Jahrgang.
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M». 240. Krtallionä.geraftireifl« 9!o. 52. Freitag, de« 24. Mai. 9i«. 2266. 1901.
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Deutsches Deich.
Goluchowskis Rede.
D. Berlin. 23. Mai.
Don Ausführungen des Grafen Goluchowski in der ungarischen Delegation werden hier vor Allem diejenigen Partieen bemerkt, die sich auf die handelspolitischen Fragen beziehen. Es ist das Eigenthümliche in der Rede des österreichisch-ungarischen Staatsmanns, daß ungefähr rede wirthschaftspolitische Richtung bei uns Folgerungen daraus zu ihren Gunsten ziehen kann. Gewiß giebt Graf Goluchowski zu verstehen, daß es ihm auf eine Verständigung durch beiderseitige Zugeständnisse ankommt, aber er spricht es anderersests hinlänglich deutlich aus, daß das Entgegenkoinmen von Wien her eine bestimmte Grenze nicht überschreiten wird. Jene wie diese Absicht steckt^in der Rede, und so versteht man es, daß sich hier die Freunde der Handelsvertragspolitik mit demselben Rechte auf den Grafen Goluchowski berufen können, wie es die Agrarier auch thun. Schließlich freilich kommt die Sache darauf hinaus, daß man in Wien abwarten wird, wie viel Widerstand Graf Bülow dem agrarischen Drängen entgegenzusetzen gewillt und fähig ist, und daß Oesterreich-Ungarn hiernach seine Wirtschaftspolitik uns gegenüber einrichten wird. Es will an und für sich ja nicht viel bedeuten, wenn Graf Goluchowski merken läßt, daß eine befriedigende Regelung der wirthschaft- lichen Beziehungen zur Festigkeit des politischen Freundschaftsverhältnisses beitragen werde. Will ec damit einen Druck nach Berlin hin ausüben, so ist es klar, daß von hier aus dasselbe auch nach Wien hin geschehen kann. Immerhin wird man wohl das Richtige treffen, wenn inan davon ausgeht, daß die leitenden Staatsmänner hüben und drüben ebenso gut wie die großen Erwerbsklassen in beiden Ländern überzeugt davon sein müssen, daß der Friede dem Kriege vorzuziehen ist. Die Hoff- wmg, daß die Herrschaft langfristiger Tarifverträge Fortdauern wird, findet. Alles in Allem, durch die Rede des Grafen Goluchowski jedenfalls dieselbe werthvolle Unterstützung, die diese Hoffnung vor Kurzem durch die Florentiner Rede Lnzzattis finden konnte. Vor Allem jedoch wirkt es beruhigend, daß solche Kundgebungen des Vertrauens aus die Zukunft nicht in Widerspruch stehen mit der Politik der maßgebenden deutschen Stellen, von denen sich immer klarer herausstellt, daß sie Zollkriege für ein unbedingt zu vermeidendes Nationalunglück halten.
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* Hof- und Personal-Nachrichten. Staatsminister Dr. v. Miquel ist, nach einer Meldung aus Breslau, in Zoffel, Kreis Oels, auf dem Gut seines Schwiegersohnes ein- getrosfen. Er wird dort drei Wochen bleiben und kehrt alsdann nach Berlin zurück, wo er zu einer Privat-Audienz beim Kaiser befohlen ist. Anfang Juli siedelt Herr v. Miquel nach Frankfurt a. M. über.
» Berlin, 24. Mai. In Provinz-Organen wird die Meldung verbreitet, es hätten in der letzten Zeit Verhandlungen mit einem Mitglied der Freisinnigen stattgefunden, wonach die Berufung eines Angehörigen dieser Partei zu einem hohen Staatsoder vielmehr Reichsamt in Frage stehe. Durch die Aussicht auf me Berufung eines freisinnigen Staatsmannes soll die Linke für die auswärtige Politik der Regierung, insbesondere für den Anschluß an England, definitiv gewonnen werden. Das „Berliner Tageblatt" ist in der Lage, diese Mittheilung für Phantasie-Gebilde zu erklären, denen jeder reale Hintergrund fehle. Insbesondere haben Verhandlungen mit einem Mitglied der freisinnigen Vereinigung, von der hier die Rede ist, nicht statt- gesunden.
