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„T-gbl-tt-Hans" Nr. 6650-53.

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Bei wiederholter Aufnahme unveränderter Anzeigen in kurzen Zwischenräumen entsprechender Nachlaß.

Samstag, IS. Mai ISIS.

Morgen - Ausgabe.

Nr. 223. * 63. Iahrgang.

Der Krieg.

Der Tagesbericht vom 14. Mai.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 14. Mai. (Amtlich.)

westlicher ürtegsschauplay.

Ein weiterer Erfolg bei Ypern. Ruhiger Tag bei Arras. Gescheiterte französische Vorstöße bei Serrq-au-Sac und im Priesterwald.

Starke englische Angriffe gegen unsere vor Ipern neugewonnenen Stellungen scheiterte» unter schweren Verlusten für den Feind. An Straße Menin-Ipern gewannen wir in Richtung Hoog weiter Gelände. In der Gegend südwest­lich Lille griff der Feind nach starker Artillerie­vorbereitung nur an einzelnen Stellen au. Alle An­griffe wurden abgewiesen.

An der Lorettohöhe und nördlich Arras ver­lief der Tag verhältnismäßig ruhig. Größere Angriffe des Feindes fanden nicht statt. Unsere Verluste bei der Wegnahme von Ca r ench durch den Feind be­tragen 6- bis 700 Mann.

Ein weiterer Angriffsversuch des Feindes, uns das nordwestlich Berry -au-Bac genommene Graben­stück wieder zu entreißen, scheiterte abermals. Zwi­schen Maas und Mosel brach ei» feindlicher Vorstoß im P r i e st e r w a l d e vor unseren Stellungen in unserem Feuer zusammen.

Die Insassen eines bei Hagenau zum Landen gezwungenen französischen Doppeldeckers wurden gefangen genommen.

westlicher Kriegsschauplatz,

Fortdauer der Rümpfe nördlich der Memel.

Schwere siegreiche Gefechte bei pcafchnüfch.

Bei S ch a u l e n (Szawle) sind die Kämpfe auch gestern noch nicht abgebrochen worden. Nördlich des N j e m e n, an der unteren D u b i s s a, machten wir bei einem nächtlichen Vorstoß 80 Gefangene.

Westlich P r a s ch n ü s ch gelangten Teile des ersten türkestanischen Armeekorps nach viermali­gem vergeblichem Ansturm bis in unsere vor­deren Gräben. Am Abend war der Feind überall wieder h i n a u s g e w o r f c n. Er hatte schwere Verluste erlitten. 120 Gefangene blieben in unserer Hand.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Mackensen vor przemysl. Die Russen auch nörd­lich ttielze bis Inowlodz im eiligen Rückzug.

Die Vortruppen der Armeen des Generalobersten v. Mackensen stehen vor Przemysl und am lin­ken Ufer des unteren S a n. Rechts' und links an­schließend setzen die Verbündeten Truppen die Verfol­gung in Richtung Dolina-Dobromil einerseits und über Polani ec (an der Weichsel)-K i elz e andererseits fort.

Auch von K i c l z e bis zur P i l i c a bei I n o w - lodz haben die Rusien ihre Stellung nicht zu hal- ten vermocht und sind im schleunigen Abzug nach Osten. Oberste Heeresleitung.

von den östlichen Kriegsschauplätzen,

ver österreichisch-ungarische Tagesbericht.

Die Verfolgung der Russen. Die Rümpfe am Vnjestr.

W.T.-B. Wien, 14. Mai. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 14. Mai, mittags: Der Rückzug des Fein­des in Russisch-Polen dauert fort. Er greift auf die Abschnitte der bisherigen P i I i c a - Front über. Von ö st l i ch P e t r i k a u bis zur oberen Weichsel ver­folgen die verbündeten Truppen der Armeen Woyrsch und Dankl dem zurückgehenden Gegner. Ihre Trup­pen haben im Bereich nodöstlich Petrikau Fuß gefaßt.

Vor der Armee des Erzherzogs Jo s e p h Fr i e d r i ch ziehen sich die Russen in Mittelgalizien über den San zurück und weichen aus dem Raume Dobro- mil-Stari-Sambor vor den Teten der Armee Boroevic und Boem-Ermolli in nordöstlicher Richtung. Unsere Truppen haben die Höhe südwestlich Dobromil- Stari-Sambor unter Nachhutkämpfen erreicht.

