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No. 8. 49. Jahrgang.

Uom MicherLisch.

, * Im Berlage von Otto Maier in Ravensburg erschien

. D 2 S Bilderbuch vom 19. Iahrhundert" von Otto Robert. Vom Jahre 1801 bis 1900 ist das Ereigmß eines jeden Jahres durch ein Bild dargestcllt, im Ganzen also hundert Darstellungen, sowie ein erklärender Text. Einen besseren Ueber- blick über das verflossene Jahrhundert kann man sich sür die Kleinen schwerlich denken, als diese Zusammenstellung, die durch Bild und Wort ins Gedächtniß zurückruft, welche Fortschritte und großen Ereignisse im Laufe dieser 100 Jahre die Welt er­lebte. Preis 1 Mk. 50 Pf.

* An Aktuellität läßt es die Jugendlitiergtur auch Heuer Nicht fehlen, und fingerfertige Schriftsteller sind schnell bei der Hand, die großen Geschehnisse hübsch in ein Buch einzusperren. Nun, mit Büchern dieser Art haben wir es in einigen Neu­erscheinungen des gediegenen Verlags von Abel und Müller in Leipzig allerdings nicht zu thun, wenn diese Bücher unsere Jugend auch mit Land und Leuten an den Orten solcher wichtigen Begebenheiten in angenehmer Weise bekannt machen. Dies geschieht hinsichtlich des „Reiches der Mitte" in dem treff­lichen Buche: „Hung-Li-Tschang, oder der Drache am Gelben Meer". Eine Erzählung für die reifere Jugend und das deutsche Haus von Friedrich M e i si e r. Mit 4 Ton- bildern und 20 Textbildern von E. Klingebeil. Das Buch er­weckt in seiner intereffanten Erzählung ein rechtes Verständniß für die Kultur des Volkes im fernen Osten. Es läßt diesem Gerechtigkeit widerfahren und zeigt, daß seine Schattenseiten gewiß nicht düsterer sind, als die der europäischen Völker, welche jetzt dort angeblich Kultur verbreiten wollen, indem sie eine Kultur zerstören. Das Werk ist ein vortreffliches Bildungs- Mittel.

i * „Ein Freiwilligenjahr für Frauen in der Krankenpflege". Erfahrungen und Urtheile von Schwestern des Evangelischen Diakonievereins, mitgetheilt von Professor p. Dr. Friedrich Zimmer. (Berlin-Zehlendorf, Verlag des Evangelischen Diakonicvcreins.)

* Goldschmidts Bibliothek für Haus und Reise: Ver­lorene Liebe. Roman von A. v. Ge r sdorff. 2. Auf läge (Berlin W., Lutherstraße 4, Albert Goldschmidt). Preis 1 Mark.

* Sie Tuberkulose als Volkskrankheit und deren Bekämpfung. Motto: „Um die Schwindsucht erfolgreich zu bekämpfen, bedarf es des gemeinsamen Wirkv>s einer weisen Regierung, tüchtig geschulter Aerzte und eines intelligenten Volkes". Preisschrift, gekrönt mit dem Preise des Kongresses zur Bekämpfung der Tuberkulose als Volkskrankhcit. Berlin 24.-27. Mai 1899. Von Dr. S. A. Knopf. Arzt in New- Iork. Herausgegeben vom Deutschen Central-Comite zur Er richtung von Heilstätten für Lungenkranke. Berlin 1900.