... .Die „Kreuzzeitung" bestätigt die Nachricht, daß der zuständige Ausschuß des Vundesraths die Gleichstellung der Abiturienten der Gymnasien und Real-Gymnasien bezüglich der Zulassung zum Studium der Medizin beschlossen, aber von d-r Ausstellung dieser Gleichstellung auf die Oberrealschulen Abstand genomnrrn hat. Me das Blatt ferner hört, ist es vrcht unwahrscheinlich, daß Äik Entscheidung bezüglich Sxx Zu?
lassung zum Studium der Rechten und zu den richterlichen Prüfungen von der hierfür zulässigen Stelle in gleichem Sinne ge troffen werden wird.
Die Generalversammlung des Hauptverbandes deutscher Flottenvereine im Ausland fand im Reichstagsgebäude unter dem Vorsitz des Herzogs Adolf Friedrich zu Mecklenburg statt. Das Vermögen des Hauptverbandes be ziffert sich zur Zeit auf ungefähr 350,(XX) Mk.
* Zum Schuhe der Reden und Auslassungen des Kaisers wird weiter gemeldet: Schon längst erregte es den Unwillen des Kaisers, wenn kurz nach einer von ihm gehaltenen Rede der Wortlaut derselben in den Zeitungen stand. Besonders ungehalten war er, als die Rede veröffentlicht wurde, die er bei der Einweihung der Alexander-Kaserne gehalten hatte. Er soll damals geäußert haben, daß das, was er als oberster Kriegsherr zu seinen Soldaten spreche, die große Oeffentlichkeit nichts angehe. In Zukunft soll Derartiges unmöglich sein. Etwaige Berichterstatter, die zu Kaiserveranstaltungen zugelassen werden, sollen verpflichtet werden, über die Rede des Kaisers nichts zu veröffentlichen, da alles Erforderlich« der „Reichs-Anzeiger" und das „Wolff'sche Bureau" erhalten. Hofrath Schneider vom Wolff-Büreau dürfte demnach das Monopol über die Reden des Kaisers erhalten. Die erste Beschränkung der Berichterstatterfreiheit soll bei der Enthüllung des Bismarck-Denkmals am 3. Juni eintreten.
* Rundschau im Reiche. Das Resultat der Reichstags- Ersatzwahl im Wahlkreis Greifswald liegt bis auf einige wenige Bezirke nunmehr vor. Wie das „Berliner Tageblatt" erfährt, sind jetzt für den konservativen Landrath v. Vehr 7263 Stimmen, für den liberalen Kandidaten Gothein 6019 und für den Kandidaten der Socialdemokraten Knappe über 1800 Stimmen gezählt worden. — Gegenüber einer Behauptung des Generals Spitz erklärt die „Weserzeitung", es sei als gänzlich bedeutungslos unerwähnt geblieben, daß das Weiland'sche Eisen st ück nach dem Kaiser noch einen Herrn aus dem Publikum getroffen habe. Dieser habe keine Kontusion, nicht einmal einen blauen Fleck davongetragen. Auch nachdem er vom Attentat erfahren, habe er den Zusammenhang mit dem ihn treffenden leichten Wurf nicht geahnt. — Aus Darmstadt wird gemeldet: Die zweite Kammer nahm einstimmig den Antrag des Socialdemokraten Ulrich auf Entschädigung unschuldig Verhafteter in der vom Ausschuß beantragten Fassung an, wonach die Kammer die Regierung ersucht, baldmöglichst ein Gesetz vorzulegen, durch welches eine feste Entschädigung für unschuldig Verhaftete eingeführt wird.
ArrsLemd.
* Frankreich. Der Senat wählte einen 18-gliedrigen Ausschuß für das Vereinsgesetz. Bis jetzt sind 16 Mitglieder benannt, von denen 10 für den Entwurf und 6 dagegen sind. Die Mehrheit des Ausschusses wird also unter allen Umständen der Vorlage günstig gegenüberstehen.