Dem allgemeinen Vorgehen haben sich nun auch dir verbündeten Truppen der Armee L i n s i n g e n ange- schlossen, die über Turka und Skolo Vorgehen.

Die Schlacht ick S ü d o st g a I i z i e n dauert an. Starke russische Kräfte sind bis über O b e r t y u bis nördlich S n i a t h n und bis M o h a l a vorgedrungcn.

Der Stellvertreter des Chefs des Gencralstabs: v. Höfer, Feldmarschalleutnant.

Der Fortgang der Verfolgung der Russen in westgalizien.

W. T.-B. Berlin, 14. Mai. (Nichtamtlich.) Aus dem Großen Hauptquartier wird uns über den weiteren Verlauf der Operationen der Verbündeten in Westgalizien folgendes geschrieben:

Als am 6. Mai die Armee Mackensens die Wisloka überschritt und die erzherzogliche Armee nach der Einnahme von T a r n o w den Feind zur Räumung der ganzen Duna> jec-Linie bis zur Wcichselmündung gezwungen hatte, konnte die Durchbruchsschlacht von Gorlicc-Tarnow als beendet angesehen werden. Auf einer Frontbreite von 160 Kilometer war der Feind im Rückzug. Die durch­brochenen Stellungen der Russen lagen etwa 30 Kilometer hinter dem Sieger, der ans der ganzen Linie die Verfolgung aufnaym. Diese zeitigte auf der breiten Front die schönsten Früchte. Am 6. Mai nachmittags stellte das im Anschluß an den rechten Flügel Mackensens vorgehende österreichische Korps in den: Karpathendorfe T Y s l w a die russische 48. Division und machte dabei einen General, einen Oberst und gegen 3000 Mann zu Gefangenen, nahm dieser Division 16 Feldkanonen, 6 ganz neue Feldhaubitzen, zahlreiche Muni- tionswagen und Kriegsgerät aller Art ab. Am 7. Mai er­schienen Reste dieser Division auf der Höhe von H h r o w a - G a r a vor den Truppen des Generals v. Emmich. Sic. wurden von einem deutschen Parlamentär aufgefordert, sich zu ergeben, doch erklärte der Divisionskommandeur, dies könne er nicht tun, legte das Kommando nieder und ver­schwand mit dem Stabe in den Wäldern. 3500 Mann ergaben sich hierauf dem Korps Emmich. Nach viertägigem Umher- irren in den Karpathen ergab sich der General der In­fanterie Korniloff am 12. Mai samt seinem ganzen Stabe einem österreichischen Truppenteil.

Am 8. Mai hatte die österreichische dritte Armee Doroevic bereits 1200 Gefangene in Händen. General b. Emmich konnte an diesem Tage 4500 melden. Eine schwache ungarische Eskadron hatte schon am 6. Mai, unterstützt von einer deutschen Radfahrerabteilung, 3 russische Eskadronen ans K r o s n o hinausgeworfen und damit den e r st e n Wislokübergang (nicht zu verwechseln mit der Wis- loka) in Hand genommen und in der Stadt viel Sanitäts­material und Verpflegung erbeutet. In engster Zusammen» arbeit mit den deutschen Truppen wurden dem Feind am 8. Mai auch die das Ostuser des Wislok beherrschenden Höhen entriffen. Die Garde fand aus ihrem Vormarsch zum Wis­lok 9 russische Geschütze und 21 Munitionswagen, die der Feind auf der eiligen Flucht hatte stehen lassen. Die Be­satzung bon O d r z h k o m, die der Garde den Übergang über den Fluß streitig machen sollte, ergab sich. Die Zahl der Ge­fangenen betrug am 8. Mai 3000.

Am nächsten Tage ergab sich ein Garderegiment, das bei T r o g i e überraschend der feindlichen Nachhut in den Rücken gekommen war; 12 Offiziere, 3000 Mann und 6 Geschütze. Zn dieser Tagesbeute kamen an anderer Stelle.2000 weitere Gefangene, 8 Maschinengewehre, 1 Geschütz jßxb leere und gefüllte Patronenwagen. Bei der Armee Boroevic ging der Feind aus den Karpathen eilig in nördlicher Richtung zurück. Er hatte also seine anfänglich bestehende Absicht, die WiSlok zu halten, unter dem Druck der unaufhaltsamen Ver­folgung der Verbündeten aufgeben müssen.

