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Seite 2. 7. Mai 190L

Wiesbadener Tagblatt (Morgen-Ausgabe). Verlag: «anggafse 27.

LS. Jahrgang. Ro» 211«

gegen um so mehr floriren. Leider bestehen für letztere so ge- I ringe Mittel, daß sie dringender finanzieller Hülfe bedarf, um 1 den vielen und von allen Seiten des bildungsbedürftigen Publi­kums gestellten Forderungen genügen zu können. Volksvor­lesungen, Volksunterhaltungen und Volksvorstellungen im Kgl. Hof- und Residenz-Theater werden, da sich ihre Einrichtung trefflich bewährt hat, wie bisher auch im künftigen Jahre statt­finden. Hervorzuheben ist noch der gute Geschäftsgang der in diesem letzten Jahr vom Verein hergestellten guten ^Wiesbadener Volksbücher". Nach der Geschäftslegung begann der Verein mit Darlegung und Ausbau neuer volkserzieherischer Projekte und Pläne, die in der Zukunft wohl noch von sich reden machen werden.

Hausbesitzer-Verein. Die nur schwach besuchte Generalversammlung desHausbesitzer-Vereins" fand am Samstag Abend imDeutschen Hof" statt. Der Vorsitzende, Herr Stadtrath R ü h l, leitete dieselbe. Von einer Verlesung des Rechenschaftsberichts über das Derwaltungsjahr 1900/01 wurde abgesehen, da derselbe schon sämmtlichen Mitgliedern zugeganzcn war und auch in der Versammlung den Anwesenden zugestellt wurde. (DasTagblatt" hat auch schon Mittheilung davon gemacht.) Der Vorsitzende gab eine kurze Erläuterung des Berichts und machte im Besonderen darauf -aufmerksam, daß immer noch viele Hausbesitzer dem Verein nicht angehörten, obgleich doch Men die von dem Verein erstrebten und bereits erlangten Erfolge zu Gute kämen. Die Mitglieder sollten be­strebt sein, die noch außenstehenden Hausbesitzer hierauf aufmerk­sam zu machen und zum Eintritt in den Verein zu bewegen. Nach dem Bericht der Kommission wurde die Vereinsrechnung pro 1898/1900 richtig befunden und dem Vorstand Entlastung ertheilt. Die Herren F. Grünthaler, A. Mollath und F. Vetterling, welch« die letzte Rechnung prüften, wurden auch zur Prüfung der diesjährigen Vereinsrechnung erwählt. Herr Dr. Bergas hatte gebeten, von feiner Wiederwahl als Vor-