* Buch der Erfindungen, Ge werbe und In d u st r i e e n. Gesammtdarstellung aller Gebiete der gewerb­lichen und industriellen Arbeit, sowie von Weltverkehr und Welt wirthschaft. Neunte, durchaus ncugestaltete Auflage. Be­arbeitet von Fachmännern ersten Ranges. In 10 Bänden, ge heftet je 8 Mk., in Halbfranz gebunden je 10 Mk. (Leipzig, Otto Spanier.) Der zehnte (Schluß) Band dieses schönen Werkes ist der Geschichte und Entwickelung des geistigen Verkehrs gewidmet. Haben Eisenbahnen und Danipsschiffahrt die Menschen persön­lich einander näher geführt, so bilden dagegen die geistigen Ver­kehrsmittel. Wort und Schrift, Druck und Zeitungswesen, Post und Telegraph ein noch viel engeres Band, welches die civilisirten Völker trotz aller nationalen Eigenart innig umschließt, und cs ist hochintereffant, diesen EntwickelungSgang zu verfolgen. Zum Abschluß des Werkes bietet Dr. R. Riedl in großen Zügen eine Darstellung des Entwickelungsganges der menschlichen Wirth- 'schaft, sowie eine hochinteressante Uebersicht des gegenwärtigen -Wirthschaftslebens. Er zieht damit gewissermaßen das Fazit der bisherigen wirthschaftlichen Entwickelung und gewährt einen

Ausblick in die Zukunst. Somit liegt die neunte Auflage des Buches der Erfindungen, Gewerbe und Jndustrieen vollendet vor. Eine große Reihe von Fachmännern allerersten Ranges hat mit vollster Hingebung mitgearbeiiet, um bas bereits seit Jahrzehnten bekannte und berühmte Werk immer gediegener und glänzender zu gestalten, sodaß es jetzt in der gesummten technischen Litteratur aller Völker unerreicht dasteht. Haben schon die einzelnen ^.ande bei ihrem jemaligen Erscheinen allgemeine und steigende ^ An­erkennung gefunden, so wird das komplette Werk, welches oei seiner umfassenden Ai^lage eine vollständige Darstellung der Erfindungen aller Zeiten, sowie der gesammten gewerblichen und industriellen Produktion der Gegenwart bietet, rn noch er­höhtem Maße die Aufmerksamkeit aller gebildeten Kreise auf sich ziehen. Da das Buch der Erfindungen alle Erwerbszwcige umfaßt und ein getreues Spiegelbild insbesondere. der zu un­geahnter Entwickelung gelangten deutschen Industrie verkörpert, so dürfte es kaum ein Werk von allgemeinerem Interesse geben. Nicht nur für Bibliotheken jeder Art ist es als unentbehrlich zu bezeichnen, es gehört in die Bücherei jedes Gebildeten

* „Preußens Könige von 1701 bis 1901 . Zr>r Zweijah'rhundertfeier der preußischen KLnigskrone von v. Bern­hard R o g q e. Mit den Brustbildern der Könige rn Onginal- holzstich. (Hannover, Hinüberstraße 18. Karl Meyer sGustav Priors.) Pr. 50 Pf.

* „Das Preußenbuch". Eine Festschrift zum 200-jährigen Krönungsjubiläum von P. Karl Müller- Wölsickendorf. Berlin 0. 22, Sophieenstraße 19, Buchhand­lung des Ostdeutschen Jünglingsbundes. 31.—40. Zausend. 20 Pf., 1000 Exemplare ä 10 Pf.

* Sophie Müllers Haushaltungsbuch für alle Tage des Jahres. (Otto Maier, Ravensburg.) Preis 60 Pf. Müllers „Haushaltungsbuch" bietet die sicherste Hand­habe zur Konirollirung, ob Ausgaben und Einnahmen balan ciren, - ob die Bedürfnisse des Haushaltes, event. in welcher Richtung eingeschränkt werden müssen oder angemessen sind

Vermischtes.

