1. Seilalle mm Wiesbadener Tagklati.
(23. Fortsetzung.)
(Nachdruck verboten.)
Drei Theilhaber.
Roman von Uret Karte.
Autorisiert.
„Sie haben uns dach richtig ertappt", sagte sie mit anmuthiger Schalkhaftigkeit. „Ich hatte gar nicht übel Lust, Sie noch eine Weile im Hotel herumirren zu lassen. Bitte kommen Sie herein!" Barker folgte ihr mechanisch, sie schloß die Thür und fuhr in heiterem Ton fort: „Nun setzen Sie sich und erzählen Sie mir, woher Sie wissen, daß wir hier sind, und weshalb Sie uns noch zu so später Stunde überraschen?"
Barker hatte die Eigenheit leicht zu erröthen, und auch diesmal stieg ihm alles Blut ins Gesicht, wie immer, wenn er mit Frau Hornburg zusammentraf, die ihm nicht nur ehrerbietige Bewunderung, sondern zugleich auch, wegen ihrer höheren gesellschaftlichen Bildung, eine gewisse Ehrfurcht einflößte. Er verbeugte sich und sah sich darauf ganz verdutzt bald in dem ihm wohlbekannten Zimmer um, bald starrte er den Stuhl an, von dem Frau Hornburg aufgestanden war, und dann wieder die Handschuhe seiner Frau, welche jene kurz zuvor absichtlich auf den Tisch geworfen hatte. Jetzt ergriff sie dieselben rasch, wie uni sie zu verbergen.
„Ich hatte keine Ahnung, daß nieine Frau hier ist", vrachte Barker endlich hervor. „Als der Knecht es mir sagte, war ich höchlich erstaunt, da sie mir kein Wort davon geschrieben hat." , „
Während er sprach, erhellten sich seine Züge; Frau Hornburg bemerkte zum ersten Mal den zerstreuten Ausdruck in seinen Augen, die sonst immer so treuherzig blickten, und die leichte Sorgenfalte auf seiner offenen Stirn. „Noch weniger rechnete ich auf das Vergnügen, Sie hier zu sehen", fuhr er fort. „Ich kam nur her, um mich nach nieinem alten Theilhaber Demorest zu erkundigen. Er ist vor einigen Tagen aus Europa zurückgekehrt und hätte heute Nachmittag in Hymettus ein- trefsen sollen. Petzt höre ich aber, daß er die ganze Strecke nicht mit der Bahn, sondern in der Postkutsche zurückgelegt hat und am Kreuzweg ausgestiegen ist. So mußten wir uns natürlich verfehlen, und ich wäre ganz umstmst hergeritten, wenn ich nicht jetzt die Freude haben könnte, Sie und Kitty nach Hymettus zu begleiten. -Wir werden eine herrliche Fahrt bei Mondschein haben."
Nach dieser Erklärung ward es Frau Hornburg nicht schwer, einen scherzhaften und äußerst witzigenBericht von dem Streich, den sie mit Frau Barker ausgeführt hatte, zum Besten zu geben, der jedoch — wie ich leider gestehen muß — vollständig aus der Luft gegriffen war. Sie waren von den Herren in San Francisco allein gelassen worden, während diese sich zusammen in Hymettus der- gnügen wollten. Da beschlossen sie denn, auf eigene Faust einen kleinen Ausflug zu unternehmen, theils um einige Privatgeschäfte — wegen ihrer Bergwerksaktien — zu besorgen, theils um sich einen Extraspaß zu machen. Sie hatten höchst komische Erlebnisse gehabt; zuletzt noch m der Post, wo ein schrecklich neugieriger Mensch einen der Mitreisenden, der aus Europa kam, mit Fragen schier zu Tode gequält hatte. Als er denn endlich auf die Erkundigung, an welchem Ort er zuletzt gewesen sei, geantwortet habe, „in Hymettus", hätte der Frager gemeint, er wolle sich über ihn lustig machen, und "
„Aber", unterbrach sie hier Barker lachend, „jener Fahrgast ist vielleicht Demorest gewesen, der eben aus Griechenland kommt. Kitty hätte ihn doch aber wiedererkennen müssen!"
