2. Beilage jum Wiesbadener Tagblatt.
Uo. 236. Abend-Ausgabe.
Mittwoch, den 22. Mai.
49. Jahrgang. 1901^
tyotn Dücherlifch.
" o m Verlag von Rlld. Bechtold u. Comp, in Wiesbaden erschien soeben „Am Lebenswegc". Neue Aufzeichnungen oou Jda Schneider. Otto v. Leixner zugeeignet. Mit dem Bild der Dichterin. (Preis elegant geb. 4 Mk. 60 Pf.) Die Verfasserin der „Vergilbten Blatte r", denen wir seiner Zeit eine warm anerkennende Besprechung mit auf den Weg geben durften, bewährt sich auch in diesem neuen Buch, aus dem wir in de» „Unterhaltenden Blättern" bereits einige Proben gaben, als eine Dichterin von Lebensklnghcit und vornehmer Lebensauffassung. In hübscher Form bietet sie einen reichen Blüthenstrauß trefflicher Sentenzen dar, den wir in seiner hübschen äußeren Ausstattung zum gediegenen Schmuck für das Bücherbrett bestens empfehlen.
Zum'22. Mai, als zum 400. Todestag des Robertus G a g u i n u s, veröffentlicht Herr Dr. Gaquoin hier eine kleine Denkschrift im Verlag von Karl Winters Universitäts-Buchhandlung zu Heidelberg. Er widmet sie den Verwandten seiner Hanauer Stammfamilie, die jenen Robert zu den Verwandten ihrer Ahnen rechnete. — Robert Gagvin war, nach dem Zeug- niß des Erasmus von Rotterdam, der hervorragendste' französische Humanist der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts; sein Raine wurde im vorigen Jahre gelegentlich der Gutenbergseier öfters genannt. Er war Professor zu Paris, Minister- General des Ordens der Trinitarier und verfaßte viele Schriften, meist in lateinischer Sprache, darunter eine Geschichte der Franken. In hoher Gunst stand er bei den französischen Königen, die ihn, den bedeutendsten Redner seiner Zeit, öfters mit diplomatischen Aufträgen nach England, Italien und Deutschland sandten. Allgemeineres Interesse bietet die Denkschrift durch die beiden Gedichte des Gaguinus, die der Verfasser der Denkschrift im lateinischen Text und in freier Uebertragung ins
Deutsche giebt, der Elegie zum Lobe Heidelbergs, wo Gagvin vorübergehend am Hof des Kurfürsten Philipp weilte, und der E l e g i c z u m Lobe des deutschen G c i st e s, an die Heidelberger Studenten gerichtet, zum 13. Februar 1492. Der Verfasser giebt auch den größten Theil des Schreibens, in dem Erasmus jenen Robert in überschwänglicher Weise verherrlichte. Die Schrift bringt als Titelbild das Brustbild Roberts.
* A. Hartlebens „Kleines Statistisches Taschenbuch über alle Länder der Erde". Achter Jahrgang. Rach den neuesten Angaben bearbeitet von Prof. Dr. Friedr. Umlauft. Geb. 1 Mk. 60 Pf. (A. Hartlebens Verlag, Wien.) Dieser neue Jahrgang des „Kleinen Statistischen Taschenbuchs" enthält bereits die Volkszählungsergebnisse vom Jahre 1900 für Oester- reich-Ungarn, das Deutsche Reich und die Vereinigten Staaten von Amerika, wie überhaupt seine Angaben sich alle auf die Gegenwart beziehen und zumeist den Jahren 1900 und 1901 entsprechen. Der überaus reiche Inhalt, welcher die wichtigsten geographisch-statistischen Daten über sämmtliche Länder der Erde bringt, hat in dem neuesten Jahrgang noch eine Vermehrung erfahren, indem bei jedem Staat Angaben über die Nationalität und die Konfession der Bevölkerung ausgenommen wurden. Von besonderem Interesse sind die vergleichenden Zusammenstellungen im „Anhang", welche beispielsweise das.rapide Wachsthum der Bevölkerung der Erde erkennen lassen. Während die Menschheit 1893 1480 Millionen zählte, war sie im Jahre 1900 dagegen auf 1653 Millionen gestiegen; die Zahl der Großstädte mit mindestens 600,000 Einwohnern belief sich 1893 auf 31, im Jahre 1900 dagegen schon auf 46. Ebenso sind auch die vergleichenden Uebersichten über die Eisenbahnen, Telc- graphenlinien, Handelsflotten, Armeen, Kriegsflotten und Staatsschulden Europas sehr lehrreich.
