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4 Beilage mm Mestlaüener Tagblatt

Ko. 211. Morgen-Ausgabe.

Dienstag» den ?♦ Mai.

49. Jahrgang. 1901.

Einsendungen aus dem Leserkreise.

" ! * (Ohne Bemntwortliibkeit der R-inNtion.)

^ Der Stadiverordneten-Versammlung vom 22. März tag eine Eingabe des „Vereins s e l b st ä n d i g e r Kauf- I e u i e" vor, in welcher dem „Kaufmännischen Verein Wiesbaden" E. V. die Vertretung einseitiger Ge- Hülfen-Jnteressen vorgeworfen wird. Wenn zunächst dieser Vorwurf durch die nachstehende, an die Stadtverordneten-Ver- sammlung abgegangene Eingabe vollständig cntlräftigt wird, so ist weiter nicht anzunehmen, daß einseitige Interessen der Grhülfen den „Kaufmännischen Verein Wiesbaden" E. V. ver­anlaßen, eine kaufmännische Fortbildungsschule zu begründen und mit erheblichen Opfern an Zeit und Geld etwa 1.0 Jahre zu verwalten, um dadurch die thcilweise Ausbildung der Lehrlinge den Lehrherren abzunehmen. Die Eingabe lautet: „An den Herrn Vorsitzenden der Stadiverordneten-Versammlung Wiesbaden. Auf unsere Eingabe vom 21. Februar d. I. höflichst Bezug nehmend, beehren wir uns, dem wohllöblichen Stadtverordneten-Kollegium Folgendes zu unterbreiten. Aus Zeitungsberichten entnehmen wir, daß der „Verein selbständiger Kaufleute" den städtischen Behörden eine Eingabe unterbreitet hat, in welcher er sich erlaubt, anscheinend, um seiner gewisser­maßen verspätet abgegebenen Eingabe Berücksichtigung zu ver­schaffen, den „Kaufmännischen Verein Wiesbaden E. V." als eine einseitige Gehülfenvertretung hinzustellen. Wir müssen diese Unterschiebung ganz entschieden zurückweisen, dazu be­merkend, daß der „Kaufmännische Verein Wiesbaden, E. V.", wie aus dem angefügten Jahresbericht ersichtlich ist, aus 146 selbständigen Kauflcuten und 132 Angestellten, also mehr als zur Hälfte aus Prinzipalen besteht, auch der Vorstand ist dem­entsprechend aus Prinzipalen und Gehülfen zusammengesetzt, sodaß von einer einseitigen Gehülfenvertretung absolut keine Rede sein kann. Wir müssen deshalb eine solche wider besseres Wissen aufgestellte univahre Behauptung als im höchsten Grad verwerflich bezeichnen, zumal unser Verein zu einem derartigen öffentlichen Angriff nicht die geringste Veranlassung gegeben. Ferner ist es uns unverständlich, aus welchen Gründen sich der „Verein selbständiger Kaufleute" um Sitz und Stimme im Kura­torium der Fortbildungsschule jetzt so sehr bemüht, nachdem er sich seit dem Bestehen der vor etwa 10 Jahren vom „Kauf­männischen Verein Wiesbaden E. V." begründeten und seitdem verwalteten Schule um dieselbe nicht nur nicht gekümmert hat, sondern sogar von einem Theil seiner Mitglieder den Lehr­lingen den Besuch der Schule vielfach erschwert und vielleicht sogar unmöglich gemacht wurde. Unter Hinweis auf die vor­stehenden Ausführungen bitten wir wiederholt um Berück­sichtigung unserer Eingabe vom 21. Februar d. I. und zeichnen in dieser Erwartung mit vorzüglicher Hochachtung! „Kauf­männischer Verein Wiesbaden, eingetragener Verein."

* Die Redaktion des „Wiesbadener Tagblaits" hat in ent­gegenkommendster Weise in letzter Zeit einer Reihe von Ein­sendungen aus dem Leserkreise Ausnahme gewährt, die den zu frühen Schulbeginn zum Gegenstände haben. Man «mn sicher sein, daß die öffentliche Besprechung über dieses Thema noch nicht abgeschlossen ist, welches ja von einschneiden­dem Interesse für jede Familie ist, in der des Morgens um

