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„ragdNM-Hmir". lDod)Clttltd) (vSiflb 12 rtUSQClüCn. „T-,»Iatt.H»uS" Wr. 6650-53.
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„Tagblait-HauL" Nr. 6650-53.
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Donnerstag, 27. Mai 1915.
Der Krieg.
von den östlichen Kriegsschauplätzen.
ver österreichisch. ungarische Tagesbericht, vie Fortschritte bei przemysl. Das Anwachsen der Siegesbeute.
Schmähliche Flucht der Italiener bei den ersten Schüssen.
W.T.-B. Wien, 26. Mai. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 26. Mai, mittags:
Nordöstlicher Nriegsschauplatz.
Die Schlacht bei Przemysl dauert fort. Die Armee des Generalobersten v. Mackensen dringt im Angriff beiderseits des San in südöstlicher Richtung erfolgreich vor. Der Übergang über den San östlich R a d y m n o ist erkämpft. Das österreichischungarische 6. Korps erstürmte den Brückenkopf Z a- g r o d y östlich dieser Stadt. Südlich und s ü d ö st- lich Przemysls sind unsere Armeen gegen die starken, zum Teil betonierten Stellungen der Russen in langsam fortschreitendem Angriff. Die Zahl der in den letzten zwei Kampftagen angebrachten Gefangenen ist auf 2 5 0 0 0 gestiegen. An Kriegsmaterial wurde» bis gestern abend erbeutet 54 leichte, 10 schwere Geschütze, 64 Maschinengewehre und 14 Munitionswagen. ,
Südlich des D n j e st r und in Russisch-Polen ist die allgemeine Lage unverändert. Nach einem Gefecht nördlich der Weichsel wurden 998 Russen gelangen.
Südwestlicher Nriegsschauplatz.
In Tirol rückte eine feindliche Abteilung im Con- vino (Judicarien) ein. Im Padonpaß, nordöstlich der Marmolata, flüchteten die Italiener bei ven ersten Schüssen. An der kärntneri- scheu Grenze wiesen unsere Truppen mehrere Angriffe unter bedeutenden Verlusten der Italiener ab. Westlich des Plöcken floh der Feind und liest seine Waffen zurück.
Im Küstcnländischen Grenzgebiet haben sich bisher noch keine Kämpfe entwickelt.
Der Stellvertreter des Chefs des Grneralstabs: v. Höfer, Feldmarschalleutnant.
vie Meuterei der russischen Gstseeflotte.
W- T.-B. Berlin, 26. Mm. (Nichtamtlich.) Der „L.-A." meldet aus Wien: Wie aus Rußland gemeldet wird, fanden in den letzten Tagen zahlreiche Prozesse gegen Matrosen der O st s e e f l o t t e statt, die der Meuterei beschuldigt waren. Aus Todesanzeigen ersieht man, daß über 20 Marineoffiziere „plötzlich" gestorben sind. Der kürzlich gemeldete Tod des Kommandanten der baltischen Flotte wird ebenso damit in Verbindung gebracht, wie der erst kürzlich bekannt gewordene Tod des Admirals Brri- l e w, der auf einer außerordentlichen Mission in der Ostsee plötzlich gestorben ist.
Russisches über die Nriegslage in Galizien.
Die Bundesgenoffen schuld an der Niederlage.
W. T.-B. Petersburg, 26. Mai. (Nichtamtlich.) Ter „Ruske Invalid" schreibt über die Kriegslage, daß der russische Rückzug aus Galizien nur erfolgt sei, um den Feind von der Basis Krakau und seinen guten Cisenbahnverbindun- gen abzuziehen. Die derzeitige von Deutschen und Österreich-Ungarn eingenommene Linie werde jetzt von der russischen Nidalinie aus bedroht, es sei aber nicht ausgeschlossen, daß die Russen sich selbst von der Nidalinte zurückziehen würden, weil der russische Winterplan noch nicht voll zur Ausführung gekommen sei. Die Ursache dafür, daß die russischen Heere in Galizien zurückweichen muhten, sei, daß die Engländer und Franzosen an der Westfront nicht genügend Initiative entfaltet und die deutschen Truppen dort nicht genügend gebunden hätten. — Nach dem „Rjetsch" sind jetzt auf der deutschen Ostfront von Opatow bis Kolomea 35 Armeekorps zusammengezogen. Es fe, anzunehmen, daß jetzt die große Entscheidungsschlacht vorbereitet werde. Diese Hauptschlacht sei als das wichtigste Ereignis in dem Weltkrieg zu betrachten. Tie werde durch die vevwickeltsten politischen und strategischen Verhältnisse verursacht. Festgelegt sei die Gruppierung der Kräfte noch nicht; deshalb sei es ungewiß, wo der Hauptschlag falle. _
Der Krieg gegen Italien.
