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*»• Jahrgang.

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erscheint in zwei Ausgaben. — Beznqs-Vreis '

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Herr v. Siemens.

. , L- Berlin, 17. April.

~, r .. 0 aötarier und ihre Bundesgenossen stoßen offene Thuren ein, wenn sie versichern, daß der neuliche Em­pfang des Herrn v. Siemens durch den Kaiser nicht der Vvrbo.e devEmtrüts diesesPolitikers in das Ministeriuni 2 p E Erwartung, daß Herr v. Siemens dem­nächst einen Stuf als Nachfolger des Herrn v. Miaue! er­halten werde ist außerhalb der Börse, wo man sich in Hoffen und Befurchten niemals Blaß und Ziel auferlegen kann, ganz gewiß nirgends gehegt worden. Man würde ^oranlassung habeu, sich mit den nebelhaften Gerüchten und Vermuthungen, die Herrn v. Siemens be- treffen, irgendwie zu beschäftige!:, wenn nicht eben tut «grarkoilservativen Lager die Gelegenheit benutzt wiirde, um sich ein ebenso billiges wie leeres Vergnügen mit der Zurechtweisung angeblicher Hoffnungen auf liberaler Seite zu verschaffen. In der That kann für heute und morgen unter ernsthaften Leuten kein Gedanke daran sem, daß der ehemalige Direktor der Deutschen Bank ein Mimsteramt erhalten werde. Herr v. Siemens ist der Begründer des Handelsvertragsvereins, er steht zu der gegenwärtigen Wirthschaftspolitik im schärfsten Gegensatz, er wiirde die Caprivi'schen Handelsverträge am liebsten unverändert sortbestehen lassen, er wird jedenfalls feinen Pfennig mehr als 3 y 2 Mark an Getreide,;ollen bewilligen wollen. Wie wäre es also denkbar, daß ein solcher Mann trotz der Werthschätzung, deren er sich beim Kaiser erfreut, gefragt iverdcn könnte, ob er in die Regierung eintreten möchte? Es ist für jetzt nicht denkbar, und es wird einst- weue:: auch nicht geschehen; aber die politischen Gegner des Herrn v. Siemens und der von ihm vertretenen Wirthschaftspolitik sollten vorsichtiger mit ihren Prophe- lemngen sein. Was zur Stunde allerdings ausge- chlossen erscheint, das könnte zu anderer Zeit doch Wirk- ichkeit werden. Die Welt ist rund, und bei uns dreht sich der Globus der Politik manchmal noch ein bischen schneller als anderswo. Darüber, was „Weltpolitik" ist und sein soll, dürfte sich der Kaiser mit Herrn v. Siemens vielleicht eher verständigen als mit den Männern, die aus dem ostelbischen Bannkreise heraus an die Spitze der Ge- fchäfte gekommen sind und sich hier zweifelnd und ver­legen mit den Anforderungen einer neuen Zeit so gut oder so schlecht, wie sie es begreifen, abzusinden suchen. Meistens geschieht es ja herzlich schlecht. Ob Herr von Siemens Werth darauf legen würde, seine Airsichten vom Bundesrath- oder Ministertisch aus zrl verfechten, steht dahin. Vermuthlich ist er zu klug dazu, un: seine etwaigen Wünsche in dieser Richtung als eine genügende Unterlage für die Verwirklichung mizusehen. Der I Unterschied zwischen ihin und Herrn v. Miguel ist bei *

aller Aehnlichkeit der äußeren Umstände zu deutlich, als oaß ihn gerade Herr v. Sieniens übersehen könnte. Als Herr v. Miguel Minister wurde, war er bereits der Lieb- "Ng der Agrarier. Blau kann bei uns allenfalls Minister werden, wenn man zum Agrarkonservatismus nicht freundlich und nicht feindlich steht, worauf alsdann iimner d:e Freundlichkeit Nachfolgen muß, wenn man lucht unversehens gestürzt werden will. Graf Caprivi hat ev erfahren. Aber gleich mit der Feindlichkeit beginnen, oa.v geht nicht gut, wie nun einmal die Dinge liegen Trotzdem Ware es zu verstehen, wenn die Bündler'sich durch den Empfang des Herrn v. Siemens beini Kaiser einigermaßen bedrückt fühlten. An irgendeinem Tage vor dem 1. Januar 1904, dem Ablauf der Handels­verträge, wird die Getreidezollfrage nebst Zubehör so oder Jo geordnet fern müssen, irgendein Definitivum wird ein- treten, und auch für einen freisinnigen Politiker könnte stch dann, da eben nichts mehr an einem gegebenen Hu- stanoe zu andern wäre, die Möglichkeit zu fruchtbringen­der Thatigkeit iin Amte darbieten. Giebt es für jetzt und absehbare Zeit ganz bestimmt keine Siemens-Frage, so wäre es übereilt, zu behaupten, daß es auch in Zukunft keine geben wird.

