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2. Beilage Min Wiesbaüener TnglilaN.

Uo. 23S. Morgen-Ausgabe.

Mittwoch, den 22. Mai.

49. Jahrgang. 1901.

Aus dem Wiesbadener Vrremsleben.

Äerrlns-Feste.

tAufnahiix bis ju 20 gettot.)

* Der Ausflug des Männergesang-VereinsConcordia" vm verflossenen Sonntag nach dem benachbarten Erbenheim er­freute sich, begünstigt durch das herrlichste Frühlingswetter, einer großen Betheiligung (weit über 200 Personen). Die sehr statt­lich vertretene Aktivität brachte unter Leitung ihres Dirigenten eine Anzahl Männerchöre zu trefflicher Aufführung, während im Uebrigen in bunter Folge Vorträge, sowie ein Quartett der' 80er Kapelle für Unterhaltung sorgten. Es zeigte sich bei dieser Gelegenheit wiederum bestens, über welch' anerkennenswerthe Talente der Verein unter seinen Mitgliedern oder deren Ange­hörigen verfügt. Daß trotz der fast sommerlichen Hitze fleißig das Tanzbein geschwungen wurde, sei erwähnt und zum Schluffe konstatirt, daß somit die Reihe der Sommer-Veranstaltungen derConcordia" in der schönsten Weise eingeleitet wurde. Die Bewirthung im Saalbau Noos ließ nichts zu wünschen übrig.

Nermischtrs.

-ii. Wie sich die Palmen vor dem Verbrennen schützen, beschreibt Dinier nach seinen eigenen Beobachtungen in Deutsch-Südwest-Afrika. In dem Stationsgarten von Otimbingwe steht ein herrliches Exemplar der Palmenart Hyphaena ventrieosa, ein kleineres im Garten des Gouver­neurs in Windhoek, das aber aus zwei Stämmen besteht. Dinier wollte den natürlichen Standort dieser prachtvollen, zu mächtigen Kronen sich entwickelnden Palme kennen lernen und machte dazu einen Ausflug von dem Orte Grootfontine, von wo aus er am Horizont bereits mit dem bloßen Auge einen eigenthiimlich bläu­lichen, schmalen Streifen wahrnehmen konnte, der sich, durch ein Fernrohr betrachtet, in einzeln- Palmenkronen auflöste. Der Palmenwald liegt mitten in einer weiten Grasebene. Er isi nicht dicht, wie wir es bei unfern Wäldern zu finden gewohnt sind, sondern die Bäume stehen weit auseinander, auch befinden sich mehr andere Arten als Palmen darunter, vornebmlich Sumach und Akazien. Sehr bald machte Dinier die auffallende Beobachtung, daß die jungen Palmen stets aus 4 bis 6 aus einer Wurzel kommenden Stämmen bestanden. Ueberhaupt entwickelt der Same dieser Pal-.ncnart niemals einen einzelnen Stamm, sondern stets einen Busch von 3 bis 10 Stielen. Dagegen werden niemals mehr als zwei ausgewachsene Stämme auf einem Wurzelstock gefunden. Durch weitere Untersuchungen konnte Dinier feststellen, wie das zusammenhing. Alljährlich geräth gegen Ende des südlichen Herbstes, also Ende Mai, die aus- gedörrte Grasebene in Brand, und das Feuer läuft rasch über die ganze Savanne hin. Die jungen Palmen würden nun trotz des schnellen Laufes des Feuers durch die Hitze zu Grunde gehen,

