Jahren gerade durch das Umsichgreifen der Tuberkulose bei Rindern und Schweinen die bedeutendsten Verluste. Durch die Statistik der Schlachthöfc wird das riesige Anwachsen der Tuberkulose außer allen Zweifel gesetzt. Denn dieselben Schlachthöfe mit demselben Untersuchungsverfahren und derselben Zufuhr weisen stetig zunehmende Ziffern auf.
Es ist bekannt, daß der Tuberkelbazillus in den meisten Fällen mit der Nahrung oder mit der Athmungsluft in den Thierkörper gelangt und dort, wo er sich festseht, Knötchen (tudsreula) erzeugt. So erklärt es sich, daß wir häufig sehr zahlreiche Tuberkeln in der Lunge antreffen, wenn ein Thier sich mit der Luft verseucht, und anderseits viele Knötchen im Darm, wenn es sich mit der aufgenommcnen Nahrung angesteckt hat. Vor allen Dingen muß aber gegenwärtig der Eutertuberkulose ganz besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Denn mit der .Ausbreitung der Molkereigenoffenschaften und Sammelmolkereien hat auch die Verbreitung des Tuberkelbazillus durch Vorhandensein von Eutertuberkulose um sich gegriffen.
Die Eutertuberfulose tritt anfänglich ohne merkbare Störung des Allgemeinbefindens auf und besteht in einer ausgebreiteten, nicht scharf abgegrenzten, schmerzlosen Schwellung eines, selten zweier Euterviertel. Dieser stark vergrößerte Euter giebt anfangs eine scheinbar ganz gesunde Milch. Bei einer gewöhnlichen Euterentzündung stellt sich oft in wenigen Stunden unter Fiebererscheinungen eine bedeutende Anschwellung der Euterviertel ein. Es wird gar keine Milch, sondern nur eine dünne, seröse, nicht selten übelriechende Flüssigkeit abgesondert. Die Absonderung der tuberkulösen Milchdrüse behält dagegen gewöhnlich etwa einen Monat lang ihr milchiges Aussehen, dann wird sie nach und nach wässeriger, es treten kleine Flocken auf, und schließlich wird vom erkrankten Theil nur eine dünne, gelbliche, trübe Flüssigkeit abgesondert. Die Diagnose „Eutertuberkulose" wird weiter gestützt durch den Nachweis einer bedeutenden Anschwellung der über den Eutern gelegenen Lymphdrüsen. Denn diese Drüsen, von denen man jedoch nur den Hinteren Theil durch die Haut sehen und fühlen kann, erreichen bei Tuberkulose regelmäßig eine bedeutende Größe. Während bei frischer Erkrankung der ergriffenen Eutertheile eine ziemlich gleichmäßige feste Anschwellung sich bildet, fühlt man in vorgeschrittenem Zustande der Eutertuberkulose zahlreiche erbsen- bis walnußgroße Knoten im Drüsengewebe.
Die Milch von eutertuberkulosen Kühen ist, wie durch Versuche qn Schweinen und Kaninchen bewiesen, äußerst gefährlich. In jedem Tropfen Milch einer eutertuberkulosen Kuh sind eine Anzahl von Tuberkelbazillen enthalten, und daher ist es erklärlich, daß eine einzige Kuh dieser Art das Gesammtgemelke eines ganzen Bestandes verseuchen kann, wodurch naturgemäß der Verbreitung der Tuberkulose in hohem Maße Vorschub geleistet wird, und wodurch es auch erklärt wird, warum Magermilch und Butter aus Sammelmolkereien so häufig Tuberkelbazillen enthalten und warum Schweine, welche mit Milch aus Sammelmolkereien gemästet wurden, bis zu 70 pCt. mit Tuberkulose behaftet sind Hieraus ist also die Folgerung zu ziehen, daß man der Verbreitung der Tuberkulose dadurch wesentlich Vorbeugen kann, wenn man mit aller Strenge die eutertuberkulosen Kühe aus den Beständen ausmerzt. Die Beseitigung der mit Tuberkelbazillen behafteten Thiere ist das einzige Mittel, um sich einen tuberkelfreie» Rindviehbestand zu beschaffen. Denn wenn auch an und für sich ja die Tuberkulose selten erblich ist, so werden doch gerade durch das Vorhandensein von Thieren mit Eutertuberkulose leicht bei der Aufzucht der Kälber diese infizirt. Diejenigen Thiere, welche vor allen Dingen die gefährlichsten sind, sind die, die mit Eutertuberkulose, mit Lungentuberkulose, Darm- und Gebärmutter-Tuberkulose behaftet sind. Die sind die wirklich gefährlichen Thiere, welche hauptsächlich dazu beigetragen haben, daß die Tuberkulose es bis zu ihrer ungeheuren Verbreitung gebracht hat. Ihre Zahl ist aber verhältnitzmäßig gering gegenüber jenen hohen Ver- hältnißzahlen derjenigen Kühe, welche auf die Tuberkulin-Impfung reagiren. Daher wird man sie auch mit nicht allzu großen Opfern ausmerzen können, wenn man daran denkt, welche Vortheile man dadurch sich selbst und dem Allgemeinwohl schafft.
Das Tuberkulin dagegen ist ein gutes Erkennungsmittel der tuberkulösen Erkrankungen. Aber es verdächtigt schon diejenigen Rinder, welche nur irgend einen kleinen tuberkulösen Herd in irgend einer Lymphdrüse aufzuweisen haben, also doch nicht gefährlich sind. Die Zahl dieser Thiere beträgt in vielen Beständen bis zu 80 bis 90 pCt. Wollte ein Besitzer alle Thiere. welche auf
Tuberkulin reagiren, ausmerzen oder auch nur als gefährlich behandeln, so würde dies in vielen Fällen seinen Untergang bedeuten. Die Beseitigung jener oben angeführten wird sich aber wohl erreichen lasten.
