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As, 247. Redaktions-Fernsprecher No. 52. dk« BO. Mül
BerlagS-Fernsprcchcr Nc. 2266. 1901.
Moi*gen*Ausgabe.
Ullthstandsarbriten.
Auch 5cm klügsten Volkswirth und Socialpokitiker' ist kein Mittel bekannt, um die regelmäßig wiederkehrenden geschäftlichen Krisen und mit ihnen eine Iveit ausgebreitete Arbeitslosigkeit zu verhindern. Wirthschaftliche Fluth und Ebbe hängen mit der Entwickelung der Welt- tvirchschast so eng zusammen, daß weder Wissenschaft noch Praxis bisher vermocht haben, auf diese mit der Gewalt großer Naturereignisse sich vollziehenden Vorgänge einen bestimmenden Einfluß zu gewinnen. Die Hoffnungen, daß durch die Jndustriekartelle die Waarenerzeugung ge- regÄst werde, daß eine großartige Ausbildung der Hanüelsstatistik, ein hochentwickelter industrieller Nach- nchtenverkehr mit den großen Waarenmärkten der Erde die Produktion zu einer gleichmäßigen gestalten, sie regeln lind damit allgemeine Geschäftskrisen verhindern werde, sind nur recht theilweise erfüllt worden.
Es ist auch nicht zu erwarten, daß der glückliche Zustand einer völlig gleichmäßigen, nicht von Ebbe und Fluth stark berührten wirthschaftlichen Entwickelung in ÄseWarer Zeit erreicht wird. Wenn inan aber hier mit Zustanden rechnen muß, die in regelmäßiger Wiederkehr unser gestimmtes sociales Leben erschüttern, so ist es eine Pflicht, mit Umsicht Maßregeln zu ergreifen, die ihre Wirkung erträglich machen. Das gilt besonders auch auf dem Gebiet der socialen Fürsorge. Dieselbe ist heute zu einer Wissenschaft geworden, von der die Lösung großer und schwerer Aufgaben verlangt wird. Sie wird diese Erwartungen nur erfüllen können, wenn sie, den socialen Nöthen gewissermaßen vorauseilend, die Politik vorbeugender Maßregeln inr großen Umfange ergreift. Mit einer derartigen Politik wird sie auch die Folgen geschäftlicher Krisen nicht beseitigen, aber erheblich lindern können.
Für die Mehrheit der Bevölkerung ist die Arbeits- lofigfeit die schwerste Folge eines geschäftlichen Niedergangs. Auch in diesem Winter konnte man beobachten, wie hart und traurig die Daseinsbedingungeu für viele Lausende werden, sobald die Krise durch das Land geht. Keine Arbeit bedeutet leider bei Vielen kein Brod, keine Kleidung, keine Wohnung, keinen Arzt in der Krankheit und keinen festen Boden unter den Füßen. Bei Tausenden richtet die Noth in solchen Zeiten Gesundheit und Ehrenhaftigkeit zu Grunde; die Ziffern der Sterblichkeit und der Kriminalität steigen und dem Einsichtigen erzählen sie von der Höhe socialen Elends.
Natürlich sucht man zu helfen. Auch die Ziffern des Armenbudgets der Gemeinden steigen, die stille Wohl- ihätigkeit feiert ihre schönsten Triumphe und die öffentlichen Wohlthätigkeitsvcraustaltungen werden sogar zu einem Sport der „guten Gesellschaft". Vereinzelt suchen die Gemeinden auch' durch sogenannte Nothstandsarbeiten
KeurÄetmr.
(Nachdruck verboten)
Pas Hühnerauge.
Von vr. «rock. Ebing.
: In Volkskreisen herrscht über das Hühnerauge noch eine sehr verkehrte Ansicht, daher leiden viele Menschen durch dieses kleine Auge Schmerzen oder geben unnützes Geld aus für werthlose Reklamemittel. Das Hühnerauge, welches besonders auf den Zehengelenken oder an Stellen entsteht, wo ein dauernder Druck ausgeübt wird, zeigt sich als eine linsengroße, hornige, aus konzentrischen Ringen bestehende Entartung der Haut. Ueber- läßt man diese Entartung sich selbst, so erhebt sie sich über die Hautfläche, bettet sich in eine Schwiele ein, welche ringförmig und wallartig den Kern des Hühnerauges umgiebt oder auch völlig bedeckt, was man nach einem warmen Fußbade sehen kann, weil dadurch die Schwiele ausquillt und durchscheinend wird. Die Schwiele ist gleichfalls ein Ergebniß des Druckes. In der Mitte der Hühneraugen-Schwiele liegt der tief in die Haut einbringende Kern, dem der Volksglaube eine Wurzel zuschrcibt, verkehrter Weise.
