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40 . Jahrgang.

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233. Redaktions-Fernsprecher No. 52.

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Dik ArdkilermWMg l» fconhceidi.

Unser Pariser rv-Korrespondent schreibt uns:

Die weitaus größte und wichtigste Frage, die die Nächste Periode des innerpolitischen Lebens in Frankreich beherrschen wird, besteht in deni Projekt über die Arbeiter- Pensionen. Diese Frage wird die Genrüther umso mehr erregen, da sie von ebenso weittragender politischer wie wirthschaftlicher Bedeutung ist. Von politischer, da sich dreRegierung sozusagen verpflichtet hat, sie durchzuführen, ob wohl sie jetzt wie eine Art Furcht vor diesem gewaltigen Projekt zu empfinden scheint; von wirthschaftlicher, da sie fast eine Revolution im französischen Budget Hervorrufen wird.

Die französische Presse ist sich dieser Wichtigkeit wohl bewußt. An Erörterungen von wirthschastlichern und politischem Standpunkt aus fehlt es nicht. Steheir aber die letzteren, wenigstens was die Kreise der ministeriellen Mehrheit anbetrifft, dem Projekte günstig, enthusiastisch könnte man sagen, gegenüber, so ist es nicht der Fall bei wirthschaftlicher: Erwägungen, soweit es sich uni maß­gebende Stimmen handelt. Der Grund dieses Aus­einandergehens ist leicht begreiflich. Der Entwurf bietet ein ausgezeichnetes Agitationsmittel für die Wahlen des nächsten Jahres dar. Jeder Abgeordnete, der sich auf llrbeitermassen stützt, muß sich genöthigt sehen, dafür zu stimmen, wenn er sich seineWähler nicht abtrünnig machen lvill. Es ist also eine ausgezeichnete Waffe in den Händen der Regierung gegen die Opposition. Ganz anders sieht die Sache aus, wenn man finanzielle Erwägungen in Be­tracht zieht.

Die Grundlage der ganzen Einrichtung ist die folgende. Jeder Arbeiter zahlt für jeden Arbeitstag fünf, zehn oder fünfzehn Centimes, je nachdem er unter zwei Francs fünfzig bis fünf Francs oder mehr als fünf Francs ver­dient. Ebensoviel zahlt für ihn sein Arbeitgeber. Im Alter von 65 Jahren steht dem Arbeiter das Anrecht auf einen Ruhegehalt von jährlich mindestens 360 Frcs. zu. Diese Summe ist also vom Staate garantirt. Nun gehen die Berechnungen bezüglich des staatlichen Beitrages stark auseinander. Der zur Prüfung und eventuellen Umänderung des ministeriellen Entwurfes berufene parlamentarische Ausschuß zeigt sich sehr optimisttsch;

Feuilleton.

(Nachdruck verboten.).

Klaub auf Kee.

Ans wutx muß man ziehen, um wirklich frische und reine Luft zu athmen, so heißt es gewöhnlich, da erweitern die Lungen sich, da dringt kein Staub in sie ein, noch besser, als nur an demselben zu weilen, ist es, sich auf dasselbe hinaus zu begeben. Wenn wir zwischen Himmel und Wasser uns befinden, können die abscheulichen Lebewesen, die uns das Dasein erschweren, Bazillen, Mikroben rc., uns nichts anhaben, gelangen sie wenig­stens nicht mit jedem Athemzug, den wir thun, in unseren Organismus.

Aber so absolut richtig, wie man anzunehmen geneigt ist, sind diese Behauptungen nicht, und der eben überall gegenwärtige Staub ist auch auf dem Meer zu finden, selbst wenn man seit Tagen bereits das Land hinter sich gelassen. Jeder, der auf einem Segler oder einem Dampfer eine längere Fahrt zurück- gelegt, wird konstatirt haben, daß vor dem Waschen des Schiffes sich auf dem Deck eine überraschende Menge Staub befand.

