UifsliaiWr Sagblatt.
4». Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgabe«. — Bezugs-Preis: durch den Verlag 5«* Psg- monatlich, durch dre Bost 2 Mk. SO Pfg. vrertel>ahrlich für berde Ausgaben zusammen.
Verlag: Langgasse 27.
Ab«,mente».
Anzcigen-Preis:
Die einspaltige Petitzcile für locale Anzeigen 15 Pfg.. für auswärtige A,»eigen 25 Psg. — Rcclamen die Petitzcile für Wiesbaden SO Pfg., für Auswärts 1 Mk.
__ — -------—-.. Nitz 3 Ubr Nachmittags. — Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur
Anzeigen-Ann al-me MgÜSJggg jedoch nach Mögtichi-i- Sorge getragem---—-
47. Redaktious-Ferusprecher N°^W-Nst a-, d-N »S. ?-«««-. _ Verlags-Fernsprecher No. 2206. 1901^
Mitglieder der JnternationalenPressevereinignng werden die hierbei zu überwindenden Schwierigkeiten wahrschem- lich sehr viel geringer einschätzen, als sie thatsächlich sind. Umso besser weiß man bei uns, daß Graf Bülow, wenn er die Aufgabe übernehmen wollte, immerhin auf ansehnliche Hindernisse stoßen würde. Andererseits kann man sich vorstellen, daß es das lebhafte Interesse des Kaisers erwecken würde, init hervorragenden Vertretern der Presse, sowohl der deutschen, wie der ausländischen, m flüchtige Beziehung zu kommen. Sollte der Kongretz in Berlin stattsinden, so würde es wohl im September geschehen. * *
Morgen-Ausgabe«
Allerlei aus England.
Unser Londoner u-Korrespondent schreibt uns:
Durch königlichen Erlaß wurde den Unterthanen Eduard VH. befohlen, um der verstorbenen Königin Dillen tiefste Trauer anzulegen. Das klingt recht wnder- bar iin Lande der Freiheit, wo man gewohnt rst, da» gekrönte Oberhaupt desStaates als einen harmlosen -uxu»
-u betrachten, den sich das reichste Volk der Erde au» Vorliebe für das Alte wohl gestatten kann. Aber man gehorchte mit Begeisterung, imd e» rst kaum zu vrel gesagt, daß in der Hauptstadt Jeder, vom Zertungssungen in der City aufwärts, ein oder das andere äußerliche Zeichen der Trauer angelegt hat. Die Presse wre offen - !liche Redner ivetteifern noch immer darin, die Tugenden der hohen Todten zu preisen, aber natürlicher Weise müssen sie ihre Aufmerksamkeit fetzt auch dem Könige zuwenden Was da nur auf einnrgl aus dem Austigen Prinzen geworden ist! Es giebt Leute dre ganze lange Spalten über seine hervorragendenEigenschaften schreiben können. Aber man dürste doch auch nimmermehr fene- wunderliche Pflänzchen, Loyalität, mrt der «roßen alten Frau zugleich sterben lassen, denn sie bildet da» Funda- nwnt des monarchischen Staates, -ondon befindet sich nach wie vor in eiiiem förmlichen Taumel, denn die Cere- monien, die Empfänge, Besuche und Schaustellungen mit königlichem vder städtischem Pomp nehmen gar kein Ende Am Donnerstag wurde d?r City em Schauspiel bereitet, das recht wenig zu der Umgebung, den nüchternen großen Gesllaftshausern, und ^euten m moderner Gewandung patzte. Königliche Herolde mit silbernen Trompeten und seidnen Bannern verkun^ten kiämlich an verschiedenen Punkten der Stadt die Thronbesteigung König Eduard VII. Es geschah das in früher Morgenstunde, lange ehe der eigentliche Verkehr in der City begann, denn die Polizei furchtet sich seit d^.n Empfange der südafrikanischen Freiwilligen vor größeren Menschenansammlungen. Ein Nachtschwärmer, der den Herolden etwa in der grauen Morgenstunde begegnet wäre, hätte vielleicht denken können, datz die Spieltarten lebendig geworden seien, die er soeben m fernem Klub verlassen hatte. Die Aufrechterhaltung solcher alten Gebräuche in den Tagen der Zeitungen mit täglich fünf bis secbs Ausgaben geht natürlich ohne em bischen Maskerade nicht an. Auch im Parlamente, dessen beide Kammern am 25. ds. zu kurzer Sitzung zusammen.raten, scheint solche noch immer unerläßlich zu sein. La tummeln sich bei derartigen Gelegenheiten gar sonderbar gekleidete Männlein, die oftmals höchst wichtig seltsame Geräthe mit sich umher tragen, gerade als ob davon das ganze Wohl und Wehe des Staates abhinge. Das Parlament versammelte sich um die Botschaft des Königs m Empfang zu nehmen, in der er dasselbe von dem Ableben der Königin Viktoria in Kenntniß setzt. Nicht etwa, daß
Feuilleton.
