iksbckkmr Tiigli latt.
*»• Jahrgang.
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Verlag: Langgasse *i7.
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U0. 280. Redaktions-Fernsprecher N-. 52. SttMstttg, de« 18. Mai.
Verlags-Fernsprecher No. 2266.
1901.
AhencS-Husgab®.
Deutsches Deich.
Abgeschobc«.
Welche bedenklichen und bedauerlicheil Erscheinungen durch das vou deir meisten Regierungen geübte Abschieben arbeitsloser Fremdlinge Herborgerufen werdeil können, darüber geben die „Basler Nachrichten" eine drastische Schilderung, die einzelnen dabei Betheiligten durchaus nicht zur Ehre gereicht. Es handelt sich, wie wir früher schon mittheilterr, um über 200 arme italienische Arbeiter, darunter einige Frauen mit Säuglingen, die aus L u x e m b u r g als obdach- und mittellos abgeschobeir worden ivaren, indem die Behörde ihnen ganz einfach Fahrkarten nach Basel gekauft ruld sie sodann der Schweiz zugesendet hatte. Auf der ganzen Reise bekamcir die Be- dauernswerthen keine Verpflegulig. Jir Straßburg wurden sie, ohne irgendwelche Lebensmittel zu erhalten, in andere Eisenbahnwagen umgeladen und dam: ging die Fahrt weiter. Der italienische Konsul in Basel traf ebensowenig Vorbereitungen für die Unterbringung seiner Landsleute wie fein luxemburger Kollege sich um dieselben gekümmert hatte, und der schweizer Bundesrath ertheilte die Weisung, die Italiener sollten über die Grenze zurückerpedirt werden. 'Das ging aber nicht an, weil die Leute reguläre Fahrkarten bis Basel hatteil. Sie kamen also daselbst an und wurden nach Möglichkeit verpflegt, worauf ihnen die Behörde Fahrkarten nach dem nächsten Kanton Solothurn kaufte, lind so ging es, baut' der Liberalität der verschiedenen Kantonalregieruilgen, von einem Kanton nach dein anderen, bis der Schub endlich in Chiasso anlangte. Keine sehr schöne Rolle hat bei dem traurigen Vorkommnisse Italien gespielt, denn es müßte für jeden Staat eine moralische Pflicht sein, die eigenen Landsleute nicht auf den Heimschub durch fremdländische Polizei-Organe anzuweisen, ohne den armen Leuten durch Bezahlung der Billets und der Verpflegung einen menschenwürdigen Transport zu sichern. Auch Luxemburg dürfte von der Schweiz regreßpflichtig gemacht werden, da dieselbe es sich nicht gefalleil lassen will, einfach als Reservoir für mittellose Existenzen angesehen zu werden. Es sei dabei ausdrücklich festgestellt, daß das Deutsche Reich seit Jahresfrist ihre auf diesem Gebiete gegeilüber der Schweiz bestehenden Verpflichtungen anerkannt hat und Ersah der Abschiebungskosten leistet, allerdings llur bei größere!: Sendungen; doch soll auch mit Bezug auf kleinere Schübe eilt humaneres und zeitgemäßeres Verfahren durch Staatsvertrag herbeigeführt werden. Jedenfalls bietet die traurige Odyssee der armen italienischen Arbeiter einen nicht sehr erfreulichen Belegs dafür, wie in manchen Staaten der Begriff „Menschlichkeit" ausgelegt wird. Derartige Zustände sollte das 20. Jahrhundert nicht aufkommen lassen.
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* Hof- «nd Personal-Nachrichten. Im Reichzschatz- amt ist, wie der „Reichs-Anzeiger" meldet, der bisherige Direktor v. Fischer zum Unterstaatssekretär und der Geheime Oberregierungsrath T w e l e zum Direktor ernannt worden.