An Bord eines Dampfers erklärt die Sache sich leicht. Es werden täglich Hunderte von Tonnen Kohle verbrannt, es find viele Passagiere vorhanden, ein unaufhörliches Gehen und ' Kommen. Auf einem Segler jedoch? Da ist die Bemannung gewöhnlich eine geringe und meist nur diese auf dem Schiff. Und doch ist auch da stets Staub zu finden, ja, was im ersten Moment besonders erstaunlich erscheinen dürfte, noch mehr als auf einem Dampfer. Man hat diese Anomalie dadurch zu «-

Dienstag, den 21. Mai.

trotzdem schätzt er den Beitrag des Staates auf 69 Millionen Francs im ersten Jahr, eine Summe die ini Jahre 1938 bis auf 159 Millionen steigen soll. Eine ge­waltige Last für das ohnehin stark beschwerte Budget der Republik. Nimmt man aber die in Neu-Seeland ge­machten Erfahrungen zur Grundlage, so würde der jähr­liche Beitrag des Staates sich auf die nette Summe von 600 Millionen Francs erheben. Nun sind zwar die Ver­hältnisse in Frankreich und Neu-Seeland nicht dieselben, aber es ergiebt sich aus diesen Zahlen mit Sicherheit, daß dem Staat eine außerordentlich drückende Last aufge­bürdet wird, die durch neue nicht minder drückende Steuern gedeckt werden muß. Dazu kommen die Ruhe­gehälter der vor dem Alter von 65 Jahren invalid ge­wordenen Arbeiter, der mindestens 200 Francs betragen soll, wenn der Arbeiter für wenigstens 2000 Arbeitstage, das macht etwa sieben Jahre hindurch eingezahlt hat.

Nun wird von allen Vertheidigern des neuen Gesetzes­vorschlages Deutschland angeführt, welches seit den: Jahre 1889 diese Einrichtung besitzt. Es besteht aber diesbezüg­lich zwischen den beiden Ländern ein gewaltiger Unter­schied. ■ In Deutschland wird die Pension erst vom sieb­zigsten Lebensjahre an ausgezahlt. Der Unterschied ist viel größer, als es scheint, denn die Zahl der Berechtigten im Alter von 65—70 Jahren ist fast ebenso groß wie derer über 70. Zweitens ist der Gehalt selber —128 Mk. 60 Pf. — unverhältnißmäßig geringer, wie der in Frankreich geplante. Drittens steuert der Staat viel weniger bei, nämlich höchstens 60 Mk. pro Kopf.

Deutschland ist also schwer zum Vergleich heranzu­ziehen. Und wie man auch die Sache drehen mag, der Entwurf muß stark umgeändert werden, um eine Mög­lichkeit der Verwirklichung zu erreichen. Andererseits ist es fast sicher, daß er imParlamente durchgehen wird, denn ein gewaltiger Bruchtheil der Wähler« und zwar der Wähler der Majorität, verlangt ihn.

Ans Stadl nnd Fand.

Wiesbaden, 21. Mai.

— Personal-Nachrichten. Der bisherige Bevollmächtigte zum Bundesrath, Großherzoglich oldenburgische Wirkt. Geh. Rath S e l k m a n n zu Wiesbaden, erhielt den Rothen Adler- Orden erster Klaffe.

o. Eisenbahn-Personalien. Versetzt find: die Herren Stations-Assistent Lehmann von Idstein nach Osthofen bei Mainz, Stations-Vorsteher 1. Klaffe Häusser von Fulda nach Rüdesheim, Stations-Vorsteher 2. Klaffe S t r a w e von Niederwalluf nach Hennef, Stations-Verwalter Sasse von Kestert nach Niederwalluf unter gleichzeitiger Beförderung zum Vorsteher 2. Klasse, Stations-Assistent Hoffmann von Hanau nach Kestert, Klingelhöfer von Frankfurt a. M. nach Ems, Kerpen von Schierstein nach Hanau. Herr Sta­tions-Vorsteher 2. Klasse Beerbohm zu Curve wurde zum Vorsteher 1. Klasse befördert.

— Schulnachrichtcn. Den Anträgen des Herrn Re­gierungs-Präsidenten zu Wiesbaden und des Herrn Ober- präsidenten zu Cassel entsprechend, haben die Herren Minister der geistlichen Angelegenheiten und des Innern die Genehmigung zur Errichtung einer höheren Handelsschule für auS der Schule entlassene Mädchen von Seiten der armen Dienst- mägde Christi in Limburg a. d. Lahn ertheilt. — Mit 1. Juni feiern vier Lehrer des Rheingaukreises ihr 25-jähriges Dienstjubiläum. Es find dies die Herren Caspar- Rüdes-

klären gesucht, daß auf dem letzteren die Schnelligkeit der Be­wegung die Staubkörperchen zum Theil mit sich zieht und sie über Bord wirft, während auf dem Segler die große Fläche, die die Segel darbieten, eine Sammelstelle für den Staub bildet, der von da auf das Deck fällt. Diese Erklärung erscheint ziem­lich plausibel.

