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mtite 2. 20. April 1901.'

LLtesbavenei! Tagblatt (Morgea-Ausgave-. Verlag: «anggasse 27.

49. Za»-rga«g. Sco. 183,

sein, darüber zu Wachen, daß der Kampf nicht zu Un­

gunsten der Erkra-.Uten durchgeführt wird, d. h. daß die Heilmittel in ebenso guter Beschaffenheit wie früher und in angemessenen Mengen verabreicht werden. Schwieriger ist es, sich ein klares Bild von den Leipziger Vorgängen zu machen. Me dortige Ortskrankenkasse gilt seit langen Jahren als Muster einer guten Verwaltung. In ihrem Vorstande sitzen neben den Vertretern der Arbeiter an­gesehene Fabrikanten, Kaufleute, Baumeister alsDelegirte der Arbeitgeber; ein konservativer Kommerzienrath ist der erste Vorsitzende. Wenn nun dieser Vorstand ein- müthig und geschlossen gegen die Aerzte zusammenhält, so ist es nach Franckes Meinung nicht zulässig, denKonflikt einfach als übermüthige socialdemokratische Mache abzu- thun. Aber die Kassenverwaltung hat in der Form ge­fehlt, indem sie ihr Ziel, eine Verminderung des Auf­wandes, durch diktatorische Anordnungen zu erreichen versuchte, statt sich mit der ärztlichen Organisation zu verständigen. In München scheint das Recht völlig auf Seite der Aerzte zu sein. Die Ortskrankenkasse für das Gastwirthsgewerbe verkürzte das ohnehin kärgliche Arzt­honorar von 2 Mark pro Kopf und Jahr um 50 Pfennig, worauf die Aerzte erklärten, zu diesem Satze nicht be­handeln zu können. Sie streikten, forderten eine Honorar- erhöhung auf 3 Mark und fände,: hierfür die Unter­stützung ihrer Berufsgenossen. Bei der bevorstehenden Revision der Krankenversicherung wird die Gesetzgebung einen Ausweg suchen müssen, der die Abhängigkeit der Aerzte von den Kasienvorständen aufhebt und anderer- seits die Sparfmnkest der Verwaltung in den Kassen wahrt. Viel wäre schon gewonnen, wenn es gelänge, eine permanente Instanz einzusetzen, nach Art der ge- werbegerichtlichen Ernigungsämter, vor die unter un­parteiischem Vorsitz und Zuziehung von Vertretern der Kassen und der Aerzte alle Differenzen gebracht werden müssen, dmnst sie durch Vergleich geschlichtet oder durch Migatorischeu Schiedsspruch gelöst werden.

* * *

* Z«m Kapitel der Hunnenthate«. Schon Manches ist geschrieben worden, um die deutschen Soldaten in China von dem Vorwurf, ftigenannte „Hunnenthaten" verübt zu haben und pl verüben, zu entlasten, trotzdem dürfte man nachstehende Mit- theilungen, die die „Köln. Volksztg." von einem durchaus zu- derlässigen Gewährsmann erhält, mit großem Interesse lesen. Derselbe schreibt unter dem 3. März: Man hat im Allgemeinen stark übertrieben. In Paotingfu ist unnachsichtlich vorgegangen Worden, nachdem man sich einmal eingerichtet. Excellenz Leffel hat manche kriegsgerichtliche Urtheile umgestoßen, weil fie ihm gu milde waren. Trotzdem ist es ungerecht, wenn über „Vanda- BStmtS*, den „Blutdurst deutscher Truppen" rc. geschrieben wird. Gewiß, eine Anzahl Rohheiten sind vorgekommen. Unter den 80,000 Man« haben sich leider auch Leute gefunden, die aus Uebermuth, ans Rohheit- oder Habgier einen wehrlosen Chinesen krschlagen oder sich anderer Thaten schuldig machten, auf die das oeutsche Strafgesetzbuch Zuchthaus setzt. Die verallgemeinernde Entrüstung über diesen Vandalismus wäre aber nur dann am Platze, wenn diese Rohheiten alltägliche Erscheinungen oder wenn pe nicht mit all« Strenge geahndet würden. In Wahrheit ge­hören ab« die „Hunnenthaten" zu den Seltenheiten, und wenn auch nur d« Verdacht einer solchen vorliegt, wird streng nach- geforscht und unnachsichtlich gestraft. Ernste, ruhig denkende Offiziere ander« Nationen geben unumwunden zu, daß die deutschen Truppen sich durch stramme Mannszucht auszeichnen. Und gehe Jemand an irgend einem Sonntage durch die Straßen z. V. von Paotingfu, überall steht man deutsche Soldaten mit Chinesen in freundschaftlicher Weise spazieren. Gerade zu den deutschen Soldaten haben die Chinesen das meiste Zutrauen, weil sie von ihnen am wenigsten tnii Fußtritten und ähnlichen Liebenswürdigkeiten bedacht werden. Und erst die chinesische Äugend! SU laßt sich nicht wegjagen, wo immer Deutsche exerciren, und kaum sind die Soldaten abgezogen, so formiren sich die Jungen, gerade wie bei uns daheim, in Reih und Glied. Sicher, die Chinesen selbst wären am meisten erstaunt, wenn sie lesen würden, daß gerade dir Deutschen sich so besonders „blut­dürstig" erwiesen haben.

