verbindet eine nie dm liebenswürdigen Grundzug verleugnende fesselnde Handlung mit natürlich-getft- reicher Sprache. Der ganze Charakter des Stückes scheint einen Erfolg auf deutschen Bühnen zu gewährleiste«. Für den Beifall dankte der Uebersetzer Bolten-Baeck-rs im Namen des Verfassers. „English speken" ist ein frohgelaunter Schwankeinakter, in dem besonders Ernst Bertram, der für das Berliner Residenz-Theater engagirt ist, vortrefflich wirkte.
Der Verkauf der Schachteln und Tabaksdosen des Marquis de Thuisy in Paris brachte im Ganzen 278,400 Francs ein.
Aus Stadt und Krmd.
Wiesbaden, 4. Juni.
o. Sc. Majestät der König von Dänemark empfing -gestern de« Besuch I. Kgl. Hoheit der Frau Landgräfiu von Hessen, welche mit Gefolge um 6 Uhr Nachmittags hier eintraf und mit dem Schnellzug 9 Uhr 80 Minuten Abends nach Frankfurt a. M. zurückkehrte.
— Bvm n assauisch-lnxcmüurgi schcn Hofe. Nachdem das Befinden des Erbgroßherzogs von Baden in Abbazia zu keinerlei Besorgniß mehr Anlaß giebt, reisten die großherzoglich- lnxemburgischru Herrschaften am Montag von Abbazia ab und treffen am Donnerstag Mittag über Metz tu Luxemburg ein.
— Perfonäl-Nachrichte». Generalmajor v. Hoepfner vom China-Expeditionscorps ist zum Kurgebrauch hier einge- troffe«.
— Kurhaus. Wir glauben nochmals darauf aufmerksam machen zu sollen, daß die Kurverwaltung morgen Mittwoch Abend ein D ä n i s ch e s N a t i o n a l - F e st - K o n z e r t veranstaltet, welches bei günstiger Witterung mit bengalischer Beleuchtung rc. verbunden sein wird. Besonderes Eintrittsgeld wird nicht erhoben.
gs. Residenz-Theater. Auf die morgen Mittwoch statt- findende letzte Aufführung von „Nosemaontag", dieses Zug- und Kassenstückes, welches die ganze Saison beherrschte und den größten Erfolg errang, sei nochmals hingewiesen.
— Walhalla-Theater. Gestern Abend gab's den „O p e r n b a l l". Das liebenswürdige Werk ist auL dem vorjährigen Gastspiel des Operetten-Ensembles am gleichen Orte bekannt. Die Handlung ist anziehend und die Musik melodiös. Ist nun noch die Besetzung der Hauptrollen eine so glückliche, wie gestern, so kommt das Publikum nach allen Seiten auf seine Rechnung. Die Damen Opel, Penöe, Lamberti, Fischer und Beyer — Alle waren auf dem richtigen Platz« und leisteten stimmlich wie schauspielerisch sehr Achtungswerthes. Dasselbe darf auch von den Herren Endtresser und Jäger gesagt werden.
Knnstgesang: 1. „Sängerrunde"-Mainz, 2. „Harmonie"-Kost- heim, 3. „Liedertafels-Weisenau, 4. „Friede"-Wiesbaden,
8. ,Mederkraiiz"-E!tville, 0. „Ltederkranz"-Bockenheim, 7. „Froh- finn"-Bockenheim, 8. ,.Eiuigkeit"-Weiftncm. Bezüglich des Beitrags tourde festgestellt, daß die altiven und uuattiven Mit- glieder der Bundesvereine, gleichviel, ob der betreffende Verein sich am Einzelsingen betheiligt oder nicht, für eine zu allen Veranstaltungen berechtigende Karte nebst Festbuch 80 Pf. zahlen, die angehörigen Damen aber frei sind. Im Ganzen haben 30 Vereine ihre Betheiliguug am Fest zugesagt. In Verhinderung des Bundesdirigenten, Herrn Direktor Spangenberg, hat das Mitglied der Musikkommission, Herr Professor Dr. Bolbach, es übernommen, die nöthigen Vorproben für die Massenchörc: „Schäfers Sonniagslied" von Kreutzer und „Loreley" von Silcher abzuhalten, von denen die Hauptprobe am 23. Jun! im Saale der „Liedertafel" zu Mainz siattfindet. Dem Antrag des Bundesvereins „Liedcrtafel"-Soden, ihm für eine besondere Ausgabe bei dem 4. Vundesfest 100 Mk. aus der Bundeskaffe zu überweisen, ioird nach der Begründung des Herrn I. Jacobi- Wiesbaden stattgegeben.