* Koloniales. Die Hauptversammlung der „Deutschen Kolonial-Gesellschast findet in diesem Jahre in Lübeck am 7 . Juli statt. Zur Beschlußfaffung sind Seitens der Abtheilungen derselben folgende Anträge von allgemeinem Interesse cingegangen: den Herrn Reichskanzler zu bitten: 1. daß die deutsche Auswanderung in nationalem Jntereffe verwerthet werde; 2. daß das Arbeiterwesen in Deutsch-Ostafrika eine bessere Regelung erfahren möge; 3. daß die deutsche Ostafrika- Linie angehalten werde, mit sämmtsichen nach Deutsch-Ost- afrika laufenden Dampfern Frachten in den Anlaufhäfen der Deutsch-Ostafrikaküste zu löschen und zu laden; 4. daß das Hinterland von Kamerun durch Anlage weiterer Militärstationen aufgeschlossen werde.
* Die Gebührniffe der Hinterbliebenen von Kricgs- lhcilnehmern betragen nach dem neuen Kriegsinvalidengeseh für die Wittwe eines Generals 3000 Mk. statt bisher 1600 bei einer Dienstzeit von 36, wenn nur gesetzliche Beihülfen aus dem Kriegsverhältnisse zuständig sind, und 6000 Mk. (statt wie bisher 4600), wenn daneben Reliktengeld zuständig ist; für die Wittwe eines Obersten (26 Jahre Dienstzeit) 2000 statt 1200, respektive 3776 statt 3776,60; eines Majors (26 Jahre Dienstzeit) 2000 statt 1200, respektive 2996 statt 2693 Mk.; eines Hauptmanns erster Klasse (20 Jahre Dienstzeit) 2000 statt 900, respektive 2088,40 statt 1788,40 Mk.; eines Hauptmanns zweiter Klaffe (17 Jahre Dienstzeit) 2000 statt 900, respektive 2000 statt 1606 Mk.; eines Oberleutnants (12 Jahre Dienstzeit) 2000 statt 900, respektive 2000 statt 1188,80 Mk.; eines Leutnants > (10 Jahre Dienstzeit und weniger) 2000 statt 900, respektive 2000 statt 1116 Mk.; eines Feldwebels (10 Jahre Dienstzeit und weniger) 600 statt 324; eines Sergeanten (10 Jahre Dienstzeit und weniger) 600 statt 262; eines Gemeinen (10 Jahre und weniger) 400 statt 180. Die Gebührnisse für das vaterlose Kind betragen beim General 200, bisher 150, respektive 760Mk.; beim Obersten 100, bisher 160, respektive 585.12 Mk.; beim I
Major 200, bisher 150, respektive 479,20, bisher 429,20; dein, Hauptmann erster Klaffe 200, bisher 160, respektive 377,68 statt 327,68; beim Hauptmann zweiter Klaffe 200 statt 160, respektive 321,20 statt 271,20; beim Oberleutnant 200 statt 150, respektive 267,76 statt 207,76; beim Leutnant 200 statt 160, respektive 243,20 statt 193,20; beim Feldwebel 168 statt 126; beim Sergeanten 168 statt 126; beim Gemeinen 168 statt 126 Mark. Die Gebührniffe für das elternlose Kind betragen beim General 300 Mk. statt bisher 225 Mk., respektive 1225 Mk.; beim Obersten 300 Mk. statt 225 Mk., respektive 950 Mk.; beim Major 300 Mk. statt 225 Mk., respektive 766,33 Mk. statt 690,33 Mk.; beim Hauptmann erster Klaffe 200 Mk. statt 225 Mk., respektive 696,13 Mk. statt 621,13 Mk.; beim Hauptmann zweiter Klasse 300 All. statt 225 Mk., respektive 602 Mk. statt 427 Mk.; beim Oberleutnant 300 Mk. statt 225 Mk., respektive 396,27 Mk. statt 321,27 Mk.; beim Leutnant 300 Mk. statt 226 Mk., respektive 372 Mk. statt 297 Mk.; beim Feldwebel, Sergeanten und Gemeinen 240 Mk. statt bisher 180 Mk.
