3. Beilage mut Mestmüener Tagblatt.
Ko. 18». Morgen-Ausgave.
Sonntag» den 81. April.
4L). Jahrgang. 1901.
Aus dem Wiesbadener Veremsleden.
Urreins-Nachrichte».
* Die Gesellschaft „Flori a" veranstaltet heute Sonntag, den 21, April er., von Nachmittags 4 Uhr ab, eine große humoristische Unterhaltung mit Tanz im Saale „Zur Waldlust", obere Platterstraße. Abwechselnd mit Tanz und humoristischen Vorträgen, stehen auch diesmal den Besuchern wieder recht vergnügte Stunden bevor.
+ Der Männergesang - Verein „Hilda" unternimmt heute Sonntag, den 21. April er., Nachmittags 4 Uhr, einen Ausflug nach Rambach, Saalbau „Zum Taunus" (Mitglied Meister). Für reichliche Unterhaltung ist bestens Sorge getragen.
* Der „Klub Edelweiß" veranstaltet heute Sonntag, den ZL April a. c., einen Ausflug nach Biebrich, zur neuen Turnhalle. Auch diesmal wird Alles aufgeboien, um den Gästen einige recht vergnügte Stunden zu bereiten. Für die Lachmuskeln sorgen, wie ja bekannt, die vortrefflichenHumoristen und Duetiisten des Vereins. Die Veranstaltung findet bei jeder Wtterung statt.
* Der Stemm- und Ring-Klub „A t h l e t i a" unternimmt heute Sonntag, den 21. d. M., Nachmittags 4 Uhr, einen Familien-Ausflug nach Bierstadt, Saalbau „Zum Bären" (Mitglied Hepp). Für Unterhaltung ist bestens Sorge getragen.
* Wir verweisen hiermit auf den Sonntag, den 21. April 1801, stattfindenden Ausflug des Spar-Vereins „Zukunft" nach Biebrich a. Rh. zum „Gambrinus". Die Veranstaltung verspricht eine recht amüsante zu werden. U. A. ist der hier beliebte Humorist Heinrich Lehmann mit seinen schlagenden Vorträgen für diesen Ausflug gewonnen.
* Wir machen nochmals auf die heute Nachmittag 4 Uhr tat Saale „Zum Jägerhaus", Schiersteinerstraße 18, von der Gesellschaft „Gemüthlichkeit" veranstaltete humoristische Unterhaltung mit Tanz aufmerksam. Die Veranstaltung findet auch bei ungünstiger Witterung statt. Atiftreten der so beliebten Humoristen und Duettisten.
* „Christlicher Verein junger Männer", Rheinstraße 84. Sonntag, den 21., Nachmittags y 2 4 Uhr, findet
S iche Zusammenkunft der Jugend-Abtheilung mit Kaffee- ken, Ansprachen, Gesängen, Deklamationen re. statt. Dazu stud besonders die Neukonfirmirten, sowie überhaupt Jünglinge Unter 17 Jahren eingeladen. Abends *49 Uhr: Vortrag von Herrn Pfarrer Heinr. Fliedner aus Kaiserswerth über: Die Fortschritte der evangelischen Bewegung in Oesterreich. Jedermann ist herzlich eingeladen. Eintritt beide Male frei.
Einsendungen aus dem Leserkreise.
(Oboe BerantwortULkelt der 9icöaUioit.)