Der Armeebefehl Erzherzogs Friedrich anlätzlich
des Beginnes des italienischen Nrieges.
W. T.-B. Wie», 26. Mai. (Nichtamtlich.) Der Armee- kommandant Feldmarschall Erzherzog Friedrich bringt zur Mitreilung an alle österreichisch-ungarischen Truppen und zur Kenntnis für die ihm unterstehenden deutschen Truppen den Armeebefehl, der das anläßlich der Kriegserklärung Italiens ergangene Manifest des Kaisers Franz Joseph im Wortlaut tmebeog&t und sodann fortscchrt:
morgen« Ausgabe.
Soldaten! Ihr vernehmt die in ernster Stunde gesprochenen Worte unseres allergnädigsten obersten Kriegsherrn. Sie kennzeichilen die große, schmachvolle Niedertracht unseres neuen Feindes, der jahrzehntelange Treue mit schändlichem Verrat lohnt. Sie weisen uns, Soldaten, aber auch eine neue Aufgabe zu, deren Lösung Seine Majestät und das Vaterland vertrauensvoll in unsere Hände legt. Kein ehrlicher neuer Feind tritt uns Aug in Aug entgegen, nein, der treulosebisherige Bundesgenosse Österreich-Ungarns und Deutschlands sieggekrönter Heere und Flotten, die nach zehnmonatigem Sitzen Ringen gegen die halbe Welt unbesiegt und fester denn je im Kampf« stehen, fällt uns heimtückisch in den Rücken. An uns, Soldaten, !st es, diese beispiellose Haltung unseres Feindes mit Blut und Eisen zu treffen und ihm wieder den Weg zu zeigen, auf den ihn ernst schon unsere Vorfahren bei Mortara und N o v a r a, bei C u st o z z a und bei L i s s a gewiesen. Unser heißgeliebter allergilädigster Herr, der alles versucht hat, um Ulis und unseren Verbündeten diese neue Prüfung zu ersparen, soll den Geist Ra d e tz k y s, des Erzherzogs A l b r e ch t s und Tegethoffs in uns Witter finden. Wir wollen ihre wirklichen Enkel sein. „Viel Feind, viel Ehr!" sei unser Kampfruf. So grüßen wir unseren erhabenen Kaiser und König und unsere treuen Waffenbrüder, so grüßen wir im Norden unsere Kameraden, die im Süden bereit stehen, dem schmählichen Einbruch im Rücken zu trotzen, bis auch für den Süden der Tag anbricht, der blutige Vergeltung bringt.
Soldaten! Ohne Zagen und frohen Mutes los aus den neuen Gegner ! Mit Gottes Hilfe und in treuer Waffenbrüderschaft mit unseren verbündeten Kameraden werden wir auchihn zu schlagen wissen.
3ur Beschießung öer italienischen (vstküste.
Italienische Angaben.
Br. Lugano, 26. Mai. (Erg. Drahtbericht. Ktr. Mm) Der „Corrtere della Sera" meldet: Ein österreichisches Kriegsschiff unter falscher — italienischer (?) Flagge beschoß eine Eisenbahnfluhbrücke, welche beschädigt wurde, und beschoß dann den Bahnhof Termoli und beschädigte mehrere Lokomotiven sowie einen Güterschuppen. Es beschoß darauf Campo Marino, die Termits-Insel, Barletta und andere Ortschaften an der adriatffchen Küste.
Die Schäden in Ancona.
Nr. Lugano, 26. Mai. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) Die Beschießung der österreichischen Schiffe richtete in Ancona doch mehr S.ch a d e n an, als zuerst schien. Die Schiffe schossen in zwei bestimmten Richtungen, nämlich gegen den Bahnhof und den Hafen. Der Bahnhof wurde von mehreren Granaten getroffen und ldas Dach zertrümmert, wobei fünf Lokomotiven beschädigt wurden. Die Beschädigung des Hafens soll dagegen nur gering sein. Doch- wurden mehrere Häuser des Hafenviertels getroffen. Ebenso erhielten angeblich der Dom und der Glockenturm Granaten. Von einem in der Fahrt begriffenen Militärzug wurden zwei Wagen in Brand gesetzt, auch die Eisenbahn- brückebe' Senigallia wurde teilweise zerstört. Die Zahl der Opfer ist unbekannt. — Der deutsche Dampfer „Lemnos" von der Levantelinie ging plötzlich unter. Man vermutet, daß der Kapitän ihn versenkt hat, damit er nicht in feindl'che Hände fallen sollte. Er würde gelhncht worden sein, wenn er nicht verhaftet worden wäre. Auch der deutsche und der österreichische Konsul in Ancona wurden verhaftet.