* Rundschau im Reiche. Die deutsche übersee­ische Auswanderung betrug im Monat März 1901 über deutsche Häfen 1464 (im März 1900 1706), über ftemde Häfen, soweit ermittelt, 802 (473), zusammen also 1766 (2179). Außerdem wurden aus deutschen Häfen im März 1901 noch Li,826 Angehörige fremd« Staaten als Auswanderer befördert.

I rausch, das mit Nebengeräuschen, wie sie die heutigen Stark-

- stromanlagm «zeugen, nicht zu verwechseln ist. Wird der Be­trieb wied« ausgenommen, so wird dies wieder durch cinGlocken- zeichen des Werkes angekündigt. Diesmal gtebt es je 10 kurze und lange Glockenzeichen abwechselnd, also .—.—.—

— Steckbrieflich verfolgt werden die Prostituirte Elise Rupprecht, geboren am 13. Juli 1868 in Fürth, wegen Diebstahls, und der Knecht Wilhelm Busse, geboren am 9. Mai 1872 zu Gastrow bei Deutsch-Krone m Westprmßen, zuletzt in Biebrich a. Rh., wegen Diebstahls.

. — Vergeben wurde die Untersuchung und technische Prüfung sämmilicher Blitzableiter-Anlagen auf den städtischen

alten Baudenkmälern und historischen Kunstgegenständen von künstlerischem Werthe zuzuwenden, um dieselben der Nachwelt zu erhalten.

* Frankfurt a. M., 17. Aprll. Die v«schiedenen An­regungen in der „Franks. Ztg." aus späteren Schulbeginn scheinen auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein. U. A. hat der Stadtverordnete Dr. Heydcr bei der Stadtverordneten-Ber- sammlung einen Antrag auf Festsetzung des Schulbeginns in allen Klaffen gleichzeitig auf 8 Uhr, event. auf 7% Uhr einge­bracht'. Ferner beschäftigte sich der ärztliche Verein in seiner letzten Versammlung mit der Frage und setzte zu deren Prüfung eine Kommission ein, die dem Plenum berichten soll.

. „ . , , * Aus ber Umgebung» In Mainz gerieth der 13-

Gebäuden für die Zeit von 1901 bis 1904 an die Firma Georg jährige Bickelhaupt mit einem anderen 10-jähriqen Knaben in

Aus Stadl und Land.

