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Verlag Langgafle 21

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Donnerstag» 13. Mai 1913.

Morgen - Ausgabe.

Nr. 221. ♦ 63. Jahrgang.

Der Krieg.

Oer Tagesbericht vom 12. Mai.

Lin weiterer Erfolg bei l)pern. — Alle Durch­bruchs versuche der Feinde bei Arras - Tarencrf unter schweren Verlusten abgeschlagen. Günstiger

Fortgang der Verfolgung in westgalizien.

W.T.-B. Großes Hauptquartier, 12. Mai. (Amtlich.)

westlicher Kriegsschauplatz.

Feiudliche Flieger bewarfen gestern die belgische Stocht Brügge mit Bomben, ohne militärischen Schaden anzurichten. Östlich von B p e r n nahmen wir eine wichtige, von schottischen Hochländern ver­teidigte Höhe. Dünkirchen wurde weiter. von uns unter Feuer gehalten. Östlich Dixmuiden schaffen wir ein englisches Flugzeug ab.

Der zwischen Car euch und Neuville (in der Gegend nördlich von Arras) von den Franzosen in den letzten Tagen genommenen Graben ist noch in ihrem Besitz. Im übrigen waren auch gestern alle Durchbruchsversuche des Feindes vergeh- l i ch. Seine Angriffe richteten sich hauptsächlich gegen unsere Stellung östlich und südöstlich von Ve r m e l l e s, gegen die Lorettohöhe, die Orte A b a i n, Ciirency sowie gegen unsere Stellungen nördlich und nordöstlich von Arras. Sämtliche Vorstöße brachen unter den schwersten Verlusten für den Feind zusammen.

Ein Versuch des Gegners, uns den H a r t m a « n s- Weilerkopf wieder zu entreißen, scheiterte. Nach starker Artillerievorbereitung drangen französische Alpenjäger hier zwar in unscr auf der Kuppe gelegenes Blockhaus ein, wurden aber sofort wie­der hinansgeworfen.

Westlicher Kriegsschauplatz.

Bei S ch a w l e ist noch ein unentschiedenes Gefecht im Gange. An der Bzura wurde ein russi­sches Bataillon, das ein Versuch zum überschreiten des Flusses machte, vernichtet.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Unsere Verfolgung zwischen Karpathen und Weichsel ist in vollem Zuge geblieben. Dem Feind wurde auf der ganzen Front weiterhin schwerer Abbruch getan. So nahm ein Batail­lon des 4. Garderegiments zu Fuß allein 14 Offiziere, darunter ein Oberst, 4580 Mann gefangen und erbeutete 4 Geschütze, eine bespannte Maschinen­gewehrkompagnie und eine Bagage. Die verbündeten Truppen überschritten den San zwischen S a n o k und D e n o k. Weiter nordwestlich erreichten sie die Gegend Rzeszow-Mielec. Die in den Karpathen beiderseits des Strhj kämpfenden Truppen warfen den Feind aus seinen Stellungen.

Oberste Heeresleitung.

von den östlichen Kriegsschauplätzen, ver österreichisch-ungarische Tagesbericht. Die Russen überall auf der Flucht und dicht verfolgt. Die Nida überschritten. Starke russische Kräfte im Vormarsch über den Dnjestr.

W. T.-B. Wien, 12. Mai. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 12. Mai, mittags: Die Niederlage der ruffischen 3. und 8. Armee v e r g r ö ß e r t sich von Tag zu Tag. In regellosen Kolonnen, teils im Auflösen, flüchten die russischen Truppen und Train dieser Armeen in der Richtung auf I a r o s l a u, Przemhsl und C h y r o w zurück. Die aus dem Raume Sanok-Lifkow nach Osten flüchtenden starken feindlichen Kräfte werden von Süden her durch die über Baligrod und Polano vorgedrun­genen eigenen Kolonnen angegriffen.

Die siegreichen Truppen haben in weiterer Verfol­gung dieuutereWisloka überschritten, R z e s z o w erobert. Deuow, Sanok und Lifkow sind in unserem Besitz.

Durch den bisherigen außerordentlichen Erfolg in West- und Mittelgalizien beginnt nun auch die russi­sche Karpathensrout östlich des Uzsoker Passes zu wanken. Die deutschen und österreichisch- ungarischen Truppen strck nun auch hier auf der gan­

zen Front im Angriff, der Feind im Raume von Tnrka und Oraw a und Oportalc im Rückzuge.

Nördlich der Weichsel sind unsere Truppen über die Nida vorgedrungen.

F» Südostgalizien sind starke russische Kräfte über den Dnjestr in Richtung auf O r o - den ko vorgestoßen. Zaleszczyki wurde von uns geräumt. Die Kämpfe dauern fort.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalsticks,: v. H ö s e r, Feldmarschalleutnant.

Der Kaiser an den Generalstabschef.

