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5ö£$?w?m*' ss“ BerUner Vchristlritung de« Wiesbadener Tagblatts: Berlin-WilmerSdorf Güntzelst». 6«. Feruspr.: Amt Uhl-ud 450 «. 451. Z-g-n «?d N-n

Mittwoch, 26. Mai 1915.

Oer Urieg.

Der Tagesbericht vom 25. Mai.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 25. Mai. (Amtlich.)

westlicher Kriegsschauplatz.

Neue Erfolge vor Ypern. — Alle Angriffe in

Gegend Arras abgewiesen.

In Flandern setzten wir gestern unsere Angriffe in Richtung A p e r n fort, stürmten die Vlaminghe- Ferme, das Schloß nördlich- W i e I t j e. die Belle- waarde-Ferme und näherten uns H o o g e. Bei diesen Kämpfen fielen 150 Gefangene und 2 Maschinen­gewehre in unsere Hände.

Südlich Armentitzres, zwischen Ncuve Chapelle und Givenchy und nördlich der Lorettohöhe wur­den feindliche Teilangriffe blutig abgewiesen. Bei Neuville kamen in einem Graben bereitgestellte Sturmtruppen des Feindes durch unser Artilleriefeuer nicht zur Entwicklung. In C a m b r a i wurden durch den Bombenwurf eines französischen Fliegers beim Ver­lassen des Gottesdienstes 5 Franzosen getötet und 12 Personen schwer verletzt. Bei St. Quentin schosicn wir ein feindliches Flugzeug herunter.

Westlicher Kriegsschauplatz.

Eine russische Niederlage bei Rossienie. — Bei Eiragola Angriffe blutig abgewiesen.

An der D u b i s s a östlich Rossienie griffen un­sere Truppen gegenüberstehende starke rusiische Kräfte an, schlugen sie und warfen sie unter empfind­lichen Verlusten über den Fluß. 2240 Gefangene und 5 Maschinengewehre wurden erbeutet. Weiter südlich scheiterten mehrere teilweise sehr heftige ruffische Angriffe aus Richtung Ei r a g o l a unter großen blutigen Opfern für den Gegner.

Südöstlicher Nriegsschauplatz.

eue groste Erfolge nördlich przemysl. Ueber 21000 Gefangene, 39 Geschütze und 40 Maschinen­gewehre erbeutet.

Die Armee des Generalobersten v. M a ck e n s e n hat gestern nördlich von Przemysl die Offen­sive erneut ausgenommen. Ter Angriff führte wieder zu einem neuen Erfolge. Die stark be­festigten Orte D r o h o j o w, O st r o w, R a d y m n o, W y s o ck o, W i e t l i n, M a k o w i s k o und die Höhen nordwestlich Bobrowka sowie östlich Cetula wur­den stürmender Hand genommen. Bisher fielen 153 Offiziere und über 21 000 Mann als Ge­fangene, 39 Geschütze, darunter 9 schwere, und mindestens 40 Maschinengewehre den vcrbündenten Truppen in die Hände. Die Ruffen erlitten außergewöhnlich hohe Verluste. Oberste Heeresleitung.

*

Die Kriegslage in West und <vft.

Br. Berlin, 25. Mai! (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Zur Beurteilung der Kriegslage schreibt dle „Voss. Ztg." unter an­derem: Franzosen und Engländer setzen ihre Angriffe in der Gegend nördlich von A r r a s immer noch fort, trotzdem sie in der letzten Zeit fortwährend Niederlagen und Rückschläge er­litten haben. Sie können sich noch nicht -mit dem Gedanken vertraut machen, daß auch dieser große Durchbruchs­versuch gescheitert ist. Ähnliche Bilder zeigten auch seinerzeit die Kämpfe in der Champagne und zwischen Maas und Diesel. Überblickt man den Verlauf der ganzen Kämpfe, so haben die Franzosen nur an den ersten Tagen durch Er­oberung von Caranech einen örtlichen Erfolg erzielt. Seitdem ist es den deutschen Truppen überall gelungen, ein weiteres Vorgehen des Feindes aufzuhalten. Die Berichte stimmen auch darin überein, daß die l e tz t e n Angriffe der Einheit­lichkeit entbehrten. Der Angriff gegen Dpern wird in erfolgreicher Weise fortgesetzt, immer enger wird der Ring um diesen festungsähulichen Stützpunkt gezogen, immer mehr schieben sich die deutschen Linien an chn heran. So haben auch kürzlich wieder die deutschen Truppen einen Ge- ländegewinn von einigen hundert Meter Breite erzielt. Jedes wertere Vorgehen der Infanterie gestattet auch die schwere Belagerungsartillerie -weiter vorzuziehen. Dadurch wird auch die Beschießung immer wirkungsvoller.

