Seite 4. 22. Mai 1901.
WieSvavener Tagvlatt (Morgeu-LluSgave). L?crlaq: Lauggaffe 27 .
49. Jahrgang. vto. 235.
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Am 22. Mai er. sollen in den drei evangelische» Gemeinde» unserer Stadt die Erneuerungs-Wahlen für den Kirchenvorstand und die Gemeindevertretung stattfinden. Diese Wahlen, welche gemeinhin als bedeutungslos angesehen werden, haben indeß eine ganz besondere Tragweite. Aus den Mitgliedern der Kirchen- vorständc und Gemeindevertretungen werden die Mitglieder der Kreissynode und aus diesen wieder die der Bezirkssynode genommen, welch' letztere an der Leitung und Verwaltung der ganzen Landeskirche milbetheiligt ist.
Es ist darum jedem Gemeindemitglied bei den bevorstehenden Wahlen Gelegenheit gegeben, seinerseits die Richtung zu beeinflussen, welche das kirchliche Leben im engeren und im weiteren Kreise nehmen soll. Wer dieselbe sicht in der Anfrechterhaltung unserer
symbolfreien Union, in der Selbstständigkeit unserer nassanischen Landeskirche, in dem fortschreitenden Ansban unseres kirchlichen Lebens im Zusammenhang mit der geistigen Kultur unserer Zeit, i» der Gleichberechtigung der verschiedenen theologischen Richtungen innerhalb unserer Kirche «nd deren friedliches Zusammenarbeiten zum Wohle des Ganzen, der komme zur Wahl und gebe den von uns bezeichnetcn Männern seine Stimme.
In erster Linie ist aber eine zahlreiche Betheiligung an der Wahl Erfordeniiß.
Schon einmal hat die kleine aber rührige kirchlich-conscrvative Partei durch eine Uebcrrumpelung in der Bergkirchen-Gemcinde eine Wahl in ihrem Sinne zu Stande gebracht, nur deshalb, weil unsere Gesinnungsgenossen glaubten, daß die Wahlen wie seit Jahrzehnten in ihrem Sinne ansfallen würden, ohne daß sie sich darum zu kümmern brauchten.
Soll sich dies Ereigniß bei den diesjährigen Wahlen wiederholen?
Soll bei der überwiegenden liberalen Mehrheit unserer Gemeinden eine Minderheit das Regiment in die Hand bekommen?
Sollen unsere liberalen Geistlichen, die wir unter Kämpfen und Mühen in ihre Stellungen gebracht haben, in ihrer Arbeit im Stich gelassen werden?
Soll die Arbeit hervorragender Laien — wir nennen nur die Verstorbenen Olfenius, v. Eck, Schirm, Firnliaber, v. Reichenan, Beckei, Fresenius — umsonst gewesen sein? , , ,
Soll der mühsam erworbene Besitzstand und das innerkirchlich-fricdliche Verhältniß in unseren Gemeinden in Frage gestellt werden?
Soll mit einem Worte die Gleichgiltigkeit in unserem Lager unseren Gegnern zum Sieg verhelfen?
Nein — sie soll es nicht und wenn unsere Freunde und Gesinnungsgenossen am 22. Mai ihre Schuldigkeit thun, dann wird sie es auch nicht.
Darum ans zur Wahl! , , .
Unsere Kandidaten sind im Großen und Ganzen die nach dem Gesetz ausscheidenden erprobten Männer. Wahlzettel in blahrother Farbe werden am Wahllokal (Wahlsaal des RathhauseS) vertheilt werden. P459
Wiesbaden, den 20 . Mai 1901 .
' ' Wilhelm Arntz, Rentner. Jacob Becker, Schneider
meister. E. Behrenck, VcrlagsbuchHändler. Fr. Berger sen., Tapezircr. Chr. Beuttenmüller, Rentner. H. BShles, Maurermeister. G. Boesser, Landgerichtsrath a. D. B. Blume, Baumeister. W. Dahlheim, Rentner. August Dietz, Rentner, v. Eck, Rechtsanwalt. W. Fresenius, Professor. F. Gottwald. B. Heil, Oberlehrer. J. HSlper, Verwalter a. D. Ehr. Hoppli, Fabrikant. K. Hofheinz, Lehrer. J. C. Keiper, Kaufmann. W. Kimmei, Rentner. C. Kirchner, Kaufmann. E. Kugel, Privatmann. E. Meyer, Zahnarzt. C. Hornberger, Privatier. H. Möller, Rector, de Niem, Landgerichts-Director. Dr. Pröbsting, Arzt. E. Rumpf, Schuhmachermeister. H. Schweitzer, Kaufmann. F. Strassburger, Director. H. Treisbach, Schuhmachermeister. W. Vogelsberger, Oberingenieur a. D. L. Wintermeyer, Reichs- und Landtags- Abgeordneter. Georg Zollinger, Drechslermeister.
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