Einzelbild herunterladen
 

Wksbadkner Ts

Verlag Lauggasse 21

„2egbUit>$ia$“.

Lch»ller-Halle geöffnet von « Uhr morgens bi» 7 Uhr abend».

wöchentlich

70 Pfg. monatlich, M L— vierteljLdrlich durch den Verlag

»avestellen «nd in den benachbarten Landortei, und im Rheingan die betreffenden Lagblatt-rrLger

12 Ausgaben.

Fernruf:

„Tagblatt-Haus" Nr. 6650-53.

Bon S Uhr morgen« bis 8 Uhr abends, außer Sonntag»

rUtjeiaea-Preis fitr dir Zeile: 15 Pig, für örtliche l in einheitlicher Satzform: SbPfg. in davon abweiff—

> im „Arbeirsmarkt" und Kleiner Anzeiger"

_.___ ,«nder Satzausführung, sowie für alle übrigen örtlichen

Anzeigen: 30 'Pfg. für alle auswärtigen Anzeigen; 1 Wb für örtliche Reklamen; 2 M. für auswärtige Reklamen. Ganze, halbe, drittel und viertel Seffen, durchlaufend, nach besonderer Berechimng. — Bei wiederholter Aufnahme unveränderter Anzeigen in kurzen Zwischenräumen entsprechender Nachlaß

«ütÄlffkÄ Nw^'Äusg.d^s'z Mir nachmfft^» Berliner Schriftleit««- de-Wiesbadener TagblattS: Berlin-Wilmersderf Küutzelstr. 8S, Fernfpr.: AmtUhlaad 450 «. 451. Wen'nnd^ Plänenwir?kän?GewährÄ?iwmmem

Zrettag, 21. Mai 1915.

Morgen- Kurgabe.

Nr. 233. ♦ 63. Jahrgang.

Die Kammer erteilt Salanbra die Vollmacht

W.-T.-B. Rom, SV. Mai. (Nichtamtlich.) Galandra legte mit einer längeren Er­klärung der Kammer einen Gesetzentwurf vor, welcher der Regierung für den Kriegs­fall außerordentliche Befugnisse über­trägt. Enthusiastische Kundgebungen und wiederholte Zwischenrufe „Es lebe der Krieg!" begleiteten die Erklärungen des M inisterpräsidenten.

Oie Begeisterung im Sitzungssaal.

W. T.-B. Rom, 20. Mai. (Nichtamtlich, Ageacia Stefam.) Bei der Eröffnung der Kammer war der Saal ganz gefüllt. 480 Deputierte waren an­wesend, die Tribünen gedrängt voll, einschließlich derer für das diplomatische Korps, die Senatoren und die ehemaligen Deputierten. Auf der Tribüne der Diplomaten bemerkte man die Botschafter der Ver­einigten Staaten, Englands, Frank­reichs, Rußlands «nd Japans. Auf der Tri­büne erscheint Gabriele d'An n u n z i o, von lebhaften Anrufen im Saal und auf den Tribünen begrüßt. Nur die offiziellen Sozialisten beteiligten sich nicht an der Kundgebung. Alle hervorragenden Per­sönlichketten des Parlaments sind anwesend, außer G i o l i t t i. Um 2 Uhr tritt der Präsident M a r c o r a in den Saal, begrüßt von stürniischem Beifall im Saal und auf den Tribünen. Alle Deputierten, ausge­nommen die 45 offiziellen Sozialisten, erheben sich von ihre« Plätzen, ebenso wie das Publikum auf den Tribünen, und rufen: „Es lebe der Präsident!"

*

Der achte Sehrt und die Kriegslage.

Die Kriegserklärung Italiens steht bevor. Die neue Vertrcmenserklärung des italienischen Parlaments gegenüber dem Ministerium Salandra-Sionnino be­deutet den Krieg nun auch gegen einen achten Feind, unseren bisherigen B u n d e s g e n o s s e n, der uns auf das schamloseste verriet und sich und seine Ehre im Feilschen um das Meistgebot wie ein gedunge­ner Bravo an den Dreiverband verkaufte. Welsche „T r e u e"! _ Für uns bedeutet auch diese Umgeheuerlichkeit nicht mehr eine Überraschung.