Wenn es am 9. und 10. Mai bei der Armee Macken­sens noch zu einem größeren russischen Angriff kam, so er­folgte dieser nuv, um überhaupt noch den Abzug aus der linken Karpathenftont am Flusse halten zu können. In der Gegend von S a n o k zogen die Rusien zwei eilig zusam- meugeraffte Divisionen zusammen, mit denen sie am 9. und 10. Mai zum Angriff auf B e s k o und die dortigen Höhen schritten, während sie weiter nördlich etwa eine Division, da­bei zwei Regimenter der Feftungsbesatznng von Przemysl, zu einem Gegenstoß gegen die österreichisch­ungarischen Truppen ansetzten. Das Ergebnis dieses letz­teren in der Richtung anf Krosno geführten Angriffs war ein völliges Mißlingen, wobei einem der aus Przemysl gekommenen Regimentern 1300 Gefangene und 20 Maschi­nengewehre abgenommen wurden. Die russischen Angriffe auf Besko endeten mit einer schweren russischen Niederlage. Nachdem der Ansturm abgeschlagen war und 500 tote Rusien vor der Front lagen, gingen die Truppen des Generals v. Emmich zum Angriff über. Völlig ge­schlagen, wichen die Russen nunmehr eilig auf Sanok zurück, wobei die Verfolgung durch die Kavallerie der Ver­bündeten große Ergebnisse zeitigte. An vielen Stellen er­gaben sich die Russen, so vor alleni auf den Höhen und in den Wäldern südlich Besko.

Das Kampfbild bot hier noch in den letzten Tagen ein d ü st e r e s B i l d. In ununterbrochenen Reihen zogen sich die hier stark ausgebauten russischen Schützenlöcher hin. In jedem dieser vielen Hunderten bon Löchern lag teilweise noch horizontal angeschlagen je ein Gewehr mit aufgepflanz­tem Bajonett. In der Brustwehr waren umgekehrte, hinge- siellte Gewehre zu sehen, an deren Schaft weiße Fetzen ge­bunden waren. So hatten ganze Bataillone kapi- t u l.i e r t, 6200 Gefangene, 6 Geschütze und 7 Munitions­wagen fielen in die Hände der dort siegreichen Truppen der Verbündeten. Die Russen waren rn völligem Rückzug nach dem unteren San. Die ganze russische Armee räumte die Karpathen.

Aber auch nürdlich der Weichsel wichen die Russen von der Ni da in östlicher Richtung zurück, Die

Wirkung des gelungenen Durchbruchs machte sich jetzt be­reits auf einer Front von über 300 Kilometer geltend. Während die Nachbararmeen den Rückzug in noch verhältnis­mäßiger Ordnung vollziehen konnten, hatte die Auf­lösung der Reste der sehr entscheidend geschlagenen Armee Radko Dim itri ew einen hohen Grad erreicht, und völ­lig durcheinandcrgcraten, wälzten sich deren Reste in nordwestlicher Richtung zurück. Die 49. russische Division vermochte von ihrem ganzen Bestand nur noch 4 Ge­schütze zu retten. Eine kaukasische Division brachte von 36 Kanonen noch 9 zurück. Dazu waren die russischen Verbände völlig durcheinandergeraten, da die Befehlsführung und die Anfrechterhaltung der Verbindung der Truppenteile unter­einander gänzlich versagte. Das rechte Flügelkorps der Armee des Erzherzogs Joseph Ferdinand stellte an einem einzigenBerfolgnngstage Gefangene von 5 1 verschiedenen russischen Regimentern fest. Am Abend des 10. Mai war die Gesamtzahl der Gefangenen, die die verbündeten Heere in Westgalizien gemacht hatten, auf über 100 000 gestiegen. Die Zahl der genommenen Geschütze betrug etwa 80, die der erbeuteten Maschi­nengewehre über 25 0.

Der Pour le m^rite für Erzherzog Friedrich und Generalstabschef Conrad b. Hötzendorf.