wenn sic nicht einen besonderen Schutz besäßen, und dieser be­steht eben darin, daß sich die äußeren Stämme der Wurzeln für den inneren Haupttrieb opfern müssen. Dinier hat viele Hundert junger Palmbiische gesehen, an denen die äußeren Triebe fast völlig verkohlt waren, während an dem mittelsten Stamm nur die unteren Blätter gelitten hatten. Gänzlich abgestorbene Stämme findet man trotz der Häufigkeit der Grasbrände nicht und Dinier kommt zu dem angenehmen Schlüsse, daß die Zahl der Palmen in einer starken Vermehrung und nicht im Rück­gang begriffen ist, wie die meisten unserer Reisenden angegeben haben. Die Buschmänner sorgen für die Fortpflanzung der Palmen, ohne es zu wissen oder zu wollen. Sie sammeln im Sommer (Oktober-Dezember) die reifen Früchte, um ihre trockene Schale zu verspeisen, die von angenehmem, an JohanniS- brod erinnerndem Geschmack ist. Die recht ansehnlichen Nüsse enthalten einen elfenbeinähnlichen außerordentlich harten Kern, der von den Eingeborenen als werthlos fortgeworfen wird. Auf dem lockeren Boden keimen die Palmkerne schon nach dem ersten Regen reichlich und fassen auch tief genug in dem Erdreich Wurzel. Mit Bezug auf den Boden ist die Palme recht genüg­sam, sie wächst auf dunklem Sand, der mit großen Stücken Kalk untermengt ist, oder auch auf feinem rotheni Quarzsand. Der Anblick einer ausgewachsenen Hyphaena ist in höchstem Grad imposant. Eine Verminderung im Bestand des Palmenwaldes in Südwestafrika ist umso weniger anzunehmen, als eine Aus­nutzung der Palmenstämme wegen ihres ungeheueren Gewichts für die Eingeborenen ausgeschlossen ist, sodaß die Palmen dem­nach ein in jeder Beziehung gesichertes Dasein führen.

-ii. Oxydirtcs Wasser. Vor etwa einem halben Jahr machte eine Entdeckung der beiden Pariser Chemiker, Desgrez und Balthazar, erhebliches Aufsehen, die auf eine künstliche und einfache Verbesserung der Athemluft in geschloffenen Räumen hinausging. Die beiden Gelehrten machten aus einen bisher wenig beobachteten Stoff aufmerksam, das Natriumperoxyd, das sich bei der Befeuchtung mit Wasser in reinen Sauerstoff und Aetznatron verwandelt. Es läßt sich denken, daß die Benutzung dieses chemischen Vorganges zur Wiederherstellung verdorbener Luft in ausgezeichneter Weise dienen kann, indem der durch die Athmung verminderte Sauerstoff wieder erneuert und die ver­mehrte Kohlensäure durch das Aetznatron aufgesogen wird. Man wies sogleich darauf hin, welche Bedeutung dieses Verfahren nicht nur für die Lufterneuerung in den Häusern und in den Sälen, Theatern und Kirchen, bei Versammlung einer großen Menschenmenge, sondern z. B. auch für die jetzt mehr und mehr in Aufnahme kommenden Unterseeboote besitzen dürfte, deren Be­satzung sich durch jenes einfache Mittel auf beliebige Zeit hinaus niit frischer Luft versorgen könnte. Jetzt veröffentlicht Girard im PariserCosmos" einen beachtenswerthen Aufsatz über die­selbe Frage, worin er eine berechtigte Kritik an den bisherigen Nachrichten übt. Er stellt nämlich fest, daß sich aus dem Natriumperoxyd bei der Behandlung mit Wasser nicht ohne