Wiesbaden, 20. April.

o. PerfiWHtf-Nachrichten. Herr Finanzminister v- Miguel, welcher bekanntlich einige Zeit im Hotel „Hohen- zollern" hier wohnte, ist nach Berlin zurückgekehrt. — Herr Prof. Virchow, der schon läng« hi« weilt und in demselben Hotel wohnt, wird inKurzem nachJtalien abreisen. — Der bisher bei dem Meliorationsbauamt zuWiesbaden beschäftigt geweseneWiesenbau- mcister S t e i n ist vom 1. April l. I. an das Meltorattonsbau- amt zu Stade versetzt. — Der bei dem Meliorationsbauamte zu Wiesbaden beschäftigte Regierungsbaumeister C z y g a n ist vom 1. Mai d. I. ab dem Meliorationsbauamte zu Lüneburg zugetheilt. — Kreissekretär Parensen in St. Goarshausen ist zum 1. Juli d. I. in den Ruhestand versetzt worden. — An Stelle des verstorbenen Magistratssekretärs Rllbsamen in Wies- baden ist der Magistratssekretär Louis Heuser daselbst zum 2 . Standesbeamten-Stellvertreter für den Bezirk Wiesbaden bestellt worden.

rv r Gewitter. Die Benachrichtigung der

Fernsprechteilnehmer von der Einstellung des Betriebs bei Ge­witterneigung, wie fie vom Reichspoftamt im vorigen Jahre für die Aemter in Berlin und Charlottenburg versuchsweise anoc- ordnet wurde, ist von einzelnen Aemtern theilweise schon bei den ersten Gewittern angewandt worden. Sämmtliche Fnn- sprech-Bermittelungs-Anstalten Berlins, sowie die von Char- lottcnburg wurden im Laufe des Winters mit den erforderlichen Einrichtungen versehen. Die Mittheilung wird also von jetzt cm regelmäßig «folgen. Die Signalisirung geschieht auf zweier­lei Weise: einmal ertönt bei d« Einstellung des Betriebs ein Glockenzeichen durch den Wecker. Das Signal besteht aus 10 hintereinander folgenden kurzen Zeichen, denen 10 lange folgen

«'so... Wird

'Ehrend der Einstellung des Betriebs der Hör« abgenonnnen, so ertönt aus ihm ein deutlich vernehmbares schnarrendes Ge-

Steiger u. Sohn hier, Friedrichstraße 11.

— Kleine Notizen. In das Bereinsregister ist der „Hauptverein Wiesbaden der evangelischen Gustav-Adolf-Stis tung, eingetragen« Verein", mit dem Sitze in Wiesbaden ein- getragen worden. — Dem österreichischen Staatsangehörigen Uhrmacher Sigmund Kalmann und der bayrischen Staats­angehörigen Kellnerin Therese E derer ist aus allgemeinen polizeilichen Gründen der Aufenthalt im Gebiete des Preußischen Staates untersagt worden. — Der Verbindungsweg zwischen der L a n g g a s s e und M e tz g e r g a s s e und die Straße zwischen Marktkeller und Rath haus werden zwecks Zuschüttung des alten Trndenbachkanals und zwecks Entwässe­rung der Fischverkaufsstände auf dem neuen Marktplatz auf die Dauer der Arbeit für den durchgehenden Fuhrverkehr polizeilich gesperrt.

Rrreius-Uachrichtru.

* Auf den heute Abend 8 Uhr im „Römersaal" stattfindenden Fest-Kommers des „Wi esba d ener Unterstü tzungs - Bundes" aus Anlaß von dessen 26-jährigem Bestehen seien die Mitglieder des genannten Vereins hierdurch nochmals auf­merksam gemacht. Es wird pünktlich begonnen werden und ein rechtzeiUges Erscheinen ist dah« anzurathen, zumal die Be­teiligung «ne sehr lebhafte zu werben verspricht. Es kommt Bi«, das Glas 16 Pf., zum Ausschank. Zur Mitwirkung sind bekanntlich der Männergesang - Verein „Concordia", das „Schuh'sche Künstler-Quartett" und andere tüchtige Kräfte ge­wonnen worden. Die Mustkpiecen führt die Kapelle ehemaliger 80« aus. Die noch lebenden Mitglied« des „Unterstützungs- Bundes", welche dem Verein b«eits seit April 1876 angehören, erhalten Erinnerungs-Diplome, die heute Abend zur Bert Heilung gelangen.