f tandsmitglied abzusehen, da er zu viel mit Geschäften überlastet ei. Der Vorsitzende gab dem Bedauern hierüber Ausdruck, da Herr Dr. Bergas dem Vorstand häufig mit seinem Rath zur Seite gestanden und ersucht die Versammlung, ihrem Dank hier­für durch Erheben von den Sitzen Ausdruck zu geben. In den Vorstand wurden außer den ausscheidenden Herren H. Cürten, L. Maurer, Ph. Reinhardt und W. Stamm Herr E. Rumpf gewählt. Der vom Vorstand aufgestellte Rechnungs-Ueberschlag für 1901/02 wird genehmigt. Auf Anträge aus der Versamm­lung wird der Gchalt des Vereinsboten um weitere 60 Mk. erhöht und dem Buchhalter eine Gratifikation von 60 Mk. bewilligt. Auf eine Anfrage des Herrn Kleber, wie es mit der K e h r i cht - llbfuhr stehe, theilt Herr Rühl mit: Die Kchrichtabsuhr er­folge gegenwärtig ordnungsgemäß, sodatz es nur selten zu Re­klamationen käme. Der Vertrag mit dem jetzigen Unternehmer kaufe noch bis zum 1. Oktober 1902. Letzterer sei aber auch bereit, schon früher von seinem Vertrag zurückzutreten, da er zu wenig verdiene. Der Vorstand muffe sich seine Entschließungen Vorbehalten, umso mehr, als gegenwärtig Erwägungen statt­fänden. ob nicht Verbrennungs-Oefen für den Kehricht errichtet werden sollten. Infolge der Anfrage des Herrn Haub, vre es sich mit der Einführung der neu geplanten Gemeinde-Grundsteuerordnung verhalte, erfolgte ein sehr lebhafter Meinungsaustausch, nach welchem der Vor­sitzende, Herr Stadtrath Rühl, ungefähr Folgendes ausführte: Es sei bekannt, daß die durchaus nöthigen städtischen Ausgaben eine solche Höhe erreicht hätten, daß der Magistrat beantragt habe, die Einkommensteuer auf 100 pCt. und die Grund-, Gebäude- und Gewerbesteuer auf 126 pCt. zu erhöhen. Die Stadtverordneten hätten dieser Erhöhung nicht zugestimmt, aber anerkannt, daß neue Einnahmen für die Stadt geschaffen werden müßten. Die Arbeiten, welche dieses Jahr zurückgestellt worden wären, wie z. B. die Herstellung des Schloßplatzes rc., mühten im nächsten Jahr ausgefiihrt werden. Auch seien noch Millionen für Pflasterungen und Anderes nöthig, welches in den Nächsten Jahren ausgeführt werden müßte. Die geplante Reform der Steuer bezwecke, wie bekannt, eine Mehreinnahme.. Die Gebäudefieuer treffe am schwersten die Besitzer von Gebäuden, welche von minder wohlhabenden oder zahlreichen Miethern be­wohnt würden. Diese würden nach der Grundsteuerordnung gar nicht oder nur wenig mehr belastet werden, während die Besitzer von werthvollen Grundstücken, Landhäusern oder große Miethen «intragenden Läden den größten Theil der Erhöhung zu tragen haben würden. Eine Erhöhung der Einkommen­st e u e r sei von größtem Nachtheil, für den Hausbesitzer, denn eine niedere Einkommensteuer, wie sie bisher hier bestehe, ver- «nlasse viele reiche Leute, hierher zu ziehen. Er selbst müsse nach der Grundsteuerordnung viel mehr bezahlen als früher, aber er halte dieselbe mehr der Gerechtigkeit entsprechend, als eine er­höhte Gebäude- und Gewerbesteuer. Der Redner führte im Verkauf der Debatte noch die Unterschiede und Wirkungen der verschiedenen Steuerarien in einzelnen Fällen aus. Nachdem noch von verschiedenen Seiten der Wunsch geäußert wurde, Magistrat und Stadtverordnete möchten den allzugroßen Aus­gaben der Bauverwaltung ihre besondereAufmertsamkeit widmen, Wurde die Generalversammlung geschloffen.

x. Die IV. Bezirksversammlung des Krieger-Ver­bands des Reg.-Bcz. Wiesbaden wurde am Sonntag Vormittag 11 Uhr im Kurhause zu Homburg v. d. H. durch den Ehrenvorsitzenden Viceadmiral a. D. v. M e n s i n g nach kurzer Begrüßung der Erschienenen mit einem dreifachen Hurrah auf Se. Majestät den Kaiser eröffnet. Außer dem Vorstande des Verbandes rc. und dem Regierungsvertreter waren von Homburg Noch erschienen Landrath Dr. v. Meister, der Bezirkskommandeur V. Schulz-Gora und im Namen der Stadt Beigeordneter Feigen. Im Namen des Kreis-Krieger-BerbandesObertaunus" be-

K üßte dessen Vorsitzender Hauptmann a. D. Wodiczka die Ver mmlung und gab namentlich seiner, sowie der allgemeinen Freud« Wer das Erscheinen der Ehrenvorsitzenden Excellenz £ Mensing und Excellenz Chappui, sowie des Vorsitzenden Rechtsanwalts Vojanowski mit der Hoffnung Ausdruck, baß es Allen in Homburg, welches zur Zeit noch nicht viel bieten Dnne, gut gefallen möge. Der Vorsitzende bittet sodann um die Zustimmung zu einer Huldigungsdepesche an die hohe Protek- fprin Kaiserin Friedrich, welche mit folgendem Wortlaut zur Äbsendung gelangt:Der im Kurhause zu Homburg v. d. H. znsammengetretette Krieger - Verband des Regierungsbezirks Wiesbaden erneuert Ihrer Majestät das Gelöbniß unwandel­barer Treue, v. Mensing, Ehrenvorsitzender." Herr Geheimer siiegierungsrath C r o s s a überbringt mit den Grüßen des Herrn Regierungspräsidenten dessen Bedauern, an der Ver­sammlung nicht Theil nehmen zu können, weshalb er ihn mit seiner Strlldertretung beauftragt habe. Herr Bojanowski bittet, oen Dank für das Wohlwollen des Herm Präsidenten, welcher sich auch in der zu begrüßenden Stellvertretung kund gethan.