Am San nehmen die Kämpfe einen günstigen Verlaus. Nachdem an den, vorhergehenden Tagen der russische Gegen­angriff überall abgelvresen worden war, wobei der Gegner schwere Verluste erlitten hatte, sind die deutschen Truppen zur Gegenoffensive übergegangen, die erfolgreich verlausen ist. Daß über 20 000 Gefangene gemacht und 39 Geschütze er­obert wurden, unter -denen sich 9 schwere befinden, ist ein Be­weis dafür, daß die deutschen Truppen durch die feindliche Hauptlampfftellung hindurch bis tief in den Rücken der fechten­den Triippeii gelangt sind, -da die schweren indirekt schießenden Geschütze in der Regel weit hinter der voodersten Linie in Stedung gebracht werden. Es dürste den Russen jetzt mlßerordeuLich sthwer werdeu, ihre neugebiildete

Morgen- Ausgabe.

Front am Sanäbschnitt noch länger zu halten. Haben die Russeii neuerdings Verstärkungen herangesührt, so sind diese jedenfalls nich>t in der Lage gewesen, einen Um­schwung herbeizuführen, sie sind vielmehr mit in die Nieder­lage verwickelt worden.

von den östlichen Kriegsschauplätzen, ver österreichisch-ungarische Tagesbericht. Erfolgreiches Vorgehen in Galizien. Abweisung der italienischen Alpentruppen an der Tiroler und Kärntner Grenze.

W. T.-B- Wien, 25. Mai. (Nichtamtlich.) Amtlich ver- lautet vom 25. Mai, mittags: In Mittelgalizien

greifen die verbündete» Armeen an der ganzen Front von Sicniawa bis zum oberen Dnjestr starke russische Kräfte an. Die Armeen des Generalobersten v. Mackensen, in deren Ver­band das österreichisch-ungarische 6. Korps kämpft,^ hat Radjmno genommen und ist östlich und südöstlich dieser Stadt gegen den San vorgedrungen. Der Feind» der durch zahl­reiche Angriffe das verlorene Terrain zurückzuerobern ver­suchte, wurde überall geworfen, verlor 21000 Gefangene, 39 Geschütze und über 10 Maschinengewehre. Die Armeen Pu- hallo und Boehm-Ermolli, die südöstlich Przemysl vorstoßen, haben unter erbitterten Kämpfen Raum gewonnen und den Gegner gegen die Blonia-Niederung zurückgeworfe». Die Angriffe werden auf der ganzen Front fortgesetzt. Die sonstige Lage auf dem nordöstlichen Kriegsschauplatz hat sich nicht geändert.

Im S ü d o st e n sind an der Tiroler und Kärntner Grenze da und dort kleinere feindliche Abteilungen, haupt­sächlich A l p i n i, über die Grenze vorgegangen. Als sie auf unsere Stellungen stießen und angeschosien wurden, kehr­ten sie um.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.

Eine bedenkliche englisch« Betrachtung über Galizien und die Dardanellen.

„Manchester Guardian" vom 20. Mai spricht in einem Leitartikel offen aus, daß die Lage der Russen zeige, wie „töricht" es sei, anzu-nehmen, daß die deutschen Be­richte notwendigerweise ein Gewebe von Unwahrheit seien. Ihre Nachrichten von den strategischen Erscklgen über die Russen sind immer wahr gewesen. So war cs auch jetzt mit dem deutschen Durchbruch südlich Krakau der Fall. Das Ergebnis war -das von deii Deutschen erhoffte, daß die Russen zur Aufgabe von Ungarn gezwungen werden, einige von ihren Kolonnen kaum der Umzingelung entgingen unds es jetzt sog-rr fraglich ist, ob sie am San stehen bleiben können. Die Deutschen behaupten, den Flu-ßübergang nördlich des San erzwungen zu -haben, und die Russen geben -das zu. Wenn die Russen nur ein paar Tag-e trotz der „sehr schweren Verdufte aus dem Rückzug" standhalten, so können sie genug Reserven heraiibringen. Wer wir wollen uns keiner Täuschung darüber hingeben, was ein deutscher Übergang über den San bis zur Mündung in die Weichsel bedeuten würde. Die Russen würden dann dahin zu«icktzehen müssen, wo sie zu Beginn des Krieges waren.