Deutscher Reichstag.

~ , , Berlin, 17. April.

, ,, ^forbnung: Zweite Lesung des Gesetzentwurfes, be- treffend das Urheberrecht an Werken der Liiteratur und der Ton- uinst. Die <yij 1 bis 10 werden debattelos angenommen in der Fassung der Kommissionsbeschlüsse. Beim § 11, demzufolge das Urheberrecht an einem Buhuenwerk auch die ausschließliche Be- fugniß enthalt, das Werk öffentlich aufzuführen, befürwortet Abg. ötintele» (Centr.) einen von ihm gestellten Antrag, dem § 11 den Zig atz zu geben, daß ausnahmslos alle durch den Druck veröffentlichten musikalischen Werke, ohne besonders e!n- zuholcude Genehmigung des Urhebers, öffentlich aufgeführt werden dürfen, falls nicht der Urheber auf dem Druck-Exemplar slih cluAbrü(E!ich bas Äussührungsrecht dorbehalien habe. Dem- gemäß beantragt Redner zugleich die Streichung des § 27 des (äniwiufg, demzufolge, entgegen dem bisherigen Zustand, die öffentliche Aufführung eines Werkes der Tonkunst fortan nur soll stattfinden dürfen, wenn die Aufführung keinem gewerb­lichen Zweck dient und die Hörer unentgeltlich zugelassen werden' ferner, wenn die Aufführung bei Volksfesten (mit Ausnahme von Mnsikfesten) erfolgt, oder wenn der Ertrag für wohlthätige Zwecke bestimmt ist und die Mtwirkenden keine Vergütung er­halten oder endlich, wenn die Aufführung von Vereinen für ihre Mitglieder und deren Angehörige veranstaltet wird. — Abg. Richter (freist Volksp.) stimmt dem Vorredner unbedingt bei. Er bittet gleichfalls, es bei dem bestehenden Rechtszustand zu belassen, unter dem di- Musikpflege in Deutschland nicht gelitten habe. Es gehe nicht an, die Erlaubniß zu öffentlichen Anf­ührungen von Musikwerken noch über den Z 27 hinaus zu be­schränken, und gar alle Aufführungen in Vereinen von der be­sonderen Erlaubniß des Urhebers abhängig zu inachen, wie das

