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is sz::::a i Morgen-Veilage der Wiesbadener Tagblatts. E-.» '
Nr. N7. _ Kreitag. 21. Mar.
{24. Fortsetzung.)
Wippen.
Roman von Helene Schede-Heller,
Nachdruck verboten.
, Sie langweilte sich nicht mehr — verlangbo nicht, wie früher, nach Abwechslung unid Zerstreuung. Hatte — und das war wohl das Bitterste gewesen — hatte die schweren Monate an der Seite des finsteren ManneS .ertragen, war weggaereist, tvenn sie fühlte, daß !hr Anblick die alten Wunden immer wieder in ihm aufritz — war zurückgekehrt, wenn sie dachte, daß er sie vielleicht brauchte.
Und immer ward ihr« Hoffnung getäuscht. Immer fand sie densslben kalten, gleichgültigen Mann vor, für h«n ihr Herz brannte — und von dem ein eisiger Strom sie trennte.
Sie, die Schwache kämpfte das durch. Hielt stand. So groh war die Lie.be, die in Leid und Rone zum Loben in ihr erwacht war.
Sie sehnte sich nur nach ihm — dachte nur an ihn — lobte nur für ihn.
Jetzt sah er es und staunte.
Setzte sich erst zur Wehr — gab sich aber dann langsam dieser Erkenntnis hin.
War es möglich? Hatte sie gelitten und war darum so blaß geworden?
Gab ihr die Liebe, die keine Erwiderung fand, diesen heißhungrigen Ausdruck in den Augen?
Die Fragen pochten an ein gepanzertes Herz, so lauge, bis sie Eingang gefunden hatten.
Es war darüber Sommer und Herbst geworden.
Sie hatten das Rauental verlassen und waren nach Berlin zurückgekehrt.
Da begannen sie beide ans Werk zu gehen — mit weichem Herzen und zitternder Hand, die Kluft zwischen ihnen zuzubauen.
Ost hielten sie tnne — legten mutlos den Spaten zur Seite und seufzten: „Es wird wird nie werden!"
Die Sehnsucht nach Hilde lähmte seine Kraft.
Es gab Stunden, da die Leidenschaft mit verdoppelter Gewalt erwachte und an seiner Seele rüttelte, als wolle sie sich rächen an dom Mann, der es wagte, sich mit ihr zu messen, — da die Erinnerungen gleich auf- geschsuchten Vögeln ihn umflatterten und ihm Schlaf und Ruhe raubten.
Dann ging er finster in sich gekehrt einher — unid Erna wußte: „Nun denkt er an die andere — er wird sie nie vergessen — mich nie wieder lieben können."
Wie sie dann litt!
Wie sie fühlte, daß trotz allem Schatten zwischen ihnen blieben, die vielleicht nie weichen würden.
Sie hatte gehofft, mehr als Mitleid und Zärtlichkeit zurückzugKvinneu — wußte nicht, daß erstorbene Liebe ine mehr zur alten Kraft im Herzen eines Mannes auf- erstchen kann.
Mit der Vergangenheit hatte sie gebrochen, und das- selbe von ihm erwartet.
Hatte nicht geglaubt, daß jahrelang die Liebe an ihm zehren und der Gedanke an ihre Schuld ihn folgen Würde.
Jetzt mußte sie es erleben. Erkennen, daß bei allem guten Willen das Geschehene doch nie ungeschehen gemacht werden kann und graue Spuren zurückbleiben, die aus der Vergangenheit in die Zukunft sich hinüber- ziehen und nie ganz verblassen.
Hans Reimer und Hilde Roswakd blieben Gespenstern gleich in dem neu erbauten .Haus und suchten es immer wieder heim.
Keiner von beiden traute sich die Namen auszusprechen — aber jeder trug sie im Herzen mit sich und wußte, daß sie in der Seele des anderen tief eingegraben waren.
In ein solches Haus kehrte das Glück nicht mehr lächelnd und leichtfüßig ein. Man muß es der Vergangenheit abringen und an sich reißen.
Sie wußten es beide. Ließen den Sturm vorilber- sausen und griffen wieder zum Spaten.
Wochen und Monate gingen darüber hinweg. Doch immer wieder ward frischer Boden gewonnen, ward bald von dem einen, bald von dem andern ein neuer Stein zum Bau der Brücke gebracht.
Röschen hielt Wort, und durch all das Kämpfen und Ringen dieser Zeiten begleiteten ihn ihre Briefe.
Mit jedem Jahr tvurden sie länger und mit jedem Briefe konnte er tiefer in ihre Seele schauen und dent, licher die Wandlung des kindlich sorglosen Herzens iir das warm pulsierende Leben des Heranwachsenden Mädchens verfolgen.
Immer reicher sah er ihre jungen Kräfte sich entfalten, und imncer lauter klang um ihn her der Wider- hall einer Hellen Kinderstimme und eines reinen Kinder, lachens und bevölkerte die Stille seines Arbeitszimmers.
Als drei Jahre vergangen waren, schrieb auch die Mutter ab und zu einige Worte. Er fühlte aus ihren Zeilen, daß sie den ersten großen Schmerz verwunden und sich in ihre Einsamkeit hineiugefunden hatte, und baß sie nun ihre ganze Liebe auf bas Kind konzentrierte.
Erst tat es ihm weh — er wäre vielleicht eifersüchtig geworden, hätte ihm nicht das Kind so nahe gestanden. Er hing mit derselben starken Liebe an Hilde Roswacld; aber aus dieser Liebe wuchsen langsam, wie die jungen Pnrpurtriebe an den Tannen, die zarten, innigen Gefühle für das Kind.
Auch er schrieb lange Briefe und erzählte von seinen! Leben und seiner Arbeit, und so wurde ein neues Band geknüpft, das ihn mir dem Kind mehr noch als mit der Mutter verband.
Als Erna merkte, welch friedebringen'den, aushellen- den Einfluß Röschen auf ihn ansübte, versuchte sie, ihm auch dafür Verständnis und Interesse entgegeu- zubringen. sich mit ihm an dem immer inehr sich ent- wickelnden Maltalent des Mädchens zu freuen und die Zeichen- und Maleniwjirfe zu bewundern, die es ihm von Zeit zu Zeit zusandte.
Das war vielleicht der größte Beweis von Liebe, dir I sie ihrem Manne geben konnte, und in diesem Drange