Mit Recht sah das deutsche Volk dieser Entscheidung gelassen entgegen. -Man mag es bedauern, daß ein altes VMerbündnis, welches auf Treue und Glauben äufgebaut war, unter der Herrschaft blinder Volks- leidenfchasten zusamimMgebrochen ist. Man verficht die Empörung darüber, daß derartiges möglich ist unter modernen Kulturstaaten, bei -denen man ein ernstes politisches Verantwortlichkeitsgefühl -voraussetzen zu dürfen meinte. Das deutsche Volk wird es auch schmerz­lich empfinden, daß durch ein Eingreifen Italiens der an Opfern aller Art so schwere Völkerkrieg eine Ver­längerung erfahren wird. Wir müßten nicht so ehrliche Friedensfreunde s^in, wie wir es sind, wenn sich nicht ein solches Gefühl bei uns cmf- drängte im Blick nicht nur auf das eigene Land, son­dern auf die ganze .Kulturwelt, die unter diesem Krieg so schwer leidet. Wer was nmn bei -dem deutschen Volk auch nach einer Kriegserklärung Italiens ver­gebens suchen wttd — das ist irge nid ein Gefühl von Angst, Sorge und Furcht um die Ankunft.

Wir haben den uns von Rußland, England und Frankreich aufgezwungenen Krieg ohne leichtsinnigen Siegestaumel ausgenommen, aber voll ernster männlicher Siegeszuversicht. So ist es auch jetzt erst recht. Wir wissen Italiens kriegerischen Kräfte zu schätzen, von denen wir drei Jahrzehnte hin- durch im Vertrauen auf eine ehrliche Bundestreue an- nahmen, daß sie, wenn die Entscheidung einmal für oder gegen Deutschland lauten sollte, an unserer Seite im Kampf stehen würden. Wir würden heute uns selbst wiberfpvechen, wenn wir plötzlich die italienische Kriegs­macht in ihrer Bedeutung zu verkleinern suchen wollten. Italien hat beachtenswerte 'Säreitkräfte einzusetzen, die im Vorstoß gegen Österreich, im Vordringen an Frankreichs Sette an der Westgrenze Deutschlands und nicht zuletzt an den Dardanellen oder in Ägyp­ten der Türkei gegenüber sich bemerkbar machen kön­nen. Dies zu sagen, bedarf es keiner besonderen mili­tärischen Kenntnisse. Ein Blick auf die Landkarte zeigt es. Wer der Buck auf unsere MilibärmLÄt iwd die unser« Verbündetem sagt nt düs.

Er gibt uns die ruhige Zuversich t, daß wir auch diesen neuen Feind nicht zu fürchten brauchen, als wäre mit seinem Eingreifen in -den Krieg uns der zu­versichtlich erwartete Sieg schon entrungen oder auch nur ernstlich in Frage gestellt. Gerade die kriege­rische Entwicklung dieser letzten Wochen, seit Be­ginn -des M a i m o n a t s, hat eine für uns und unsere Verbündeten so günstige Kriegslage geschaffen, daß unser endgültiger Sieg wohl zeitlich ver­zögert werden kann, über uns doch nicht ent­rungen werden wird.

Nicht nur die Riesensiegesbeute in Galizien weist darauf hin, welche Verluste Rußland erlitten hat. Wett mehr bedeutet -das unaufhaltsame Zurück­fluten der russischen Heeresmassen aus Galizien. Auch in P o l e n und im N o r d o st e n ist unsere Lage vortrefflich, und die lächerliche Aufbauschung kleiner russischer Erfolge von rein lokaler Bedeutung zeigt am deutlichsten, welcher Beruhigungsmittel das russische Reich bedarf, um sich über die u n g ü n st i g e Lage hinwegzutäuschen. Ein ähnliches Bild bietet der W e-st e n. Das Triumphgeschrei der svanzösifchen und englischen Presse, als wäre es bei Apern, bei Neuve Chapelle oder gar in der Gegend nördlich von Arras gelungen, die deutsche Front zu durchbrechen, verhallte wirkungslos an der Tatsache, daß auch hier vorüber­gehende örtliche Erfolge das Scheitern der gr oß- angelegten O f"f en s iv e der französischen und eng­lischen Heerführer nicht auf die Dauer in Ab­rede stellen können. Die deutschen Haupt- kräste stehen in einer festen Linie, die von dem Ansturm der Feinde nicht im entferntesten er- s chü tte rt worden sind. Und ist es bei den Ddard a- neilen anders? Ein Angriff um den anderen fft ab­geschlagen. Ja — Wetter: der bisher bald zehn Monate dauernde Krieg hat die Ohnmacht des Drei­verbandes erwiesen, deutsche und österreichisch-ungari­sche oder auch türkische Gebietsteile dauernd zu besetzen. Dagegen sind Polen im Osten, Belgien und ein beträchtlicher Teil Frank­reichs im Westen in den festen Händen unserer und unserer Verbündeten Streit­kräfte. Das gibt uns ein folö^s militärisches und politisches Übergewicht in diesem Krieg, daß auch ein neuer Feind die Hände davon hätte lassen sollen, uns die errungenen Siegespreise entwinden oder verkleinern zu wollen, wenn er nuchiMr Überlegung und nicht blinder Volksleidenschast hätte folgen wollen. Der Eintritt Italiens in die Reihe unserer Feinde schreckt uns nicht. Italien mag zusehen, ob es an der unvermeidbaren Niederlage des Dreiverbandes teil­haben und sich damit um die friedlichen Ge­wiunebringen will, die ihm von Österreich-Ungarn angeboten und van Deutschland feierlich verbürgt wor­den sind.