* Shmpathicknndgebung deutscher Studenten. Man schreibt uns aus studentischen Kreisen: Nunmehr haben auch die deutschen Studenten begonnen, gleich ihren Kommilitonen in Frankreich, Oesterreich re. für die bedrängten ruffischen Studenten Stellung zu nehmen. Am 3. Diskussionsabende der staatswiffenschaftlichen Abtheilung der Berliner Freien Studentenschaft (Finkenschast) wurde im Anschluß an ein Referat, welches in ruhiger objektiver Weise die Veranlassung und Entstehung der Bewegung darlegte, folgende Resolution mit großer Mehrheit angenommen: „Die am Diskuffionsabende der staats- ioissenschaftlicheu Abtheilung am 13. Mai anwesenden deutschen Studenten sprechen ihren russischen Kommilitonen ihre volle Sympathie zu ihrem Kampfe gegen die Unterdrückung durch den Zarismus aus." Der Herr Referent, ein Student, der selbst an den Kämpfen in Kiew theilgenommen hatte, sah die Veranlassung der Kämpfe vor Allem in dem russischen Universitätsstatut von 1884 und den neueren ergänzenden Bestimmungen. . Danach ist cs den Studenten in Rußland nicht gestattet, die Universität zu beziehen, die ihnen aus etwelchen Gründen zu sagt, sondern sie sind an die Universität des Heimathsbezirks gebunden; nicht einmal die Wahl der Vorlesungen steht ihnen frei, sondern sie müssen sich bei einer bestimmten Fakultät in- scribircn lassen und die für dieselbe vorgeschriebenen Vorlesungen belegen. Dann besagt das Statut weiter — und hierin dürfte der thatsächliche Anstoß zu den Ausschreitungen in den meisten Fällen liegen — daß Vereinigungen der Studirenden untersagt sind, es dürfen sich also nicht fünf Studenten zusammenthun und etwa ein Werk gemeinschaftlich lesen, ohne nicht jeden Augenblick der behördlichen Kontrolle und strenger Maßregelung gewärtig zu sein. - Und was ist dies für eine Behörde und welches sind ihre Organe: Pedelle, Kosaken, die Knute.
* Acndcrnng der Mast- und Gewichtsordnung. Zur Zeit wird nach den „Berliner Politischen Nachrichten" an einer solchen gearbeitet. Beispielsweise hat es sich als Uebel- stand herausgestellt, daß die Vorschrift einer Aichung der Bierfässer immer noch fehlt. Fast sämmtliche wirthschaftliche Körperschaften, die über die Angelegenheit gehört worden sind, haben sich für die Vorschrift der Aichung ausgesprochen, während die Nothwendigkeit oder Nützlichkeit der Aichung der zur Aufbewahrung anderer Flüssigkeiten, wie Oel, Petroleum u. A. m. dienenden Fässer fast ebenso einstimmig und entschieden bezweifelt wird. Man kann deshalb wohl darauf gefaßt sein, daß die nächst: Aenderung der Maß- und Gewichtsordnung eine auf die Aichung der Bierfässer abzielende Vorschrift bringen wird.
* Rundschau im Reiche. Die Volkspartei hat im württembergischen Landtage den Antrag eingebracht, mit der Reichspostverwaltung unter Wahrung des verfassungsmäßigen Reservatrechts und der eigenen Postverwaltung übereinstimmende P o st w e r t h z e i ch e n auszugeben. Dabei soll jede finanzielle Beeinträchtigung Württembergs ausgeschlossen, die Genehmigung hinsichtlich der bildlichen Darstellungen und Aufschriften garantirt, ein Kündigungsrecht Vorbehalten und die Beibehaltung der bisherigen Portosätze sichergestellt werden. — Die hessische Regierung hat den Landständen eine Vorlage, betreffend den Entwurf eines Gesetzes: „Die Standesordnung und Ehrengerichte für die Aerzte des Großherzogthums Heffen", zugehen lassen. In derselben sind die Verstöße gegen die Pflichten, welche der Beruf den Aerzten aufcrlegt, aufgezählt und ist ausdrücklich bemerkt, daß aus politischen, wissenschaftlichen und religiösen Ansichten oder Handlungen als solche Verstöße gegen die Verufspflichten nicht abgeleitet werden können. Der Entwurf sieht die Einführung von Aerztekammern und Schiedsgerichten vor.