W. T.-B. Berlin, 12. Mai. (Nichtamtlich.) Der Kaiser hat an den Chef des Genercrlstabs v. Falken­hayn folgende Kabinettsorder gerichtet: Mit scharfem und klarem Blick und in richtiger Abwägung der Lage haben Sie die Stelle erkannt, an der bas r u f f i- sche Heer am verwundbarsten war und mir die dar­aus zu folgernden Vorschläge zur Herbeiführung eines großen Erfolges gemacht. Der jetzige herrliche Sieg gibt nur wiederum Gelegenheit. Ihnen meinen und des ganzen Vaterlandes Dank anszu- sprechen für Ihre hingehende Arbeit, die Sie in stiller selbstloser Art in meinen und des Vaterlandes Dienst stellten. Unter denen, durch die es dem deutschen Heer ermöglicht war, einer Welt von Feinden die Stirne zu bieten und große Erfolge über sie zu erringen, stehen Sie als Chef des Generalstübs des Feldcheeres in erster Linie. Als Zeichen meiner Dankbarkeit ver­leihe ich Ihnen meinen hohen Orden zum Schwar­zen Adler. 12. Mai 1915. g«z. Wilhelm I. R.

Erzherzog Friedrich an die Artilleristen.

W. T.-B. Wie», 12. Mai. (Nichtamtlich) Aus dem Kriegs- pDesseguartier wird gemeldet: Der Armeeoberkommandant Erzherzog Friedrich hat folgenden Befehl erlassen: Die vergangenen acht Kampftage bilden ein neues Ruhmes­blatt in der Geschichte der deutschen und österreichisch-ungari­schen Artillerie. Die tmt großer Mühe verbundene ziel- bewußte Etablierung sowie das vorzüglich geleitete und mit hervorragender Schiehtechmk zu höchster Wirkung gesteigerte Feuer hat den Angriff der verbündeten Truppen mit üb er- wlilt'geiider Kraft vorbereitet und in aufopfern­der waffenbrüderlicher Weise bis zum vollen Gelingen un­terstützt. Mehrere Reihen stark ausgebauter feindlicher Be­festigungen sind in unserem Besitz und sie zeugen sowohl des Heldenmutes unserer Infanterie wie der vernichtenden Wir­kung unserer Artillerie. Seither begleitet diese die ohne Rücksicht auf die Strapazen, Entbehrungen und unter schwie­rigsten Verhältnisen rastlose Verfolgung des weichen­den Gegners durch Infanterie, um seine Niederlage zu ver­vollständigen und ihm jeden neuen Widerstand unmöglich zu machen Ich sage der gesamten Artillerie, der 11., 4., 3. und 2.' Armee für ihre bisherige Hingabe und aufopfe­rungsvolles Zusammenwirken mit der Infanterie meinen Dank und meine vollste Anerkennung in der festen Zuversicht, daß die rücksichtslose Jnfanterieverfolgung, eng ge­paart mit unablässiger, kern Opfer scheuende Unterstützung durch die bewährte verbündete Artillerie, zu einem vollenSiege führen und die Kampfeskrcrft unseres zähen Gegners vernichten wird.

Die Verheimlichung des großen Durchbruchs in Frankreich.

W- T.-B. Paris, 12. Mai. (Nichtamtlich^ Die franzö­sische Presse verheimlicht innner noch den U m f a n g des Sieges der Deutschen und Österreicher in Westgalizien und legt ihren Betrachtungen die russischen Tagesberichte zu­grunde, die von einem leichten Zurückgehen der Russen vor den deutschen Angriffen und von aogewiefenen, immer schwächer werdenden österreickisch - deutschen Angriffen sprechen. Kennzeichnend für die Ausführungen der franzö­sischen Preise sind die Erörterungen des „Temps", der schreibt: Angesichts des etwas schnellen Rückzugs unseres Verbündeten, der nicht genügend aus den Angriff vorbereitet schien, der seit 14 Tagen angetündigt war, haben wir uns gestern in einer ziemlichen Verlegenheit befunden, mn von den Vorgängen zwischen Weichsel und den Kar­pathen zu sprechen. Tie russischen Angelegenheiten werden jedoch sicher wieder eingerenkt werden. Die Raffen finden an den Flüssen, die von den Karpathen zur Weichsel fließen, hintereinanderliegende Verteidigungslinien, die den Marsch des Feindes verlangsamen und ihnen selbst gestatten, Verstärkungen heranzuziehen. Der Feind, dessen Verluste ungeheuer sind, gibt Zeichen der Ermüdung und wird schwerlich einer Offensive widerstehen, die unsere Verbündeten wieder z u ergreifen nicht verfehlen können. Die übrige Presse behandelt die Operationen in Galizien als Bagatelle, die von den Deutschen aufgcbauscht sei, um die neutrÄen Staaten zu beeinflussen-

Russische „Bescheidenheit".

Unsinnige Erwartungen über einen etwaigen Separatfrieden mit Österreich-Ungarn.