*

Die Hetze gegen den Fürsten Bfiloto.

W. T.-B. Rom, 20. Mai. (Nichtamtlich.) Der bekannte Historiker ®u«tteImo Ferrero, der tot dem Krieg in Deutschland trotz seiner Hinneigung zu Frankreich viel zu sehr gefeiert worden ist, richtet im radikalen Mailänder „Secolo' wütende Angriffe gegen den Fürsten Bü l aw, der selbst vor den Mitteln nicht zurückschrecke, mit denen die Diplomatie älter Zeiten in Bvzanz gearbeitet hat. Die „Iden Nationale" veröffentlicht eine apffr eiz e ftd e Karikia- tur, auf der die abgeschnittenen Kopfe von Gia- litti und Bülow auf Stangen nebeneinander aufgespietzt sinh. Andererseits warnen fdfcft deutschfeindliche Blätter, Bülow wegen seiner Haltung anzugreisen. Sr hade als Deut­scher nur seine Pflicht getan, wenn er für die Jntercffen seines Landes energisch eingctreten sei. ■—• Der Abgeord­nete g die c der irredentistischen und kriegszefinnten Sozia­listen, ist als F r e i w i l I i e e t in das 4. Infanterie-Regi­ment eingetreten. — Alle römischen Zeitungen »rucken die Rede des deutschen Reichskanzlers und des Grafen Tis za ab. „Popolo Romano' mit Zustimmung, Pie übrigen Blätter zunächst ohne Kommentar.

Oer 3ug für VLlow bereit.

Br. Lugano, 20. Mai. (Eig. Drahtzbericht. Ktr. Bin.)

Der Botschafterzug, der den Fürsten Bülow und das Personal der Botschaft sowie die bayerische Gesandtschaft über die Grenze bringen soll, ist zu- s a in m e n g e st e l l t. Es scheint, daß auch die Ge­sandten beim Vatikan, v. Mühlberg und Baron Ritter, mitfahren werden.

Oes ttönigs Schuld.

Br. Basel, 20. Mai. (Gig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die „Basler Nachr." melden aus Rom: Der König selbst habe

bk *5-«t4 e r b e n t i o u gewünscht, darum habe er von Giolitti,

der sonst stets sein Vertrauen genossen, nichts wissen wollen. Die Lösung der Krisis sei in durchaus konstitutio- neller Weise erfolgt. Der König habe die führenden Par­lamentarier an gehört, Giolittis Berufung aber hatte den: Lande die Revolution gebracht.

Die Verlegenheit um den nutzeren Knlah. ' 1

Br. Berlin, 20. Mai. (Eig. Drahtibericht. Ktr. Mn.) Ob­gleich der heutige Dag mit seinen beiden Sitzungen in Kam­mer und Senat die eigentliche Entscheidung Mer den Krieg bringen wird, steht die Form des Kriegsibeginns noch nicht fest. Über diese Frage haben die Italiener einstweilen noch den Schleier des Geheimnisses gebreitet. Man wird, so meint der „L.-A.", vielleicht.ein plötzliches Losgehen der Ge­wehre an irgend einem Punkte der Grenze für vorteilhaft halten, und für diesen Fall schon die .entsprechenden Weisun­gen habe ergehen lassen. Das entscheidende Ereignis kann schon heute, vielleicht in unmittelbarem Anschluß an die Kam- mersitzung erfolgen. ES kann sich aber auch noch um einiges hinziehen.