jenem auszurichten und hofft, daß der Herr Regierungsrath sich auch aus dem Gange der heutigen Verhandlungen von dem königsgetreuen, staatserhaltenden Geiste des Berbandes über­zeugen werde. Bei der nunmehr stattfindenden Feststellung der Anweienheitsliste zeigt dieselbe mit 2 noch später hinzukommen- den Verbänden sämmtliche 18 Verbände mit 330 Stimmen (je 100 Mitglieder 1 Stimme). Sodann erfolgt die Verlesung des Protokolls der 3. Bezirksversammlung durch den 2. Schrift­führer, Hehner. Aus dem folgenden Geschäftsbericht des 1. Vor­sitzenden ist die erfreuliche Thatsache zu erwähnen, daß im ab­gelaufenen Geschäftsjahr die Zahl der dem Verbände ange­hörenden Vereine sich um 18 mit 1303 Mitgliedern vermehrt hat, sodaß der Regierungs-Verband sich nunmehr zusammensetzi aus 18 Kreis-Krieger-Verbänden mit 639 Vereinen und 32,139 Mitgliedern. Demgemäß ist auch der Vermögensstand (3926 Mk. 62 Pf.) ein sehr günstiger und wird auf Antrag der Prüfungs-Kommission, vertreten durch Herrn Landessekretär Noack, nicht nur dem Herrn Kassirer Bodach Decharge ertheilt, sondern der besondere Dank der Versammlung ausgesprochen. In ausführlicher Weise berichtet sodann der 1. Vorsitzende Vojanowski über den Kyffhäuser-Verbandstag, bei welchem namentlich Prinz Hermann von Sachsen-Weimar warm für die Veteranen eintrat, schilderte die Leitsätze jenes Verbandes, welcher bestrebt ist, sämmtliche deutsche Kriegervereine unter einen Hut zu bringen und empfahl den Kyffhäuser selbst als herrliches Fleckchen Erde mit seinem von Kriegern selbstge­schaffenen Denkmal allen Kameraden zum Besuche. Als nächster Versammlungsort des Verbandes wird Dillenburg ge­wählt. Nach einem Referat des 2. Vorsitzenden über den An­trag, denSatzungen des Preuß. Landes-Krieger-Veibandes, be­treffend Aufnahme der Mitglieder, noch hinzuzufügen:Ferner, wer als freiwilliger Krankenträger an dem Feldzuge von 1870/71 in Frankreich Theil genommen", wird dieser Antrag einstimmig abgelehnt. Es werden sodann einstimmig zu Ehren­mitgliedern des Verbandes ernannt: Der erste Vorsitzende des Landes-Krieger-Berbandes, General der Infanterie v. Spitz, sowie der 2. Vorsitzende, Professor Dr. Westphal, beide zu Berlin. Außerdem zwei Wiesbadener verdiente Mitglieder: Kammerherr v. Göcking und Rentner Aufermann. Nach einer halbstündigen Frühstückspause wird die Berathung fortgesetzt und berührt zuerst Herr Oberstleutnant v. Detten die Bildung des Verbandes Freiwilliger Santtätskolonnen. Nach längerer Debatte, an der auch der Leiter der letzten Wiesbadener Uebung sich betheiligte, soll diese Anregung auf dem Preußischen Landes- Abgeordnetentag in Düsseldorf noch zur Sprache kommen. Ferner berührte der Vorsitzende noch die Frage der Narmal- statuten und fordert zur besseren Betheiligung an der Fecht­schule auf, deren Ergebniß in hiesigen Kreisen fast beschämens- werth sei. Auch macht derselbe von einer Gerichtsentscheidung Mittheilung, wonach das Gericht nicht mehr das Recht habe, über die Richtigkeit der Ausschließung eines Mitgliedes zu be­finden, sondern nur über die Nichtigkeit der angegebenen Gründe. Jedoch könne der Betrefserkde um höhere Entscheidung bis zum Vorstände des Preußischen Landes-Krieger-Verbandes gehen. Ueber Vorschläge zur Haftpflicht-Versicherung, deren Eventuali­tät der Herr Vorsitzende sehr drastisch schilderte, soll in ge­heimer Sitzung weiterberathen werden. Nachdem noch Land­rath Büchting zum 16. Januar zu einer Erneuerungsfeier des bei Hachenburg gesetzten Denkmals der 1766 dort gefallmen Oesterreicher eingeladen, wird die öffentliche Sitzung geschlossen. Nach einer photographischen Aufnahme begann 3)^ Uhr das Festmahl, bei welchem die Reihe der Toaste Excellenz v. Chappui mit einem Hoch auf die Protektorin Kaiserin Friedrich er- öffnete, ihm folgte Beigeordneter Fcigen-Homburg, der den Bezirksvorstand leben ließ, während Bojanowski für die freund­liche Aufnahme dankte und den Obertaunuskreis, sowie dessen eifrigen Präsidenten Hauptmann Wodiczka leben ließ. Ein Hoch auf die Armee und deren jungen Nachwuchs vom Regiment 80 brachte Excellenz v. Mensing aus, dem später Major Schulz- Gora-Homburg mit einem Hoch auf die Kriegerverbände dankte. Kamerad Gropius feierte die Ehrenmitglieder und Bojanowski dankte dem Kurdirektor v. Maltzahn. Nach Aufhebung der Tafel besuchtm die Meisten den im ersten Schmuck der Blätter und Blüthen stehenden Kurpark. Abends fand Festkonzert und Be­leuchtung des Kurgartens statt. Zu erwähnen ist noch, daß in den Vorstandswahlen die Herren Bojanowski zum 1. Vor­sitzenden durch Akklamation wiedergewählt, als 2. Schriftführer Hehner und als Beisitzer die Herren Horn, Lossen und Major Freiherr v. Zedlitz-Nmkirch gewählt wurden. Als Vertreter des Bezirks-Verbandes auf dem Mgeordnetentag zu Düsseldorf wurden die Herren Bojanowski und v. Detten gewählt.

