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Wiesbadener Tsgblm

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4». Jahrgan«.

Erscheint in zwei Ansgaden. - BezugS-P«». durch den Verlag s» Pst- m°n°tttch, durch die Post 2 Mk. L« Pfg. vierlei,ahrllch sur vetve Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

Kvonnenten.

für Istlswltrts 1 Mk.

* Daß wir zu dieser Ansicht gelangen mußten, hat uns wahrlich keine Freude bereitet. Ganz abgesehen von all-

.... ...—-—-;—7. m „* m :u nnR „ Mir die Aufnabme spiiter eingereichter Anzeigen zur

1 28. den 17. I«n..ar. —

---- -- ■- '"■-. TTT:^., ....»« Mt: „Wer ist ein Christ? Wer an die Gottheit Christi

glaubt, wer anbetend vor der Krippe medersmkt und das Kind als den menschgewordenen Gott anbetet . . Me Randbemerkung dazu lautet: „Oho! Ehrrft rst der, de christlich denkt unb fühlt und handelt". Eme bedenklich^ Verschiebung des Thatbestandes finden wir schließlich noch in der Kadenz der Gegenschrift, welche lautet. „Viele Seelen werden Schaden nehmen. Wehe dein, der .lerger- mß giebt!" Dazu ist zu bemerken, daß durch Aergerniß erregende Fragen bei der Beichte zweifellos tausendniÄ mehr Seelen Schaden nahmen und nehmen, als durch die öffentliche, in berechtigtem Interesse erfolgte Aufdeckung der Thatsache, daß solche Fragen gestellt werden. Das Wehe dem, der Aergerniß giebt!" gleitet also an Graß- mann ab und fällt auf die eigentlichen Aergernißerreger

Doch genug davon, lieber alle das Für und Wider

Aur Frage der Graßmann^SralüMre.

ii.

Kommen wir nun zu dein „Düig an sich : ,,Wi>8 will Graßmann in seiner Schrift?" Er stellt die sogenann e Moraltheologie des heiligen Alphon» von Mignon, ba im Jahre. 1787, 91 Jahre alt, starb, und dessen Wert von ben Bimsten Pius IX. und Lea XIII. ex cathedra, eil» Norm für die römisch-katholische Kirche sanktionirt worden sei (Keller berichtigt, daß sie es nur dringend emvsthlen), als ein mehr als unmoralisches Werk an den Pranaer indem er eine Blüthenlese daran» un lateirüschen Originaltexte und in seiner lieber,etzung zum Besteri giebt und seine Schlußfolgeriingen daraus ziel t.

Er sagt nach dieser Moraltheologie (m welcher u.A. sitt­liche Vergehen imd Verbrechen ausführlich bchchr.ebrn

werden und die bedenklichen Fragen enthalten find, welche

nach jenen Vorschriften gestellt werden sollen), daß der

V-i'E- Recht und i°°->- die PMcht »ab- "

oder Mädchen zu fordern, m der Beichte da» auszusagen, wa^ sie seit ihrer Taufe irr geschlechtlicher Beziehung ge­dacht und geWn hätten. Was die von Gott emgep tanzte Scham ihr verbiete, irgend Jemand zu lagen, da» soll die Frau einem unverheiratheten Priester unter vierAugen ins Obr sagen, und dieser Priester habe das Rocht und die Pflicht sogar nach geschlechtlichen Sünden zu fragen,

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dürfe Nicht selten wurden fo die schamlosesten Fragen

vom Priester so Frauen, als Mädchen vorgelegt und

diese dadurch mit Sünden bekannt gemacht, welche ste gar nicht kannten oder kennen konnten. So werde vielfach dw Schani gebrochm und verletzt. Für ,eden kathollschen Familienvater, welcher Frau °ber Tochter vor stttüchom ?^all oder Verderben bewahren wolle, sei e» do»halb nn bedinat nöthig, jene unverschämten Fragen jll kennen, welche im Beichtstuhl gestellt werden konnten von emem welcher es in der Gewalt habe, bei -sciw Beantwortung der Fragen Absolution und Abendmahl zu verweigern (also einen bedeutenden Gewissenszwang au»- 2en) Die Proben, welche der Verfasser nun tn Liguori'schem Originaltexte und m senm Uebersetzung nipM sind allerdings derartige, daß ste reine Freude bereiten können. Der Laie kommt au» dem Staunen darüber gar nicht heraus, wie em L»r CH N? fpit aezwunaener Priester, der doch da» Getuvoe oer Keuschheit abgelegt hat, überhaupt öur Kenntmß von ge­schlechtlichen Dingen kommen kann, von denen man«) selbst dem erfahrensten Rou6 über die Hutschnur gch dürften Und nicht mir Liguon, sondern auch andere bekannte katholische Theologen citirt Graßmann unb zieht aus dem Mitgetheilten seine Folgerungen und Schlickst' um dann zu einer flammenden Dernrtheilung de» In­stituts der Ohrenbeichte zu komnien mit der klar liegenden Nebenabsicht/ernste Christen dem Zwange des Papismus, dem Zwange der römischen Priesterherrfchaft zu ent-