Die wahren Urheber sind die schräg durch die Oberhaut nündenden Hautsettdrüsen, die den Stoff absondern, welcher die Haut weich und geschmeidig erhält. Diese Drüsen verwandeln sich durch Störung ihrer Funktion zuerst in eine rothe, entzündete Stelle, dann bildet sich allmählich aus dem Drüsenbalg das Hühnerauge. Also auch hier warnt vorher die Natur durch Entzündung und Schmerz. Wer bei Zeiten diese Warnung beachtet, der bleibt frei von den lästigen und quälenden Hühneraugen. Verstopft sich so eine Hautfettdrüse, dann verdichtet sich auch di? Hautschmiere im Ausführungsgange, wie man das täglich an den sogenannten Mitessern im Gesicht sehen kann, die nämlich weiter nichts sind, als verstopfte Hautfettdrüsen oder Schmierbalggänge.
Ein anhaltender Druck, besonders bei zerrender Krümmung der tzoup xrhärtet den verstopften Aussührungsgang immer
die Bedürftigen vor der Bedrängniß zu schützen. Aber derartige Arbeiten erfreuen sich bei den Gemeindeverwaltungen fast immer nur einer sehr geringen Beliebtheit. Man ist nicht auf dieselben vorbereitet, man im- provisirt sie und weder die Gemeinden, noch die unter derartigen Umständen beschäftigten Arbeiter fühlen sich wohl dabei. Eine richtige Vorbereitung auf die Zeiten wirth- schastlicher Noth ist jedoch eine der wichtigsten Aufgaben der Socialpolitik der Gemeinden. Wie es feststeht, daß auch ihnen von derGegenwart eine große Summe socialer Pflichten auferlegt ist, so ist es auch nicht zu billigen, wenn sie, wie ein schlechter Hausvater, die Erfüllung dieser Pflichten „an sich herankommen lassen", sich ihrer erst dann erinnern, wenn sie laut und dringend an die Thüre des Rathhauses pochen.
Nothstandsarbeiten sollen nicht improvisirt, sondern von langer Hand vorbereitet werden. Wo das nicht geschieht, da hat man den Segen einer vorbeugenden Socialpolitik der Gemeinden noch nicht erkannt und man wird dann in schweren Zeiten des wirthschaftlichen Lebens nur mit Widerstreben an eine Aufgabe herantretcn, zu deren Lösung die Gemeinde eher als der Staat berufen ist. Wie nach den anerkannten Erfahrungen der Wissenschaft und des praktischen Lebens langandauernde Perioden großer Arbeitslosigkeit regelmäßig wiederkehren, so sollte auch in allen Gemeinden in jedem Jahre ein bestimmter Betrag für die Ausführung von Nothstandsarbeiten zurückgestellt werden. Es giebt in jeder größeren Gemeinde gewisse umfangreiche Arbeiten, die einst ausgeführt werden müssen, deren Beginn und Bollendung aber keineswegs an eine bestimmte Zeit gebunden ist. Eine reiche Fundgrube bilden in dieser Beziehung die oft weitausschauenden Stadterweiterungs- und Verschönerungspläne. Wer den guten Willen hat und mit der Oekonomie städtischer Verwaltungen vertraut ist, der wird zahlreiche städtische Arbeiten finden, die frühzeitig projektirt, finanziell durch die vorhin erwähnten jährlichen Rücklagen sicher gestellt und für Zeiten großer Beschäftigungslosigkeit als Nothstandsarbeiten vertagt werden können. Es kommen dabei vielleicht Straßenpflasterungcn, Kanali- sationsarbeiten, Erdbewegungen, aber jedenfalls auch zahlreiche andere Gcmeindearbeiten in Frage, die nicht unbedingt Vorkenntnisse, größere Uebnng und größere Körperkraft erfordern. Manche Arbeit, die derart gewissermaßen aufgespeichert werden könnte, ward bisher höchstwahrscheinlich in Zeiten großen Arbeitermangels, wie er in den letzten Jahren herrschte, ausgeführt und ist dann natürlich dem Gemeindesäckel theuer geworden.