Handelsregister. In das Handelsregister A ist ein­getragen worden, daß das unter der Firma Aug. K o r t h e u e r Hierselbst bestehende Handelsgeschäft durch Vertrag auf den Kaufmann Christian Kortheuer hier Lbergegangen ist und von diesem unter unveränderter Firma fortgeführt wird. In das Handelsregister A ist ferner die Firma Bernhard Metzger mit dem Sitze in Wiesbaden und als deren alleiniger Inhaber der Weinhändler Bernhard Metzger in Wiesbaden eingetragen worden.

o. Seinen Verletzungen erlegen ist der dieser Tage in dem Sonnenberger Steinbruch verunglückte 27 Jahre alte Ita­liener Josef Jagiani. Der Verunglückte, der, wie erwähnt, in das städtische Krankenhaus dahier ausgenommen worden, war ledig. _

17 . Biebrich, 6. Mai. Heute Vormittag wurde abermals hier in der Nähe der Nheinkrippen eine männliche Leiche aus dem Rheine gelandet. Dieselbe muß schon lange Zeit im Wasser gelegen haben, denn sie ist bereits stark in Verwesung übergegangem In den Kleidern befand sich noch der Betrag von 16 Mk., aber sonst kein- Anhaltspunkte über die Person.

* Aus der Umgebung. Der 37-jährige Kunstmaler Karl Ludwig B. aus Wiesbaden wurde von der Strafkammer in Mainz wegen Vergehens gegen § 176 Abs. 3 im wieder­holten Rückfälle zu 1%, Jahren Zuchthaus und 6 Jahren Ehr­verlust verurtheilt. Freitag Abend ist. demNass. Bote" zu­folge, auf dem Bahnhof in Limburg der Stadtverordneten- Borsteher August Nathan von Runkel wegen bedeutender Wechselfälschungen verhaftet worden. Ueber Nathans Vermögen ist der Konkurs eröffnet. Der Stadt Limburg hat ein in Weilburg wohnender ehemaliger Limburger 60,000 Mk. für noch näher zu bestimmende wohlthätige Zwecke geschenkt.

