Einzelbild herunterladen
 

*9. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgabe«. — Bezugs-PreiS: durch d-n Verlag so Pfg. monatlich, durch die Post - Mk. S» Pfg. viertellährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27 .

Abonnenten.

Anzeige»-Annahme LSWL'WNL ~ » «*■» »-.« mm £

|t«. 190. «—«-mm m«.Mittwoch, den 34. April. ä ».- TmT.

liSs®fifd-Mfisgaiie a

Zu deu preußischen MinlWul-Grlajseu über die Wchnungssrnge.

Längst schoil war es bekannt, daß innerhalb der preußischen Negierung ernstliche Erwägungen über deren Mitarbeit an der Lösung der Wohnungsfrage angestellt wurdet,. Besonders auf Minister v. Miguel, den früheren Propagator des Gedankens einer Reichswohnungsreform setztendie Optimistm ihre Hoffnungen; hatte er doch auch selbst vor etwa 2 Zähren über die allmählich ausreifenderl Negierungsmaßnahmen sich ausgelassen. Nun hat das Osterfest die Ouvertüre zum Opus der Oeffentlichkeit ubergeben: Ein Erlaß au die Regierungspräsidenten, einer an die Oberpräsidenten und eine Muster-Polizei Verordnung für Arbeiter-Massenquartiere. Der erste Er- wß ist unterzeichnet von den Ministern des Innern, des Rultus und des Handels, der zweite trägt noch die Unter­schrift des Vertreters des Landwirthschaftsminister. Herr v. Miguel glanzt durch Abwesenheit. Er mag keine moralischeiiVerpflichtungen übernehmen für die eventuelle Durchführung der schönen Gesichtspunkte, die seine Kollegen aufstellen, den Staatssäckel zu öffneil. Geschenke verlangt za Niemand, aber billige Staatskredite für Kleinwohnungsbauten lvären in seinen Augen auch schon äußerst bedenklich!

sind offenbar auf die persönliche Initiative «.Ministers des Innern, Herm v. Rheinbaben, zurück- zufuhren, der als Regierungspräsident von Düsseldorf Hand m Hand mit dem Landesrath Herrn v. Brandts fi 1U m ür fe be , n ber Versicherungsanstalt Düsseldorf, fagon Vorbildliches m der Behandlung der Wohnungs frage geleistet hatte. Die Wohnungsinspektions-Ver- für die Stadt Düsseldorf und die Gründung des „Rheinischen Vereins zur Förderung des Arbeiter- wohnungswesens" sind deß Zeuge. Ilnd so weht denn auch m dm Erlassen der Geist socialen Verständnisses und die Würdigung der Forderungen einer ethisch fortge­schrittenen Zeit. Wie, wann und in wie weit diese letzteren sich in der Praxis durchsetzen werden, ist freilich nicht allem vom guten Willen der einzelnen Minister abhängig. «Eng bei einander wohnen die Gedanken, doch hart im Raume stoßen sich die Sachen", heißt es da. Die Erlasse enthalten Rathschläge, Mahnungen, Erwägungen, keine Forderungen. Sie schaffen kein Recht. Im Eingang des erstenErlasies heißt es, nachdem die Wohnungsmißstände, Ivle sie besonders in den industriellen Gegenden sich ein- gebürgert haben, zugegeben worden sind: „Wenn sich auch E durchgreifender Erfolg in dieser Beziehung nach Lage Ler Verhältnisse nur durch ein umfassendes gesetzliches Vorgehen auf den verschiedenen in Frage kommenden Verwaltungsgebieten erreichen lassen ivird, so erscheint , es dochwunschenswerth, daß schon vor den inVorbereitung j

befindlichen Aenderungen der Gesetzgebung im Ver­

waltungswege alle diejenigen Maßnahmen getroffen werden, die bereits nach den, gegenivärtigen Stande der Gesetzgebung m befriedigender Weise durchführbar sind " >eser Beziehung kommen namentlich solche Maßregeln m Betracht, die auf die Beförderung der Her­stellung gesunder, in sittlicher und socialer Beziehung einwandfreier, billiger, kleiner Wohnungen abzielen Durch ste wird nicht nur unmittelbar dem allerorts hervortretenden Bedürfnisse der minder bemittelten Be- SÄfff? entsprochen, sondern zugleich mittelbar die Möglichkeit geschaffen, für die Zukunft mehr als bis- die Benutzung von Wohnungen, die nach ihrer Beschaffenheit zum Wohnen ungeeignet erscheinen oder die nach der Art ihrer Benutzung zu Bedenken Anlaß geben, zwangsweise mizuschreiten."