Eine kluge Vorbereitung auf Nothstandsarbeiten liegt ebenso wesentlich im Interesse der Gemeinden, wie der bei wirthschaftlichen Krisen leicht arbeitslos werdenden Einwohner. Die Gemeindeverwaltungen haben zunächst einen, bei der gegenwärtigen socialen Verbitterung und Entfremdung nicht gering anzuschlagenden ideellen Vortheil. Sie beweisen, daß die unverschuldete Noth des armen Mannes Verständniß und würdigere Abhülfe findet, als dieses durch Armenunterstützung möglich ist.
Der sorgt am besten für den Arbeitslosen, der ihm statt eines beschämenden Almosens eine lohnende Beschäftigung giebt. Ist das letztere die Fürsorge der Genieinde- verwaltungen, so werden sie damit in schwerer Zeit in den Kreisen der ärmeren Bevölkerung vielfach ein Vertrauen wieder gewinnen, das ihnen leider oft verloren gegangen ist; sie werden beruhigend auf verbitterte Gemüther wirken und manche Gegensätze mildern.
Das die ideellen Vortheile; die materiellen liegen auf der Hand. Bei klug vorbereiteten Nothstandsarbeiten giebt die Geineindeverwaltnng keinen Pfennig unwirth- schaftlich aus, sie spart aber zunächst Armennnterstützung. Wir sagten schon, daß in beschäftigungslosen Jahren das Armenbndget der größeren Genieinden stark anschwillt; schon diese Thatsache sollte längst Maßregeln in dem von uns empfohler.en Sinne gezeitigt haben. Auch der Ausfall der Gemeindesteuern würde ein geringerer sein, die Zahl der fruchtlosen Pfändungen würde zurückgehen, Befreiungen von Schulgeld und anderen städtischen Lasten würden weniger häufig verlangt werden; die Konsum- Fähigkeit vieler Arbeiter würde erhalten und daraus auch dem Handel und Wandel in derGemeinde im Allgemeinen ein Vortheil erwachsen.
Aber die Wirkung würde eine noch tiefere sein. In den Zeiten derVeschäftigungslosigkeit legen viele Arbeiter den Keim zu schweren Krankheiten — die Entbehrung macht den Körper mürbe — zur Tuberkulose und zum Alkoholismus. Es ist ein alter Erfahrungssatz, daß eine kräftige Ernährung der größte Feind des Branntweins ist, wie dieser im Allgemeine» auch auf den schlechtgenährten Menschen am stärksten wirkt. In der bekannten alten schlimmen Anschauung von der „kräftigenden Wirkung" des Alkohols befangen, greift der schlecht- genährte, durch die vergebliche Suche nach Beschäftigung niedergedrückte Arbeiter zur Flasche. Die Folgen bleiben nicht aus; auch für die Genreinden nicht, deren Unterstützung in vielenFällcn schließlich in Anspruch genommen iverden muß, wenn Alkohol und Krankheit eine Fainilie an den Bettelstab gebracht haben.
Aus Stadt und Land.
Wiesbaden, 30. Mai.
«. Verschönerung des Schlostplatzes. Das Projekt für die Umgestaltung des Schloßplatzes und der Umgebung des Rathhauses, das der Stadtverordnetenversammlung in der heutigen Sitzung zur Beschlußfassung vorgelegt werden wird, hat, wenn es zur Annahme gelangt, insofern eine einschneidende Veränderung des Schloßplatzes zur Folge, als cs a u f die Frontlängen des Königlichen Schlosses, des Kavalierhanses und der Wilhelms-Heilanstalt fünf Meter breite gärtnerische Anlagen oder Vorgärten Vorsicht. Damit solle, wie es heißt, einem speziellen Wunsche Ihrer Majestät der Kaiserin entsprochen werden, und der Magistrat habe deshalb auch, obwohl sich die Baudeputatton gegen diese Vorgärten ausgesprochen,
mehr bis zur Hornartigkeit; die Oberhaut, welche mit dem Ausführungskanal zusammenhängt, wird in Mitleidenschaft gezogen und bildet schließlich die harte Schwiele. Man kann daher mit einem Messer oder einer guten Scheere erst mehrere Schichten der schwielig gewordenen Oberhaut hinwegnehmen, ehe man auf das eigentliche Hühnerauge, also auf den harten, ehemaligen Ausführungsgang des Hautschmierbalgcs trifft.