Auch an den Dardanellen schreitet der Erfolg lang­samer vor mi-d kommt teurer zu stehen, als wir erhofft hatten. Die Hoffnung auf den Landangriff hat ebenso ge­trogen wie die auf einen reinen Angriff zur See. Die Operationen sind jetzt einfach eine Belagerung. Diese scheint ja guten Fortgang zu nehmen, aber notwendigerweise geht es langsam, und wir haben nicht viel Zeit zu verschwen­den. Die „Nachrichten aus Galizien sind entschieden nicht gut", .und durch ihren Angriff hier machen die Deutschen im voraus unseren Erfolg an den Dardanellen und die mili­tärischen Ergebnisse der Intervention Italiens wett. Gehen die deutschen Erfolge über Rußland einen Monat so weiter, so können die Russen ihre Verluste, bis die beste Zeit des Sommers vorbei ist, nicht wieder gut machen, selbst wenn die Einnahme der Dardanellen sie von aller Sorge um die Muni­tion befreite. Das würde den Deutschen Lust geben gegen Italien und den Westen, und daiur kommen die Balkwn- slaaten nicht dazu. Die Dänischen spannen alle Nerven an zu heftigen Schlägen gegen Rußland, bevor etwas Ernstes in den Dardanellen geschieht. Wir ober dürfen nicht mit Belagerongsaperationen Zeit verlieren, wo nur rasche und entscheidende -Erfolge -den Russen Hilfe bringen und wir in Flandern jeden -Mann und jede Kanone brauchen.

Das glänzende Zeichnungsergebnis zur österreichischen Kriegsanleihe.

W. T.-B. Wie», 23. Mai. (Nichtamtlich.) Die Bläiter stellen übereinstimmend fest, daß der gestrige Z-eichnungstag ein geradezu glänzendes Ergebnis hatte. Bei den Bankschaltern herrschte stürmischer Andrang. Die an- gemeldeten Sumnien waren viel größer als an einem früheren Tage. Die Zeichner erhöhen vielfach ihre bis­herigen Anmeldungen mit der Begründung, daß der Krieg mit Italien unvermeidlich geworden sei. Die großen gestern gezeichneten Summen berechtigen zu der sicheren Erwartung, daß der Erfolg auch dieser Anleihe ein ganzer sein wird.

Postsoarkafsendicnst bei der österreichischen Feldpost.

\V. T.-B. Wien, 23. Mai. .Nichtamtlich.) Aus dem Krlegspressequartier wird gemeldet: Mit dem 1. Juni wird

Nr. 239. ♦ 63. Jahrgang.

der Po stsp ar kas s end i enst bei der Feldpost eingefübrt. Von diesem Zeitpunkt türmen bei allen Feldpostämtern Ein­zahlungen ruf Erlagscheine geleistet werden. Außerdem um­faßt der Postsparkassendienst auch den eigentlichen Barver­kehr, der den besoNdneren Verhältnissen im Felde angepoßt wurde.

Für die deutschen Siedlungen in Galizien.

.W. T.-B. Leipzig, 24. Mai. (Nichtamtlich.) Um der gro­ßen Not in den deutschen Siedlungen Galiziens und der Bukowina zu steuern, bewilligte der Reichs kan-- ! e r dem Ausschuß für die hilfsbedürftigen Deutschen iu rer Bukowina in Leipzig 20000 Kroiren.

*

Das Elend der Kriegsgefangenen in Serbien.

