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4». Jahrgan«.

E>scheint in zwei Ausgabe». — BezugS-Preis: durch den Verlag 5« Psg. monatlich, durch die Post 2 Mk. Sw Psg. vierteljährlich für berde Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

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Die einspaltige Petitzrile für l-cale Anzeige»

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— Für die Aufnahme später eingcrcichter Anzeigen zur

149 » Redaktions-Fernsprecher No. 52.

Freitag, den 39. Marx.

Verlags-Fernsprecher No. 2266.

1901 .

Zur Wohnungsreform in Deutschland.

Bei uns beziehen sich sowohl die auf eine Wohnungs­reform hindrängenden Kräfte wie die bisher in dieser Richtung erzielten Erfolge ganz vorzugsweise ans die städtische gewerbliche Bevölkerung, während die land- wirthschastliche, ja die ländliche überhaupt vergleichsweise wenig davon berührt wird.

Das ist ein sehr bedauerlicher Zustand. Nicht nur ist auch auf dem Lande Verbesserung der Wohnungen viel- nch dringend nöthig, sondern namentlich un Interesse unserer volkswirthschaftlichen Gesmninteiitwickelnng; gegenüber dem ungeheueren Zuge in die Städte und ^n- dustriebezirke käme es darauf an, den Aufenthalt auf dein Lande in jeder Weise besser und erziehender zil gestalten. Indes ist anderseits auch richtig, daß für die städtisch- gewerbliche Bevölkerung die Wohnungsfrage allerdings noch eine viel wichtigere und ausschlaggebendere Rolle spielt als für die ländliche und speziell die eigeiitlich land- wirthschaftlick)e. „ P1 v .

Wer tagsüber in der Fabrik, m der Schreibstube, nn Waareiiladen beschäftigt ist und auf wen täglich die tausend Eindrücke des städtisck)en Lebens einstürinen, der bedarf doch noch weit dringe,ider einer geräumigen, freundlichen, ruhigen Wohnung, als wer tagsüber eutf dem Acker, der Wiese, im Walde ist und wer nur vor seine Thür zu treten braucht, um in Gottes freier Natur zu sein. Da nun aber die ganzen Grundlagen unseres Volks­lebe, is sich immer mehr nach der städtisch-gewerblichen Seite hiii verschieben, so gewinnt auch die Wohnungsfrage von Jahr zu Jahr eine größere Bedeutung. Sie ist ein ivichtigerAusschintt aus der große,iL-chicksalsfrage unserer Nation: wie richten wir es ein, um auf der neuen städtisch- gewerblichen Grundlage unseres Volkslebens dauernd gesund, leistungsfähig und in aufsteigender Lime befind-' lich zu bleiben? Unsere Darstellung im Folgenden be­zieht sich daher auch ganz vorzugsweise auf stadtisch-ge- werbliche Verhältnisse.

Es ist sehr zweifelhaft, ob sich die Wohnungsverhalt- nisse unserer städtisch-gewerblichen Bevölkerung im letzten Menschenalter erheblich gebessert haben. Zwar sind eine Anzahl Hhgieinische Einrichtungen, wie Wasserleitung und Kanalisation, getroffen worden, auch siird eine Anzahl Wohnungen in den innersten, schlechten alten Stadt­vierteln durch Niederreißen verschwunden und durch Ab­zug in die Vorstädte und Vororte leer geworden, aber in den wichtigen Punkten: der Dichtigkeit der Belegung der Wohnungen, der Höhe der Miethpreise, der Stetigkeit des Wohnens und des Mangels an kleinen Wohnungen werden sich kaum wesentliche Verbesserungen feststellen lassen. Jedenfalls ist keine Verbesserung eingetreten, ivelche irgendwie der oben gekennzeichneten Verschiebung unserer Lebensverhältnisse oder der Erhöhung unserer Kulturansprüche entspräche.

Man wird auch nicht erwarten dürfe,!, daß solche Ver­besserungen aus dem Boden der Ueberlassung dieses ganzen toichtigerr Gebietes aus dem privaten Geschäfts­