in einer Denkschrift von Komponisten verlangt und heute durch ^"Erag Oertel-^ritzcn-Rimpau und Träger gefordert werde. Abg. S P ahn (Centr.) bittet, die §§ 11 und 27 so anzunehmen, wie d,e Kommission sie beschlossen habe, d. h. j» der Fassung der Regierungsvorlage. Die Debatte wird gleich auch auf den § 27 und den dazu vorliegenden Antrag Oertel und G-noff-n ausgedehnt - Abg. M ü l l e r - Meiningen (freist Volksp.) tritt dem Standpunkt des Abg. Richter entaeaen und empfiehlt die Beschlüsse der Kommission, eventuell den Antrag Oertel. der sich im Wesentlichen mit der Kommission decke. - 2f6g. v- St ro mb eck (Centr.) tritt für den Antrag Rintelen r* 1 ’ Staatssekretär Nreberding spricht gegen diesen An- trag Das bestehende Gesetz von 1870. das dieser Antrag bei­behalten wissen loolle. sei von der Vermuthung ausgegangen daß der junge Komponist im Allgemeinen der öffentlichen Aus­führung fernes Werkes ohne Hoiwrar keine Schwierigkeiten machen wolle Deshalb sei damals bestimmt worden, daß der öffentlichen Aufführung nichts im Weg- stehen soll, wenn der Komponist keinen Vorbehalt mache. Jene damaligen Ver- mnthungen treffen aber sur die Gegenwart nicht mehr zu. Heute wollten die Komponisten ihre Werke nicht mehr ohne Honorar aufgefuhrt wissen. Deshalb seien auch schon Frankreich. Belgien und Italien rn der Weise, wie dies jetzt hier geschehen solle vor- gegangen. Die ganze internationale Bewegung auf diesem Ge­biet dränge auf das Honorarrecht des Autors hin. — Aba Träger (freist Volksp.) empfiehlt den Kommissionsbeschluß beziehungsweise den Antrag Oertel. Ausnahmen von der Honorar-Verpflichtung dürften nur gemacht werden in Bezug auf wohlthätige Aufführungen. — Abg. Oertel (kons) plaidirt für die Kommissionsbeschlüsse in der von ihm vorge­schlagenen Fassung. In seinen weiteren Ausführungen bestreitet Redner, daß die Unbequemlichkeit für die Vereine eine umso viel größere sei, wenn künftig die Aufführung nicht ohne speziell« Erlaubniß des Autors stattfinden dürfe. — Geheiinrath Müller macht Mittheilung über die im Kultusministerium stattgehabt- Konferenz von Komponisten. Diese seien bereit zur Errichtung einer TantiLmcn-Einziehungsstellc. Den Vereinen würde anheinr gegeben werden, sich mit einer Pauschsumme abzu­finden. Mit dem Antrag Oertel sei die Regierung einverstanden. — Abg. B e ck h (freist Volksp.) wendet sich gegen die Honorar- Pflichtigkeit der kleinen Gesangvereine. — Staatssekretär N, eberding bemerkt, eine generelle Erklärung darüber, ob Aufführungen ganz kleiner Gesangvereine als öffentliche be­trachtet werden würden und somit honorarpflichtig seien könne er nicht abgeben. Die Fälle lägen da zu verschieden. Des Weiteren weist Redner auf den Lieder-Komponisten Robert Franz hin, dessen Lieder so oft öffentlich vorgetragen worden seien, während er selbst schließlich erblindet auf die Unterstützung seiner Freunde angewiesen gewesen sei. — Abg. Diez (Soc) spricht für die Regierungsvorlage. Besser als der Antrag Oertel und Genossen sei der soeben eingegangene Antrag Richter, wo­nach allerdings die bühnenmäßige Aufführung von Werken der Tonkunst mit dazu gehörigem Text auch ohne den Vorbehalts­vermerk des Autors honorarpflichtig sein sollen, wogegen ander­weite öffentliche Aufführungen mangels eines Vorbehaltsvermerks ohne spezielle Genehmigung des Berechtigten zulässig sein sollen. Abg. Richter (freist Volksp.) befürwortet diesen Antrag.

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KeuiZietorr.

wohl abgerundete junge Dame?

Neiv-Aork, im März 1901.

Daß der Bewohner der Neuen Welt oder doch WlnigsteilZ des Theiles derselben, über welchen, wieder- gewahlt, Mr. Mac Kinley das Regiment führt, alle anderen Geschöpfe dieser Erde bei Weitem überragt, ist IH* l ' lu kme so feststehende Thatsache, daß darüber eigent- uch rein Wort inehr verloren werden sollte. Europa seiidet Kt noch Allerlei herüber, was hier Bewnndernng erregt, wie Kunstwerke, Süngerinneii, Schauspieler re., aber die Bereinigten Staaten geben etwas iin Austausch dafür, was mehr Werth als all das, seine Dollars, sein Gold. Dies allem ist za heutzutage — und nicht nur in de:: Augen der Yankees — der Werthinesser für fast Alles, und da hier mehr von diesem produzirt wird, als irgend­wo anders, Milliardäre nirgends in solchen Mengen zu lmden, so geht schon allein daraus hervor, daß Nord­amerika das erste Land der Erde ist.

Und ein noch hervorragenderes Geschöpf als der Manist der das Geld erwirbt, ist hier — man muß bei- nahe sagen. — erstaunlicher Weise die Frau, die dasselbe

'"Grer großen Mehrzahl nur auszugebeir toeiß! Bon früher her, da ein weibliches Wesen zu den Selten- yelten gehörte und seiner Knappheit geniäß hochgeschätzt wurde, ist dem Yankee gegen das schwächere Geschlecht Wr große Galanterie verblieben. Dies hat dazu ge- inhrt, daß letzteres von sich eine erschreckend gute Meinung uesttzt, und lvenn der männliche Bewohner der Vereinigten Staaten vo:t sich iind seiner Vollkominenheit dnrch- orungen, so ist es die Amerikanerin noch in weit höherem jWafee jmö der festeil Ueberzengnng, daß sie ihre Mit- hvch über' andere» Ländern und Erdtheilen thnrin-

Es giebt ihr dies iin Allgemeirien eine Sicherheit des Auftretens, die anfänglich über ihre wirklichen Fähig leiten hiiiwegzutäuschen pflegt und oft bei selbst nrtheils fähigen Perföiilichkeiten die Allsicht erweckt, als ob sie es mit besonders begabten mtb wohlunterrichteten Damen Zu thun hätten. Im Allgemeineil ist der Schliff aber nur ein recht oberflächlicher, da Atama und Töchter sich häufig darüber einig sind, es sei viel besser, das zur Er Ziehung besüniinte Geld für Toiletten und Candies aus- zngeben, und der Vater seine Pflicht gethan zit haben glaubt, wenn er die Mittel pm Unterricht anweist; wie diese Verwendung finde,:, darum sich 3 n kümmern, ge­stattet ihm seine Zeit schon garnicht.