* Die nunmehr auch in Ihrer geschätzten Zeitung (Morgen- Ausgabe vom 19. d. M.) angeschnittene Schulfrage, betreffs Beginn und Endigung der Unterrichtsstunden, wirkt wie ein Thautropfen auf einen Lechzenden. — Aerzte und Lehrer gelten, was Schulhygiene angeht, doch mehr als die berufenen Autoritäten, als Eltern und Erzieher von Kindern ■ im schulpflichtigen Alter, und gerade von ersterer Seite wurden seiner Zeit so außerordentliche Vortheile des sogenannten Frühunterrichts geltend gemacht, daß selbst die Verfechter entgegengesetzter, autoritiver Meinung stch beugen mußten. Der von berufener Seite ausgedrückten Verwunderung, daß man in Laienkreisen so lange geschwiegen, ist der Zweifel cntgegcnzusetzen, daß dem denn doch nicht so ist, denn seit Einführung des neuen Unter- richtssystcms standen auch manche Laien kopfschüttelnd bei Seite, und man muß nur den „geheimen Groll" mancher Mutter gehört haben, welcher bei einem Meinungsaustausch zwischen Eltern und Erzieher stattgesundcn hat, um auch einer anderen Ansicht das Wort zu halten. — Nein, der Laie hat eben seither in abwartender Stellung die Sache für noch nicht spruchreif erachtet, man hat sich nur grollend und murrend gebeugt, Keiner wollte eben, um volksthümlich zu reden, „der Katze die Schelle anhängen", in Wahrheit aber jetzt allseitig die abgeschoffenen Bomben platzen und zündend wirken werden. Wir „Alten", die wir doch auch unsere Schulzeit hinter uns haben, zweifelten oft genug an dem neuen Plan und haben auch kein Hehl daraus gemacht, aber diesmal schienen offenbar die „Jungen" mehr Erfahrung zu haben und setzten eben ihre Ideen durch. Die gute Absicht, verbessernd zu wirken, soll damit durchaus nicht verkannt werden, und möchte ich mich gegen derartige Unterstellung von vornherein verwahren, nur ist bedauerlich, daß man zu einer Zeit, in welcher man jugendliche Arbeiter bezw. Arbeiterinnen durch Gewerbegesetze in geschäftlicher Beziehung vor schädlicher
Ueberarbeitung zu schützen trachtet, unsere in diesem Falle weit bedürftigeren Schulkinder so leichten Kaufs als Versuchs- Karnickel heranzieht. Es liegt doch klar, daß, wenn der Tag eirca 6 Arbeitsstunden umfaßt, ein vernunftsgemäß getheilter Arbeitsplan weniger schädlich oder nur ermüdend auf die Organe des Körpers wirken muß, als ein Absolviren des ganzen Arbeitspensums ohne Zwischenruhe hintereinander. Man komme mir nicht mit den 10 oder 18 Minuten Erholungspausen, denn diese geben dem ermüdeten Körper nicht in dem Maße die geraubte körperlicheFrische wieder. Diese Erfahrung mag doch jeder Erwachsene an sich selbst machen, nicht aber an Schulkindern! Wenn ich beispielsweise Morgens früh um 5 oder gar 4 Uhr aufstehe, so macht sich dies während der späteren Tagesarbeit unbedingt fühlbar, und wenn ich dies Frühaufstehen, oder richtiger verfrühte Aufstehen, Tage oder Woche lang treibe, dgnn entschieden auf Kosten meines körperlichen Wohlbefindens. Weniger fühlbar aber macht es sich naturgemäß.sofort, wenn ich die dem Körper genommene nöthige Ruhe strebe, ihm wieder- zugcben, indem ich ein oder zwei Stunden der Ruhe Pflege, d. h. schlafe! Da ist man ein ganz anderer Mensch, da ist man wie neu geboren! Man halte doch nur Umschau in den Berufen, bei welchen es leider vielen Menschen nicht vergönnt ist, bei dem verfrühten Aufstehen eine Stunde tagsüber zu ruhen, die auf ibren Fuhrwerken schlafenden Fuhrleute geben doch wahrlich Zeugniß davon genug ab. Noch viel schlimmer aber ist es bei unseren Schulkindern mit unentwickeltem Körper, hier sind die 10- oder 18-Minutenpausen bei der vierten, fünften oder gar sechsten Unterrichtsstunde keine Erholung mehr, sondern im Gegentheil, zu der seitherigen geistigen Anstrengung tritt nun noch die physische Uebermüdung hinzu, und hier hilft nur ein körperliches und geistiges Erholen durch Ruhe der erschlafften und angegriffenen Körpertheile. Diese Ruhe kann aber nicht auf dem Spielplätze oder Schulhofe gewährt werden, sondern nur zu Hause. Ein weiterer Nachtheil des Zusammenlegens der fünf, zeitweise sechs Unterrichtsstunden liegt in Bepacken mit Büchern, Materialien und nöthigem Frühstück der Kinder. Ist doch leider nur zu oft der Ranzen viel zu klein für diesen Wust von Büchern re. unterzubringen. Um nun zur Hauptsache selbst zu kommen, betrachten wir doch einmal den mit ins Gefecht geführten Hauptgrund etwas schärfer unter der