b'^Die Schrift Graßmaiins würde aber ihre beabsichtigte Wirkung noch mehr thun. wäre sie weniger geschrieben, wäre ste mehr aus einein Gusse und van eme zündenden Beredt amkeit erfüllt. Das technische Ungeschick des Verfassers springt dem Btanne von Fach sofort m die Augen. Graßmanit ist mibeholfen in der Sprache uiid deshalb auch oft ungeschickt in der logischen Folgerung. So verfällt er in den Fehler der meisten Dlstttanten: er neiat zu Uebertreibungen und er generalisirt. Das ist uns bei der Lektüre sogleich ausgefallen und wir haben an inanche feiner Thesen ein Fragezeichen 6asttzt, <p - einem Satze wie: „In der rouuich-ka holckchm Knche

kennt kein Papst, kein Bischof Mid kem Priester da» den Jungfrauen von Gott zum Schutze gegebene Schann gefühl." Mit solchen Sätzeii, bei denen dw Empörung mit der sachlich ruhigen und gerechten Erwägung durch-

gina hat er sich Blößen gegeben, an denen seine Gegner selbstverständlich zuerst die Zähne einsetzen, ,e weniger sie seiner Sache ins innerste Lebeir zu dringen vermögen. Trotz aller in die Augen springenden großen Schwächen der Graßmann scheu Schrift kann sich aber kein llnbetheiligter und ruhig Prüfender dein Ein­druck entziehen, daß Graßmann m der Sache in allem Wesentlicheii Recht hat i„id daß ferne Anklage und fern

Urthöil nicht ungerechtfertigt sind. Auf diesem Stand­punkt stehen denn auch die Gerichte, dre man natürlich al»- bald gegen den „Religionsstörer" zu Hülfe gerufen ha st, der Absicht, den Unbequemen in seinen Schriften mnno- todt zu machen. Es hat nichts genutzt. -,e beschlag­nahmten Schrifterr hat niaii sreigeben müssen, oder, wo sie als eine Beschimpfung der katholischen Kirche ausgefatzt wurden, hat man bet dem Verfasser deir „guten Glauben gerichtsstitig anerkannt. Soweit unsere Ansicht über Graßmaiins Schrift.

wakirnm reine oieuue uerru«. — - -

«mein ethischen Gründen hätte aus rem persönlichen dem Schreiber dieser Zeilen nichts erwünschter sem können, afi daß Graßlnann sich recht gründlich geirrt habe daß er m Wirklichkeit das sei, was manche geistliche Gegner ge- flissentlich aus ihm rnacheii wollen, ein von Unwissenhell, Gemeinheit und lliiehrlichtlut strotzenderFenidderkaiho-