* Der „Sparverein Westend" (Restaurant „Blücher", Blücherstraße 6) zählt nahezu 40 Mitglied«. Der Vorstand besteht aus folgenden Herren: A. Pitz, Schrein«, 1. Vorsitzender,

1. Kohmann, Schlossermeister, 2. Vorsitzend«, A. Schmitt, Kaufmann, 1. Schriftführer, I. Reumann, Tapezirermeifier,

2. Schriftführer, C. Trost, Restaurateur, 1. Kassirer, Fr. Haber, Steinhau«, 2. Kassirer, A. Boß, Maurermeister, Beisitz«. Beim Vorschußveretn konnten bereits bedeutende Beträge eingczahlt werden. Am 20. April, Abends 8% Uhr, findet im Vereins - lokal, „Zum Blücher", die 1. Generalversammlung statt.

* Der „Katholische Kaufmännische Verein" hier veranstaltet am nächsten Sonntag, den 21. d. M., einen Familien - Saztergang nach Frauenstein, Gasthaus Sinz. Für Unterhaltung wird bestens Sorge getragen. Zu­sammenkunft der Theilnehmer am Sonntag Nachmittag um y 2 3 Uhr am „Katholischen Leseverein", Luisenstraße.

* Wiesbaden, 18. April. Das „Militär-Wochen- ü l a t t" meldet: Görlitz, Major im Jnf.-Regt. Nr. 173, unter Enthebung von dem Kommando als Adjutant bei der 34. Division, als Bataillons-Kommandeur in das 2. Nass Jnf.-Regt. Nr. 88 versetzt.

+ Dochherm, 19. April. Die Bestätigung des neugewählten Bürgermei st ers Rossel ist heute dahier eingetroffen und wird d«selbe, sobald er seine privaten Geschäftsverhältnisse geregelt hat, seinen Dienst antretcn mit welchem Tage d« Beigeordnete Rausch der Geschäfte des Bürgermeisters entbunden werden wird. Wir wollen wünschen, daß der neue Bürgermeister den Weg, der bis jetzt uns«e Ge­meinde zu einer günstigen Entwickelung geführt hat, auch ein schlagen wird.

-i- Schierstein, 18. April. Welche Folgen die Unvor­sichtigkeiten von Kindern haben können, beweist wieder recht deutlich ein gestern sich hier ereigneter Borfall: Ein achtjähriger Knabe wurde durch den unglücklichen Steinwurs eines größeren Knaben derart schwer am Auge verletzt, daß dasselbe vollständig aus sein« Höhle hervortrat. Nachdem ihm gestern durch Herrn Dr. med. Bayerthal hier die erste Hülfe zu Theil geworden, mußte er heute in das Krankenhaus verbracht werden. Der Zustand des Auges ist ein derartiger, daß jeden­falls der Verlust desselben zu beklagen sein dürfte.