Frau Hornburg sah sofort ihren Mißgriff em; doch verstand sie es trefflich, ihn wieder gilt zu machen, ja sogar Nutzen daraus zu ziehen. „Ohne Zweifel", erwiderte sie; „doch war die arme Kitty von der langen, ungewohnten Reise und der Hitze so angegriffen, daß sie ans dem Rücksitz fest eingeschlafen war; sie selbst aber hätte man in ihrem Staubmantel und dem dichten Schleier unmöglich erkennen können. Die Aermste", fügte sie hinzu, „sei zu ihrem Leidwesen überdies bei der Ankunft von so rasendem Kopfweh befallen ivorden, daß sie gleich zu Bett gegangen wäre und gebeten habe, man möchte sie ganz in Ruhe lassen."
Barker hörte Frau Hornburgs lebhafter Rede mit dem größten Interesse zu; er machte ein Gesicht, als sei ihm ein Stein vom Herzen gefallen. Darüber hätte sie füglich Gewissensbisse haben sollen, doch war dies durchaus nicht der Fall und sie sagte in aller Seelenruhe: „Ich habe zwar versprochen, sie nicht zu stören, aber natürlich nun Sie — ihr Gatte — gekommen sind, ändert das die
Sache und ich will-" „ , r , , .
„Um nichts in der Welt", fiel ihr Barker eifrig ms Wort. „Ich weiß nur zu gut, was Kittys Kopfweh zu bedeuten hat und lasse ihr stets völlige Ruhe zuweilen vergesse ich es leider." Dabei sah sie dieser rücksichtsvollste aller Ehemänner mit seinen wunderschönen, treuherzigen Augen so freundlich an, daß die arge Heuchlerin nur mit Mühe das Lachen imterdrücken konnte, während sie vor Schuldbewußtsein über und über erröthete. „Wissen Sie", fuhr er seufzend fort, „ich denke oft, daß ich für eine so verständige und scharfsichtige Frau die reinste Plage sein muß Sie durchschaut die Menschen soviel besser als ich, und paßt so gut für die Welt, während ich nichts weiter als ein Glückspilz bin — wenigstens sagen das die Leute. Ein solcher Glücksfall war es auch für mich, daß ich sie damals bekommen habe. Es ist mir sehr lieb, daß sie sich mit Ihnen befreundet hat, denn bis jetzt habe ich mir immer eingebildet, Sie machten sich nichts aus ihr und hätten beide kein Verständniß für einander. Komisch, daß zwei hübsche, treffliche Frauen sich oft nicht leiden können! Kitty in Ihrer Gesellschaft zu finden, freut mich doppelt, denn zuerst bin ich ordentlich erschrocken, als man mir sagte, sie sei hier. Ich konnte es mir gar nicht erklären? Anfangs glaubte ich, die Sorge um unser Söhn- chen, das mit der Wärterin und mir in Hymettus ist, hätte sie hergetrieben. Sie behauptet zwar immer, sie gehöre nicht zu den schwachherzigen Müttern; aber es würde mich gar nicht wundern, wenn sie es langweilig gefunden hätte ohne den Kleinen, obgleich sie selbst gewollt hat, daß ich mit ihm in irgend eine Sommerfrische gehen sollte, weil er eine Luftveränderung braucht.
