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..... m. Jahrgang.

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Verlag: Langgasse 27.

Ahsrmenten.

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Morgen-Ausgabei

Die innere Lage.

L. Berlin, 25. April.

Gewiß giebt es eine Krise, aber ob es eine Personal- krl,e ,st, eine, bei der mehrere Minister oder wohl gar der Reichskanzler vom Schauplatz abzutreten hätten, das er­lauben wir uns umsomehr zu bezweifeln, je lebhafter es die Konservativen versichern. Es ist Systeni in den Machenschaften der agrarischen Kanalfeinde. Zuerst wird irgendwo an einer besonders sichtbarer! Preßstelle behauptet, daß dieser und jener Minister ins Gras beißen werde, imd dann steckt Herr von Zedlitz den Pflock sofort werter und schildert in der „Post" die Lage so, als stände me Krone vor einer der schicksalsschwersten Ent­scheidungen, als handle es sich um einen vollkommenen, m solchem Umfange noch nie dagewesenen Systemwechsel, als seien sänimtliche gegenwärtigen Minister und Staatssekretäre moralisch verpflichtet, ihren Platz zu räumen, wenn aus den Schwierigkeiten der Getreidezoll- ttage kein Ausweg im agrarischen Sinne gefunden werde. Man braucht ja nicht erst zu sagen, daß solche Aussicht auf einen gründlichen Wandel der Dinge im Reichs wie in Preußen etwas Schreckhaftes nur für die Parteien und die Männer haben kann, die mit solchen Ausstreuungen jetzt hausiren gehen. Uns Uebrigen könnte es schon recht sein, wenn es so käme, wie Herr v. Zedlitz es an die Wand malt. Wer daß grade er und grade der Agrarkonservatis- mus es thun, ist in hohen! Maße verdächtig. Zusammen­gehalten mit anderen benierkenswerthen Erscheinungen, so z. B. mit der Ausnutzung des Bremer Vorfalls Seitens der Urngebung des Kaisers, machet! diese Finessen der konservativen Wortführer den Eindruck, als solle die Kwne in den Glauben versetzt werden, ihr einziges Heil beruhe auf den ostelbischen Traditionen, und der Anfang vom Ende drohe, wenn zwischen ihr und der Rechten eine verschärfte Spannung Platz greifen sollte. Es ist, als ob diese Bündler und Bündlergenossen den Kaiser anflehten, doch ein Einsehen in seinern und ihrem Interesse zu haben «nd sich aus der Verwerfung der Kanalvorlage nicht gar so diel zu machen, da die Konservattven nun einmal nicht anders könnten, als diesem Plane gegenüber Nein zu sagen. Das Spielen mit einer allgemeinen Krise geht aus einem ziemlich verwickelten psychologischen Prozeß auf der Rechten hervor. Theils wird gehofft, mit der inöglichst grellen Schilderung der Folgen eines Spannungszu­standes den llaiser einzuschüchtern, theils steckt in diesen Kreuz- und Querzügen die aufrichtige und nach Lage der Dmge nicht unbegründete Furcht, daß die fortgesetzte Hemmung der Regierungspolitik durch die Konservativen m der That einen für diese Partei gefährlichen Entschluß zeitigen könnte. Eine weitere Verwirrung der Verhält­nisse tritt nun aber dadurch ein, daß die gegenwärtige Regierung trotz aller Beschönigungsversuche als im Kern gespalten gelten muß. Es ist keine innere Gemeinschaft vorhanden zwischen den! Grafen Bülow und Herrn v. Miguel. es geht ein Riß durch dies „Systeni", das in Wirklichkeit keines ist, und Männer wie Gras Posadowsky