Bad Weilbach, 17. April. Heute fand dahier, Nach­mittags 4 y 2 Uhr, in den Räumen des Herrn Zeig« auf Bad Weilbach die erste ordentliche Generalversammlung des „K reis- Lese-Vereins für den Landkreis Wiesbaden" statt. Der Vorsitzende, der Königliche Landrath Herr Graf v. Schlüssen, «öffnete die Versammlung und gab nach kurzem Rückblick auf die einjährige Thätigkeit des Vereins, der nicht allein der Unter­haltung, sondern auch der Belehrung dient, dem Schriftführer, Herrn Lehrer Wittgen-Nordenstadt, das Wort zur Erstattung des Rechenschaftsberichts. Derselbe beweist, daß in Wahrheit ein großes Lesebedürfniß bestand und besteht. Dem „Kreis-Lese- Verein" haben sich bis jetzt 19 Ortsgruppen mit 1148 Mitgliedern angeschloffen. Die größte Anzahl weist Vierstadt mit 221 Mit­gliedern auf. Die meisten Ortsgruppen haben sich dem „B«ein zur Verbreitung von Volksbildung"-Berlin angeschlossen. An Geschenken sind im Laufe des Jahres dem Verein zugewendet worden vom Wiesbadener „Volksbildungs-Verein" 18 Serien der Wiesbadener Bolksbücher. Eine Mainz« Firma stiftete 18 Exemplare „Gutenberg". Die vom Vorstand looptir.ten Bor­standsmitglieder sind von der Generalversammlung gewählt worden. Den Hauptgegenstand der Generalversammlung bildete ein Vortrag des Landtagsabgeordneten Bürgermeistn Wolfs- Biebrich über das Gesetz vom 2. Juli 1900 über: „Die Fürsorge- Erziehung Minderjähriger". Dieser Vortrag wird im Druck er­scheinen und allen Vorstandsmitgliedern zur wetteren Verbreitung zugehen. In d« folgenden Diskussion wurde allseitig betont, daß es Hauptsorge der betreffenden Organe sei, mit Unter­stützungen den Nothdllrftigen zu helfen und dadurch einer Ent­sittlichung und Verwahrlosung vorzubeugen, weil es leicht« ist, Schäden zu »«hindern, als zu heilen. Die Obmann« wurden noch des Wetteren gebeten, ihre Aufmerksamkeit besonders den

streit, zog ein großes Messer und stach damit auf ihn ein. Das schwerverletzte Kind wurde ins Hospital verbracht und d« jugendliche Messerheld verhaftet. — Dem Vernehmen nach soll für die Provinz Hessen-Nassau in Frankenberg ein neues Lehrerseminar errichtet werden. Mit dem Bau soll bereits gegen Ende des Sommers begonnen werden.

Uermischtes.

* grüne Junge. Wer kennt auf dem europäischen Festlande und weit darüber hinaus nicht den berühmten „grünen Jungen von Dresden!" In allen Wirthschaften, allen Eisenbahn­wagen. allen Wartesälen und auf allen Plakatsäulen prangt er. angestarrt von aller Menschheit als Herold d« „Jnternattonalen Kunstausstellung in Dresden 1901", zweifellos das „angesehenste" Erzeugniß der Modernen, unvergleichlich und von kühner alles Dagewesene. überbietender Originalität. Was Wunder, daß sich bereits ein sächsisch« Barde gefunden hat, der in der Sprache Elb-Athens dem grünen Jungen in seiner „nack'gen Scheene (Schönheit)" einen gewaltigen" Dithyrambos widmet. „Nee, die Natur!" ruft der Dichter begeistert aus und meint nur, „de Beenchen und die dorchgedrickten Waden" seien „märschtendheels L bissel dinn g«aden". Die grünen Finger des armen Kerls vergleicht er mtt „zehn Pfeffergurken", berauscht sich an d« großen grundsolidem Fundamente" und fährt dann m den „Dresd. Nachr." fort:

Ooch Deine Schultern sin ni (nicht) zu vergessen!

Du armes Würmchen hast gewiß egal ^

Beim Schreiben in der Schule schief gesessen;

Du dauerst mich, denn das ist heechst fatal.

Doch Deine Logen, ach, die sitzen, seichten.

Wie ä Paar schwarze Tintenklexe leichten.

In Deinem Haar, Du sonderbarer Schwärmer,

Da griebell's und da wirbelt's hin und her.

Sin's etwa wildgeword'ne Regenwär:

Sin's junge Aale? — Mich erregt das sehr!

Ja, iber Deine scheenen rothen Locken Bin ich, weeß Knopp, beinahe fast erschrocken.

Was is denn das, was Du in Deiner Rechte»

Hältst wie ä rothlackirtes Blaserohr?

Is 's etwcm gar ä blut'ges Schwert zum Fechten?

Wer beitet mir den obren grinen Flor?

Herrjemersch ja, es is ä Regenschärmchen,

Das Dich beschitzt, Du armes nack'ges Würmchen.