.. Es sind besonders 4 Punkte, an denen dieser Erlaß die Arbeit einzuietzm empfiehlt, welche iiach Maßgabe der heutigen Verhältnisse aber nicht in erster Linie von der Regierung, sondern von den Kommunen zu leisten wäre, naturl.ch „in nachhaltigen! Zusammenwirken mit freien wirthschaftüchen und socialen Kräften". Vor Allen soll den Genieuideri zum Bewußtsein kommen, daß sie als große Arbeitgeberinnen das Wohnungsbedürfniß ihrer Angestellten und Arbeiter zu beachten haben, dann aber ? c . 1 ^anz allgemein im Interesse ihrer minderbemittelten Einwohner die Produktion kleiner Wohnungen zu fördern

l tc | °o J?^ en - ® ec Ausbau und die Handhabung des Lokalverkehrs vermittels besonderer Abmachungen mit den straßenbahngesellschaften iverden empfohlen und ^e^naugurlrung einer socialen Grund- und Boden­politik verlangt. Die Grund- und Bodenspekulation soll emgedammt werden.

»„Laßt der erste Erlaß die städtischen Verhältnisse ins t° wendet sich der andere den offenbarsten und am häufigsten vorkommenden Mißständen bei Unterbringung der Arbeiter m landwirthschaftlichen Jndustrieen, wie der m r • Zlegelbrennerei und der Zuckersiederei, zu. hwllt hier, wenigstens für sogen. Massenquartiere, MlNlmalfortwrmlaen m sittlich schützender und hygiei- inscher Hinsicht auf, die m derForm einer ideellen Polizei- Verordnung zu gefälligem Gebrauch" eingekleidet sind , Die Erlasse wollen vorderhand freilich nur als persön­liche SNemungsauherungen der Herren Minister aufge- faßt sein. ^;n wie weit sich die hohen Regierungsbeainten, dann die Herren Landräthe und last not least die agrarischen Bezirks- und sonstigen Ausschüsse und die Plutokratischen Stadtverwaltungen von ihnen beeinflussen lassen iverden, steht noch dahin. Manches Verkehrte ver­hindern können ja z. B. die Regierungspräsidenten als Oberaufsichtsorgans über die Städteverwaltung, aber zur Schaffung nützlicher Arbeit ist dieHannonie zwischen allen Bethelllgten die unerläßliche Voraussetzung. Der zähe Widerstand der zur Mitarbeit berufenen Faktoren hat schon manchen guten Vorsatz zermürbt, manche Hoffnung hinsiechen lassen. In der Rheinprovinz ist durch eine

Feuilleton.

Hriralhen in England.

London, im April 1901.

Es ist noch nicht gar lange her, daß in Großbritannien oder doch ivenigstens einem Theile desselben, in Schott­land- Heirathen mit viel größerer Leichtigkeit zuni Ab- Aluß gebracht iverden kouuten, als irgend eine andere Lransaktion, falls überhaupt dieses profane Wort zum Vergleichs für etwas so Romantisches, wie eine Heirath es wenigstens^sein soll, herangezogen werden darf. Be- mnntlich genügte es dort, wenn ein Herrlein und ein Fräulein vor zwei Zeugen erklärten, daß sie Mann und Frau seien oder selbst falls einer der beiden Theile sich

9 r\r rl em r?ri^ c Gatte bezeichnet^ kurz, wenn die uvficht, als Ehegemahl zu gelten, in irgend einer Weise ootumentirt worden ist. Der Schmied von Gretna Green war zu diesem ^ollzug einer Heirath durchaus nicht noth- Ä“ besaß keinerlei offizielle Befugniß, ein Jeder kuinte seine Stelle vertreten, und wenn er dennoch von so ^m^Laaren so oft in Anspruch genommen wurde, ^ ie ~' Q ^ ei| t daher, daß sein Haus das erste auf göttlicher Grenze gewesen. Den Flüchtigen aber — bemt uni solche handelte es sich in diesen Fällen stets_