Lupe: die sogenannte große Hitze während der Sommermonate. Ja, wie viel heiße Tage haben wir denn eigentlich durchschnittlich in jedem Sommer, um eine einseitige Verlegung der Unterrichtsstunden etwa nur dieserhalb nothwendig zu machen? Diese Frage allein beantwortet fast schon die Unhaltbarkeit der Frühunterrichtsstunden für ein ganzes Semester. Mitte August beginnen die Ferien, es kommen also in Wirklichkeit nur 2% Monate (Juni, Juli und halber August) in Betracht und tritt während dieser Zeit die Hitze bekanntlich sehr verschieden und nur periodisch auf, beschränkt sich meist nur auf wenige Wochen hintereinander. Die Statistik, zusammengestellt aus mehreren Jahren, würde hier auch nur belehrend wirken und es brauchte nur ergänzend gesagt zu werden, daß man dieserhalb eigentlich nicht einen alten Lehrplan auf den Kopf stellen sollte. Äendern, um zu ändern, ist kein Verbessern! Man kehre zu dem alten, bewährten System zurück und gebe Nachmittags bei großer Hitze frei, und zwar ausgiebig frei. Nicht, wie es wiederholt vorkam, daß in einer Schule Unterricht stattfindet, während in anderen der Unterricht ausfällt oder die Kinder erst nach Hause geschickt werden, nachdem sie bei glühendem Sonnenbrand in der Mittagszeit den Weg nach der Schule gemacht haben. Dies ist eigentlich kein System! Last not least, sollte es am meisten mitbestimmend nach Laien- und Fachkreisen-Ansicht zur Umkehr nach dem alten Lehrplan mahnen, und wie dies auch von dem gestrigen autoritiven Ärzte so wirkungsvoll betont wurde, daß die Aufeinanderfolge von fünf, sogar sechs Stunden (die letzte Stunde ist dann gewöhnlich Gesangsunterricht oder nicht zu vermeidende Ärreststunde, die füglich verlegt werden müßte) unbedingt schädlich auf die Nerven und Alles, was damit in Gefolgschaft steht, wirken muß. Kopfschmerzen sind an der Tagesordnung und Bleichsucht wird damit auch nicht gehoben, hierzu kommen aber infolge der Nervosität gestörte Herz- und Magenthätigkeit re., Alles schon unangenehme Krankheitszustände, bei Erwachsenen in unserer hastenden und jagenden Zeit, viel mehr bei Kindern. Die Parole sei also weniger Hasten und Jagen, unbedingt mehr Ruhe! Der neue Plan hat ja das Gute gewollt, aber, wie so oft im menschlichen Leben, das Gegentheil erreicht! Ein sich drängender Lehrplan vermehrt das Hasten, ein getheilter Lehrplan vermindert durch Gewährung von größerer Ruhezeit das Hasten! Im Hochsommer den Nachmittagsunterricht bei nicht zu großer Hitze erst um 3 Uhr beginnen zu lassen, dürfte der Erwägungen werth sein. x,
* Der Redaktion des „Wiesbadener Tagblatt" muß es als ein Verdienst angerechnet werden, die Frage des Schulde gi n n s um 7 Uhr, die augenblicklich in Frankfurt zur Dis
kussion steht, auch hier angeregt zu haben. Den Ausführungen des Nervenarztes Dr. Dornbliith haben sich in der „Frankfurter Zeitung" mit besonderem Nachdruck die Professoren v. Noorden und Edinger angeschlossen, und vom „Aerztlichen Verein" in Frankfurt ist eine Kommission erwählt worden, die über diese Frage berichten soll. Daß es geradezu eine hygieinische Sünde ist, den Schlaf von jüngeren Kindern schon um 6 Uhr Morgens zu unterbrechen, wie dies der Schulanfang um 7 Uhr bedingt, darüber kann unter Aerzten wohl kein Zweifel bestehen, und es fragt sich nur, ob der sichere Nachtheil durch andere Vortheile ausgewogen wird. Wenn der Hauptvortheil des frühen Anfangs in der Ersparung der heißen Stunde von 12 bis 1 Uhr liegt, so ist doch zunächst nicht einzusehen, warum das ganze Sommersemester gleichmäßig behandelt wird, denn vorläufig ist doch von heißen Mittagsstunden nichts zu spüren, und im Winter variirt ja auch der Anfang je nach der Dunkelheit des Morgens. Außerdem wird auch später ein gelegentliehes Ausfallen der letzten Stunde nicht von großem Schaden sein, da ja in die fünfte Unterrichtsstunde nur die unwichtigsten Lehrgegenstände gelegt werden sollen. Sonderbar ist, daß es trotz des 7 Uhr-Anfangs nicht überall gelungen ist, den Nachmittagsunterricht vollständig auszuschließen; in einer Klasse der höheren Mädchenschule werden die Kinder im Sommer Montags von 7 bis 12 Uhr Morgens und von 3 bis 6 Uhr Nachmittags Unterricht haben. Jedenfalls ist die ganze Sache von so großer Wichtigkeit, daß man wohl dem neu gegründeten „Verein für Schulgesundheitspflege" anempfehlen darf, sich mit dieser Frage zu beschäftigen. i)r. med. M.