6 Uhr (Ortszeit &y 2 Uhr) jüngere Kinder aus den Betten zu bringen sind. Die letzten beiden Eingesandts hatten nun aber mit der Frage des Morgenbeginns der Schule eine andere ver­quickt, nämlich die der Lage und Zeitdauer der Sommer- ferien. Man hatte auf die bayrischen Ferien hingewiesen, die von Mitte Juli bis 20. September dauern. Ich glaube, daß es ein Fehler ist, mit einem Male zu viel zu unternehmen. Qui trop embrasse, mal etreint. Ich möchte warnen, in weiteren Eingesandts sich zu sehr zu versplittern. Es handelt sich doch vorderhand darum, daß der jetzig- frühe Sommer­schulbeginn von 7 Uhr (Ortszeit %7 Uhr) auf eine spätere Zeit verlegt werde. Und ich bin sicher, daß diese Bestrebung, welche in Frankfurt von den Aerzten so kräftig eingeleitet worden ist, auch in Wiesbaden auf ärztlicher Seite Freunde und Förderer finden wird. Ich möchte, um ein ganz festes Programm auszu­sprechen, Folgendes als erstrebenswerthes Ziel hinzustellen: Auch noch im April und Mai Beginn der Schule um 8 Uhr, Schluß 1 Uhr. Von Anfang Juni ab bis zum Beginn der Ferien (Mitte August) Beginn des Morgens der Hitze wegen ?y 2 , Schluß 12 Uhr. Es würde dies ganz analog sein der Uebung im Winter, wie sie bei uns schon seit mehreren Jahren thaisächlich besteht, wo von Mitte November bis Mitte Februar der Dunkelheit wegen die Schule um 8\' 2 Uhr beginnt und um 1 Uhr schließt, also nur 4% Stunden dauert. Was in drei Wintermonaten nun möglich ist, läßt sich doch schließlich auch in 2y 2 Sommer­monaten durchführen. S.

* Als Abonnent des „Tagblatt" gestatten Sie, geehrter Herr Redakteur, ein Wort der Erwiderung auf die in der Freitag(Morgen) - Nummer enthaltene Notiz über die Schleppen, weil in derselben derartige Unrichtigkeiten ge­rade in den wichtigsten Punkten enthalten sind, daß sie unmög­lich unwidersprochen bleiben können. Da heißt es zunächst: „gerade die gefährlichsten Mikroben gingen bei Trockenheit und Sonnenschein rasch zu Grunde". Das ist falsch. Gerade trockener bazillenhaltiger Auswurf von Schwindsüchtigen behält wochenlang seine Ansteckungsfähigkeit, kann staubförmig ein- geathmet werden und ansteckend weiter wirken. Wo aber die Bazillen wirklich rasch zu Grunde gehen, da sind es deren Sporen, die lebensfähig und ansteckungsfähig bleiben. Schwind­sucht-Bazillen sind nämlich nicht sporenhaltig. Man denke doch nur vergleichshalber an eine von Mehlthau befallene Rebe, die beim Berühren schon eine Wolke von Staub aufsteigen läßt, der nichts anders ist, als die Conidien, die Sporen des Pilzes. Nun gar aber noch der Hinweis auf den Staub, den Wagen verursachen. Denkt denn etwa der Verfasser der Mittheilung, daß ein Mensch, der an Husten leidet, erst mitten auf die Straße geht, um zu expektoriren? Das ist es eben, worauf es beim Kampfe gegen die Schleppe ankommt: der tuberkulöse Mensch expektorirt auf dem Bürgersteig, wo alle andern Menschen auch gehen, nicht auf dem Fahrdamm. Der auf dem Trottoir also sich entwickelnde Staub ist es, der mit Bakterien und deren Sporen infizirt ist und umso mehr krankheiterregend wirken kann, in je größerer Nähe am Boden, d. h. je konzentrirter er eingeathmet wird. Das ist bei Kindern der Fall. Man braucht nicht bloß an Schwindsucht zu denken, auch andere ansteckende Krankheiten kommen in Betracht, wie z. B. die Diphtheritis, deren Art der Ansteckung in sehr vielen Fällen noch nicht nach­weisbar ist. Dr. O.

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* Die grauenhafte Verwüstung, die die von gewaltigen Explosionen begleitete Brandkatasirophe in den chemischen Fabriken zu Griesheim bei Frankfurt a. M. im Gefolge gehabt hat, lassen mehrere in der „Jllustrirten Zeitung" Nr.3018 vom 2. Mai reproduzirte Aufnahmen erkennen. Die Nummer hat auch sonst einen interessanten textlichen und illustrativen Inhalt.

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* „Das große Buch der Bewegungsspiele im Freien" von E. v. Rauch. (Hugo Steinitz, Berlin SW., Charlottenstraße 2.) Mehr und mehr wird durch einsichtsvolle Schulverwaltungen jetzt dafür Sorge getragen, daß neben der geistigen Ausbildung der Jugend auch der körperlichen Pflege durch Turnunterricht, Jugend- und Sportspiele ihr Recht wird. Alle diese Uebungen sollten aber auch nicht nur während der Schulzeit, sondern auch in späteren Jahren fortgesetzt werden, damit die durch anstrengende Berufsarbeit erschlafften Nerven die nöthige Auffrischung erhalten. Die vorliegende Sammlung der Bewegungsspiele möchte aufs Neue Anregung und Vorschrift dazu bringen. Sie enthält alle wesentlichen Jugend- und Sport­spiele, wie sie Eltern mit den Kindern, Lehrer mit den Schülern, Ertoachsene unter sich spielen können. Die Reichhaltigkeit der Auswahl wird Jedem willkommen sein. Die Genauigkeit der Beschreibung, auch der schwereren Sportspiele, ist anerkennens- werth. Allen Denen, die über Lawntennis, Croquet, Fußball, Baseball, Laufspiele, kleinere Ballspiele re. Belehrung suchen und die Regeln der Spiele kennen lernen wollen, sei die Samm­lung aufs Wärmste empfohlen. Der Preis beträgt nur 1 Mk. 80 Pf.

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