— Kreis-Kriegcr-Vcrband Wiesbaden (Land). Am Sonntag, den 2. Juni, fand der Delegirtentag des Kreis- Krieger-BerbcmdeS Wiesbaden (Land) in Dotzheim statt. Derselbe war sehn gut besucht und nahm einen äußerst anregenden und interessanten Verkauf. Angenehm berührte schon der aufmerksame Empfang der Delegirten am Bahnhof Dotzheim. Daselbst hatte sich als Ehrencompagnie der festgebende „Militärverrin" mit Musck aufgestellt. Er führte die Delegirten in den Derfammlungssaal „Deutscher Kaiser", der ebenfalls schön geschmückt war. Der Vorsitzende, Herr Dr. N o l t e - Wiesbaden, Stabsarzt d. R., eröffnetr und leitete di- Versammlung. Von 33 Vereinen des Kreisverbandes waren 22 vertreten Nach manchen internen Verhandlungen wurde das Sanitätskolonnenwesen behandelt, eine Einrichtung, di- wohl jetzt mehr als früher in unserem gesteigerten Verkehrs- und Erwerbsleben die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit aus sich lenkt. Das Ehrenmitglied des Verbandes und zugleich Vorstandsmitglied d-Z Vereins vom „Rothen Kreuz", Herr Oberstleutnant a. D. v. D e t t e n, machte beherzigenswerthe Wittheilungen. Grundsatz ist, recht viele Kolonnen gründen, alle aber unter Kontrolle des Kriegerverbandes. Der Kassenbestand des Vereins ist im Augenblick einigermaßen günstig, doch soll ein erhöhter Beitrag von 8 Pf. pro Mitglied und Jahr geleistet werde«. Der nächste Delegirtentag findet in Flörsheim statt. Herr Oberstleutnant a. D. v. Detten brachte ein begeistert aufgenommenes Hoch auf Seine Majestät den Kaiser und Herr Dr. Nolte ein solches auf Ihre Majestät die Kaiserin aus. Damit war der offizielle Theil erledigt. Der „MilrtärvereirL-Dotzheim hatte gesorgt, daß nach dem offiziellen Theil noch recht vergnügte Stunden verlebt wurden.
— Acrzte-Anöstug »ach Süden. Der Einladung des Sodener Aerzte-Vereins waren letzten Sonntag zahlreiche Aerzte Wiesbadens, sowie Kollegen auS Hanau und vom Maingauverein in Begleitung ihrer Damen gefolgt, um die neuesten Schöpfungen Sodens zu bewundern. Nachdem man im Jhtr_ haus den Kaffee eingeriommen, besichtigte die etwa 70 Kopf starke Schaar den jüngst gefaßten Sprudel, ferner das ganz neu eingerichtete Badehaus, sodann das in diesem Jahre erbaute Inhalatorium, welches mit seinen 12 Räumen allen modernen Anforderungen entspricht. Hierauf begab sich die Gesellschaft durch die Villen- und Rosengärten Sodens zum erweiterten Trinkpark, um die Fassung der acht zur Trinkkur Der wandten Quellen zu betrachten. Den Schluß des Spazier gangs bildete der Aufstieg zur Burgwarte, einem dom Taunus klub errichteten Thurm, dessen Aussicht sich wohl mit der vom Neroberg aus messen kann. Den Abend verbrachten Damen und Herren wiederum im Kurhaus unter fröhlichem Geplauder, Musik und Tanz. Dr. Coester, Wiesbadens allbeliebter Festredner, sprach in humorgewürzten Worten seinen innigsten Dank aus. Wahrend der Kurpark von Feuerwerk und bengalischem Licht erstrahlte, begaben sich die Theilnehmer zur Bahn, die Erinnerung an einige genußreich verbrachte Stunden mit sich nehmend.