* Et» zwölfjähriger Bnrerrhcld. Von einem Transvaal- kricacr wird berichtet: Als wir im Juni vorigen Jahres die eng­lischen Gefangenen von Bronkhorstspmit nach Machodadorp trans- portirteu, erzählte mir ein englischer Colone! Namens Stewart, der den Transport seiner kaum wieder hergestellten Gesundheit wegen auf Ochscnwagen mitmachte, die Geschichte seiner Verwundung und Gefangennahme wie folgt: Ich befand mich damals mit hundert Infanteristen in Natal auf dem Marsche nach der Transvaalgrenze z,!, um einige aufsässige Natalbureu zu „bestrafen". Dre Gegend, in der wir uns befanden, war unterer Meinung nach vollkommen sicher, und wir zogen daher sorglos und in guter Stimmung, ohne Patrouillen voranszuschickcn, unseres Weges. Nach den neuesten Erfolgen voll von Hoffnung für die Zukunft, trabte ich auf meinem mageren Pferdlein, ein Liedchen trällernd, voraus. Da ertönt plötz­lich aus nächster Nähe ein Schuß, und ich fühle gleichzeitig tut rechten Arm einen stechenden Schmerz; che ich mich bennnen kann, fühle ich einen zweiten Schuß im rechten Oberschenkel ulid im Moment wo ich mein Pferd herumwcrfen will, einen dritten Schutz durch die rechte Wade, der zugleich mein Pferd zu Fall bringt. und zwar so unglücklich, daß ich unter das Thier zu liegen komme. Während ich mich vergeblich bemühe, mich unter dem Plerde bervor- zuarbciicn, springt einer meiner Leute, die mittlerweile herangekommcn waren zu meiner Hülse herbei, um sofort selbst mit einem Schutz in die'Stirn todt »iederzusinkcn. Ebenso geht es einem zweiten, einem dritte» und vierten, und nachdem den neunten dasjeloe Schicksal ereilt hat. ergreift die übrigen eine Panik und sie machen sich entsetzt aus dem Staub. Kurz darauf tritt ein zwölfjähriger Burenjunge hinter einer Klippe hervor, nimmt inich gefangen, bultt mir auf sein Handpferd und jagt mit mir davon. Allein und fern von jeglicher Hülfe hatte er cs gewagt.,, einen Trupp von hundert Engländern anzugreifen und ihren Anführer gefangen zu nehmen. Wenn schon die Kinder solche Teufel sind, was ist dann erst von den Alten zu erwarten, schloß Colonel Stewart seine Erzählung.

* Banernschlauheit. Unter dieser Spitzmarke wird ben Dresd Neuest. Nachr." aus einem Ort in der Umgebung von Dresden folgendes Stücklein geschrieben: War da in einer Gemeinde

ein Schulkassensührer. von dem man munkelte, daß i» seiner Kasse nicht Alles in Ordnung fei» sollte Man sprach sogar von einem

S„r;Ät SÄ" s Ä ISV

stehen, er solle sehen, daß feilte Kasse m Ord g ,«. »« etwa vierzehn Tagen wurden, sie einmal Prüfung halte . Nim bekommt es der ungetreue itti ftver mit bei Angst, er gu-r zn Pontius und Pilatus, sich die 600 Mk zufammeiiz»borge, md als er in 14 Tagen das Geld noch nicht f

hie Bauern noch S Taae. lnS ste unter oer Hand erfahren »aven, daß das Geld da ist. Dann kommen sie und nehmen die Prüfling

_ und es stimmt Alles. Sie spreche» dem Kasstrer ihre Be­friedigung aus, aber — nehmen ihm zu seiner großen Bestürzung das Geld und die Kaffe und das Amt ab und lassen ihn mit einem

1 ,™ 211 rück Die Leute denen er das Geld abgeborgt

Hatz habm das Machschen. Die Gemeinde aber ist vor Perlust be­wahrt geblieben — dank der Baiicrnfchlauheit.

* Bandrrvilts Hinterlassenschaft. Die Erbthcilillig btt Hinterlassenschaft von Cornelius Vandcibilt wird E völligen werden Das Objekt betragt rund 72,500,000 iöouar ooei 300,000,000 Mk. Das neue Haupt der Famill-, der erst W -caPe alte Alfred Gwynne Vauderbilt, erhalt von der Erbschaft 44 500 000 Dollar. Seine beiden Bruder erhalten je 7,o00M Dollar seine Schwester Gertruds 8,500,000 Dollar, die Wittwe

2 000000 Dollar ferner die Paläste in New-Iork und Newport Mi.i?Jahresre„te von. 250.000 Dollar Der alAe sohn