Br. Lugano, 20. Mai. (Eig. Drahtberichi. Ktr. Bln.) Nach dem Mailänder „Sera" beabsichtigt die italienische Re­gierung, der gegenwärtigen Lage ein Ende zu machen durch Vorlegung einer diplomatischen Rote in Wien und gleichzeitige Zurückziehung der italienischen Bot­schaft her der österreichisch-ungarischen Monarchie.

Oie Niederlage der Friedensfreunde.

Br. Lugano, 20. Mai. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Eine ganze Anzahl von italienischen Abgeordneten ist bereits freiwillig in die Armee eingetreten, darunter viele Sozialisten und Republikaner. Beppino Gart- baldi erhält ein Kommando tnt .Heere. Auch die „Con­cor d i a", die letzte deutschfreundliche Zeitung Roms, erklärt in einem Artikel, am Vorabend der Eröffnung der Feind­seligkeiten sei es ihre Pflicht, das Vorgehen der Regie­rung gegen Deutschland loyal zu unterstützen. Die sozialdemokratische Partei hatte in Bologna zwei große Proteswersammlungen gegen den Krieg einberufen. Die Parteileitung sagte diese Versammlungen plötzlich auf Wunsch der Behörden ab.

d'Knnunzios Kudienz beim NSnig.

Ein theatralisches Telegramm des Dichters.

Br. Lugano, 20. Mai. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Über den Empfang d'Annunzios beim König in der Billa Ada wird noch berichtet: Der König begrüßte den

Dichter am Parktor und überhäufte ihn mit Worten großer Herzlichkeit und Bewunderung. Daun ging der König mir dem Dichter fast eine Stunde lang im Park spazieren. Der Dichter, will nichts sagen, was der König mit ihm sprach. Er war von der Unterredung ganz hingerissen. Der Pariser „Gaulois" veröffentlicht ein begeistertes Telegramm d'Annunzios: Die. Schlacht ist gewonnen. Ich habe

vom hohen Kapitol aus zu einer unermeßlich begeister­ten Volksmenge gesprochen. Die Glocken läuten Sturm und die Rufe des Volkes dringen zum schönsten Himmel der Welt empor. Ich bin trunken vor Wonne. Nach dem französischen Wunder werdet ihr das italienische Wunder sehen.

Einberufung der Italiener in der Schweiz.

Br. Zürich, 30. Mm. (Eig. Drochfföericht. .Ktr. Mn.) Die itiÄienffchcn Konfuilate der Schweiz erhielten gestern den-all- gemernen Einberufungsbefehl für die heeres- pflichtigen Italiener.

Einstellung des gesamten italienischenSeeverftehrs

Br. Zürich, 20. Mai. (Eig. Drcchtibericht. Ktr. Mn.) Über Lugano wird gemeldet: Seit 16. Mai verläßt kein Schiff der italienischen Handelsflotte die italienischen Häfen. Die italienischen Reedereien haben den Fracht- Und Personen­verkehr aus den italienischen Häftn auf Befehl der Regierung eingestellt. Genua wurde erneut für die neutajfe Handels­schiff ahrt gesperrt.

Ueberwachung des Postverkehrs.

Br. Genf, 20. Mai. (Eig. Twahtüericht. Ktr. Mn.) Wie das „Jmwiial" aus Chiasso meldet, sind am 17. Mai, abends, für sämtliche Brief- und Postsendungen aus Italien militärische Überwachungsstellen bei den italienischen GrenKÜbeugabestellen eingerichtet worden. Die italienische Past hat die Beförderung v e r sch l o s.s e n e r Briefe von und nach dani Ausland amr gleichen Tage e i n g c - stell t.

Lin englisches Knsinnen an den Papst.

Br. Zürich, 20. Mai. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Von einer Seite, die als sicher unterrichtet gelten kann, ver­lautet, daß die englische Regierung dem Papste den Antrag gemacht habe, für die Dauer des Krieges nn ch England zu übersiedeln, wo die Regierung einige Mil­lionen Lire zur Bestreitung der Kosten seines Aufenthaltes zur Verfügung stellen werde. Es versteht sich von selbst, brj der Papst dieses Anerbieten a h-g est-echm'tHat.