— Staats- und Gemeinde-Abgabe» haben am 8. und 7. Jum die Bewohner der Straßen mit dem Anfanasbuch staben A zu entrichten.
o. Schwurgericht. Als sechster Fall gelangt am Freitag,
deu 14. Juni, 'die Anklage gegen die Kutschers-Ehefrau C. S t a ck S von Klcnka, Kreis Pieschen, zuletzt in Berlin wohnhaft, wegen Verbrechens gegen das keimende Leben zur Verhandlung. Bertheidigrr ist Herr Rechtsanwalt Dr. Alberti.
— Ansichtskarten aus China zu besitzen, scheint ein lebhafter Wunsch zahlreicher Leserinnen des „TagblattS" zu seid. Wie erinnerlich, hatten wir vor mehreren Monaten auf Verlangen eines hiesigen Freundes des Chinakriegers H. Sch. mit- getheilt, daß Letzterer bereit sei, „schönen Mädchen Wiesbadens" Beiträge zu Ansichtskartensammlungen zu liefern. Diese unsere Notiz hat nun eine wahr- Hochfkuth von Aufforderungen an den jungen Landsmann im fernen Osten zur Folge gehabt. Derselbe schreibt nämlich an den Freund u. A.: Shanghai, den 20. 4. 01. Lieber Otto! Habe Deine Zeitungen und Karte von Deiner Schwester erhalten, besten Dank. Aber was hast Du gemacht, ich kann mir nicht mehr helfen vor lanter Karten und Briefen, mache so was nicht mehr, ich habe die Hast damit. Aber ein großer Spaß war es doch, von allen den schönen Mädchen von Wiesbaden und Umgebung eine Karte zu bekommen, habe sie auch alle beantwortet. Es ist ein theueres Vergnügen, hier in China, die Karten sind zu theuer. Hatte nur für 10 Dollar Karten gekauft und die Hälfte davon ist schon weg. Ein Fräulein ist sogar sehr neugierig und will Dich kennen lernen. Sie schrieb auf ihrer zweiten Karte: Wer ist Ihr Freund und wo wohnt
er? Vielleicht kenne ich ihn. Sie fragt, ab ich ein Wiesbadener sei. Ich werde ihr eine Karte schicken mit Deiner Adresse und sie soll Dich grüßen von mir. Berfchicdene Mädchen schreiben schon, ich solle sie besuchen, wenn ich zurück komme, einer soll ich sogar einen Zopf mitbringen?? Was meinst Du dazu?
Eine Familie i» den Tod gegangen. Aus Frank-' furt a. M., 3. Juni, wird berichtet: Im ersten Stock des
Hauses Neuhofstraße 13 wohnte der Agent Valentin Ehr- manu mit seiner Familie, bestehend aus Frau und drei Söhnen im Alter von etwa 20, 18 und 11 Jahren. E., der vor einigen Jahren von Mannheim hierher verzogen war, befand sich'in Mißlichen Aermögensverhältutssen; er schuldete u. A. die Miethe für das erste Vierteljahr dieses Jahres und hatte darauf ein Accept ausgestellt, das er am Fälligkeitstag, dem 31. Mai» nicht einlöseu konnte. Inzwischen war er aber weitere zwei Monate für Miethe schuldig geworden. Dazu firm, daß bei älteste Sohn, der in einer hiesigen Drogenhandlung Stellung gehabt hatte, seit vier Wochen ohne Beschäftigung war. Das Alles mag Ehrmaun zu dem Entschluß gebracht haben, sich und die Seinigen aus dem Leben zu schaffen. Am gestrigen Abend hatte er, wie aus den noch auf dem Tisch gefundenen Gläsern zu ersetzen war, eine Bowle bereitet, die die Familie nach dem Abendessen gemeinschaftlich getrunken hatte. Heute Morgen ließ sich Niemand von der Familie sehen, der Beutel mit den Frllhstllcksbrödchen war nicht geholt worden, fodaß mau 4m Hanse, wo man die Verhältnisse genau kannte, schon halb"und halb annahm, E. sei über Nacht mit der Familie auf und davon. Inzwischen machte sich aber in dem Hause ein durchdringender Gasgeruch bemerkbar, was den Besitzer des Hanfes veranlaßte, auf die Polizei zu schicken, in» die Wohnung öffnen zu lassen. Den Eintretenden bot sich dann in dem einen kleinen Zimmer neben dem Wohnzimmer, dem Schlafzimmer der Söhne, der schreckliche Anblick von fünf Leichen dar. Die beiden erwachsenen Söhne lagen in ihren Betten, der jüngste Sohn auf dem Sopha, Frau Ehrmaun saß in einer Ecke des Sophas, Ehrmann auf einem Stuhl. Ueber die Vorgänge selbst ist, nach der „Franks. Ztg.", vorläufig nichts Bestimmtes zu sagen, auch nichts darüber, ob die jungen Leute freiwillig mit in den Tod giikgen. Die Thatfache, daß sie ohne Ltleider im Bett lagen, läßt fast auf das Gegrntheik schließen, sie sind in gewohnter Weise zur Ruhe gegangen, ohne eine- Ahnung davon, was ihnen bevor- stcmd. Wan mmiut an, daß E., nachdem der jüngste Schn auf das Sopha gelegt worden war, den Krahnen der Gasleitung öffnete; vorher hatte er Fenster und Thüre geschloffen und das Schlüsselloch der THSre mit Watte verstopft. Eine ältere Tochter Ehrmanus ist in Berlin verheirathet.