W. T.-B. Berlin, 14. Mai. (Amtlich.) Gelegentlich de^ Anwesenheit des Erzherzogs Friedrich und des österreichisch-ungarischen Generalstabschef Generals von Hötzendorf im Allerhöchsten Hauptquartier am 12. Mai Hat Seine Majestät beiden Herren den Orden Paar le m^rite verliehen.

Italien.

Die noch ungelöste Krtfis.

Br. Zürich, 14. Mai. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) Noch den letzten aus Rom erngetroffenen Berichten hat sich der König seine Entschließung in. der Kabinettskrisis Vorbehal­ten. Man glaubt, es werde nun ein Ministerium Giolitti kommen, doch besteht auch die Möglichkeit, daß der König die Demission des bisherigen Kabinetts nicht an- nimmt. In diesem Fälle müßte die Kammer aufge­löst werden. Hierzu erfährt die „Zürcher Post" von tvohl- informierter schweizerischer Seite: Man müsse sich hüten, aus dem Eingreifen Giollttts zu weitgehende Schlüffe zu ziehen. Das hieße, der ganzen staatlichen und nattonalen Krise eine rein persönliche Note geben und die Sachlage als solche ignorieren.

Die Audienzen beim Rönig.

W• T.-B. Rom, 14. Mai. (Nichtamtlich.) Agenzia Stefani meldet: Im Laufe des Vormittags empfing der König der Reihe nach den Senatspräsidenten Manfred!. den Präsi­denten der Kammer Marcora rmd Giolitti.

Br. Rom, 14. Mai. (Eig. Drahtbericht. Ktt. Mn.) Der neue russische Botschafter v.Giers begann sofort nach seiner Ankunft seine Besprechungen mit Sonnino.

Der entscheidende Ministerrat.

Br. Lugano, 14. Mai. (Eig. Drahtbericht. Ktt. Bln.) „Stampa" bestätigt, daß gestern der Ministerrat Bülows und Macchios Angebot sowie die durch das Ansttettn G r o l i t t i s geschaffene Lage erörterte. Anscheinend wurde beschlossen, die Kammer am 20. Mai zu eröffnen, aber die bisher gepflogenen Verhandlungen unbeirrt weiter zu verfolgen, ohne sie zur Entscheidung gelangen zu lasien, weil eine zwecklose Entschließung den parlamentarischen A u f st a n d Hervorrufen würde. Ein Symptom dafür ist das Anwachsen der Anhängerschaft Giolittis auch außerhalb seiner Partei.

Die Friedensbemühungen der Sozialisten.

Der englische Botschafter am Wühlen.

Br. Lugano, 14. Mai. (Erg. Drahtbericht. Ktt. Bln.) Die Sozialdemokraten haben die Absicht, bei dem König eine Audienz zu erbitten, um den König persönlich über das Fraedensbegehren des Volkes anfzuklären. Der Sozialist Enrico Ferri war bereits beim König in Rom. Bisher sind 350 Deputierte in Rom eingetroffcn. Der eng­lische Botschafter R o d d brachte den ganzen Tag auf der C o n s u l t a zu. Gr hielt Sonnino förmlich unter Sequester. Die Ententeleute und ihre Freunde wissen, daß es von den allernächsten Tagen abhängt, ob Italien gegen uns marschieren wird oder nicht. Um Italien mitzureißen und die Neutralitätsbeioegnng zu überrennen, bedarf e§ aber eines förmlichen Bürgerttieges.

Studentenkundoebungen rm vorfcrale der Hammer.

W. T.-B. Rom, 14. Mai. (Nichtamtlich, Agencia Stefani.) Am Vormittag versainmelten sich einige hundert interventionistisch gesinnte Studenten in der Universität. Sie begaben sich nach der Piazza di Monte Citorio, drangen in den Vo r saal der Kam­mer ein, zertrümnierten die Scheiben und stießen die F e n st e r der Vorderseite ein. Den anwesenden Abgeordneten und den Dienern der Kammer gelang es, den Vorsaal von den Demonstranten zu säubern, worauf sich diese entfernten. Infolge die­ser Vorfälle wurde der P o l i ze i k o m m i s s a r, dem die Bewachung des Palastes der Kammer obliegt, aujs

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