geist noch heraus wachsen werden, sondern man wird seine Hoffnungen in dieserRichtung vor Allem auf ein kräftiges socialpolitisches Eingreifen setzen müssen. Und für dieses sind allerdings die Aussichten allmählich sehr viel besser geworden. Zunächst haben die bewegenden, treibenden Kräfte der Wohnungsreform an Zahl und Macht stark angenommen. Unsere Kenntnis; der Mißstände auf dem Gebiete des Wohnungswesens ist durch die städtische Statistik und zahlreiche private und auch amtliche unter- suchungen sehr gewachsen, namentlich in dm letzten fünf­zehn Jahren. Zugleich ist die allgemeine Anschauung dem Eingreifen vom Staat, Gemeinde und orgamstrter Selbst­hülfe sehr viel günstiger gewordm. Ferner hat sich gegen­über früher die Zahl der Vereinignngm oder sonstigen Stellen sehr vennehrt, welche sich mit der Wohnnngs- reform befassen, und namentlich sind eine Reihe dauernder Träger der Wohnungsreform mtstanden. Es kommt da einmal in Betracht die wissenschaftlich-propagandistische Thätigkeit. Die schon erwähnte städtische Statistik und die Gewerbeinspektion durch ihre „Jahresberichte gehen immer wieder auf dieWohnungsverhältnisse ein und regen deren Reform an. Der Verein sür Socialpolitik hat 1886 die Wohnungsfrage behandelt und wird sie m diesem Jahre wiederum behandeln; eine große, von ihm veranstaltete Untersuchung ist im Drucke begriffen.

Wenn wir nun fragen, tvas diese ganze Bewegung bisher tatsächlich erreicht hat, so ist zu unterscheiden: sie hat noch nicht vermocht, gegmüber dm mächtigen ent- gegenstehendm Kräften eine durchgreifende Besserung unserer Wohnungsverhältnisse zu erzielm, aber sie hat doch bereits zahlreiche Ansätze zu einer solchen geschaffen und vieles Schlechte verhütet, so daß wir ohne sie ver- muthlich sehr viel schlinnner daran wären. Auf dem Ge­biete der Wohnungsinspektion haben Hessen, Hamburg, Straßburg, ein großer Theil des Rheinlands und ennge andere Orte und Gegenden, darunter neuestens Bayern, einiaerniaßen befriedigende Einrichtungen getroffen. Die Bauweise ist in einer Anzahl von Städten durch die Um­änderung der Bauordnungen und Bebauungspläne resormirt worden und einen sehr bedeutsamen Fortschritt für ein ganzes Land stellt das iin vorigen Jahre verab­schiedete „Allgmieine Baugesetz" für das Königreich Sachsen dar. In der Bodenpolitik bedmtet die Ein­führung des Erbbaurechtes (durch das bürgerliche Gesetz­buch), mit dessen Hülfe man Bauland zur Bebauung pachten kann, statt es kaufen zu müssen, einen großen Fortschritt. In Frankfurt a. M. und in anderen Städten ist man bereits im Begriffe, sich diese neue Rcchtsform dienstbar p machen. Was die eigentliche Wohnungs­produktion anlangt, so findet der Grundsatz, daß Staat und Gemeinde für ihre eigenm Angestellten Wohnungen zu errichten haben, immer mehr Anwendung. Das Enrporblühen der gemeinnützigen Banthätigkeit ist schon erwähnt. Besondere Beachtung verdimt aber noch die immer weiter gehmde Gewährung von Baukapital zur Errichtung kleiner Wohnungen Seitens der Landes-Ver- sicherungsanstalten. Ende 1899 beliefen sich die von allen Anstalten zusammen hierfür gewährten Summen auf 52 Millionen, und es kann kaum einem Zweifel unter­liegen, daß diese Kapitalgewährung in sehr rascherSteige- rung begriffm ist. Auch ein Theil — freilich eben auch

FemUeton.

Ans Kunst und Leben.

* Kunstausstellungen. Anders Zorns Gemälde „Die Mutter", das derzeit mit anderen Werken des Künstlers in Panzers Kunstsalon ausgestellt ist, wird man in der Ge­schichte dessen, was man an Kunst gesehen hat, als merkens- Gerthes Ereigniß zählen muffen. Das Bild zeigt eine Magd, die im Kuhstalle sitzend, ihr Kind säugt. Sie ist wie zu einem weiten Weg gekleidet, vielleicht von dem Dienstgeber —, un Hintergrund ist eine Männergestalt mit harten Gesichtszügen zu erkennen — eben aus dem Dienste ent­lasten. Durch das seitliche Fenster fällt volles Licht, das von dem Maler unübertrefflich behandelt ist, auf sie. In ungemein breiter Pinselführung gegeben, steht das Ganze wie unmittelbares Leben vor uns. Noch höher als diese technische Meisterfchast ist der Empfindungsgehalt des Gemäldes zu ver­anschlagen. Seit den unzähligen Madonnenbildern der er­wachenden Fruhrenaissance bis zur realistischen und symbo­listischen Darstellung in unseren Tagen hat die künstlerische Verherrlichung des großen Geheimniffes der Mutterschaft un­zählige Wandlungen erfahren. Der Geist der Zeit arbeitet an den Lösungsversuchen solcher Probleme der Kunst, die von den wechselnden Weltanschauungen stets anders gesehen werden, be­sonders stark mit. Fm echten Kunstwerk sprechen sich dann die dauernden Errungenschaften des Zeitgeistes aus. In diesem Sinne ist Zorns „Die Mutter" eine echt- That unserer Zeit. Aus dem gesundfrischen Gesicht der jungen Mutter, das vom einfallenden Licht in allen Einzelheiten bloßgelegt wird, ist der leise Hauch stillen Mutterglückes, das allerdings nicht sentimental weich aufgefaht ist, nicht weggewischt. Danebm liegt aber auf Len, Gesicht der Ausdruck einer Empfindung, eines Gefühles,