]£F öarum zu thun, möglichst schnell

V.ann und Weib zu werden, damit die Bei toto-^ >,J? >.

vollendeten Thatsache ständen und so kehrten sie zu diesem

-LLWEM

eÄ‘Än?nd

bbr ^ bflU1 ^ b ‘ e einträgliche Nebenbeschäftigung

ieä zeitigen Schmieds von Gretna Green von selber auf sicher nicht nur zum Bedauern desselben, sondern auch Liebespärchen, die von seinen Diensten El 1 .® ebr ° ud & gemacht hätten. Nun sind aber in Wirk- b. durchaus nicht von Nöthen, wenn man in Großbritannien es mit der Eheschließung sehr eilig hat Papiere, Einwilligung von Eltern oder Vormündern oder letzt nicht erforderlich, und selbst die Urschrift, daß Braut oder Bräutigam während vierzehn Tagen an einem bestimmten Platz gewohnt und ihr Vor­haben so lange dem Geistlichen oder Magistratsbeamten

mÄ'ÄS'ÄS ,ft ““ E>° rinc Sluchi

sp jp, ei } n bie Gesetzgeber es für nöthig befanden, ein blassen, daß dort ein Jeder das Recht befaß, Eheschließungen vorzunehmen, so geschah dies nicht etwa mit dem Gedanken, letztere zu erschweren, sondern „•V/'rc’T ben zahlreichen Mißbräuchen und Streitigkeiten em Ende zu machen, die naturgemäß daraus erwuchsen daß die widerspruchslos vor Zeugen abgegebene Er­klärung: „Dies ist meine Frau" resp. Dies ist mein Mann" für beide Theile als bindend galt. Heirathen

kann man, wie dargethan, auch noch jetzt in Großbritan men mit größter Leichtigkeit. rogoriran

Daß dieser Zustand aber ein sonderlich vortheilhafter tann man gerade nicht behaupten, und wenn es auch jetzt nicht mehr möglich, daß einer der beiden Theile, ohne recht zu wissen, was geschieht, durch eine Bemerkung, die < f c ¥ r,i imffaßt, geehelicht werden kann, so cntstehin doch dadurch, daß oie, welche eine Heirath cin- MFen wünschen, durch keinerlei Fragen bezüglich ihres Vorlebens behelligt iverden und die Einwillignug de - Eltern nicht erforderlich ist, allerlei Mißstände Glicht

brockt Cin r)kt W* hm-fig vorkommch des Ve Rechen, sondern nur zu oft treten - was in seinen

I llluckliche Verkettung von iveitschauenden Personen und 1 Ainstanden in der Wohnungsreform Erfreu»

erreicht ivorden. Wird das rheinische Pfropfreis Triebkraft genug besitzen, den alten knorrigen Stamm der ganzen Monarchie mit neuen Säften zu befruchten? So lange nicht ein von socialen Gesichtspunkten ausgehendes Enteignungsgefetz durchgebracht werden kann, so lange Ä bt r ?5"r!uunalverfassungm für Stabt und Land ^ r1 bezw. aristokratischen Charakters entkleidet werden, wird eme volksfreundlich gesinnte Re- gierung nicht aus den, „Krieg im Frieden" mit all den Kreifen herauskommen, auf deren Zusaminenwirkuug sie bei praktischer Reforniarbeit angewiesen ist J

Gespauttt sind wir trotz des bereits enthüllten Pro- gramms aus den Inhalt der in Aussicht gestelltenGesetzes- ' «och gespannter aber auf das parlamentarische Schicksal, das ihnen im Landtage der Kampf der Parteien von denen in socialer Hinsicht von keiner viel zu erwarten

’&SSffLS" 0 w Sie mit

Die^ Erfahrung wird wohl erweisen, daß ein groß, angelegtes Werk der Wohnungsreform nur unter Mit­wirkung des Reichstags und socialdurchtränkterGemeinde- vertretungen möglich sein ivird. Die beiden Erlasse geben aber die zuversichtliche Hoffnung, daß die ver- schiedenen Mimstec mit Nachdruck ihre Ansicht vertreten werden. Die Verlegung deö Kampfgebietes aus dem tmrhelfenl' ^^rd ihren Ideen aber erst zum Siege

Deutscher Reichstag.