^ £err v. Thielmann beargwöhnen einander und haben alle^ Recht dazu. Zugleich aber stellt sich heraus, daß es eine ziemlich gefährliche Sache ist, Freund der Agrarier zu sein. Herr v. Miguel muß das jetzt wieder einmal er­fahren, und Graf Posadowsky wird es ebenfalls erfahren, wenn in der Zolltariffrage erst die letzten, dm agrarischen Forderungen wahrscheinlich wmig entsprechmdm Ent scheidungen gefallen sein werden. Was nützt den Kon- servatwen die Zuneigung des Herrn v. Miguel. wenn er nutzt dafür sorgm kann, daß die Ablehnung der Kanal- Vorlage ihnen keinen Schaden bringt? Was haben sie von seiner und des Grasm Posadowskys Freundlichkeit, wenn Beide außer Stande sind, den Doppeltarif durch zusetzen und die Mindestzölle noch über die Sätze des gel­tenden Generaltarifs hinauszutreiben? Garnichts haben ste davon, und so sieht sich zunächst Herr v. Miguel gegen- tUQntg faton bedroht durch allerlei spitze Angriffe von rechts her, durch die Feststellung des Herrn v. Zedlitz bei­spielsweise, daß er „au der augenfälligen Verininderung seines Einflusses fowohl bei der Krone wie bei derLandes- vertretung" die Erfahrung machen müsse, daß man nicht ungestraft sein Portefeuille beibehalten könne, wo man durch sein Verbleiben die Verantwortlichkeit für politische Aktionen übernehme, die mit dmi bisherigen polittschm Gesammtverhalten füglich nicht vereinbar seien. Das ist wohl deutlich. Herr v. Miguel wird von dm Agrariern gerüffelt, weil er sich neuerdings so Verhalten hat, als be- trachte auch er die Durchsetzung der Kanalvorlage als un­aufschiebbare Pflicht. Von der Halbheit haben, die Kon- servatwen jetzt gerade genug, sie ivolleu sich nicht mit Ver­sprechungen abspeisen lassen, sie wollen Alles oder nichts. Wenigstens geberden sie sich einstweilen so, indem sie von der sachlich sehr falschen, psychologisch gleichwohl begreif­lichen Voraussetzung ausgehm, daß man vor einem Bruch ruit ihnm doch zurückschrecken wird. Dabei wird vergessen daß es ein Zurück von der Kanalvorlage schlechterdings nicht mehr geberi kann, es sei denn, daß ein Stück Autori­tät dahinschwinden soll, wie es in solchem Umfange noch niemals tn den Orkus geschleudert worden ist. Versteht der Agrarkonservatismus die Zeichen der- Zeit so schlecht, daß er sich selbst auf die Gefahr des Untergangs hin in Widerspruch setzt mit zwingenden Bedürfnissen des nationalen Wirthschaftslebens und mit klar erkanntm Aufgaben der Regierung, so muß er sein Schicksal tragen, und er wird es verdient haben. Die Rädelsführer der Kanalfeinde rechnen zu ihrem Schadm nicht genügend mit der Thatsache, daß die Bedeutung des Konservatis- nius nur sehr niangelhast in deil wirklichen Verhältnissen begründet ist. Ostelbim ist nicht die deutsche Welt, und wenn die Konservativen die Krone zwingen sollten, sich von ihnm loszusagm, so würden tausendfältige, jetzt medergehaltme Möglichkeiten zur Entfattimg eines reichen und förderlichen politischen Lebens auf liberaler Grundlage ihre Kraft bewähren können. Zu dm sonder- barstm Jrrthümern der Konservativen gehört es nament­lich, daß die Regierung in Bezug auf dm Zolltarif im Banne der Rechten sei. Sie ist es so wmig, daß jede Losung der Tariffrage, die sich von den agrarischen An­sprüchen bedachtsam fernhält, sehr viel mehr Aussicht auf die Zustimmung sogar des jetzigen Reichstags hat, als sie einer Losung im agrarischen Sinne vorherzusagen wäre.

f Nachdem am Samstag ein Ministerrath unter dein Vorsitz des Grafen Bülow stattgefunden hat, ivird nian vermnth- lich bald erfahren, wie die Regierung die gehäuften Schwierigkeiten der Lage zu bemeistern gedenkt Sollte es im Reichstage oder imAbgeordnetmhause zu einer In­terpellation wegen der Getteidezölle kominen, so wäre damit die beste Gelegenheit geboten, die Verhältnisse nicht bloß aufzuklären, sondern auch zu kläre-,

Deutsches Deich.

Feuilleton.

^ (Nachdruck verboten^

Walpurgiszauber.