* Spanien. Der Ministerrath trat vorgestern Abend zusammen. In demselben wurde das Wahlresultat mit- getheilt. Gewählt sind 244 Liberale und 157 Oppositionelle. Der Ministerpräsident Sagasta theilte sodann sein Programm mit. Er schlug u. A. vor, einen Ausschuß von Liberalen aller Parteien ju ernennen, mit dem Auftrag, allen Ungerechtigkeiten nachzuspüren und sie zu beseitigen. Die Minister traten einstimmig den Ausführungen des Ministerpräsidenten bei. — Aus Madrid wird uns unterm 20. Mai geschrieben: Die Regierung darf mit dem Wahlergebniß zufrieden sein, denn mit einer Mehrheit von 230 Stimmen gegen eine Minorität von insgesammt 149 Abgeordneten läßt sich schon etwas anfangen. Außerdem ist der ministeriellen Majorität ein gewisser Spielraum insofern gelassen, als 21 der gewählten Deputirten zu keiner der Regierungsparteien gehören und sich demgemäß bald der einen, bald der andern anschließen können. Als bedeutsamste Ergebnisse der Wahlen dürfen im Uebrigen folgende Thatsachen angesehen werden: die Zersplitterung der Altliberalen, der ehemaligen Regierungsfrcuude, die im Stillen gewühlt hatten, in der Hoffnung, an das Ruder zu kommen. Dieselben haben aber nur 18 Kandidaten durchbringen können, infolge dessen lediglich einen untergeordneten Platz zu erringen vermocht. Ferner kommt in Betracht, daß die bekannte National- Union, trotz der Bemühungen ihres Direktoriums und besonders des Präsidenten Paraiso, der auf die Unterstützung sämmtlicher spanischen Handelskammern rechnete, nur 10 Sitze gewann, d. h. genau so viel, wie Romero Robledo für sich allein eroberte.
Es ist im Grunde genommen nicht gerade erfreulich, daß ein Verband, der sich die Hebung der wirthschafilichen Verhältnisse des Landes zur Aufgabe gemacht hat, im Parlament sich nur einen geringen Einfluß zu sichern vermochte. Das kläglichste Fiasko erlitten zweifellos die Socialdemokraten, die mit ihrem einzigen durchgebrachten Kandidaten gewiß keinen Staat machen können, zumal, da gutem Vernehmen nach auch dieser Sieg nur mit Hülfe der Regierung möglich war, die Vertreter aller Parteien in den Cortes haben wollte und deshalb im Geheimen die Socialdemokraten unterstützte. Endlich sei noch hervorgehoben, daß die Republikaner das von den Carlisten verlorene Terrain gewannen. So darf die Regierung mit dem Erfolge der Wahlen zufrieden sein, und es wird nunmehr an ihr liegen, dieselben praktisch auszunützen.
* Serbien» Gegenüber den serbischen Versuchen, die letzte Detzesche des Czaren an König Alexander als Beweis für die
ungetrübten Beziehungen zwischen Rußland und Serbien hinzustellen, wird in Wiener Meldungen versichert, daß der Czar über die letzten Vorgänge in Belgrad sehr aufgebracht sei.
* Griechenland. Aus Athen, 16. Mai, schreibt man uns: Die Reorganisation der Streitkräste zu Lande und zu Wasser bildet schon seit Monaten den Gegenstand heißer Parteikämpfe in Griechenland, und man war gewissermaßen berechtigt, anzunehmen, daß bei den vorhandenen Dissonanzen überhaupt nichts herauskommen werde. Nun ist aber doch ein Ergebniß erzielt worden, das insofern Bedeutung hat, als speciell für die Marine nicht, wie ursprünglich beabsichtigt war, ein deutscher, sondern ein französischer Instrukteur in Aussicht genommen wurde, obwohl der französische Admiral Favier, der früher schon einmal die griechische Marine auf ihre Reformfähigkeit hin geprüft hatte, sich seiner Zeit nicht eben lobend aussprach. Die antideutsche Partei scheint demnach die Oberhand gewonnen zu haben. Was die Einzelheiten der im Mtnisterrath beschlossenen Neuerungen anlangt, so soll für die Marine-Neubauten eine jährliche Summe von 2 Millionen Mark in das Budget eingestellt werden. Ferner ist ein Jahresbetrag von 1 Million Mark dazu bestimmt worden, 12 Feldbatterieen, 12 Bergbatterteen und 60,000 Mannlicher-Gewehre anzuschaffen.
Dev Aufstand in China.