^ Berlin, 23. April.

. -Tagesordnung: Erste Berathung der Novelle zum Brannt. wemsteuergesetz Schatzsekretär Thiclmann legt die Mell der Vorlage dar. Die Brcnnsteuer habe sich als segensreich

er ,n ,e en ?^^eriige sich die Fortdauer Rrftlben

zumal auf dem Gebiete des Lcucht-Spiritus, dem für technische Zwecke noch ein besonderes Feld offen stehe. Was den Denn, turirungszwang anlange, so sei derselbe nothwendig wegen der Zunahme der Spir.tus-Produktion. Werde der D-naturtrung^ swang aufgehoben, dann werde nur so viel Trinkiviritus Ur, 8*11 «B tarn B-d.q ,«*«*. ‘Safi

hege hier n.cht vor. Lasse man es so. wie es sei. lehne man dm Denaiurirungszwang ab und komme die Brennsteuer mit Ende dieses wahres in Fortfall, sodaß die Spirituspreise fallm mußten, wer wurde davon den Bortheil haben? Der Arbeiter

m ra rf nfföe i n 3ridn ' nur der Zwischenhändler.'

— Abg. Pachnicke (sreis. Ber.) spricht die Loffnuna nnb iv» Wunsch aus, daß der Entwurf fallen oder doch wenigstens pW unverändert angenommen werde. Bei der Bollmackt hi, hlm «u»d--,-lh ,'lh-m ID«bin und w ““«te* ü

derselbe schon bisher den landwirthschaftlichen Brennereien m, gewendet, werde voraussichtlich der Bundesrath das Kontingent, das frei von Denaturirungszwang bleibe, heraufsetzen oü h-rabsetzen. ganz w.e es das Interesse der landwirthschastliLm

Folgen noch lveit schlimmer — Personen in den Ebeitond ein, die noch halbe Kinder sind. Von Vielen die es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, die Noth und das & s C ' bc§ Ea,steuds zu inildern, ist schon ö?ufrg darauf hiiigewiesen worden, daß mehr noch als ^runtiucht und Faulheit die frühzeitigen Ehen das Un- gluck der unteren Klassen sind. Ohm- die geringste Er- fahrung zu besitzen, ohne mehr zu verdienen, als gerade o^'vendig is inn ihr Leben zu fristen, heirathen diese Knaben und Mädchen und sehen sich dann, noch che sie elbst dem Kmdesalter entwachsen sind, von einer Schaar ^nger Wesen uingeben, die zu ernähren sie gänzlich un-

ÖS **■»* d-m MM «ml ii® S

Sau., em, ajanii imb Freu suchen im Trunk Vergessen. I)ut und dm Kinder iverden dann einer Behandluna nv? gesetzt, die aller Beschreibung spotte" Bericht die ^ Gesellschaft zur Verhütung von Grausamkciten^geam Kinder darüber erlaßt, enthalten nieist Einzelheiten die hmr^viederzugeben die Feder sich sträubt. Ö W

, 'T^otz alledem geschieht nichts, um das Heirathen zu erschweren und zeigt mau auch gegen Biamnistm im Allgemeinen enie Milde die solch- w.a 6 j eil ? „ eines

c uren wwmen, von der Ausführung ab sch ecken durchaus nicht geeignet ist. Merkwürdiger Weise W das Gesetz aber doch nt einem Punkte ein Veto einaeleat äSS Heirathen zwischen Onkel und Nichte.'

sse, sowie Schwager und Schwägerinncu skatet. Gin vernünftiger Grund gerade für diese Ein- ichraiiknngeu besteht nicht und seit langen Jahren lvird denil nun auch versucht, die Aufhebung derselben zu er- langen, besonders soweit das Verbot der Eheschließung Mischen Schwager und Schwägerin in Frage kommt Die darauf bezügliche Vorlage „ckeeeuseck vite'« sister lull >vird seit Jahrzehnten fast in jeder Session ins Parlament eingebracht ihre Annahme scheitert indes süts au dem Widerspruch der.Geistlichkeit, die eine solche Ehe für unmoralisch erklärt, H, Land. w