Bei der Bildung des Hühnerauges, wenn die Masse beginnt, undurchsichtig zu werden, tritt oft in der Mitte derselben eine dunklere, manchmal schwärzliche Färbung ein; dieser gefärbte Punkt gleicht einer kleinen Augenpupille, was die Veranlassung war, daß man das ganze Horngebilde mit dem Namen Hühnerauge, auch Elster- oder Krähenauge belegte. Bei zunehmender Verstopfung des Drüsenganges und Mitleidenschaft des Balges verliert die Drüse ihre normale Gestalt, sie wird spindelförmig und ihre Funktionen hören auf; sie verwandelt sich in eine harte kompakte Masse in Form einer spindelförmigen Säule. Erstrecken sich die wurzelähnlichen Fortsätze durch die Lederhaut bis auf die gefäßreiche Knochenhaut, heften sich die Fortsätze an die Gelenkkapseln der Zehe, so entsteht bei jeder Bewegung ein zerrender und reißender Schmerz. So sieht man oft Menschen mit gebogenen Knieen, mit schleifenden oder vorsichtig tastenden Füßen gehen. Man sieht sie ängstlich jedem Gedränge ausweichen, man sieht sie mit ängstlichen, verstimmten oder reizbaren Mienen, bloß weil sie schmerzende Hühneraugen haben, die sie ängstlich vor jeder Berührung, jedem Stoß bewahren. Bei solchen geplagten Menschen ist stets eine Spannung, Kongestion oder entzündliche Stockung vorhanden und ein durch jeden Druck oder jede Dehnung verstärkter Schmerz.
Wird die Atmosphäre feuchter, steht also Regenwetter bevor, so saugen alle hornartigen Gebilde unmerklich mehr Feuchtigkeit aus der Luft ein, da sie oben sehr hygroskopisch sind. Dadurch nimmt die Spannung und zugleich der Schmerz zu, dadurch wird das Hühnerauge in vielen Fällen zum Wetterpropheten.
Es finden sich auch Hühneraugen im Winkel zwischen der kleinen und vierten Zehe ein, weil dort viele Schmierbälge liegen. Die hier entstehenden Hühneraugen zeigen in der Mitte eine Vertiefung oder ,eine, kleine, graue, von perlsarbigem Ringe umgebene
Höhle. Der Ring löst sich leicht in einem warmen Fußbadc av. Man nennt diese Hühneraugen weiche, aber sie sind die schmerzhaftesten, weil hier viele Nervenfasern liegen, die den Schmerz sehr leicht weiter leiten.
Hühneraugen am Mittelfußrande, unter der Fußsohle oder am Hacken bestehen meist aus Verhärtung mehrerer, nahe zusammenliegender Hautschmierdrüsen und zeigen dann mehrere Kerne, welche von einer einzigen Schwiele umgeben sind. DaS i? das Hühnerauge, welches der Franzose Oignon nennt. Lange andauernder Druck ist zwar die gewöhnliche Ursache der Hühneraugen, doch giebt es auch eine Disposition zu dieser Bildung, namentlich bei Menschen, die eine zarte, empfindsame Haul, ein schlechtes Drüsenleben oder eine skrophulöse Konstitution haben.
Wie bei allen Leiden und Krankheiten, so ist cs auch bei den Hühneraugen, man verhindert sie leichter, als man sie heilt oder vertreibt. Man verhüte die Ursachen der Entstehung, also die Verstopfung der Hautschmierdrllsen. Dieses geschieht durch Reinlichkeit, indem man mindestens zweimal wöchentlich ein warmes Fußbad nimmt und nach demselben die Haut einfettet; letzteres hält die Hautporen ganz besonders offen und verhütet die Verstopfung und Verhärtung. Neben Reinlichkeit muß man für bequemes, richtig geformtes Schuhzeug sorgen. Auch hohe Absätze sind zu meiden, denn sie drücken die Zehen zu sehr nach vorn und krümmen sie. Auch dürfen die Strümpfe nicht zu hart sein.
Vorhandene Hühneraugen sind nicht immer leicht zu vertreiben. Eine gründliche Heilung wird nur erzielt, wenn die verstopfte Drüse wieder zu ihrer normalen Funktion zurück- geführt wird oder das Hühnerauge ganz ausgehoben wird. Dieses kann durch eine Operation geschehen, die aber nur die wenigsten Hühneraugen-Operateure verstehen. Die meisten schneiden nur das Hühnerauge, was zwar den Schmerz lindert, aber das Nachwachsen nicht hindert. Ein besonderes Wunder- Hühneraugenpflaster giebt es nicht. Badet man das Hühnerauge recht oft in warmem Seifenwasser, legt nach jedem Bad irgend ein Pflaster auf, sei es Heft-, Mutter- oder Diachylon- Pflaster, so hebt sich schließlich das gange Hühnerauge aus und man ist von der Mage befreit.