Der Kapitän eines amerikanischen Segelschiffes wollte sich über diese eigcnthümliche Thatsache nähere Gewißheit ver­schaffen und genau die Quantitäten Staub feststcllen, die auf Deck seines Schiffes gesammelt werden, während einer Ueber- fahrt von New-Uork nach San Francisko, d. h. während 97 Tagen. Morgens vor dem Waschen, Mittags und Abends wurde also sorgfältig gefegt. Das Resultat war also überraschend, man sammelte nicht weniger als 24^ Faß sehr feinen Staub.

Dieses Experiment beweist, daß auf den Schiffen der Staub nicht durch die Abnutzung der vorhandenen Gegenstände entstehen kann, es ist ja unmöglich, daß diese derartige unge­heuere Quantitäten hergeben. Woher stammt derselbe also? Einerseits sind es unzweifelhaft die Colli, Kohlen, Wäsche, Betten rc., welche Staub verursachen, eine weit größere und un­erschöpfliche Quellt für denselben ist jedoch, genau wie auf der Erde, vorhanden, — der Staub in der Luft.

Aber diese ist es doch gerade, die man über dem Meer als vollständig rein davon betrachtet? Tausende von Kilometern vom Festland entfernt, wo kommt der Staub her? Man ver­gißt eben die Rolle, die der Wind spielt. Dieser führt die feinen Staubkörperchen unausgesetzt mit sich, bringt sie vom Land auf dm Ocean hinaus, wo sie sich dann hinabsenken, und so auch auf die Schiffe fallen. Die gleiche Zusammensetzung wie auf dem Land weist auch der dort gesammelte Staub auf: Leder- und Korkstückchen, Holz, vegetabilische Fasem, Metalle all«

Verlags-Fernsprecher No. 2366. 1901.

heim, Diefenbach- Hattenheim, E f f e l b e r g e r-Johannis- berg und Schwickert-Eibingen. AuS diesem Anlaß ver­einigen sich die Herren mit noch 14 Kollegen am Pfingstmontag zu Montabaur, um den Tag ihrer 25-jährigen Lehcthätigkeit dort gemeinsam festlich zu begehen.

— Kaiser-Panorama. Die gegenwärtige Serie: Kiau- tschou und die Städte Schanghai und Nagasaki, erregt in dieser Woche ganz besonderes Interesse. Wir sehen unsere Truppen bei der Parade vor Sr. Kgl. Hoheit dem Prinzen Heinrich, beim Feldgottesdienst, im Höhenlager von Tsintau, im Verkehr mit den Eingeborenen, chinesische Arbeiter beim Kasernen- und Wege­bau, malerische Landschafts- und Straßensceneriecn, belebt von den Bewohnern. Alles so wunderbar plastisch naturwahr, wie dies eben nur bei den Glasstereos in Naturfarben dieses Kunst- Instituts möglich ist.