Deutschen Radfahrer-Bundes" statt, zu welchem 73 Delegirte und 13 Gauvorstandsmitglicder erschienen waren. Anträge von besonderer Wichtigkeit lagen nicht vor. Der Gau IX, zur Zeit ca. 2000 Mitglieder stark, hat zu dem im Juli in Dresden statt- fmdenden Bundesfest 6 Delegirte zu entsenden. Gewählt wur­den die Herren B. Beck und A. Petitjean -Wiesbaden, und 4 Herren aus Frankfurt a. M. Das mit dem Frühjahrs- Gautage stets verbundene Konkurrenz-Reigenfahren hatte nur schwache Betheiligung gefunden, da der Gautag in diesem Jahre entschieden zu spät angesetzt war. Zum Niederrad-Retgen hatten derWiesbadener Radfahr-Berein von 188 4" und derBicycle-Klub Bad Nauheim" sich gemeldet. Leider wurde ein Fahrer der Wiesbadener Saalfahrmannschaft durch plötzlichen Todesfall in der Familie an der Theilnahme in letzter Minute verhindert. Ein Bestreiten der Konkurrenz war daher ausgeschlossen. Damit m^n der ohnedies etwas knappe sport­liche Theil des Festes nicht noch mehr verkürzt wurde, fuhr der W. R.-B." seinen Reigen außer Konkurrenz, und zwar war dies insofern noch möglich geworden, als der ca. 13-jährige Hilmar Jouanne für den fehlenden Mann eintreten konnte. Der 12er-Reigen wurde unter stürmischem Beifall des Publikums, trotz der Eng« des Saales, von den Herren e. Fischer, L. Gärtner, A. Werner, H. Herrmann, M. I. Betz, H. Conrad, A. Heß, Fr. Vollmer, E. Gottwald, W. Berges, L. Fuckel und H. Jouanne jr. (Ersatz für H. Schäfer) fast ohne Kollisionen ge­fahren. Die gerade hervorragenden Leistungen desW. N.-V." erreichte er doch eine höhere Punktzahl (14,66) trotz des jugendlichen Ersatzfahrers, als der ebenfalls vorzüglich fahrend« Nauheimer Verein wurde durch einen Ehrenpreis in Gestalt eines echt silbernen Pokals ausgezeichnet. Der wackeren Saal­fahrmannschaft, welche in diesem Winter mit ganz besonderem Eifer und Fleiß sich dem schönen Saalfahrsport widmete, ei« kräftigAll Heilt"

Gerichts/aal.

I Fruhjahrs-Gautirg des Gaues IX. des D. R.-B. Am Sonntag fand in der Centralhalle zu H a n a u a. M. der Frühjahrs-Gautag des Gaues IX Frankfurt a. M. des