Natürlich hat diese Regel zahlreiche Ausnahmen, dies beweisen ja die vielen Universitätei: für iveibliche Hörer, die Anierika besitzt nnb auf denen in der That sehr ernst­liche Studie:: betrieben werden. Ob die dort herall- gebildetell jungen Damen angenehme Gefährtinnen werden, tüchtige Hausfrauen abgeben, das ist iiatürlich eine ganz andere Frage, mit der >vir uns hier aber nicht beschäftigen Ivollen. Nebetibei sei nur bemerkt, daß diese Etablissements arich hauptsächlich geschaffen sind, um Frauen zu erziehen, die das Gelernte später in prak­tischer Weise zu verwerthen wünschen.

Eine Art „Hochschule" giebt es allerdings bei uns, die diese Ziele nicht verfolgt, aber gute Hausfrauen in unserem Sinne zu werden, ist auch der Zweck der „young ladies" nicht, die hier sich den letzten Schliff aiizueignen suchen. Diese „kiuisbing seminavies" werden nämlich von den Töchtern der Glücklichen besucht, „wlio have strack ile", wie der spöttische Ansdruck^ nach einem be­rühmteil englischen Roman von Walter Besaut lautet, d. h. die dein Boden Petroleum oder sonst eine lohnende Substanz abgewinnen oder aber in irgend einer anderen Weise von: armen Manne sich zum Milliardär empor­gearbeitet haben.

Diese „Hochschulen" sind aufs Eleganteste ausgc- uattet, orientalische, japanische .Gemächer, Mnsiksäle,

Theezimmer re. da zu siilden, die „Zöglinge", welche U —22 sichre zahlen, nehmen ihr dinner jeden Abend

Batttoilette, ein, der Tisch ist prächtig gedeckt, nnt Blumen dekonrt und die Mahlzeit setzt sich aus min­destens sieben Gangen zusammen.

Ein Fechtsaal und ein Billardzimmer sind vor­handen, um beit Gliedern die nöthige Geschilieidigkeit p verleihen, bei Tische vräsidirt stets eine geistreiche Danie, die dafür sorgt, daß die Unterhaltung nicht stockt Mid die Schülerinlien sich daran gewöhnen, eine solche zu führen. Zu dem Zweck finden mich Gesellschaften statt und hierbei lerneii die jungeir Damen zugleich, wie man sich bei derartiger Gelegenheit bewegt; selbss wie man eittcit Wagen besteigt und wieder verlaßt, soll Gegenstand deZ Unterrichts sein.

/Nebenbei werden auch Vorträge über Browning, >w,en, Rostand oder Kipling gehalten, dem: die >vohl- erzogene junge Dame muß iiatürlich im Stande sein etwas über die gängigen Gesprächstheniata zu sagend wenn gerade die Rede darauf kommt, ja sogar ein wenig Latein, Geometrie ec. ivcrden gelehrt. Das Produkt ist dmur die „ivohl abgerundete junge Dame", ivie hier der Ausdruck lalltet man soll allerdings weinen, daß sieben Wellige bei einer Mahlzeit die Abrundmig befördern inuften —, deren höchster Ehrgeiz, wenn sie die Akademie verlaßt, darin besteht, einem Herzog oder Marquis als Gattin in sein Vaterland zu folgen resp. die sich schon, ehe sw einem solchen angetraut, anf der Suche nach ihm nach der alten Welt begiebt.

Die Chancen, ihn zu ergattern, sind allerdiiigs großer, wenn sic beim Essen nicht das Messer zum Mund fuhrt und eine Verbeugung in tadelloser Weise anszn- fuhren iveiß. Ob Latein und eine genaue Kenntniß ^wsen scher Drainen auch erforderlich, erscheint allerdings zweifelhaft, aber diese Gelehrsamkeit pflegt „tlie well rounded woman" nicht allzu sehr z» beschweren und nach einigen Jahre» keine Spur mehr davon zurück- znlasscn. Karl Schenk.