Cornelius sollt- nach dem Testament eigentlich nur I.^.000 Do ar

erhnltcii, man hat ihm aber noch freiwillig wc ere 6,M0 0x)0 Dollar zu gestanden, um ihn vor NahrungSsorgen zu schütze Gertrude t mit ßerrn Harry Peine Whitney verheirathet, das neue Familien, hnupt aber mit Fräulein Francis Ormond French verlobt, bte einft den Prinzen Henri von Orleans ausschlug. •

* Der ältest- Leichnam der Welt. Im Mnmieii-Saal.de» britischen Museums ist jetzt der vielleicht älteste Leichnam der Welp zu sehen. Er kommt uns einer vorgeschichtlichen Begrabnitzstatte. t„ Ober-Egypten am westlichen Muser einige Mellen unterhalb Assuan Er besteht fast mir noch aus Haut und Knochen. Da? Fleisch scheint meist durch in die Haut E'uachte Einschnitte kurz nach dem Tode entfernt worden zu sein. Der Körper ist auch mit einem Pech-Präparat einbalfaniirt worden, das zweisellos aus den

nahen Naphthaguellen genommen worden ist Em.ige Locken r°ll> licken Haares befinden sich noch auf dem Schädel, und selbst wenn man den Einstuß des salzhaltigen Bodens auf die Haarfarbe in Betracht zieht, so gehörte der Todte doch ohne Zweifel emer hell­haarigen Rasse an. Er muß im Leben etwa 175 om gemessen haben,

besitzt aristokratisch kleine Hände und ist von d-m doUchoe Phalsschen oder lanaköpfigen Typus, wie er unter de» VauPE" Europas am häufigsten ist. Der Zeigestnger der rechten Hand hat zwei Glieder verloren, wisst ist kein bestimmtes Merkmal emer Wunde sichtbar. Die Hauung des Körpers ist lehr merkwürdig. Er liegt ans der linken Seite, die Knice sind an die Brust heraiigezogen. und der Körper ist so gekrümmt, daß da? Rückgrat sich oben befli det. Der Kopf ist ein wenig nach vorn geveugt und die lnrke Hand l gt unter ihm, während die rechte vor das Gejicht gehalten wirb. D I Haltung wird auf alle mögliche We„e zu erklären versucht, am wahrscheinlichsten ist wohl, daß sie der eines unter emerschmalen, kleinen Decke Schlafenden nawg-ahmt ist. 3 » dwscii! Falle macht si? eincn besonders abschreckenden Eindruck, etwa, als ser der Körper lebendig begraben worden und habe unter der,au 'lim astenden Masse gekämpft. M. de Morgan hat jedoch in El /lmtah nd anderswo in allen vorgeschichtlichen Gräbern die gleiche Hck ung vorgesunden. Ein- genaue Angabe über das Alter dieser W not kann nicht gemacht werde». Der Todte war scheinbar .em Wil^r, sondern gehörte einer Geineinschaft an. die eine veriialtnimnaßig hohe Kulturstufe erreicht hatte wie die Bearbeitung der Wassen und di- Formen der in dem Grabe gefundenen Gestrtze .

Die bei dem Begräbniß bewiesene L-orgfalt deutet auch an, daß die Gemeinschaft an ein Jenseits glaubte und eine ReUgw" Ä welche lehrte daß das Leben des Verstorben-n rin jenseits durch von seiner Familie in dieser Welt ausgcfuhrte Riten beeinflußt werden würde. Das muß jedoch lange vor den EgYPtern der historischM Dnnastiecn a-wesen sein, die ihre Todte» stets rn oer ganzen Lange ansgestreckt und mit Binden umwickelt begruben und zudem von der frühesten Zeit an mit dem Gebraum von Metallen und der Schreibknnst vertraut waren. Düs Ipate^e Datum, das mau diesem Leichnam zuschreiben kann, ist etwa das ^Zayr TO vor Christi Geburt.

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