Generalfeldmarschall Graf Waldersee meldet aw 20. Mai aus Peking: Li-Hung-Tschang hat sich entschlossen, die Boxer an der südlichen Demarkationslinie ernstlich zu bekämpfen. Jetzt operircn seine Generale im Verein mit fran- zösischenTruppen unter Leitung des Generals Bailloud. Hauptmann Knörzer ereilte und zersprengte mit 3. und 8. Compagnie 3. Regiments eine entkommene Boxerabtheilung von 400 Mann bei Mantcheng (22 Kilometer nordwestlich von Paoiingfu). Bei der 8. Compagnie sind bis jetzt 5 Verwundete festgestellt.
wb. Berlin, 23. Mai. Graf Waldersee meldet aus Peking von gestern: Nordwestlich Wan, 28 Kilometer von Paoiingfu, fanden weitere Zusammenstöße von Theilen des Bataillons Wichura mit zersprengten Voxer-Wtheilungen statt. Die feindlichen Verluste betragen 110, die eigenen 2 Verwundete.
bä. Berlin, 23. Mai. Dem „Lokal-Anzeiger" wird aus Peking telegraphirt: Die gestrige Sitzung der Gesandten,
in der die Entschädigungsfrage verhandelt wurde, verlief ohne Resultat und wurde auf heute vertagt. Im Ganzen ist die Stimmung gegen eine Herabsetzung der Entschädigungssumme. Auch über die Art der Einbringung sind die Meinungen noch immer getheilt. Wie verlautet, wird Graf Waldersee, der sich Anfang Juni nach Japan begiebt, sich daselbst 14 Tage aufhalten. Bon dort soll entweder auf dem Dampfer „Gera" oder „Batavia" über Shanghai die Rückreise angetreten werden, auf der der Feldmarschall Deutsch-Ostafrika besuchen will.
Berlin, 23. Mai. Aus Peking wird berichtet: „Nach den neuesten Bestimmungen werden als Gesandischaftswachen in Peking von Deutschland, Frankreich, England, Rußland und Japan je 300 Mann verbleiben, von Italien und Oesterreich- Ungarn je 200 und von Amerika 150 Mann. In Tientsin bleiben vorläufig zusammen 6000 Mann; von diesen werden später 4000 zurückgezogen werden. In Schanhaikwan und Tsinantau werden 1500 Mann belassen. Zur Bewachung der Eisenbahn Peking-Schanhaikwan sind neun Posten mit je 300 Mann,immer von derselben Nation, vorgesehen. Die Posten am Pciho werden von Truppen aller Kontingente, außer Oesterreich und Amerika, durch kleine Abtheilungen besetzt werden. Im Ganzen verbleiben 12,500 Mann in Petschili."
bä. London, 24. Mai. „Daily Mail" berichtet aus Hongkong: Die Russen bemächtigten sich anläßlich der Zerstörung des Zeughauses von Shigu für drei Millionen Rubel Gewehre und Munition. Trotz des großen Werthes dieser Maaren will Rußland augenblicklich diese Summe von der Indemnität nicht Abziehen. ________
Der Freiheitskrieg der Kuren.
Brüssel, 22. Mai. Auf Grund authentischer Nachrichten aus Südafrika verlautet hier, Kitchener sei des Feldzuges müde und habe um seine Abberufung nachgesucht, wenn die Londoner Regierung ihm nicht absolute Machtvollkommenheit einräume und neue Friedensuntcrhand- lungen anknüpfe. Kitchener will sonst nicht über den Juni hinaus tu Südafrika verbleiben. (M. N. N.)
wb. Kapstadt, 22. Mai. Von allen Seiten gehen Nachrichten ein, welche besagen, daß die Kommandos der Aufständischen in der Kapkolonie und dem Oranje-Freistaat den Befehl erhielten, sich zu konzcntriren. Die Militärbehörden sind zwar darauf vorbereitet, daß Dewet möglicher Weise beabsichtige, das Kommando über die konzentrirten Truppen zu übernehmen, sie haben aber keine Kenntmß davon, daß Dewet sich schon auf dem Boden der Kapkolonie befindet.
London, 23. Mai. Mit den neu eingetroffenen Verstärkungen haben die Buren wieder über 1200 Mann in vier Kommandos unter dem Oberbefehl Hertzogs in der Kapkolonie. Alle privaten Berichte von der Front lauten pessimistisch und prophezeien, daß der Krieg mindestens noch über ein Jahr dauern werde. An der Delagoabahn wird wieder heftig gekämpft.
„Morning Leader" publizirt folgendes offizielle Schreiben, staZ der britische Lager-Adjutant in Paardekop am 2. Oktober an einen Burenkommandanten sandte: Vom Kommandeur zu Paardeberg an Feldkornet Franz Badenhorst, Ich möchte Sie