* Schulbeginn 7 Uhr Morgens. Von den gemachten Vorschlägen scheint mir der richtige d e r zu sein, welcher den 46 Minuten-Betrieb das ganze Jahr vorschlägt; aber beginnend: Im Sommer von 7y 2 bis 12 Uhr, im Winter von 8 bis 12*/2 Uhr. Zu diesem Vorschläge hätte ich noch beizufügen: Man müsse die Stunden der exakten Wissenschaften am frühesten, also um 71 / 2 , resp. 8 Uhr beginnend, legen, während Turnen, Religion und Geographie die letzte Stunde einnehmen sollen. Zur Begründung führe ich Folgendes an: Das Turnen, welches ja ohnedies aus körperlicher Bewegung in größeren, luftigen Räumen besteht, strengt den Geist nicht mehr an und ist an und für sich Erholung für die Kinder. Geographie und Religionsunterricht, von letzterem namentlich biblische Geschichte rc., wird den Kindern mehr erzählend beigebracht und wirkt eben durch die Erzählung nicht mehr ermüdend, eher anregend. Das Studium und Auswendiglernen, was in diesen Fächern nöthig, erfolgt ja ohnedies zu Hause. Aus letzteren angeführten Gründen wäre es meines Erachtens auch nicht nothwendig, vor der letzten Stunde eine größere Pause eintreten zu lassen und könnte die Schule, wie jetzt, im Sommer um 12 Uhr geschlossen werden, im Winter dagegen um 12% Uhr. Der Unterricht würde stch im Sommer wie folgt ergeben: Erste Stunde von 7 Uhr 30 Min. bis 8 Uhr 15 Min., zweite von 8 Uhr 25 Min. bis 9 Uhr 10 Min., dritte von 9 Uhr 20 Min. bis 10 Uhr 6 Min., hier 15 Minuten Pause, vierte von 10 Uhr 20 Min. bis 11 Uhr 6 Min., fünfte Stunde von 11 Uhr 20 Min. bis 12 Uhr. H.
* Die Bewohner der vorderen Franken st raße werden seit einiger Zeit des Oefteren Nachts unliebsam aus dem Schlafe geweckt. Die Ursache bildet das Haus Nr. 2, in welchem sich „Damen" aufhalten, die bis spät in die Nacht hinein, ja, bis zum frühen Morgen Herrenbesuche empfangen, wobei es mitunter ziemlich toll hergeht. So z. B. in der Nacht von Donnerstag auf Freitag. Um Mitternacht gellte eine helle Stimme durch die Straße, die nach einem Schutzmann rief; während in dem Hausflur die Zuhälterin mit einem Manne eine laute Unterredung führte, die sich später bis in die Wohnung im ersten Stock pflanzte, woselbst bei offenem Fenster weiter skandalirt wurde. So geht es durchschnittlich jede Woche einmal. Es wäre doch endlich an der Zeit, daß die Polizeibehörde dieser Gesellschaft besser auf die Finger sehen würde.
Briefkasten.
Anonymus. Ein juristisches Recht, die Leiche aus der Gruft wieder zu entfernen, hat die Erbin nicht. Strafbar jedoch macht sie sich nicht, wenn sie es dennoch thut und die Leiche anderweitig bestattet.
W. L. Davon, daß Schloß und Schlüssel in das Eigenthum des Hausbesitzers übergegangen sei, kann keine Rede sein. Er muß sie auf Verlangen herausgeben.
M. O. Für den Schaden ist Derjenige haftbar, der den Transport übernommen hat. Das fragliche Zeichen bedeutet -k-Beine. Wegen der Grenzen von Wald und Feld besteht noch eine alte nassauische Verordnung zu Recht. Darnach ist ein gewisser Abstand der Waldbäume vom Feld vorgeschrieben, doch ist uns diese Bestinrmung nicht genau bekannt.
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