das in Worten kaum zu charakterisiren ist. Ein Etwas, das ich den dunklen Ausdruck des Animalischen des Vorgangs nennen möchte. Die physische Einheit von Mutter und Kind ist hier durch den genial festgehaltenen Ausdruck einer gcheimnißvollen Seelcnregung verkörpert. Diese in Worten nicht zu erschöpfende Darstellung der Unzertrennlichkeit von Körper und Seele, des Jneinanderspielens ihrer Regungen, ist der im besten Sinne des Wortes moderne Inhalt des Gemäldes. Ganz Aehnliches ließe sich als Hauptschönheit der Bilder „Frau am Fenster" und „Feier in Mora" analysiren. Als souveränsten Herrscher über Licht und Kolorit, der im Bewußtsein seines Könnens hie und da das technisch Gewagte, das so leicht zum blendenden Effekt führt, nicht vermeidet, zeigt sich Zorn in den Gemälden „Wald- nymphe", „Auf dem Heuboden", „Auf der Treppe". Einen Schritt zu weit nach dieser Richtung bedeutet das technische Wag- niß „Abend auf dem Eise". — Im Nasfauischen Kunsi­tz er ein findet sich diesmal in der Nachbarschaft des wunder­baren Thoma, der seiner Zeit schon an dieser Stelle gebührend gewürdigt wurde, viel brave, künstlerische Kleinarbeit, äton dem beliebten hiesigen Maler N. v. A st u d i n sind zwei Bilder, Das alte Rathhaus in Marktbreit am Main" und „Herbst- sonne", ebenfalls ein Motiv aus Marktbreit, ausgestellt, die sich wieder durch die sorgsame Zeichnung Freunde erwerben werden. V. Valentinis - Berlin „Hof der ehemaligen Thurn unv Taxis'schen Reichspost" darf wohl kaum mehr als das histo­rische Jntereffe, das man dem dargestellten Objekt entgegen­bringt, beanspruchen. R. L i P P s - Starnberg „Der erste Brief , muß zu den besten Leistungen auf dem Gebiete des Genres ge­zählt werden. Nicht ganz so uneingeschränkt darf die Auer- kennung seines Landschastsbildes „Kanal in Venedig sein, dessen Vorzüge durch die Härte von Licht und Luft sehr gemindert werden — Das Verdienst, einen Theil der zeitgenössischen Malerei, der in letzterer Zeit in Wiesbaden ziemlich unvertreten geblieben ist, den hiesigen Kunstfreunden zuzängliK zu machen,

nur ein Theil! — der zahlreichen von den Arbeitgebern -ür ihre Arbeiter errichteten Wohnungen muß als ein Stück Wohnungsreform betrachtet iverden. Im Lokal­verkehre sind als Fortschritte, die auch dem Wohnnngs- wesen zu Gute kommen, die vielfach in Verbindung mrt der Umwandlung des Betriebes in elektrischen statt- gefundenen Ausdehnungen, Beschleunigungen und Vev- biltigungen des Verkehrs zu bezeichnen; namentlich ab« ist es erfreulich, daß in einigen Orten, z. B. Frankfurt am Main, die Straßenbahnen in Gemeindebesitz über- führt worden sind. In, Miethrecht hat uns das bürge» liche Gesetzbuch einige Fortschritte gebracht, und m der Wohnnngsstatistik ist von mehreren statistischen Aemtern die regelmäßige Zählung der leerstehenden Wohnungen und eine eingehendere Baustatistik ausgenommen worden. Endlich auf dem Gebiete des Steuerwesens ist die von mehreren preußischen Orten (z. B. Köln) neuerdings em- geführte Besteuerung nach dem sogenannten gemeinen Werthe an Stelle derjenigen nach dem Ertrage als fordev- lich für die Wohnungsreform zu erwähnen. Grundsatz- lich viel wichtiger und weittragender als diese Verands« rnng sind freilich die seiner Zeit vielfach in der Oesfent- lichkeit besprochenen Steuermaßregeln des Kaiserlichen Gouveniements in Kiautschou, die stark in bodenreforme- rischen Bahnen sich bewegen und wohl auch für die Heimath nicht ohne Rückwirkung bleiben werden.