Ans Kunst und Leben.
— Lehrer-Gesangverein. Das zweite Konzert fand am Samstag Abend im Kasinosaal statt. Das Programm wies manche intereffante Novitäten auf. Zuerst hörten nur das „Oomine salvum fac regem" — das im Hinblick auf die hohe Geburtstagsfeier vortrefflich gewählt war. Es wurde, ebenso wie das folgende „Morgenlied" von Rietz, stimmungsvoll und klangschön vorgetragen. Nur schien uns im genannten Lied das letzte Tempo etwas zu früh beschleunigt, sodatz für den Schluß keine rechte Steigerung mehr übrig blieb. In Zöllners „Belsazar" wurden die nicht geringen Schwierigkeiten fast durchgängig mit größtem Geschick überwunden, sodaß der Charakter der Komposition klar und eindringlich zu Tage trat. Zwei ansprechende „Trompeterlieder" von E. Kremser (nach Scheffel'schen Texten) hinterlietzen sehr erfreulichen Eindruck, zumal auch die obligate Trompeter-Partie in Herrn Kammermusiker Werner einen treffli ben Vertreter fand. Sämmtliche Chorvorträge wurden von der zahlreichen Zuhörerschaft mit wohlverdientem Beifall ausgenommen. Als Solistin trat Fräulein Emmh K l o ck e (von hier) auf. In der Arie der Andromache aus Bruchs „Achilleus" wußte sie für die wechselnden seelischen Vorgänge den rechten Ausdruck zu finden; gern hätten wir der Stimme in der tiefen Lage noch etwas mehr Fülle gewünscht. Zwei neuen, effektvollen Liedern von H. SpaNijenberg verhalf die Künstlerin zu gutem Erfolg, und ließ auch in den bekannteren Gesängen von Goldmark, Dorn (aus besten nach Volksweisen bearbeiteten „Italienischen Liebes- lledern") und d'Albert (das stets einschlagende: „Drossel und Fmk") — eine reiche, stimmliche Begabung und vorzügliche Schulung erkennen. — Eine ausgeführtere Instrumental- Nummer: die „Schilflieder" von A. Klughardt, denen wir schon an einer anderen Stelle begegnet sind, wurden auch diesmal von denselben Künstlern Herren Spangenberg,
Eduard VII. irgendwelchen Zweifel hegen konnte, daß ein oder das andere Mitglied der beiden Kammern dre Trauerknnde nicht vernommen haben könnte, nein, es handelte sich wieder nur um eine uralte Sitte. Namentlich das Unterhaus war sehr stark besetzt, und es entging nicht der allgemeinen Aufnrerksamkeit, daß sogar dre Socialisten und Iren Trauer angelegt hatten. Es rst das im höchsten Grade bezeichnend, denn Männer wre John Burns und Keir Hardy sind keine Freunde „von Monarchen, und würdeir gewiß keinenAugenblick gezögert haben eine Ausnahme von der allgemeinen Regel zu bilden, hätte ihnen das ihre Hochachtung für die große Verstorbene nicht verboterr. Bezüglich des neuen Königs und desteir, was von ihm zu ermatten steht, schrieb neulich die „Daily Mail", ein ausgesprocheires Jingo-Blatt, daß -so lange er sich nicht in politische Angelegenheiten zu mengen versuchte. Alles grit gehen würde. Unter Anderem sagte es: „Die Politik liegt außerhalb des Bereiches
König Eduards VII., rind der Umstand, daß er als Mitglied des Oberhauses nie eine thütige polrtrsche Rolle spielte, beweist seinen Takt. Allerdings nahm er großes Interesse an dem Schwägerin-Ehegesetz, aber ferne Befürwortung desselben ist für die Regierung ungefährlich.
Deutsches Reich.
Internationaler Preffckongrcß.