ttschen Kirche. Erfüllt von dem lebhaften Wunsche, daß er gründlich widerlegt werden möge, haben wrr, nachdem wir die ersten Seiten der Keller'schen Gegenschrift gelesen, in vorschneller Freude schon eine gewissermaßen zu­stimmende Notiz zu der Gegenschrift gebracht, ganz außer Erwägung lassend, daß der geistliche Gegner soglenq Mit den unsachlichen Mittel der Hetzkaplanpresst begann, den Gegner zu verkleinern und zu beschimpfen, für oen Psychologen schon ein Anzeichen, daß er seuwi Sache innerlich nicht so sicher war?) Verdächtig ist auch, daß bei aller Anerkennung des Heiligen dieser doch sogleich ern wenig von den Rockschößen abgeschuttelt wird. Man weist auf die äußerst geringe Verbreitung seine» Werke» bin und macht einschränkende Bemerkungen. Es ist zweifellos richtig, daß Liguoris Werk unter dcr Oeistlich- keit trotz der päpstlichen Empfehlung wenig bekannt ist und wenig studirt wird, und wir glauben es gerne, daß foinit die angefochtenen Veichtfragen Llguori» selb.^ selten gestellt werdeii. Sehr tröstlich aber wäre e» uns zu wissen gewesen, daß dann auch ä h n l l ch e Fragei^ nicht an Beichtkinder gerichtet werdm, und wirhattene- aerne gesehen, wenn der Herr Pralat solche m\- üellmig nicht hätte vertheidigen müssen, indem er Niehn mals hervorhebt, daß auch der Arzt sie stelle, und daß der Priester ja Richter und Arzt sei. Daß derartige tragen in hundert Fällen wohl kaum einmal vorgebracht werden wie der Herr Prälat annimmt, das mag sem guter Glaube sein. Nach dem aber, was uns seil dem lediglich durch den Herrn Prälaten. Keller angerührten Graßmann-Spektakel in Wiesbaden von den glaubwür­digsten katholischen Persönlichkeiten darüber persönlich gesagt und geschrieben wurde (theils sogar unter ..ngebot einer eventuelleii Zeugenschaft), das latzt J ™ g Sckiätznng leider nicht mehr glaiiben. Cs hegt un» euisl- weilen sehr ferne, auf solche einzelne Falle einzugehen aber wir köniieii behaupten iind beweisen, daß m dei Beichte nicht etwa in Podolien und Böhmen, sehr häufig Fragen in Bezug auf das geschlechtliche Leoen von den Cölibatäreii gestellt werden, Fragen, die nach unsE Ansicht und wohl der aller Laien, mit der Erforschung einer Sünde selbst oft gar nichts zu thun haben. Dieser für »ns als feststehend geltenden Thatsache gegenüber verschlägt es nichts, daß der Herr Pralat Graß- mann eine erkleckliche Menge Fehler nachweist, gehler m der llebersetzung, Fehler in der Auffassung, rmd daß er ihn des auch für unser Empfinden häßlichen Kampfes- mittels überführt, daß er den Beichtigern der Gegenwart vier fittmlose Fragen eines ^st tausend ^ahre wBen Bischofs anfbürdet. Selbstverftandlich laßt sich' und wir können es ihni nicht verdenken, Herr vr Keller den schon erwähnten Umstand zu einem heftigen Angriff nicht ent­gehen, daß Graßmann Alles verallgemeinert^

' Im Großen und Ganzen kommen wir bei der Keller'schen Broschüre nicht über den Eindruck fort, ratz Fe wenn sie auch im Einzelnen dem Gegner manche Wunde schlägt, der A.iklage selbst doch gar keinm nennenswerthen Abbruch thut. und daß eben in dn tzarwtsache, aus die es ja einzig ankommt, Graßmann Recht behält — leider. Dabei hat sich der geistliche Widersacher Graßmaniis aber auch Blotzen gegeben. Prof Nippold hat ihm, der den Uebertragnngen Graß- manns aus dem Lateinischen so lustig mit Bemerkungen über Ouartanerhaftigkeit u dergl zu Leibe geh 'sechs einen groben Schnitzer nachgewieseii.^ Eme Menge ^e merkungen des Herrn Dr. Keller wird selbst der ober- flächliche Leser mit Fragezeichen versehem so wrrd sich b-icb ^eder bei der Aeutzerung, daß auch eur romiiaier Priester den Segen einer christlichen Ehe kenne, sagen, daß nur der die Ehe und ihre» Werth voll ermessen kann der verheirathet ist und glücklich rm Kreise seiner Neben bei Weib unb Kind lebt. Wir tonnte.i eme ganze 'Zahl von Trugschlüssen aufzahlcn, wollen aber nur noch eine Bemerkung ansuhren, welche em schlichter Mann der unser Exeniplar dertz Broschüre vor un» Ja,, unt VIeistist a» den Rmid schrieb. Ver Herr Pralat

in diesen Schriften ließen sich Bände schreiben, That­sache bleibt, daß der Warnruf Graßniamis an die kacho- lischen Väter und Gatten seine gute Begründung^ haü Aber das ist nicht Alles. Das ist nur e i n Gesich-»Mßn bei dieser Frage. Worin der Kernpunkt der ganzen Seche liegt, ob gar etwa, wie Graßinann memt, m bei Wrrn- beichte das Uebel steckt, das wollen wrr m einem Schluß-

*\ Inzwischen werden wir durch einen Artikel in dem Bim- montanen Mainzer Journal" belehrt, daß Herr Graßmann, wie in einer Gerichtsverhandlung zu Tage gekommen, m moca- llicker Beziehung selbst leineswegs einwandfrei sei und daß .

am wenigsten zum Ami- eines Sittenrichters eigne. Llbst wenn wll äL'hmm. daß die betreffenden Angaben richtig sind, hat das mit der Sache selbst natürlich gar nichts zu thun und man kann dem angegriffenen Theil gerne dw Freude laßen wenn er die Aufmerrsamkeit von der gefährlichen Waff des Gegners abzulenken strebt und auf den Gegner - bst etwa als auf einen Ritter von der traurigen Gestalt hniwerst..

der'Interesse für diese nicht unwichtige AngeleEZW bet die geringe Ausgäbe nicht scheuen, beide Schriften ordentlich vergleichen und prüfen und dann selber zst feinem U rtheil komm en.