* Tirol giebt seine Visitkarte ab in Form einer neuen, vollständig revidirten Ausgabe von Freytags Lestbekannter Reise-
und Wanderkarte von Tirol, Maßstab 1:350,000, welche ebeii^
bei G. Freytag u. Bemdt, Wien Willi, erschien. Preis 2 Mh 50 Pf. Die namentlich in heller Beleuchtung prächtig wirkend^, Karte ist sehr werthvoll für Zusammenstellungen von Touret für Wanderungen, die nicht unbedingt Spezialkarten erfordern?- wie als Wandschmuck für jedes Touristenheim, und sei hiermit bestens empfohlen.
* U e b e r B ll ch e r t i t e l. Das zweite Maiheft der für Litteraturfreunde fast unentbehrlichen Halbmonatsschrift „DaH litterarische Echo" ist mit einer fesselnden Studie von R. Fürst „Die Mod« im Buchtitel" eingeleiiet. Von den weitläufigen Büchertiteln des 17. Jahrhunderts, die den: Leser „ernstlich^ Belehrung und ehrliebende Ergetzlichteit" versprachen, geht de^ Autor auf die Blüthezeit des Familienromans über, der als Titel möglichst schlicht-bürgerliche Eigennamen wählte. Aon den Ritterromanen, die alle „urteutsche" Namen trugen, sank der Geschmack dann allmählich zu den berüchtigten Räuber- und' Gespensterromanen herab, die noch heute in den Kolportageromanen unverwüstlich sortleben. Einige Titel, wie „Draho- mira mit dem Schlangenring, oder die nächtlichen Wanderer itf den Schreckensgefängnissen von Karlstein", und „Radomar dekl Leopard, Bundeshaupt der Flammcnritter, oder der Todtentanz im Wiener Wald", geben einen Begriff davon, wie viel der Ge-, schmack der Zeit vertragen konnte. Darauf folgt nach einigen Zwischenstadien die Zeit der Klaffentitel. Heyses „Kinder der Welt", Spielhagens „Problematische Naturen" gehören dahink Damit ist der Verfasser auch bereits bei den neuesten Erscheinungen angelangt, die nicht so ganz scharf zu charakterisiren sind. In den weiteren Raum des Heftes theilen sich u. A. eine Besprechung der bedeutenden Schiller-Biographie Weltrichs, Proben aus einer Novellensammlung „Die Letzten" von Heyde- mann-MLhring, und die äußerst übersichtlich redigirten Rubriken „Echo der Zeitungen", „Echo der Zeitschriften" und „Briefe des. Auslandes", die alles für den Litteraturfreund Wichtige er-: schöpfend behandeln.
Bekanntmachung.
Freitag, den A4. d. M., 1« Uhr Vormittags, werden im hiesigen Vcrsandt- Güterschuppen 700 Kgr. Kochsalz und 3« Kgr. gebrannter Kaffee öffentlich an den Meistbietenden gegen Baarzahlung verkauft. F 256
Wiesbaden, den 21. Mai 1901. Kgl.Eisenbahn-Perkehrsinspection.
Freitag, den 24. Mai, Abends 87 a Uhr,
im gr. Cniino-Saali
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Caesang-s -Vorträge t Liebesgeständniss von Tosti, Lied aus „Migjoletto“. Scene aus ..F.oliengrin“, Liebeslied aus "Wal
küre“ von Wagner. „Die beiden Grenadiere“ von Schumann. „Mit dem grünen Lautenbande“ von Schubert, „Der Schiffer fährt zu Land“ von Curtchmann. Scene und Finale aus „Bajazzo“. (Auf Wunsch!) „Geheim- niss“ von Schubert, „Einsam will ich sterben“ von Alfr. Rittershaus.
Clavier-Vorträge: Variationen F-moll von Haydn. As-dur-Ballade von Chopin. Impromptu (B-dur) von Schubert. Valse caprice (Es-dur) von Rubinstein. Polonaise (E-dur) von Liszt. Feuerzauber aus „IBie Walküre“.
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Am 2. Pfingst-Feiertage wird ein gestiftetes Bild (auS- aestopfte Vögel) auf Stand ansgeschossen; außerdem findet am
Pfingst-Dienstag ein F36S
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statt, wozu die Mitglieder ergebenst einladet Der Vorstand.
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