ä. Wiesbaden, 6. Mai. (Strafkammer.) Vor­sitzender: Herr Landgerichtsdirektor Vorn; Vertreter der Kgl. Staatsanwaltschaft: Herr Staatsanwalt Dr. Preisser. Der Hausdiener Karl G. war im Jahre 1900 und noch zu An­fang dieses Jahres in der PensionVioletta" hier bedienstet. Er hatte Hausburschen-Arbeiten allbekannter Art zu verrichten und nebenbei sich um den Wein- und Bierkeller zu bekümmerm Das Letztere that er denn mit großer Vorliebe. Er soll nach und nach 70 Flaschen edlen Rheintveines hinter die Binde gegossen haben er selbst sagt, es seien nur 40 Flaschen gewesen und soll bei dem Bierlieferanten in verschiedenen Fällen mehr Bier bestellt haben, als er bestellen sollte. Das Mehr hatte er dann ebenfalls für sich verbraucht. Einmal handelte es sich um eine Differenz von 16 Mk. 20 Pf., ein anderes Mal um eine solche von 3 Mk. 80 Pf. 80 Mk. 60 Pf. und 12 Mk. 60 Pf., die er dem Bierlicferantcn bringen sollte, hat er unterschlagen und er soll, um die Unterschlagung für den Augenblick zu ver­decken, zwei Quittungen gefälscht haben. Auch einem Dienst­mädchen hat er einmal eine Flasche aus dem Weinkeller seiner Dienstherrschaft verkauft. Die leeren Weinflaschen hätte er theilweise mit Wasser gefüllt und hübsch in dir Flaschen­schränke zurückgestellt, wo sich an ihnen das Wunder von Kanaa aber nicht vollzog. Ein Dienstmädchen schickte den redlichen Diener einmal mit einem Packet zur Post, das einen Muss ent­hielt, in welchem wieder 60 Mk. versteckt waren. Der An­geklagte öffnete das Packet, stahl die 60 Mk. und übergab den' Muff der Post zur Beförderung. Einem Fräulein soll er eine im Zimmer liegengebliebene Vorstecknadel im Werthe von 200 Mk. gestohlen haben; er selbst sagt, er hätte nur einmal eine werthvolle Vorstecknadel gefunden, die er einem Mägdelein verehrt hätte. Aus New-Pork war ein Rechtsanwalt in der Pension, der einen Koffer mit einem amerikanischen Vexirschloß hatte. Dieses Vexirschloß war eines Tages verschwunden, und als der Doktor aus Amerika Lärm schlug, kam der gute Haus­diener G. geschlichen und brachte das Schloß. Das sind die Unredlichkeitsfälle, welche dem Angeklagten zur Last gelegt werden. Außerdem ist er noch der widernatürlichen Unzucht beschuldigt und unter derselben Beschuldigung sitzen noch fünf Leute, Johann D., Friedrich F., Clemens A., Valentin L. und Otto W., mit ihm auf der Anklagebank. Der Angeklagte G. wird unter Freisprechung von der Anklage der Päderastie, zu einer Gefängnißstrafe von 1 Jahr 6 Monaten verurtheilt. Die übrigen Angeklagten werden fteigesprochen. Der Taglöhner Karl G. von F r a n k f u r t a. M. hat in der Chemischen Fabrik zu Griesheim, wo er seiner Zeit arbeitete, am 4. Dezember 1900 ein Stück Lederriemen, das ihn nichts anging, neben hingelegt, in der Absicht, es mit nach Hause zu nehmen, um seine zer­rissenen Stiefel damit zu flicken. Das Stück Leder war von einem Treibriemen abgefallen, den ein Sattler neu gemacht hatte, ker Angeklagte ist einige Mal wegm Diebstahls vor­bestraft, deshalb muß er, trotzdem ihm mildernde Umstände zugebilligt werden, auf 3 Monate ins Gefängniß. Von Frank, furt, der Großstadt am Main, kamen am 12. Februar d. I. zwei Männlein und zwei Weiblein, alle vier vorbestraft und bereit, irgend etwas auszuführen, was man nicht ausfuhren darf. Es waren der 1880 geborene Schneider Wilhelm K., der 1879 geborene und bereits mit Zuchthaus vorbestrafte Eisen­dreher Adam M., die 1867 geborene Prostituirte Jda K. und die 1876 geborene Arbeiterin Juliane R. Der Schneider­geselle war offenbar der Führer der windigen Gesellschaft; er ging in die Blücherstraße, wo ein Fräulein möblirte Zimmer vermiethet, und miethete eine Stube. Eine Mark bezahlte er an. Den Hausschlüssel nahm er mit. Um Mitternacht kam er, schellte die Vermieiherin heraus und ließ sich noch den Ab- schlußschlüssel geben. Er habe, sagte er, irgendwo sein Porte­monnaie liegen lassen, das wolle er noch suchen. Spater führte er seinen Freund und sein- Freundinnen ein und sie machten sich's gemüthlich. Am Morgen war das Nest leer und es fehlte außer den wichtigsten Bestandtheilen des Bettes noch sonst Allerlei: Nippsachen. Aschenbecher, Tischdecken rc. -c. Eme Dame, die in einem Zimmer nebenan schlief, hat m dem von den Gaunern bewohnten Zimmer großen Spektakel gehört; sie hat ihnen angeblich auch zugerufen, sie sollten nihig.fern und sollten sich hüten, etwas zu erbrechen, aber sie hütete sich, dre Vermietherin auf die Gesellschaft aufmerksam zu machen. Der Anaeklaaie Schneidergeselle K. wird zu 9 Monaten und die Frauenzimmer K. und R. zu vier Monaten Gefangmß ver­urtheilt. Gegen den Angeklagten M. w,rd auf eine Zuchthaus, strafe vou einem Jahr erkannt. .

* Stettin, 3. Mai. Bor dem Schwurgericht hatte sich die Wirthschafterin Selle wegm Kindesmords zu verant­worten. Die Angeklagte. 37 Jahre alt und bisher nicht W