Don Dr. Heinz Waldburg.

sw Sonntagskind ist, der kann in der kominmdm

Rächt die wunderlichsten Dinge erlebm, in der Zukunft sST öie H^en ans dm Blocksberg reitm und die heilige Walpnxgu als weiße Frau mit fliegmdem Haar und wurigea Schuhen, eine goldene Krone auf dmi Haupt, on bösm Geisten, verfolgt durch Wiesm und Thäler w^eil sehen, und was dergleichen Dinge mehr sind, die gewvhMchcil Alltagssöhnm nicht passirm. Denn heute dw große Nacht der Zaubereien und Wunder, die sagen­umwobene Walpurgisnacht, derm Hexenzauber Alttueister ^ in seinem „Faust" so packend geschildert hat. Die yeiuge Walpurga, die im achtm Jahrhundert mit ihrm > aus ihrem Vaterlande England nach Deiitsä)-

um hier unter der Leitung des „Apostels der Zutschen", Vonifazius, das Christentum auszubreitm, allerdings init Hexereim und Zaubereien per- lonlich «je etwas zu thun gehabt, vielmehr hat der erste i/"uag von ihr seinm Ramm erhalten, weil am 1. Mai nJu Heiligsprechung erfolgte; aber den altm Deutschen ucitt dieser Tag, der dem Gotte Donar geweiht war, als Lner der heiligstm. An ihm feierten unsere heidnischen ^rsahren ihr Frühlingsfcst mit dmr fröhlichen Maien- 5.'", nachdein sie in der Nacht die Maifeuer auf dm angezündet hatten, und so ist der Walpurgistag ?oerWalpenktag, besonders aber die vorangehende Nackst » ä Lerche ds MjtÄpMkt mancher qlten Polksgebrärrche

» Hof-,md Personal-Nachrichten. In München ist am Samstag der ehemalige Minister v. Pfretzschner im Alter von 81 Jahren am Zungenkrebs gestorben. Frei­herr v. Pfretzschner stand in wichtigen Epochen der bayrischen und deutschen Geschichte mit am Staatsruder in Bayern Er wurde 1864 Handelsminister. 1866 Finanzminister, 1872 Ministerpräsident und Minister des Aeußern. An den großen geschichtlichen Ereignissen, die in seine Ministerzeitcn fielen bat er wohl nur pro rata kamltatm im Gesammiminssterimn theilgenommen. Eine besonders hcrvortretende Nolle Hai er darin nicht gespielt.

»Berlin, 29. April. Kaiser Wilhelm wird, so schreibt man dem Verl. Tageblatt", bevor er sich zu längerem Aufenthalt nach Schloß Urvllle in Lothringen begiebt Anfanas Mai nach Straßburg kommen und drei Tage dort verweilen Wie in Kreisen der Landesausschußmitglieder mit Bestimmr- helt versichert wird, soll während der Anwesenheit des Kaisers in Straßburg die Aufhebung des Diktatur-Paragraphen pro- klamirt werden. Es erscheint doch sehr zweifelhaft, ob di- Nach­richt, die schon so oft aufgetaucht ist, sich dieses Mal be­stätigen wird.

, Der Kultusminister hat an die Universitätskura­torien einen E r l a ß über die P r ü f u n g der Vorbedingungen d^s sffm. H o s p i t i r e n zugelassenen Frauen gerichtet. Es heißt dann, daß es den bestehenden Traditionen widersprecke und voraussichtlich die wissenschaftliche Höh- des Universitäts- unternchtes gefährden würde, wenn das bloße Entlassunasz-ua- niß einer höheren Schule als ausreichend zum Hospitiren er­achtet würde.

Die P o s e u e r Strafkammer verurtheilte den Redakteur Bestynski von der Wochenschrift „Praca" zu neun Monaten Gesangniß wegen Beleidigung des -Staatsanwalts.

Statistisches. In dem von der Leo-Gesellschaft in Wien herausgegebenen Werke: „Die katholische Kirche unserer Zeit und ihre Diener in Wort und Bild" ist am Schluffe des zweiten, Deutschland behandelnden Bandes eine staiistische Ueber- rcht des gegenwärtigen Bestandes der kathol. Kirche in Deutschland gegeben, der wir folgende Daten entnehmen. Es giebt im Reich in den fünf Kirchenprovinzen von Bamberg. Freiburg. Köln, München-Freising und Posen- Gnesen fünf Erzbisthümer und 14 Bisthümer; dazu sechs eremte Bisthümer (Breslau. Ermland, Hildesheim, Metz, Osnabrück und Straßburg), drei apostolische Bikariäle (Königreich Sachsen Anhalt und „Nordische Missionen"), eine apostolische Präfekiur (Schleswig-Holstein) und zwei preußische Antheile an den Erz- diocesen Olmütz und Prag. Dieselben umfassen in Summa 17,802,000 Katholiken, nach einer anderen, angeblich genaueren Berechnung nahezu 18.660,000. Im deutschen Reiche kommen auf 1000 Einwohner 357 Katholiken. Dekanate giebt es in Deutschland 691. Archipresbyieriate 90, Pfarreien 11112

geblieben, die zurückreichen bis in die ferneren Zeiten des grauen Heidenthums. In der Walpurgisnacht sind nach deni Volksglauben alle Zauberinächte entfesselt.