Und nu de F a r b e! — Keene Menschenrasse Giebt's auf d'r Erde, die Dir ähnlich sieht:

Du bist aus and'rem Holz, von beff'rer Masse,

Denn hoffnungsfarbig Deine Jugend bliht.

Wie ägebleechterLoobfrosch, lichte, grinch Guckst Du mich an mtt lebensfroh« Miene, rc. rc.

:mer?

Gerichtsfaal.

ä. Wiesbaden, 19. April. (Strafkammer.) Bor- sitzend«: Herr Landgerichtsdirektor Born; Vertreter d« König!. Staatsanwaltschaft: Herr Assessor Dr. Weißmann. — In der Sitzung vom vergangenen Mittwoch wurde noch ein Fall im Wiederaufnahmeverfahren verhandelt, der im ver­gangenen Jahre von d« hiesigen Strafkammer zu Ungunsten der Angeklagten entschieden worden ist. Angeklagt, gemein­schaftlich mtt mehreren ihrer Familienangehörigen am LFebruar 1899 sich des Hausfriedensbruchs und der versuchten Nöthigung dadurch schuldig gemacht zu haben, daß sie in die Wohnung des Kochs Fritz F. eingedrungen sei und dort Fenster und Thüren ausgehängt habe, war die 1872 geborene Marie G. von hi«. Der Koch Fritz F., der ziemlich junge Ehemann einer ziemlich bejahrten ehemaligen Prostituirten, hat damals bei den G.'s in Miethe gewohnt, und da er im Gerüche eines schlechten Mieth- zahlers stand, wollten ihn die G.'s schleunigst wieder zum Haufe hinaus expediren. Die Marie G. hat immer bestritten, daß sie sich an dem Radau in der Wohnung des F. betheiligt habe. Die Strafkammer konnte sich denn auch bei der Verhandlung am Mittwoch nicht von ihrer Schuld überzeugen und erkannte auf Freisprechung. — Der 1877 in Neudorf geborene Taglöhner Johann B. von B i e br ich war am 3. Februar in Nendorf gewesen, um seine Heirathspapiere machen zu lassen. Das muß ihm ein fröhlich« Gang gewesen sein, denn er nahm daraus Anlaß, sich leidlich zu betrinken, und weil er sich betrunken hatte, machte er bei seiner Ankunft in Biebrich einen herzlich dummen Stteich. Er steckte nämlich dort die Nase in einen Ballsaal. Als er nicht umsonst eingelassen wurde und als ihm ein Manu noch eine traurige Geschichte von einem Schneeball, der ihm (dem Manne) an das Auge geflogen war, erzählt hatte, ging er, innerlich grollend, die Rathhausstraße hinab. Plötzlich drehte er sich um und schlug einem hinter ihm herkommenden jungen Manne ein paar Mal mit dem Regenschirm auf den Arm, dann stach er dem Hinfallenden noch mit dem Messer in die Achsel­höhle. Der Ucberfallene, der absolut nicht wußte, weshalb ihn der Angeklagte überfiel, war drei oder vier Wochen krank. Mt Rücksicht auf den Umstand, daß die Verletzung ohne jede ersicht­liche Ursache ausgcführt worden ist, wird der Angeklagte zu einer Gefängnißstrafe von 9 Monaten verurteilt. Auch wird Haftbefehl gegen ihn erlassen. Anstatt in den Hafen d« Ehe, muß er also — und n heulte deshalb nicht wenig — vorläufig einmal in das Gefängniß wandern. — Der 1836 geborene Land- wirth Karl E. II. von Wehen hatte am 22.Janucrr d. I. Bauholz nach Wiesbaden gebracht. Ziemlich spät am Mend fuhr « hier weg, es war sehr dunkel und an seinem Wagen brannte, ent­gegen der polizeilichen Vorschrift, keine Laterne. So konnte es denn passirm, daß der Angeklagte zwischen Hahn und Wehe« in den von dem Postillon Marx geführten, von Wehen kommen­den Postwagen hineinfuhr, wobei brr Postillon, dem der Schreck ob der plötzlichen Anrempelung durch eine kurze Zeit dar De-