Auf dem Internationalen Pressekongreß, der während der Weltausstellung in Paris tagte, ist der Wunsa, ausgesprochen worden, daß der Ort der nächsten (diesjährigen) Zusammenkunft aus deutschem Boden gelegen sein möge. Die Versammlungen der Internationalen Pressevereinigung haben bisher zweimal in Frankreich, sodann in Belgien, Ungarn, Schweden, Portugal s und Italien stattgesunden; es wäre deshalb nur natürlich, wenn diesmal Deutschland den Kongreßort stellte und der in dieser Beziehung in Paris ausgesprochene Wunsch ist umso bemerkenswerther, als er ein wesentliches Nachlassen der unfreundlichen Stimmung der französischen Presse gegen Deutschland bedeutet. Es will denn doch etwas sagen, wenn sehr angesehene Vertreter der französischen Publizistik keine Bedenken mehr tragen, als Gaste in offizieller Eigenschaft auf deutschem Boden zu erscheinen. Ob der diesjährige JnternationalePressekongretz nun aber wirklich bei uns, also in Berlin, wird statl- finden können, das hängt doch noch von anderen Faktoren ab auf die in der Wochenschrift „Das Recht der Feder" in beachtenswerther Weise aufmerksam gemacht wird. Der Kongreß wird nämlich nach Berlin nur eingelaoen werden können, wenn der Reichskanzler demUnternehmen das erforderliche Wohlwollen entgegenbringt. Ueberaü, Ivo diese Kongresse bisher tagten, sind die Mitglieder vom Staatsoberhaupt empfangen und von der Regierung officiell begrüßt worden. Es wäre eine, unliebsame Neuerung, wenn die Internationale Pressevereinigung auf solches nunmehr schon gewohnte Entgegenkommen gerade in Berlin verzichten niüßte. Die auswärtigen
Sadony und Schwartze virtuos gespielt und bildeten «ne dankenswerthe Bereicherung des Programms. Dem Konz,, folgte ein stark besuchter Ball. , , , ' c *i'.
* Musikalische Unterhaltung. Die Pianistin, Organistin und Gesanglehrerin Fräulein M. Bouffier veranstaltet am Donnerstag, Abends 71/2 llhr, im Saale de» „Katholischen Lesevereins" (Luisenstraße) mit ihren Schülern und Schülerinnen eine musikalische Aufführung. Das Programm ist reichhaltig und geschmackvoll zusammengestellt. Es kommen u. A. Trios und Quartette für Klavier und Harmonium, Violine und Violoncello von Rubinstein, Saint-Saöns, Duos fiir_ Klavier und Harmonium aus Parcisal und Favoritin, Klavier- und .iiarmonium-Piecen zum Vortrag. Ferner werden 3- und 4-stimmige Chöre mitG'sangsoli, Duette, Terzette von Mendelssohn und Rossini - ungen werde». Der Eintritt ist für Freun^' "nd Ji>. lstenten frei, und ausführliche Programme sind i Musikalienhandlungen der Herren Schellenberg
(Kircbgunc, . nd Ernst (Saalgasse) zu haben.
* Frankfurter Stadttheater. (Sprelplan.) Opernhaus. Dienstag, den 29. Januar: „Der Barbier
von Sevilla". Rosine: Fräulein Elisabeth Wagner vom Großh. Hoftheaier in Karlsruhe als Gast. Hierauf: Ballet-Divertissement. Mittwoch, den 30. Januar. Nachmittagsi 3% Uhr. „Sneewittchen und die sieben Zwerge". Abends 7 Uhr: „Die
Geisha". Donnerstag, den 31.: „Die Zauberflote. Königin der Nacht: Fräulein Elisabeth Wagner vom Großherzoglichen Hoftheater inKarlsruhe als Gast. Freitag, den 1. Februar: Geschlossen. Samstag, den 2.: „Der fliegende Holländer. Sonntag, den 3.. Nachmittags 31/2 Uhr: „Sneewittchen und dm sieben Zwerge". Abends 7 Uhr: „Der Barbier von Sevilla . H'-rauf: Ballet-Divertissement. Montag, den 4.: Geschlossen., Dienstag, den 5.: Der fliegende Holländer". — Schauspielhaus.
Dienstag," den 29. Januar: „Maria Stuart". Maria Stuart: Fräulein Rottmann als Gast. Mittwoch, den 30.: „Zaza. Donnerstag, den 31.: „Flachsmann als Erzieher'. Freitag, den 1. Februar: „Madame Sans-Gsne". Samstag, den 2., zum ersten Male: „Die Schule der Ehemänner". Lustspiel in 3 Akten
* Fürsten als Grundbesitzer in Preußen. Nach der neuesten amtlich beglaubigten Zusammenstellung der fürstlichen Besitzungen in Preußen hat der König nicht weniger als 83 Güter im Gesammtumfcmge von 98,740 Hektar und 650,631 Mk. Gruiidsieuerretnertrag. Es folge» der Fürst von Pleß mn 76 Gütern (60.112 Hektar und 324.042 Mk. Grundsteuerreinertrag), der Herzog von Ujest mit 62 Gütern (39,742 Hektar und 233 701 Grundsteuerreinertrag), der Herzog von Ratibor mll öl Gütern (33,096 Kektar und 274,627 Mk. Grnndsteuerrem- ertraq) und schließlich der König von Sachsen Mit 50 Gütern die einen Umfang von rund 31,000 Hektar aufweisen. „Die ub- rmen fürstlichen Fideikommißbesitzer in Preußen begnügen sich mit einer weit geringeren Anzahl von Besitzthümern, doch ge- hört zu manchem Gut eine ganz kolossale Menge von Wald und
^ lb * Krupp'sche Geschütze au England. Wie das „Allgemeine Nachrichten-Bureau" hört, hat hie Firma Krupp an die maßgebenden Stellen Berlins brieflich die offizielle Mn- th-ilung gelangen lassen, daß sie sich bisher den Wünschen der Regierung gefügt und die Geschützlieferungen an England sistirt habe, daß sie sich aber für die Folge nicht mehr an diesen Wunsch kehren, sondern Aufträge von Geschütz- und Waffenlieferungen an England ausführen werde. Den Anlaß hierzu hat offenbar der Umstand gegeben, daß andere Firmen trotz des Verbots der Regierung Waffenlieferungen an England bis in die neueste Zeit ausgeführt haben.