Zunächst sollen in der Walpurgisnacht die Hexen­fahrten nach dem Blocksberge (Brocken) oder anderen Höhen stattfinden. Auf Besen, Mistgabeln und schioarzen Ziegenbocken reiten die Hexen durch die Luft dahiu und führen auf den Hexentanzplätzen in Gesellschaft des Teufels, ihres Herrn und Meisters, Tänze und ivüste Lustbarkeiten auf. „tanzen den Schnee weg" und schwärmen daun in derselben Nacht in ähnlicher Fahrt umher und stiften Schaden, wo sie können. Es ist der große Hexensabbat, ein Nachklang von feierlichen Opfern bei Frühlingsanfang aus heidnischer Zeit. Die Bersamm- lungsorte der Hexen sind gewöhnlich altheidnische Opfer- Plätze. Solche Blocksberge giebt es auch in Ostpreußen, in Süddeutschland Walpurgisberge genannt- iu der Schweiz ist es der Pilatus, und in Deutschland ist nanient- sich bekannt der Brocken und der „Hexentanzplatz" bei Thale, der Roßtrappe gegenüber.

_, Um U nun gegen den Hexenzauber zu schützen, haben sich rm Volke allerlei abergläubische Vorstellungen und Gebräuche bis heute erhalten. So schließt n,an im Vogt- lande und Erzgebirge in der Walpurgisnacht Thüren und Fenster fest zu, legt Besen vor die Schwelle und macht ans Thüren und Fensterläden Kreuze; auf den Höhen werden Feuer angezundet, und so weit deren Schein leuchtet so weit glaubt man die Hexen verbannt, oder es wird am Abend viel gegen die Luft geschossen, Feuerwerk abge- brannt, brennende Besim tverden hoch in die Luft ge- chleudert, um die durch die Luft ziehenden Hexen zu ver- scheuchen. Ilm das Vieh, welches z. B. im Erzgebirge gern am 1. Mm zum ersten Male auf die Weide aetriebm

imrd. vor Behexung zu schützen, legt nian dort ein frisches ER ein Beil oder einen Schlüssel unter die Stallschwelle und laßt das Vieh darüber hinwegschreiten, ein Brauch der auch m der Altmark zu finden ist. Bei der Rückkehr bespritzt man im Erzgebirge das Vieh mit Wasser oder laßt eine Katze vor dein Vieh in den Stall, uni den Hexen­zauber abzuleitcn. In Westfalen werden in der Wcll- purgisnacht Zweige der Eberesche, die im heidnischen Alterthum deni Gotte Donar heilig ivar, über die Haus- und Stallthüren gesteckt, um die fliegenden Hexen und Drachen fern zu halten. In Ostpreußen richtet man die Brutezeit der Ganse so ein, daß die jungen Gänse nicht am Walpurgistage dem Ei entschlüpfen, weil dieselben sonst behext werden und nicht gerathcn. In Schlesien und Mecklenburg schafft man vor der Walpurgisnacht olles Gerath vom Backofen bei Seite, damit sich die Hexen nicht desselben bemächtigen können und daraus sortreitim ^n manchen Gegenden Brandenburgs und Schlesiens wird in dieser Nacht nicht zu Bett gegangen, damit einem die Hexen irrt Schlafe nichts anhaben können.

besonders reich gilt der Walpurgistag dem Volke an Schick,alsbedeutungen. So glaubt man in Mecklenburg, wenn es cm diesen! Tage regnet, an ein unfruchtbares ^ahr, wahrend in Westpreußen, Schlesien und der Pro- mnz Sachsen Regen auf ein gutes Jahr deutet. In Schlesien und der Oberpfalz glaubt das Volk, daß Kinder, die an Wnlpurgis geboren sind, den Hexen verfallen und ungeschickt und blödsinnig werden. Alle Zaubermächte Und m der Walpurgisnacht los. Um Mitternacht soll sich alles Wasser in Brunilen und Flüssen in Wein ver­wandeln, aber mir, wer das Walpnrgiskrant, eine in der Votmuk Notrzwdium genannte Farnkrautart. bei sich tragt, ist im Stande. eL zu schöpfen. Nach dem Volks-.