Dkntscher Reichstag.

Berlin, 16. Januar.

A>n Bundesrathstische ein Kommissar. — Aus der Tages­ordnung steht di- Fortsetzung der Berathung über ^ GewerR- „^i»i->nnträae Der von dem Abgeordneten Albrecht unb Gl nassen '(Soc.) beantragte Gesetzentwurf will vor Allem dw - werbegerickte obligatorisch machen und .sbtzs lvompetenz - weitern sowohl personell wie materiell, nämlich auf Bewbass. Arbeiter land- und forstwirthschaftltche Arbeiter Gesmste, fousmämnsche Angestellte. Auch will der Entwurf das Ver­fahren wesentlich ändern, z. B. auch dcn^Frauen das Wahlrecht leben Mit zur Berathung steht der Antrag Trrmborn (Cenfid. welcher die Gcwerbegertchte zwar ebenfalls obligatorisch mM will aber nur für Gemeinden von mehr als 20,000 EmwMee. Der'Antrag will außerdem die Kompetenz auf veftchftdene.htch von Entschädigungsansprüchen (nämlich gesetzwidrige Em- t-agungen in Arbeitsbücher. Jnvarid-mVersicherungstartesi, Kvanlenkassenbücher sowie auf gesetzwidrige Voren.haltung dieser Papiere) ausdehnen. Ebenso will auch dieser Antrag da» Wabloerfahren ändern. — Abg. Hitze (Centr.) empfiehlt ense Resolution^ in welcher die Regierung aufgefordert wird für die Pflege des' Friedens zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern gesetzliche Bestimmungen über die Ftz^m Herbeizufuhren, m der die Arbeiter durch Vertreter, welche ihr Vertrauen besi.zen, Mi der Regelung gemeinsamer Angelegenheiten betraut und zur Wahrnehmung ' ihrer Interessen bei Verhandlungen mit den Arbeitgebern und mit den Organen der Regierimg oftahfS- werden Ein zweiter Pniilt der Resolution wünscht Erwäg­ungen auch über eine entsprechend wettere Ausgestaltung der Gewerbegerichte als Einigungsamt. Redner empfiehlt »oment M Äöben ersten Th-ilder Resolntion. Es bedürfe, nach^ dem Landwirtbe. Handwerker rc. ihre Kammern hatten, in denen sie iFire Interessen zu vertreten vermochten, auch einer gleich- arttaen °dm ähnlichen Organisation für die Arbeitnehmer - Aba B e cl (nat.-lib.) erklärt, auch seine Freunde ^wünschten ehe baldige Eiuiaung in dieser ungemein wichtigen r^rage und könnten auch dem Gedanken des Trimborn'schen Gesetzentwurfs zustimmen. Mich die Vorsckläge des Trimvorn scheu Entwurfs über das Wahkverfahren seien gemäßigt und deshalb annchm- bar Sehr erwünscht würde es ihm sein, wenn be, der Wahl

der Gewerbegerichtsbeisitzer das Proportional-Syillm accepürt wurde. - Abg. Oertel (kons.) bemerkt, die Partei semei

freunde' sei dem Anträge Tri-mborn sympathisch gesinnt und hL ihn für annehmbar. Dem Anträge Albrecht dagegen könne sie nicht zustimmen, trotzdem er auch einzelne b.auchbare Punkte enthalte?" Die land- und forstwirthschaftlichm Arbeiter und das Gesinde dürften nicht dem Gewerbegericht unterstellt werden Entschieden dagegen sei er auch, das Alter der Wahl- fähigkeit und' Wählbarkeit herabzusetzen. . Was die Resolution Hitze anlange, so stehe ein großer Theil seiner Freunde auf dem Boden dieses Antrages. Einige seiner Freunde lMten aller­dings Bedenken gegen solche Arbeiter-Organisationen, ehe nicht einer qewisien Verhetzung in diesen Kreisen Zugel angelegt seien. - Abg. v. Kardorff (Reichsp.) er hart, daß er mit einem Theil seiner Freunde auf dem Stumm schen Stalidpunkte steh und Bedenken gegen jede Ausdehnung K- Zuständigkeit der LwedbeÄtePge. Er hoffe, daß ein praktisches Reiullat^ aus dem ganzen Anträge nicht herauskommen werde. (Ge­lächter links.) — Abg. Zu veil (Soc.) tritt lebhaft für den, Antrag seiner Partei ein. Der Antrag Trimborn genüge nutzt, Er bllte. die Anträge nicht an eine Kommission zu verwei»^ sondern gleich im Plenum durÄzuLerathen. — Abg, 1««%»