— Handwerkskammer. Der Vorstand der Handwerks­kammer zu Wiesbaden befaßte sich in seiner letzten Sitzung mit folgenden Vorlagen von allgemeinem Interesse: Die Handels­kammer hat eine, wie der Vorstand findet, gänzlich ungerecht­fertigte und in ungehörigem Tone gehaltene Beschwerde gegen die Handwerkskammer bei deren Aufsichtsbehörde erhoben, weil dieselbe einen angeblichen „Fabrikanten" zum Vorsitzenden eines Prüfungsausschusses bestellt hatte. Der Sekretär legt den Ent­wurf einer geeigneten Gegenerklärung vor, welcher einstimmig gutgeheißen wird. — Auf Antrag des Vorstandes des „Lokal- Gewerbevcreins zu Hahnsiätten" und auf Grund Beschlusses der jüngsten Vollversammlung beschließt der Vorstand, den Brauer Hch. Weber in der Brauerei I. G. Heckelmann zu Hahnstättcn für 25-jährige treue Dienste durch Zufertigung eines Diploms zu ehren. Desgleichen auf Antrag des Herrn Hartmann die Tünchergesellen Christ. Häuser zu Erbenheim für 37-jährige, Karl Hachenberger zu Sonnenbcrg für 33-jährige und Aug. G u ck e s zu Rambach für 20-jährige Dienstzeit im H. Hartmann'scheu Geschäfte zu Wiesbaden. Das Nähere wird dem Vorsitzenden und dem Sekretär überlassen. — Von sieben Kammermitgliedern (Herren I. Heß, Ph. Bock, Th. Braun, A. Stamm, H. Weber, Fr. Banß und L. Kaster) ist ein Antrag eingegangen auf Festsetzung der Tagegelder auf 9 Mk. und der Uebernachtungsgebühr mit 5 Mk. mit rückwirkender Kraft. Der Vorstand kann diesen Antrag für sachlich begründet nicht erachten, ist vielmehr der Ansicht, daß mit der Erhöhung der Tagegelder von 6 Mk. auf 9 Mk. die besondere Vergütung für die Uebernachtung entbehrlich er­scheine. Der zuerst Unterzeichnete Antragsteller, I. Heß, soll hiervon in Kenntniß gesetzt werden. — Infolge des Umstandes, daß eine auswärtige Handwerkskammer die Photographen zu den Handwerkern rechnet, soll diese Frage auch diesseits erwogen und bei den anderen Kammern geeignet» Rundfrage gehalten werden. — Nach dem Berichte des Sekre­tärs beschließt der Vorstand, die Gründung eines Ver­eins für Kreditschuh und Inkasso für Hand­werker anzuregen und zu fördern und die erforderlichen Vor­arbeiten zu thätigen. — Die Vorsitzenden bezw. Beisitzer von Prüfungsausschüssen: 1. Steindrucker und Lithograph Herm. Petmecky hier, 2. Buchdruckereibesitzer Karl Ritter jr. hier, 3. Wagnermeister Th. Lingohr hier, 4. Zimmergeselle W. Krieger-Biebrich, haben die ihnen Seitens des Kammer­vorstandes übertragenen Aemter abgelehnt, ohne gesetzliche Gründe nachzuweisen. Der Vorstand beschließt, die Genannten anzuhalten, ihr Amt auszuiiben.

o. Eisenbahn-Verkehr. Verschiedene zur Kenntniß des Ministers der öffentlichen Arbeiten gelangte Beschwerden haben demselben Veranlassung gegeben, die Eisenbahndirektionen zu beauftragen, das Zugpersonal anzuweisen, daß auf Unter­bringung junger Mädchen, die ohne Beglei­tung Erwachsener reisen, möglichst in Frauen-Ab-

Art, Sandkörner, Erde, Blüthenstaub rc. Es ist klar, daß dieser Staub nicht auf dem Schiff allein entstanden sein kann, daß er auch nicht, wie man als Erklärung seines Vorhandenseins eben­falls angeführt hatte, aus außerirdischen Fernen hernieder­kommt. Die atmosphärischen Strömungen sind es ganz ein­fach, die ihn herbeiführen. Giebt es denn nicht auch Wolken auf freiem Ocean und Regen? Nun ist aber nachgewiesen worden, daß di« Regentropfen, um sich zu kondensiren, eines festen Körpers bedürfen. Jeder Tropfen enthält ein Staub­körnchen. Da nun Tropfen und Regen auch auf dem Meer sich zeigen, so müssen also Kondensirungskörper in der Luft, d. h. mit and«en Worten, Staub vorhanden sein.

Daß sich auf den Schiffen solche Mengen davon vorfinden, liegt daran, daß der atmosphärische Staub direkt und unge- theilt auf das Meer und also auf die Fahrzeuge herabfällt, während in unseren Straßen, in den Städten, er durch die natür­lichen Hindernisse, Hügel. Bäume, Häuser, zum Theil aufgehmten wird. Und daß er auf Segelschiffen in größeren Mengen zu finden, ist allerdings darauf zurückzuführen, daß sie verhältniß- mäßig langsam gehen und ihn so mehr aufnehrmen, als die Dampfer, die ihn bei ihrer schnellen Bewegung zurückstoßen.

Südwestwinde sind reiner als Nordwinde, denn sie kommen vom Meere und die Luft hat bei ihrer Reise über den Ocean schon einen großen Theil des in ihr enthaltenen Staubes auf denselben ausgeschüttet. Die Schiffe weisen die Proben davon auf. Was ins Wasser gefallen ist. fällt nicht mehr aufs Fest­land und dafür sollten wir eigentlich recht dankbar sein, denn es bleibt auch so noch allzu viel übrig. Wer da aber meinte, daß, wenn er eine Seneise unternimmt, die Lungen nur ganz reine staubfreie Luft athmen werden, der würde sich in seiner Hoff­nung ar^ getäuscht sehen.