Ans tztadt und Land.
W i e s b a d e n, 29. Januar.
— Kaiser-Panorama. In dieser Woche wird in ab- wechSlunasreicher Zusammenstellung die Kaiserreise von Kiel nach Norwegen vorgesührt. Sie bietet in naturgetreuer Wiedergabe unter Anderem Segelfahrten, Blumenkorso zu- See Kriegsschiffe im Dock und in Fahrt, worunter auch da- im vorigen Monat am spanischen Gestade untergegangcne Schur- schiff Gneisenau", mit deutlich erkennbaren Offizieren und Mannschaften, sowie Kaiser Wilheln, mit Gefolge inmitten „der herrlichen Scenerien Norwegens in verschiedenen, hochg interessanten Posen. Der Besuch dieses Kunst-Instituts lanu nur empfohlen werden.
— Unbestellbare Postsendungen. Nach der von dem
Reichspostamte veröffentlichten Statistik für das Jahr 1899 m- träat u A. die Zahl der bei den Oberpostdirektionen unbesteu- bar behandelten Postsendungen 2,022.912 Stück; hiervon konnten an den Aalender zurückgegeben werden 984,7o2 Stuck, sodass,
von Molitzre. In deutschen Versen von Ludwig Fulda. Hierauf:
Liebelei". Sonntag, den 3., Nachmittags 3M> Uhr: ^Flachs- mann als Erzieher". Abends 7 Uhr: „Johannisfeuer . Montag, den 4.: „Schule der Ehemänner". Hierauf: „Liebelei.
* Eine Bärengcschichte. Unser Londoner Korrespondent schreibt uns: Di- Londoner Aristokratie lacht augen
blicklich Uber eine Geschichte, die, wenn sie vielleicht auch nicht wahr ist, doch zu den gut erfundenen gehört. Lord Curzon, der Vicekönig von Indien, hat sich nämlich einem cm dit zufolge in der Umgegend von Bombay ein- — Bäreniagd geleistet. Dieses Vergnügen entspricht ungefähr einer Tigerjagd in London oder einer Büff-ljagd in Glasgow, denn wilde Baren pflegen bekanntlick' im Reiche Brahmas nicht gerade zu den landläufigen Thieren zu achören; aber was verschlägt das dem Jagdeifer de- Schwiegersohnes eines Millionärs stärksten Kalibers, ww weiland des Herrn Getreidespelulanten Leiter in Rew-Dork? Außerdem hat es aber die schöne Ladt) Curzon wohl gereizt, ein- mal einen bear (Baissier) zu jagen, wo ihr Herr Papa immer der erste unter den dnlll (Haussiers) war. Kurzum: Lord Curzon gab bei seinem letzten Besuche in Bomoay den Wunsch zu erkennen, in den Bergen auf die Bärenjagd zu gehen und der Gouverneur versicherte, nichts sei leichter, wie das. wenn er auch zunächst nicht wußte, wo er den Bären herschaffen sollte. Da kam ihm ein rettender Gedanke. Im zoologischen Garten in Bombay befand sich ein dort geborener schwarzer Var von sanftester GemüthSart. Dieser wurde requirirt und nächtlicher Weile beim Scheine einer kleinen Laterne auf Schleichwegen nach einer Lichtung im Wald- geführt, wo vorher em Feuer an- gezündet worden war. Sobald der Tag anbrach, entfernten sich die Wächter und ließen Meister Petz allein der sich in der Morgenkühle sehr wohl fühlte und seinem Behagen durch an- haltendes Brummen Ausdruck verlieh. Plötzlich er chienen die hohen Jagdgäste gut gerüstet und voll Todesverachtung. Nur der Gouverneur zitterte vor Angst, der Bar könne Männchen machen und mit dem Kopfe wackeln, das einzige Kunststuck, was er gelernt hatte, um sich in die Gunst des Publikums em- zuschmeicheln. Obwohl nun der Schwarze wegen seines gewöhn-