Ausland.
* Oesterreich-Ungarn. Der Wasserstraßen-Ausschuß begann am 15. d. seine Berathung. Die von den Parteien vereinbarten Aenderungen der ersten Vorlage bestimmten im Wesentlichen die Verwendung von 75 Millionen Kronen für Flußregulirungcn, 176 Millionen für die erste Bauperiode der Kanäle. Die Kanalbauten sollen längstens 1903 statt 1904 beginnen und spätestens gleichzeitig die Flußregulirungen. Die Beiträge der Länder sollen anstatt der von der Regierung verlangten 26 pCt. nur 10 pCt. betragen. In der Debatte befürwortete der Alldeutsche Wolf den Bau des Donau-Oder- Kanals, weil dieser die Vorbereitung zur Zollunion mit Deutschland bilde. Andere Kanäle seien zu vertagen, jene in Galizien aufzugeben, da sie eine Ueber- schwemmung mit russischem Getreide veranlassen lvürden. _
* Frankreich. Das „Verl. Tagebl." erhält aus Paris folgende Meldung: Seit Monaten war es in Paris offenes Ge- heimniß, daß sich der „Figaro" in einer schweren Krisis befände und daß eine Anzahl Persönlichkeiten, welche Aktien zu niedrigerem Preise gekauft haben, die bisherigen Leiter zu verdrängen suchen. Es war auch bekannt, daß die Herren, gestützt auf alte Verträge, sich weigerten, die Leitung niederzulegen, und daß es zu einem Prozeß kam. Wenn ich mich, so schreibt der Berichterstatter des genannten Blattes, über dies- Vorfälle bisher jeder Acußerung enthalten habe, so geschah das aus zwä Gründen: 1. Weil der „Figaro" selbst noch nichts darüber ge- Iprochen und 2. weil es unvermeidlich schien, daß die ganze Affaire zu einem antideutschen Skandal führen müsse, und weil es mir nicht gerade angebracht schien, den Ausbruch dieses Skandals zu beschleunigen. Der antideutsche Skandal ist nun glücklich da. Der „Matin" bringt heute unter der Ueber- schrift „Affaire du „Figaro" — „Die Deutschen bei uns" einen Artikel, worin in einer für die jetzigen Aktienbesitzer nicht gerade schmeichelhaften Weise erzählt wird, tote seit 2 Jahren die Deutschen versuchten, den „Figaro" an sich zu bringen, um ihr eigenes Blatt in Frankreich zu haben. Der „Matin" nennt als Haupt- kaufer der Aktien die Dresdener Bank. Was er nicht sagt, ist, daß ein hier lebender deutscher Börsenmann, Namens Bayer, die Seele dieses Geschäftes ist. Wenn der „Matin" aus begreiflichen Gründen die Sache so darzustcllen sucht, als ob die deutschen Finanziers den „Figaro" zu politischen Zwecken kaufen wollten, so ist das natürlich falsch, wenn er aber das Vorgehen dieser Herren sonst kritisirt, so hat er absolut Recht. Ihr Vorgehen ist taktlos, da es nicht nur zunl Skandal führt, sondern auch geradezu schädlich für die deutschen Interessen ist.
, " Spanien. _ Aus Madrid, 14. Mai, wird uns geschrieben: Die spanische Regierung leidet entweder an einem unverbesserlichen Optimismus oder an einer bedenklichen Unterschätzung der Urtheilsfähigkeit des Publikums, denn sie behauptet immer, das Land sei vollständig ruhig, obwohl es an allen Enden und Ecken rumort. Diese Vertuschungsmethode erinnert lebhaft an die Auskunft eines schwäbischen Bürgermeisters auf die Frage, ob die Stadt ruhig sei: „Die Stadt ist ruhig, aber die Leute machen Spektakel". Ein drastisches Beispiel für die „friedliche" Stimmung bieten Vorgänge jüngster Art in Sevilla, wo die ausständigen Gärtnerei-Arbeiter wie Re Wilden Hausen. Mit ihren Gartenmessern bedrohten sie die Arbeitswilligen, und als die Polizei verschiedene der Hauptschreier festgenommen hatte, zog der ganze Haufe hinter den Schutzleuten her und bewarf sie mit Steinen. Mit einem Worte: Die Arbeiterbewegung in Katalonien verschärft sich von Woche zu Woche infolge der anarchistischen Propaganda und der von Barcelona ausgegebencn Anweisungen für die „sociale Revolution". Und diese Zustände bezeichnet die Regierung als „Ruhe".