Italienische „Siegesmeldungen".
Nr. Haag, 26. Mai. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) „Daily Expreß" meldet aus Paris: Hier eingegangene Meldungen berichten von Grenzgefechten, die gestern nacht an der österreichnch-ftalienrschen Grenze stattfanden. Zwischen R o n z i o m a und der Küste übeiLchritten österreichische Patrouillen die italienische Grenze, wurden aber mit Verlust zurückgeschlagen.
Verlängerung der Dienstpflicht in Italien.
W- T.-B. Lausanne, 26. Mai. (Nichtamtlich.) Die „Gazette de Lausanne" erfährt aus sicherer Quelle, daß die italienische Regierung ein Dekret erlassen hat, nachdem die militärische Pflicht, die bisher bis zum 39. Lebensjahre ge- dauert hatte, bis zum 4 2. Lebensjahre verlängert worden ist. Das Dekret soll nicht sofort in Kraft treten.
Desterreichifch-ungarische Nonsuln in Italien angehalten.
Br. Chiasso, 26. Mai (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Auf Befehl der Regierung hielt die Polizei in Piacenza fünf oder sechs österreichische Konsuln an, darunter die von Genua, Bologna, Bari und Livorno, als sie aus der Durchreise den Bahnhof passierten. Die italienische Regierung stellt diesen Akt als Repressalie dagegen -dar, daß die öfter- reichische Regierung den italienischen Konsuln angeb- l r ch keine freie Abreise gewähre.
Fürst Bülows Reise durch die Schweiz.
W. T.-B. Zürich, 26. Mai. (Nichtamtlich.) Fürst Bülow ist gestern auf dem hiesigen Bahnhof von dem deutschen Gesandten in der Schweiz und dem Generalkonsul in Zürich du Foure empfangen worden, die den Fürsten bis Eglisau geleiteten. Bor der Abfahrt von Zürich stattete Bülow dem schweizerischen Bundrsrat telegraphisch seinen Dank für die musterhafte Organisation des militärischen
Nr. 241. * 63. Jahrgang.
Geleites durch die Schweiz sowie für die liebenswürdige Aufnahme und für die mancherlei Ehrenbezeugung ab. Ebenso dankte Baron Macchia dem Bundespräsidenten telegraphisch im gleichen Sinne.
vergehen gegen feindliches Eigentum in Italien.
Br. Lugano, 26. Mai. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) Die römische Presse, an ihrer Spitze der „Gi-ornale d'Jtaliw", fordert .die Regierung zur Konfiskation des van der österreichischen Botschaft geräumten altehrwü-Mgen Palazzo Venezia Es. Da der Palazzo nicht Privatibesitz, sondern Staatseigentum sei, stehe einer Konfiskation ein rechtliches Hindernis nicht im Wege. Der königliche Palast in Mailand ist dem Roten Kreuz zur Verfügung gestellt. In Lugano soll ähnlich, wie in Genf, ein internationales Korrespondenzbureau für zukünftige Gefangene des italienischen Krieges errichtet werden.
Br. Chiasso, 26. Mai. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) Das großartige Besitztum des ernwrdeten Erzherzogs Franz Ferdinand mit Schloß und Park von Cattajo an der Eisenbahnlinie Venedig-Bologna ist, wie der „Corriere della Sera" meldet, von 300 Landleuten besetzt worden, nachdem der alte Wächter des Schlosses sich beharrlich geweigert hatte, die italienische F ah n e zu hissen. Die Menge hat das Eisengitter niedergebrochen und ist in alle Gemächer gedrungen, hat aber nichts zerstört. Als abends Karabrnieri eintrafen, hat das Volk ihnen das Schloß übergeben.
Br. Lugano, 26. Mai. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die seit geraumer Zeit im Hafen von Genua liegenden sieben österreichisch-ungarischen Handelsdampfer sind sofort nach erfolgter Kriegserklärung von den Hafcnbehörden beschlagnahmt und die gesamten Mannschaften gefangen gesetzt worden.
