Beilage }um
Ko. 2 . AlrenS-Ans gade^
«I Wer sich jede» Wunsch gewähren kann, sucht nach £ 2 unerfüllbaren Vergnügungen; Vergnügungen, denen man L «t entwachse» ist, nennt man ThorheUcn.
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sie ihm einen strafenden Blick zu, zuckte miüerdig die Achseln und nahm ihre Arbeit wieder auf, der Theuerdank mit unverwandten Blicken folgte, wahrend er nach einer f feinen Vauic fortiubr: ..
(Nachdruck verboten.)
Die beiden Gmiiien.
Erzählung von Gschricht-
Es klopfte — und ohne den Zuruf abzuwarten, trat Ler Konsul Herbert Theuerdank ein und begrüßte den alten Schiffskapitän Heinzer und dessen Tochter Emilie mit einem frohen „Guten Tag!" r , r • s s „ .Guten Tag! — einer gleicht freilich bei uns dein anderen, lieber Konsul!" erwiderte der alte Herr und erhob sich von feinem Fensterplatz, wo er rm langen blauen Rock faß und aus einer langen filberbeschlagenen Pfeife rauchte, deren Meerfchaumkopf auf dem niedrigen maurischen Tischchen ruhte. ^ .. .
Auch Emilie, die ckin anderen Fenster ihrem Vater gegenüber saß, zierlicheBlumengewinde aus ^-lfchschuppen anfertigend, grüßte freundlich den sich neben Hemzer niederlassenden täglichen Hausgast. „ , .
„Nun, wie steht's, lieber alter Wettermacher , fragte Theuerdank, „das Barometer steigt so rapid — ich dente,
es aiebt Sturm!?" . . ^ ^
„Na — na! nicht so ungestüm Herr! — Wetterfahne steht noch auf Nord-Nord-Ost — es kommt aber wohl Südwind mit Regen, hier in meinen Fußspitzen sitzen die genauesten Ouecksilberröhrchen — und es zieht darm und sticht heute wie mit feinen Nadeln!"
„Ja", sagte Emilie, „ich habe Vater schon eine Decke um die Füße geschlagen —- denn er sitzt mir immer heimlich mit abgezogenen Schuhen!"
■ Sie war aufgestanden und wickelte dem Vater dre Decke, die bei der Begrüßung herabgerutscht war, wieder
Theuerdank sah mit einem wohlgefälligen Lächeln auf die braunen Zöpfe Emiliens, die sie im Doppelkranz um den Kopf gelegt trug und die doch noch am zierlichen Hinterhaupt einen stattlichen Knoten bildeten, rm Nacken spielten gelockt die kurzen Härchen mit entein helleren goldigen Schimmer auf dem elfenbemweißen Haw und bis zu den rosigen kleinen Ohren. . ,
Wie sie so mit den schlanken Händen emsig undsorgsam auf und ab fuhr und er die feine biegsame Gestalt gebückt vor sich sah, blickte er ernsthaft an ihr hm und
'"^«Heinzer, unsere Emilie ist eine klassische Schönheit,
Revers und Avers sind tadellos!"
Sie erhob sich rasch und errothend und sagte. „Bleiben wir bei Nord-Nord-Ost, Herr!"
„Nein, Kind! Du hörst doch, daß es Sud-West werden muß, aber wie alle grauen hast auch Du kerne Logik, obwohl Du für Frauenemanzipation stimmst!
Sie zog die Brauen zusammen Mid sagte:, „Was soll der Unsinn? Ich will nur, daß Frauen, dre ern Geschäft betreiben oder mit ihrer Hände Arbeit selbständig Kinder erziehen müssen, stimmberechtigt siiid — das ist keine Emanzipationsforderung,, sondern u»r Gerechtigkeit. E- latzt solchen Frarien denii auch wenigstens die steuern, wo ist sonst ein Ssim darin, sie stimmlo» zu halten.
Na a kleine Emilie - ich will Deine Sache, wenn ich wiedergewählt werde, im Reichstag Vorbringen, damit alle kleinen hübschenMädchen, die kleine hübsche Bmiquets - mrs Fischschuppen fabriziren können, funfttg toaqiwt recktiat sind! Richtig, richtig — die dumme, Geschichte soll anders eingerichtet werden, und Eimsie soll rechte-
verhaltenem «.In «°rk
kleinen Pause fortfuhr: ^
„Kinder, bei Euch ist es zu behaglich und hübsch! ^ch fühle mich hier auch weit mehr zu Hause als iemals im Leben bei mir! Dort ist Alles zwar reich und schon — die erwachsenen Söhne kommen und gehen — .Nuie- schotten führt mit knixender Anmuth und schwarzseidenen Filethandschuhen den Haushalt — und doch vermisse ich Niehr, als ich verstehen kann, meine verstorbene Frau, mit der ich bei ihren Lebzeiten doch gar nicht so innig ver- bimden war, daß sich heuteenie solche j-tunmungvoll- berechtigt erklärt; wenn ich ber mm un Kontor fertig bin — denke ich beständig sehnsuchtsvoll hierher, dwv Hans ist wie eine Heimath für den Weltwanderer ich denke auch aller Länder und Zungen — , Wirth und Wirthin stets am Platz, um Rede und Antwort zu geben.