Br. Berlin, 12. Mai. (Erg. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der „Vorwärts" zitiert einen Artikel des Moskauer liberalen Blattes „Rußkoje Wjedomosti", das in seiner Num­mer vom 29. April die Frage eines Separatfriedens zwischen Rußland und Österreich-Ungarn erörtert. Die Ausschei­dung Österreich-Ungarns werde die Zertrümmerung des deutschen Militarismus wesentlich beschleunigen und er­leichtern. Trotzdem verlangt nach dem Moskauer Blatt Ruß­land nicht nur Ostgalizien, sondern auch Westgali­zien mit Krakau für Rußland, Bosnien und die Herzegowina für Serbien, das außerdem einen Aus­gang zur Ad ria erhalten müsse, dafür müsse Bulgarien den von Serbien annektierten Teil Mazedoniens zurückerhalten. Der Friede müsse ferner Tschechen und Kroaten die Autonomie bringen, auf der anderen Seite Österreich von der Notwendigkeit entbinden, auch Italien und Rumänien Gebietsabtretungen zu ge­währen.

Nette Enthüllungen über öle „slaroophile Gesellschaft".

Br. Moskau, 12. Mar. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der Moskauer pürstek" veröffentlicht aufsehenerregende Enthüllun­gen über die Tätigkeit der slawophrlen Gesellschaft. Dies rst die bekannte Vererntgung, welche die pop-rckär ge- Ivordenen Bankette der Slawophrlen in Moskau" Perm»» stallet, auf denen hochpatrwtische Reden gehakten und poLü» lche Resolutionen angenommen wurden. Die B ank et t e, an denen die Spitzen der Moskauer Gesellschaft te&xtaSjtncn, haben der Gesellschaft große Einnahmen yftmdy. Auch wurde der Gesellschaft erlaubt, zugunsten ©ex» br«nS und Montenegros fn großem Stile zu f«m», mein. Jetzt hat sich herausgestellt, daß Hirudeuch- tausende von dem gesammelten Gelde in die T as chegr der Führer dieser rraiionaben Gesellschaft geflossen strck,

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(vesterreichisch-untzarische Fliegerbesuche in Serbien.

IV. T.-B. Wien, 12. Mai. (Nichtamtlich.) Vom sür- lichen Kriegsschauplatz wird gemeldet: Zwei öster­

reichisch-ungarische Flieger warfen über Barhova mchrere Bomben, durch die drei serbische Dampfer, zwei Schleppdampfer und viele Munition in die Luft ge­sprengt wurden. Auch Wer Belgrad wunde« mehrere Bomben abgeworsen. Französische Flieger der Serben erschienen heute Wer ungarischem Gebiet, kehrten aber nach den ersten aus sie abgegebenem Schüssen zurück.

Hilfskreuzer „Lusitania".

Von sachverständiger Seite wird dem „Hamburgischeu Korrespondenten" geschrieben: Für die Beurteilung deS

„Lusitania"-Falles ist der Umstand ausschlaggebend, daß man das Schiss seit Kriegsbeginn nicht mehr als zur englische« Handelsflotte, sondern zur Kriegsflotte gehörig an» sehen muß. Die „Lusitania" und ihr Schwesterschiff „M a u r e t a n i a" sind seinerzeit unter einem besonderen Abkommen mit der englischen Regierung erbaut worden, und zwar unter einem Abkommen, das die Schiffe als ein Geschenk der englischen Regierung der C u n a r d - Linie darbrachte. Denn die englische Regierung gab der Cunard-Linis die zum Bau dieser beiden Schiffe nötig«, Summe von etwa 52 Millionen Mark als Darlehn zum Zi«S- futz der englischen Konsols, also damals 2% Prozent, und gab der Gesellschaft gleichzeitig eine Subvention von jähr­lich 150 000 Pfund Sterling, eine Unterstützung, die zur Ver­zinsung und Amortisation des Regierungsdarlehns auS- reichte, zumal die Cunard-Linie auch noch eine S p e z i ack - Vergütung für die Beförderung der Post mit diese« beiden Schnelldampfern bekommt. Dagegen verpflichtete sich die Cunard-Linie, im K r i e g s f a l l der Regierung ihre ganze Flotte zur Verfügung zu stellen und diese beiden Schnelldampfer als Hilfskreuzer nach den Vorschriften der englischen Admiralität zu konstruieren. Die Vorschriften der Admiralität sind besonders weitgehend gewesen, insbesondere wurde auch eine hohe Geschwindigkeit verlangt, zumal der Grundgedanke für diese eigenartige Transaktion der Wunsch war, den Rekord des Hamburger Schnelldampfers „Deutschland" zu übertreffen, — ein Wunsch, dem die eng» lische Reederei aus eigener Macht zu enffprechen sich nicht im- stände fühlte. Es gibt überhaupt keine Reederei der Welt, die ein so enges Verhältnis zu ihrer Regieruug und namentlich zu ihrer Admiralität eingegangen ist, wie die Cunard-Linie.

Die Reederei hat die Verpflichtung, alle Pläne fikr Schiffe über 17 Meilen Geschwindiakeit der Admiralität zu-