Land wirty schüft.
Eine nothwendige Winterarbeit. Beim Auswerfen von Gräben oder Vohren von Löchern im Garten kann man in der sehr geringen Tiefe von nur 1 bis 2 Fuß auf Schichten stoßen, welche trotz der ziemlich reichlichen Herbstniederschläge noch pulvertrocken sind. Besonders für Qbstbäume sind diese trocknen Schichten natürlich sehr nachiheilig, aber auch bei Erdbeerbeeten machen sich die Folgen dieser Trockenheit im Untergrund im nächsten Jahre durch geringe Erträge von krüppeligen, kleinen Beeren unangenehm bemerkbar. Es ist deshalb jetzt dem Gartenbesitzer, der im Sommer unter trockenem Boden zu leiden hatte, zu empfehlen, mit dem Locheisen oder einem Bohrer Löcher in etwa 30 Centimeter Abstand in den Boden zu stoßen und in diese hinein dünne Jauche zu gießen und so eine wirksame Untergrunddllngung vorzunehmen. Soll ein Theil des Gartens frisch rigolt werden, so ist es, um der Untergrundfeuchtigkeit genügend Rechnung zu tragen, vortheilhaft, vor dem Rigolen das Stück mit einigen Fässern Jauche überfahren zu lasten, dann beim Rigolen diese obere durchtränkte Schicht nach unten zu bringen, dagegen aber die trockene Schicht nach oben, um ihr so die Winterfeuchtigkeit zu Gute kommen zu lasten. (Der praktische Rathgeber im Obst- und Gartenbau, Frankfurt a. O.)
Der edelste deutsche Apfel ist der Gravensteiner. Das weiß bei uns Jung und Alt; mag es auch sonst mit der Pomologie bei unseren Hausfrauen, bei unseren Obstessern schlecht bestellt sein, den Gravensteiner kennt Jeder, und sein Name klingt sogar dem wählerischen Feinschmecker lieblich in die Ohren. Da ist es nun intereffant, Genaues über die Herkunft und Zucht dieser edlen Frucht zu hören. Anbauorte sind vor Allen Schleswig-Holstein, Mecklenburg und Pommern, auch noch die angrenzenden Länder, aber am gesegneten Rhein z. B. fühlt der Gravensteiner sich nicht wohl, er wird dort zum minderwerthigen Sommerapfel. Der Baum wachst stark und liebt reichlichen Feuchtigkeitsgehalt der Luft und des Bodens; das Grundwasser sollte nicht tiefer als 2,50 Meter stehen, andernfalls muß reichlich bewässert werden. Der Gravensteiner trägt leider meist nicht vor dem 12. bis 15. Jahre, und dann auch nicht sehr regelmäßig. Diese Eigenschaft muß vor Massenanpflanzung abhalten, trotzdem die Früchte stets die gesuchtesten am Markt und sehr hoch bezahlt werden. Wer sich für den Gravensteiner näher intereffirt, dem sei empfohlen, sich die neueste Nummer des „Praktischen Rathgebers im Obst- und Gartenbau", Frankfurt a. Oder — die vom Geschäftsamt desselben gern umsonst versandt wird, kommen zu lasten. Sie enthält auf Grund der Mitarbeit zahlreicher Obstbau-Autoritäten eine ausführliche Darstellung der Anbaubedingungen und Ansprüche dieser vielbegehrten Sorte, die mit Recht eine deutsche genannt wird, da sie nur hier ihre wunderbare Saftigkeit und ihr Aroma erreicht.
Tie Braunschiveigcr Spargelbauer haben im verflossenen Jahre ausgedehnte Versuche mit dem Anbau von Champignons auf den Spargelfeldern gemacht. Die edlen Pilze gediehen unter dem Schutz des Spargelkrautes ausgezeichnet und wurden von den Konservenfabriken sehr gut bezahlt. In welcher Weise die Thampignonzucht auf den Spargelfeldern betrieben wird, beschreibt ein Spargelzüchter in der neuesten Nummer des „Praktischen Rath- qebers". Es wird auf der Nordostseite des Spargeldammes Erde ausgehoben und vorbereiteter Dünger eingepackt, mit Brut bepackt und 3 Centimeter hoch mit Boden beworfen. Die Ernten sind nicht immer gleichmäßig sicher, mitunter aber sehr reichlich. — Die Nummer, welch« diesen Aufsatz enthält, ist vom Geschäftsamt des .Praktischen Rathgebers" in Frankfurt a. Oder kostenfrei zu beziehen.
Arglist beim Viehverkauf. Nach den Bestimmungen des bürgerlichen Gesetzbuchs kann der Handel rückgängig gemacht und außerdem noch Schadenersatz verlangt werden, wenn der Verkäufer arglistig den Käufer über den Zustand des Thieres getäuscht hat. Es sucht z. B. ein Verkäufer ein Pferd, das seit Jahr und Tag lahm geht, weil es eine verkürzte Sehne oder eine Schale hat, einem Anderen aufzuhängen, der aber das Lahmgehen beanstandet und deshalb das Pferd nicht kaufen will. Es wird ihm aber von dem Verkäufer vorgespiegelt, daß das Lahmgehen von einer Wunde am Fössel hcrrühre und daß das Hinken in zwei Tagen verschwinden