* Russland. Dem „Lokal-Anzeiger" wird aus Moskau telegraphirt: Auf den Weichselbahnen in Polen sind Betrügereien begangen worden, durch die die Krone um 3y 2 Millionen Rubel geschädigt worden ist. Es handelt sich um falsche Gewichts- Deklaration Seitens der Frachtabsender. Die Empfänger ließen das Manco zwischen den Angaben der Frachtbriefe und dem wirklichen Gewicht der Güter feflstellen und erhielten von der Eisenbahnvcrwaltung Schadenersatz. Die Seele aller dieser Betrügereien ist ein Warschauer Advokat. Täglich bringt die Untersuchung, die einen ungeheueren Umfang angenommen hat, neue Enthüllungen. Vorgestern sind in einem Warschauer Cafo, das gleichsam die Börse für die falschen Frachtquittungen gewesen ist, 40 Personen verhaftet worden.
* Persien. Wie der „Nowoje Wremja" auS Teheran unterm 23. April geschrieben wird, fährt das Befinden des Schahs fort, sich zu verschlechtern. Der Plan einer Badereise nach Europa ist wegen Geldmangels vorläufig fällen gelassen. Gegen eine Reise nach einem kaukasischen Badeort, die nur unbedeutende Kosten verursachen würde, hat sich der englische Leibarzt des Schahs ausgesprochen, wohl aus politischen Gründen.
* Egypten. Aus Alexandrien, 6. Mai, wird uns geschrieben: Der Jahresbericht des Lord-Protektors vonEgypten, dessen Inhalt ich bereits kurz angab, wurde natürlich lebhaft kommentirt, und zwar nicht, wie Anfangs zu erwarten war, in ungünstigem Sinne, sondern die arabischen Zeitungen drücken durchweg ihre Genugthuung darüber aus, namentlich was den Theil anlangt, wo die Lage der Fellachen behandelt wird, weil daraus hervorzugehen scheint, daß die Nationalbank den Bauern künftighin Unterstützungsfonds gewähren will, um sie der wucherischen Ausbeutung der gewerbsmäßigen Geldverleiher zu entziehen. Für das europäische Publikum dürfte es von besonderem Interesse sein, daß seit der britischen Occu- pation angeblich die Einnahmen auf 200 Millionen Mark pro Jahr angewachsen sind. Anlaß zu großem Stolz haben die Engländer hinsichtlich dieser Thatsache übrigens nicht, denn es ist keine Kunst, ein so reiches Land wie Egypten gewinnbringend zu verwalten, das ungefähr die Hälfte seiner Bodenreichthümer in Steuern umseht, abgesehen davon, daß das eghptische Volk sich wirklich nicht schwer leiten läßt. Außerdem verdienen die Engländer schon aus dem Grunde nicht den Ruhm, allein aus Egypten etwas gemacht zu haben, weil das Land früher, unter der Regierung Ismails, mit der Hälfte der jetzt bebauten Fläche und % seiner gegenwärtigen Bevölkerung ein Heer und eine Flotte besaß, die ausreichten, die Türkei in Schach zu halten und lediglich durch die verderblichen Leidenschaften Ismails trat eine Zerrüttung in den Finanzen ein, die durch Ersparnisse unb Bewässerungsanlagen ohne Schwierigkeiten zu beheben war. Etwas weniger Ruhmredigkeit Seitens der Briten ist demnach angebracht. ~