— Gmr wüster Austritt spielte fich gestern Abend, 11 Uhr, in der Mauritiusstraße ab. Ein Arbeitsmann mißhandelte dort eine Frau, angeblich seine Ehegattin, derart, daß ihr das Blut aus Wund und Nase floß und in einer großen Lache die Straße bedeckte. Auch die Zähne sollen der Be- dauernswerthen eingefchkagen irorden fein. Der aufregende Vorfall hatte einen großen Menschenauflauf zur Folge, aber Niemand schritt gegen den rohen Urheber desselben ein. er setzte vielmehr seine Brutalitäten fort, noch als er die Mauritius- straße swssirt hatte. Was die Veranlassung zu dem skandalöse» Vorkonrrnniß gewesen, ist nicht bekannt geworden.
o, Diebstahl. Am Sonntag Früh wurde in der Platterstraße eine der Polizei sehr bekannte Persönlichkeit mit einem Fifchkorb, enthaltend 89 Salatköpfe, abgefaßt. Die Entwendung derselben gestand der Betreffende schließlich ein, aus welchem Garten aber, wollte er nicht mehr wissen. Eigenthums, anfprüche können auf Zimmer 7 des Polizeidirettions-Gebäudes geltend gemacht werden.
— Besihwechfei. Die Wiesbadener Terrain-Gesellschaft. G. m. b. H., verkaufte ihr HcmS Adolssallce 6 an einen hiestgeu
H^rrn. „
— Kleine Rotrze«. Die R i e h l st r a ß e zwischen der Herderstraße und dem Kaiser Friedrich-Ring tsird zwecks Herstellung einer Wasser- und Gasleitung auf die Dauer der Arbeit für den Fährverkehr polizeilich gesperrt.
* Mainz, 4. Juni. Rheinpegel: 1 m 33 cm gegen 1 m 32 cm am gestrigen Vormittag.
‘""A Die Frühjahrs-Regatta des Rheinischen Segler- Brrkasdeö, welche vor 7-4- Tagen !ve.gen Windstille verlegt meiden mußte, fand am Sonntag statt und nahm einen sehr flotten Verlauf. Eine Südwestbrise, in Stärke 3 bis 4, erlaubte es zum ersten Wale die große, 13 Kilometer lange Bahll -wischen Biebrich und Niederwalliis glatt vorm Wrnd abzusege.n. soweit als sie stromauf führte, wobei die größeren Nachten riesige Zusatzsegel setzten und beim Setzen und Bergen derselben reckt" interessante Exercitien vorgeführt wurden. Pünktlich um 10' Uhr siel im Schiersteiner Hafen der Vorbereitnngsschuß und überraschte manches .Boot, van welchem Mannschaften noch an Land waren, vmgegen „Corsar" sofort an den gmj
und den ersten Platz belegte, um präcis mü dem Startschuß loszurausche«. Nachdem er um die Ecke verschwunden >var. fetzte er sofort sein großes Beisegel, während die übrigen Kmfer- preisrenner in der Reihenfolge „Mainnire", „Rvdenstem <