W. T.-B. Wien, 24. Mai. (Nichtamtlich) In einer Be- kanntmachung des Kommandanten der Balkanstreitkräfte fin­det sich der Bericht eines aus Serbien z-urückgekehrter Reisen­den, der Gelegenheit hatte, mit österreichisch-ungarischen G e- fangenen zu sprechen und der das beispiellose Elend dieser armen -Menschen schildert. Der Reisende sah in N i s ch Gesangene, -die ihr Leben mit Straßenkehren, Hand­langerdiensten -und Betteln ftisteten. Alle waren in zerrisse­ner Kleidung, schmutzig und verhungert, meist ohne Schlas- stätten. Viele Tausende sind an Krankheit zutzrun-de gegan­gen. Alle ziehen den Tod dieser elerL-en Gefangenschaft vor. Der Reisende gewann den Eindruck, daß -diese Roheit nicht von den: Volke, sondern von der Obrigkeit au-sgehe. Er erklärte sich bereit, seinerzeit seine Angaben eidlich zu bekräf­tigen. Der Berichterstatler einer englischen Zeitschrift erklärt, daß die österreichisch-migarischen Gefangenen zur Beer di» g u n g der au FI e ck t y p h u s Gestorbenen hercmgezogen wer» den. Die ursprüngliche Zahl der Gefangenen sei infolge von Krankheil bereits auf die Hälfte zusaurmengeschmalsen.

Oer ttrreg gegen Italien.

Abbruch ver diplomatischen Beziehungen zmische« Deutschland und Italien.

Sr. Berlin, 25. Mai. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der italienische Botschafter Bolatti hat heute nachmittag im Auswärtigen Amt seine Pässe verlangt, die ihm alsbald zugestellt wurden. Um 12.30 Uhr war ihm aus Rom die telegraphische Aufforderung zu diesem Schritt zugegan» gen. der damit begründet wurde, daß der deutsche Botschafter Fürst Bülow seine Pässe gefordert und erhalten habe. Damit sind zwar die diplomatischen Beziehungen zwischen Deutsch­land und Italien gebrochen, eine Kriegserklärung bedeutet dieser Abbruch zunächst aber nicht. Die italienische Regierung ließ vielmehr verlauten, daß ihrerseits eine Kriegserklärung an Deutschland nicht beabsichtigt ist.

Die Unterbrechung des Telegraphenverkehrs mit Italien.

„Auf Wiedersehen in Rom!"

Sr. Lugano, 25. Mai. (Eig. Drahtberichl. Ktr. Bln.) Sofort nach Überreichung der Kriegserklärung in Wie» wurde der Telegraphenverkehr zwischen Italien und Österreich umterbrochen, aber auch gleichzeitig dem „Secolo" zufolge die Drahtverbindung mit Frankfurt a.M. Das letzte Telegramm, das von Frankfurt a. M. abging, war folgender Gruß des dortigen Telegraphenbecnnten: „Auf

Wiedersehen in Rom!" Woraus der Mailänder Kollege mit einer nicht wiederzugebenden Aufforderung antwortete.

In Verona wurden wegen der nahen Grenze gegen die Angriffe feindlicher Flieger ähnliche Maßregeln wie in Paris getroffen.

Abreise des österreichischen Generalkonsuls aus Mailand.

Ter deutsche und der türkische Bertrcler noch dort.

Br. Lugano, 25. Mai. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bkn.) Der österreichische Generalkonsul in Mailand, Ghorgheh, hat gestern nachmittag Mailand verlassen und ist mit der Gott- hcrdbahn abgereist. Dagegen ist der deutsche Legations­rat Breiter bis jetzt aus seinem Posten geblieben, ebenso der türkische.

Abreise des Königs von Italien in das Hauptquartier.

Br. Lugano, 25. Mai. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der König wird heute dem Generalstabschef Cadorma in das Hauptquartier folgen.

Der große Proteststreik gegen den Krieg in Turin.

Sr. Haag, 25. Mai. (Eig. Drahtbericht. .Ktr. Sin.) Der Generalstreik, den die Sozialdemokraten in Turin als Protest gegen de» Krieg abhalten, hat einenj; großen Umfang angenommen. Kavallerie mußte ausge­boten werden, um die Ordnung wiederherzustellen. Ber- schiedenllich kam es zu Z u s a m m e n st ö ß e n. Einige 30'Persuue». darunter 7 Soldaten, wurden verwundet. Zahl­reiche Personen, darunter einige sozialdemokratische Abge­ordnete, wurden verhaftet.

Die Schweizer Neutralität und die Vertretung der deutschen Interessen.

W. T.-B. Bern, 25. Mai. (Amtliche Mitteilung.) Die deutsche ReichSregierung und ibie österreichisch- ungarische Regierung haben tot B at uHtbch-ra-t mit*