Weiteres neben dem Aetznatron Sauerstoff, sondern zunächst oxydirtcs Wasser oder, wissenschaftlicher ausgedrllckt, Wasser­stoffperoxyd entwickelt, und daß es sogar ziemlich schwierig und auch nicht ungefährlich ich, die Mischung von Natriumperoxyd und Wasser in einen Zustand überzuführen, in dem er den reinen Sauerstoff unmittelbar an die Luft abgicbt. Jedenfalls ist es gelungen, diese Scqwierigkeit zu überwinden, und Girard zeigt nun an, welche außerordentlichen Vorthcile das Natriumperoxyd und das auf leichteste Weise daraus zu gewinnende oxydirte Wasser gewähren werden. Das Natriumperoxyd wird gegen­wärtig dadurch hergestellt, daß Natrium in eisernen Röhren er­hitzt und so mit Sauerstoff getränkt wird. Diese Gewinnung ist noch recht kostspielig und müßte erheblich verhilligt werden. Nachdem dies geschehen sein wird, wird das Natriumperoxyd eine der wichtigsten Waffen der Gesundheitspflege werden, indem es auf dem beschriebenen Wege die Möglichkeit giebt, die Menschen vor der schädlichen Mrkung verdorbener Lust zu bewahren. Außerdem ist es ein abgesagter Feind aller unangenehmen und die Luft verpestenden organischen Stoffe, es kann ferner an Stelle der Naironkrystalle und des Eau de Javelle beim Bleichen verwandt werden. Noch zahlreicher werden die An­wendungen des oxydirten Wassers sein. Es spielt schon jetzt eine große Rolle in der Pharmacie, weil es ein vorzügliches Mittel gegen alle Fäulnißstoffe und schädlichen Keime ist, indem eS sie durch seine starke Sauerstoffentwickelung abtödtet. Man hat es ferner versucht zum Bleichen und Sterilisiren von Ge­treidekörnern, zum Bleichen von Rohseide, zur Blondfärbung und Bleichung von Menschen- und Pferdehaaren, zum künst­lichen Altern von Spiritus oder Wein, endlich zur Wiederher­stellung von alten Gemälden. Fast alle Gemälde sind mit blei­haltigen Farben gemalt, und der Schwefelwasserstoff, der sich in ziemlich beträchtlichen Mengen in den Zimmern und über­haupt an allen bewohnten Orten findet, wirkt auf die Farbe der Bilder derart ein, daß sich das darin enthaltene Blei mehr oder weniger in schwarzes Schwefelblei verwandelt und die ganze Leinwand mit einem unangenehmen grauen Ton überzieht. Durch Waschung mit oxydirtem Wasser kann dieser Schaden schnellstens beseitigt werden, indem dieser Stoff das schwarze Schwefelblei in weißes Bleioxyd verwandelt.

Briefkasten.

Alter Abonnent in Dotzheim. Ein leichtes und sicheres Mittel, Rostflecke aus farbigem Battist zu entfernen, ohne die Farbe anzugreifen,ist sogenanntes Zinksalz (Zinkvitriol), weißer Vitriol. Dasselbe ist in Wasser aufzulösen und darin die Rost­stelle zu waschen. Darnach wäscht man das ganze Stück Zeug mit warmem Wasser, wodurch das aufgelöste Eisensalz beseitigt wird und die Flecke verschwinden. Dieses Mittel dürfte das Zeug weniger angreisen, als das sonst angewcndete Kleesalz.

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Anmeldungen zur Theilnahme an der am 31. Mai, Morgens 9 Uhr, in de» Räumen des Kurhauses stattkindenden

Jahres-Wersammlimg

Jahresbeitrag nundestcus 3 Mk. werden angenommen <m der Kasse des Kurhauses und i» den Buchhandlungen von Bornemann, Kirchgasse 15, Feiler 4 fteeks, Langgasse 49, Meuss, Kirchgasse 26. Jarany & Kensei's Wilhelmstraße 28, It-'N«, Kirchgasse 45,

ILinihm-Hi, Krauzvlah 2. Liitzenliirclien & SlrbVliin^, Bärenstr.4, Moritz & Miiuzol, SBtlljdlllFtrflfie 52; WiJrtersliäuser, Wilhelmstraße 4, SSiJiner, Langgasse 32, Scliellcnbei g. Oranienstraße 1, Staadt, Bahnhofstiaßc 6, und in den tül. Musikalienhandlungen von Sclsellenbergr, Große Burgstrabe 9, WolfT, Wilhelmstraße 30.

Dieselben Stellen nehmen Anmeldungen entgegen für das am 31. Mai, Nachmittags 5 Uhr, im Kurhause stattfindende Diner, 3 Mk. das trockene Couvert. Es sei ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß bte Lösung der Mitgliedskarte zur Theilnahme an den sämmtlichcn, am 80., 31. Mai und 1. ^»l stattsindenden festlichen Veranstaltungen im Kurhause berechtigt. F459

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