Die schönen gebogenen alten Mobei stehen an den Wänden seit einem Jahrhundert, künden den Wohlstand und zeugen für die Pietät — Dmge von Alters her, über
die unsere Zeit längst hinweg,ist! . ^ niefit ein Stück entbehren — nicht emmal beit Ccktisch Mit den Pfeifen hinter Ihnen, Heinzer, obwohl er verteufelt nach Tabak riecht! Rings Ordnung und Ruhe Gleich wird Kaffee getrunken — ich fehe schon, der^ Lisch ist hergerichtet, im Nebenzimmer mit dem Oberlicht, ach, ein Zimmer mit Oberlicht, das ist ein >;deal. tum n. Kammer, warm Mid geschützt im Winter - und immer wirft es so schöne Reflexe auf Enulienv Naschen und ihre zarten bleichen Farben! Hab' auch draußen an Lomf ein Packet Kuchen abgegeben, und Lomfe mit ihrem einzigen Zahn, der doch von ihr wie em köstliches ^uwel in dem für ihn zum Alleingebrauch yusgeraumten Palai. gehütet wird, Louise hat mich versichert, daß m zwanzig Minuten der Kaffee „klar" ist!" .
Ja ia, Herr Theuerdank — Louise filtert oen Kaffee nicht, sondern kocht ihn ganz altmodisch; und klar heißt nicht nur hier im seemännischen Sinne fertig, sondern gilt als Adjektiv!" sagte Emilie. ,
' Adjektiv!" lachte Theuerdank, „Heinzer unsere Emilie ist schön emanzipirt und gelehrt ich darf nicht vergessen, daß sie ein Examen cum lumle gemacht hat das? Kind ist mehr als wohlgerathen! Nun sagen <aie
b0l \,2)al "kann geschehen — es geht mir ja nicht ganz
so schlimm wie dem alten Bcecklenburger Gut^bescher
Rudolph Müller, der von sich sagte: „As ick MNg wir harren de Ollen dat Wurt — nu ick olt bun, hebben de Jungen dat Wurt — so bün ick nuen Leven mch tau Wurt koamen!" Was aber meine Emilie betrifft — ich weiß wohl, sie ist ein seltenes, Kind — Sie brauchen e» ihr aber nicht immer irts Gesicht zu sageii, sie hat s schon manchmal drüber beklag.; auch was die Eman zipation anbelangt — wenn ein Mädchen k 'g und um sichtig denkt lvie ein R.ann, wenn eine lzrau den Hausstand^ernährt — warum sollte eine solche nicht mindesteiw ben vielen faulen und vertrunkenen Kerls gleichberechtigt Mn* Sa - und so ein Kind wie Emil e! Sw haben recht — ihr Werk ist es auch, daß die hübsche alte Kagute ivie eine Heimath aussieht, m der es einem ^eden wohl sein kann! Und darum auch lebt man fo hm, ctl§ könnt e § niemals anders werden mit uns paar Menschen hier im "Hause zusammen - Gott schütze uns vor Ver-
änderungenUchien g^mzimmer .und setzte
prunkend die große silberne Kaffeekanne, auf den Tisch, rückte noch an Tellern und Tassen und rief gebieterisch. ,.Es kann getrunken werden, aber bitte man gleich, eh er kalt wird — er hat nicht warten gelernt." „
„@o?" lachte Theuerdank. „Wird es aber doch wohl
manchmal müssen wie wir auch!
mg — da wird er aber nicht besser von. Ob Herr Konsul davon besser geworden ist, sieht man lhm freilich nicht an", fügte sie etwas leiser hinzu, den Vorderzasi ibres Unterkiefers bissig herausschiebend, „sie musten wissen, Herr Konsul, Hoffen und Harren macht manchen
Louise - schnell fertig ist die Jugend mit
t ’ Lm «Sic°r)üfteIte, um besser überhören zu können und ver-
'^?u/begaben sich die drei Kaffeegäste an den TW,
w§nd°» lÄn, ,md EmUi. ihm 1 °m- Deck, ,,-ch
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(ipiten und Ueberkommenheiten machen da» -eben veyag E. eben sie tragen den Heimbegriff Mit sich,
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to<5t nS«bonI was soll das? Nicht, daß ich meine, fte Nichts^DÜWrchen — gar nichts! zu diesem Ohr herein
(Fortsetzung folgt.)
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eröirnet den * Jahrgang 1901 . mit den beiden ^ ^ hervorragenden erzählenden Werken:
Felix Hofoesf“ von 3. C. Beer ”san Vigilio“ von Paul Beyse.
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