Bedeirtsame Fortschritte sind also erzielt worden, so- wohl in den treibenden Kräften wie in den thatsächlich er­rungenen Erfolgen der Wohnungsreform. Aber all das darf uns doch über das ungeheure Mißverhältniß zwnchen Bedürfniß und Befriedigung auf diesem Gebiete nicht täuschen. Alles eben Angeführte bedeutet doch nur einen ganz bescheidenen Anfang gegenüber dem Bedarfs. Erft die Entfaltung des Begonnenen auf das Vielfache konnte eine wesentliche Besserung bringen. Eine großgedachte Wohnungsreform würde überdies vor einer Reform dev ländlichen Verhältnisse nicht zurückschrecken, so wie das bisher bei uns geschehen ist. und sie wurde endlich auch aus eine dezentralistische Vertheilung der Bevölkerung über das ganze Land im Gegensatz zu der zetzigen EnÜmcke- lungsrichtung der Anhäufung der Massen m relativ wenigen Orten und Gegenden planmäßig hmarbeiten, sie wäre dergestalt nicht nur Wohnnngs-, sondern auch An- siedelungsreform. Aber dieser Gedanke hat noch nicht greifbare Gestalt gewonnen. An eine gesetzliche Be- schränkung der Freizügigkeit ist dabei natürlich Nicht zu denken. Kaufmann Lotscha in Frankfurt a. M. beschäftigt sich mit demselben in seiner Broschüre ,-Nationale Ansiede­lung und Wohnungsreform" und schlägt die /Schafnmg von sogenannten Jndustriestraßen durch weite Gebiete vor. Der zu erwartendeAusbau desKanalnetzes wird, eine baldige Ueberwindnng der Geschäftskrisis vorausgesetzt, nach derselben Richtung, d. h. dezentralisirend ans die An­siedelung wirken. . . , .

Anderseits muh freilich betont werden, daß der ganz überwiegende Theil der oben dargestellten Fortschritte in der Wohnungsreform, sowohl ivas die bewegcndenKraste, wie was die thatsächlich durchgesetzten Erfolge anlangt, erst in die letzten 15, ja in die letzten 10 Jahre fallt. Diese Thatsache läßt annehmen, daß bei weiterer Anbau« der Reforniarb eit auch die iiächsten 10 Jahre einen erkleck-

hat die Kunsthandlung Aktuaryus (Friedrichstraße 1V), die in bescheidenem Rahmen eine werthvolle Ausstellung des Pariser Meisters P. I o b e r t bringt. Jobert hott seine Motive am liebsten ' aus dem Leben der KUstenbevölkerung der Nor­mandie. Diese Schiffer- und Fisch-rgestalt-n, vom 10-jahrrgen Jungen bis zum invaliden Alten, bringt Jobert in allen mög­lichen charakteristischen Wandlungen, aber immer gleich über­zeugend echt und wahr. Schwächer scheint er mir dort, wo e< dieses Gebiet verläßt, wie in dem Gemälde „Sturm im atlan­tischen Occan". Unter den übrigen, zum Theil sehr interessanten Darbietungen der Ausstellung verdient ein Bild von W. Velten „Piqueur am Waldrande" besonders anerkennende

Erwähnung. , , a

* Philharmonie. (Verein hiesiger Dilettanten zur Aus­

übung der Tonkunst.) Der erste diesjährige Vereinsabend findet heute Freitag, Abends 8 Uhr, im Vereinslokal in der höheren Töchterschule statt. Der neu gegründete Damenchor wird inst Reineckes Musik zu Schneewittchen (mit OrchesterbegleüunH und einigen Liedern von Mendelssohn und Hiller debutirem Reineckes Musik zu Schneewittchen gilt als eine Perle in dev Litteratur für Frauenchor und wird sich gewiß auch hier Freunds erwerben, zumal auf die Vorbereitung der Chöre seit Monaten eifriges Studium verwendet wurde. Als Solisten werden att diestem Abend zu Gehör kommen Herr König!. Kammermusikei Fr.' Selzle mit dem Violinkonzert in D-moll von Vieuxtemps, und Herr Kapellmeister Gerhard (Leiter des Vereins) mit dem x-rnoll-Klavierkonzert mit Orchester von Weber. Das Orchesttt findet im Loreleyvorspiel von Bruch und der italienischen Ouveöt iure von Schubert (hier neu) zudem dankbare selbständige Autz- gaben. Das interessante Programm verspricht allen Besuchers demnach eine angenehme, musikalische Unterhallung, die ja dev Zweck dieser Abende sein soll. '

* Das Becker'sche Konservatorium der Mrusik ved- anstqltet M Samstag, drn 30, März. Abends M ii ISS