Frau Hornburg sah jetzt ein, daß ihre Lage viel schwieriger war, als sie glaubte. In . ber ersten Er regung hatte es sie gereizt, ihren Takt und Muth bei dieser Gelegenheit zu beweisen; auch war sie von dem — wie sie meinte — uneigennützigen Wunsche beseelt gewesen, Sorge zu tragen, daß das Verhältniß zwischen Mann und Frau womöglich nicht geschädigt werde. Auf Barkers harmlose Mittheilungen war sie jedoch nicht gefaßt und konnte deren Wirkung auf sie selbst nicht voraussehen. Sie war der Meinung getvesen, Kitty habe sich in einem
Kind fortgeschickt. Da steckte etwas dahinter. Die Sache spielte vielleicht bereits wer weiß wie lange. Wenn oep kaltherzige Van Loo sie heute verlassen hatte, so war das möglicher Weise das erbärmliche Ende der Jntrigue, uns) nicht erst ihr Anfang. Hatte sich Frau Honwurg vosi jenem Weibe etwa ebenso leicht hmters Licht fuhren lassen, wie ihr Gatte? Einen Moment war sie außsr Stande, ihm in die ehrlichen Augen zu sehen; die entgegengesetztesten Empfindungen stürmten auf sie em. theils schämte sie sich ihrer Mitschuld an dern Bettug, theils erbebte sie vor wilder Freude bei dem Gedanken an eineKrisis, die ihn auf immer von seiner Frau trennen
^""Glücklicher Weise merkte er nichts von dem, was m ihr vorging. Er hatte sich, wie von einem Alp befreit, in seinen Stuhl zurückgelehnt, ließ den Blick wohlgefällig in dem ihm io vertrauten Raum umherfchwexfen und brach in sein jugendlich sorgloses Lachen aus. „Du mein Güte" sagte er, „wie genau erinnere ich mich noch an hips ll'immer aus alter Zeit! Es war ja Kittys Wohnstube,^die mir immer so hübsch und Pisch vorkam wie sie selber. Ihre Kreidezeichnungen fand ich ganz wunder voll aber noch merkwürdiger schien es mir, daß sie überhaupt ein so unnöthiges Talent hatte Für mich brauchte sie nur Kitty zu sein -7- das war mehr als genug ge wissen doch, wie einem m solcher Zeit zu Muthe ist. 2mn iüblt sich selig in dem Bewußtsein, wie hoch über uns SW Such inne, denn ihm siel ^u daß,1° NA Sornburqs Ehe ausnehmend unglücklich gewesen 1 •
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miilite iicki etwas Schmeichelhaftes zu sagen, eiste u sicht die bei seiner geraden Natur nur achu durchsichtig war- natürlich meine ich nur unsere eigene Unwürdig keit 'die ihr Frauen uns arme Kerle so grausam fühlen _ Dort auf dem Kaminsims stand damals em Bild von Oberst Brigg in voller Uniform, nnt der Widmung
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<SnM io viel sie konnte. In jener Zeit war sie furchr bar streng" sagte er nachdenklich und seufzte, ""der da-
yabe ich ihr den Antrag gemacht. Was hatte «9 oa ju
Anast'" _ Er schwieg einen Augenblick und fuhr dann
in fast schüchternem Tone fort: „Wurde es Sie lang-
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es Ihnen anvertrauen? Denken Sie nur, zuerst ha. sie
"^EsoÄMNg den Mund zu einem etwas spöttischen Lächeln. „Ich glaube, das thun sie Alle, wenn
sie ihrer Sache sicher sind."
(Fortsetzung folgt.)
In allen Abtheilungen unseres Lagers
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8 .
Inventur-Ausverkauf
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Extra-Rabatt von 10 Procent,
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Alle Kleiderstofe, JSeideiiästefFe, sowie Morgenroeke, Costiiinroetee, Hioasesa, UntefTOClse etc. sind ausserdem noch bedeutend im Preise herabgesetzt. . ,
Der Ausverkauf dauert wie immer bis 31 . Januar, Abends, und empfehlen denselben zum ausgiebigen
Einkauf aller Waaren, insbesondere von
L@inenwaar@si — Wäsche — Waisswaaren
für Bi*aiii-lussfattungen.