Die französische Nammersitzung.
Frankreich begrüßt seine lateinische Schwester.
W- T.-B. Paris, 26. Mai. (Nichtamtlich. Agence Ha- vas.) Der Sitzungssaal der Kammer und die Tribünen sind dicht besetzt. In der Diplomakenloge ist T i t t o n i anwesend. Präsident Deschanel hält bei Eröffnung der Sitzung folgende Ansprache:
Wie vor 56 Jahren ist Italien mit uns. Wie hätte» Rom, die Mutter des Rechtes, den Verächtern der Verträge und der geschworenen Eide dienen können? Wie hätten die Erben des großen Venedig dulden können, daß die Adria ein germanischer See werde? Wie hätte die feine, geschmeidige Politik des Hauses Savoyen, das in den Dreibund nur emgetreten war, um sich vor den Streichen seiner jahrhundertealten Feinde zu schützen, die Hand dazu bieten können, daß Serbien und das Ägäische Meer durch die Vorhut Deutschlands verschlungen werde? Nein! Rom, das nach Athen die Quelle allen Lichtes war, Rom, wo von Jahrhundert zu Jahrhundert immer wieder die blühende Blume der Moral und der Schönheit wunderbar aufgeblüht ist, konnte in diesen höchsten Stunden nicht mit an den Stätten der List und der Gewalt sein! Jetzt steht es an seinem wahren Platze, an seinem wahren Range, gemeinsam mit den Vaterländern des Rechtes und der des Ideales, mit den ewigen Stätten des Geistes, und während aus den Tiefen des Ozeans die Klagen der unschuldigen Opfer, die Schreie der Kinder und Mütter, die durch ein furchtbares Verbrechen in die Tiefe gestürzt worden sind, das ganze denkende Weltall mit Schmerz und Zorn erfüllen, begrüßt Frankreich, dessen unbe- zwingliches Heldentum die Bemühungen der Barbarei zunichte gemacht haben, Frankreich, das mit Ruhm ohne Ermatten die schwerste Last des Krieges trägt, Frankreich, das sein Blut nicht nur für seine Freiheit, sondern für die Frei- heit der anderen und für die Ehre Frankreichs vergießt, brüderlich den Flug der römischen Adler als Vorzeichen des triumphierenden Rechtes. Es fühlt, wie von einem Ende der Welt zum anderen das Herz zitternder Völker schlägt, derer, denen sich ein günstiger Augenblick bietet, und derer, die bekümmert und unterdrückt sind; es fühlt, wie ein Aufstand des Gewissens des Universums gegen den wahnwitzigen Stolz einer Raubkaste auflodert. Jetzt stehet auf, ihr Toten von Magenta und Solferino! Entflammt mit eurem Odem die beiden auf ewig in Gerechtigkeit verbündeten Schwestern!
Nach den ersten Worten Deschanels erhoben sich alle Deputierten und bereiteten Tittoni eine begeisterte Kundgebung. Die ganze Rede war von Beifallsrufen unterbrochen. Nach der Rede erhob sich ein längerer Beifallssturm. Der öffentliche Anschlag der- Rede wurde einstimmig beschlossen. Ministerpräsident Viviani ergriff das Wort und sagte: Im Namen der Regierung der Republik grüße ich das italienische Volk, das sich erhoben hat, um zu siegen. Von einem Ende der Halbinsel zum anderen erhob sich dgs ganze Volk mit seinem ihm von Natur innewohnenden Enthusiasmus. (?) Es erhob sich, nachdem es neun Monate, ohne schwach zu werden, das Schauspiel des Krieges betrachtet hatte. Es jubelt seinem König Beifall zu, dem würdigen Erben eines großen Vorfahreit, der mit Cavour und Garibaldi die nationale Einheit begründete. Es wird für das Recht gekämpft, welches mit der Kunst die herrliche Gabe seines Genius ist. Frankreich grüßt mit sejpem Degen das unter seiner Rüstung knirschende Italien. So wrrd unsere wiedererblühte Brüderschaft sich verjüngen. Lassen wir nun jenen vibrierenden Schrei, da er aus unserem Herzen kommt, über unsere Lippen steigen: „Es lebe Italien!" Brausender Beifall erhebt sich. Es wird einstimmig beschlossen, die Rede öffentlich anzuschlagen.
