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„Tägdlatt-HäNii" Nr. 6650-53.

Bon 8 Uhr morgen» fttt 8 Uhr abends, außer Sannt»»».

Anzmaen-PrriS für die Zeile: lö Mg. für örtliche Steigen im ,.«rbeit»markt" und Kleiner Anzeiger» in einheitlicher Satzform: LO Psg. in daoon abweichender Sayauösührun,, sowie für alle übrigen örtlichen Anzeigen: 30 B!g. für alle auswärtigen Anzeigen: l Ml. für öriliche Reklamen: 2 Mk. für auöwiMge Reklamen. Ganze, halbe, drittel und viertel Seiten, durchlaufend, nach besonderer Berechnung. — Bei wiederholter Aufnahme uabrränderter Anzeigen in kurzen Zwilchenräumeu entsprechender Nachlaß

die Morgeii-Au4g. bi, s Uhr nachmittag,. Berliner «chriftleitnng des Wiesbadener Tazblatts: Berlin-Wilmersdorf Süntzelpr.««, Frrnspr.: Amt U-land 4bv n. 451. ^en Nl^^rkkchnksmäd^wmm "

Mittwoch, 12. Mai 1915.

Kbend-Kitsgabe.

Nr. 220. ♦ 65. Jahrgang.

Der Krieg.

von den östlichen Kriegsschauplätzen. Die Schlacht von Gorlice-Tarnow.

W.T.-B. Berlin, 11. Mai. (Nichtamtlich.) Aus dem Großen Hauptquartier erhalten wir über den Fortgang der Durchbruchsschlacht in West» galizien, die den Itamen „Schlacht von Gorlice- Tarnow" tragen wird, folgende weitere telegraphische Mitteilung:

Anr Abend des 4. Mai war der taktische Durch­bruch vollendet. Trotz des Einsatzes namhafter Re­serven und trotz aller Vorbereitungen der zweiten, dritten und vierten Linien war der Feind geschlagen und in vollem Rückzug über die WislÄa. Wie der offizielle russische Bericht selbst zugibt, war die Truppe vor allem durch die außerordentliche Wirkung der schweren Artillerie der Verbündeten stark erschüttert. Anr Morgen des 5. Mai meldeten die Flieger, die durch ihre Unermüdlichkeit und ausge­zeichneten Meldungen die Führung außerordentlich unterstützten, und deren Tätigkeit durch die warme, un­verwüstliche Maiensonne ganz wesentlich begünstigt wurde, den Rückzug des Feindes auf allen von tzaslo nach Osten und Norden führenden Straßen. Sie waren sämtlich von in großer Unordnung abziehenden Kolonnen bedeckt. Die Straßenbrücken Jastos brannten, die Eisenbahnbrücken über die Ropa und Wisloka waren gesprengt. Nun war kein Zweifel mehr, daß der Feind nicht mehr die Kraft besaß, die Wisloka-Linie zu verteidigen.

Der Verzicht auf die Behauptung dieser Linie mußte aber von der weittragend st en Bedeu- t u n g für die russische Nachbararmee werden, deren Stellungen im nördlichen Zipfel Ungarns nunmehr un- tzaltbar wurden. Die strategische Wirkung des Durch­bruches mußte sich jetzt fühlbar machen und die Auf- rollung der russischen Karpathenfront bis zum Lupkow-Sattelals Frucht des gelunMren Durch­bruches dem Sieger in den Schoß fallen. Zögerte der Feind mit dem Abzüge, dann wurden ihm die rückwär­tigen Verbindungen verlegt und seine im Gebirge stehenden Truppen abgeschnitten. Tatsächlich brachte der Telegraph von der benachbarten Armee des Gene­rals der Infanterie B o r o e v i c von Woina schon am frühen Morgen die Kunde, daß der vor ihr gewesene Feind in der Nacht vom 4. zum 6. Mai den A b ° marsch nach Norden angetreten habe, und daß er sich nahezu vor der ganzen. Front im eiligen, teil­weise fluchtartigen Rückzüge befinde. Die dritte österreichische Armee folgte dem Feinde auf dem Fuße, um diesem aber möglich noch die Rückzugsstraße zu verlegen, ließ der den rechten Flügel der Armee Mackensen befehligende General von E m m i ch seine Truppen, die bei Z m ig r o d dank dem eiligen Abzüge der Russen die Wislokabrücke noch un­versehrt gefunden hatten, in einem Gewaltmarsch bis zur I a s i o I k a nördlich Dukla vorrücken, so daß seine Kanonen am Abend dieses Tages die Stadt Dukla und die von dem glcichncmffgen vielgenannten Passe hevanführende Gebirgsstraße unter Feuer nahmen. Während Hannoveraner und Bayern die Wacht gegen die Karpathen hielten, damit aus ihnen nichts nach Norden entschlüpft, stand im Rücken der deutschen Truppen noch ein schanzender Feind.

Im übrigen rückte die Mitte des linken Flügels der Armee Mackensen an diesem Tage gegen feindliche Nach­huten kämpfend an die Wisloka heran. 2kn 6. Mai vollzog die Masse der Armee den Übergang über den Fluß. Der Feind versuchte preußischen Garde- Regimentern die östlichen Ufevhöhen streitig zu machen; er wurde angegriffen und ließ 15 Feldkanonen sowie zwei schwere Geschütze in der Hand des Siegers. Gardetruppen hatten bis dahin allein 12 000 Gefangene gemacht, 3 Geschütze und 45 Maschinengewehre erbeutet. In engster Zusammenarbeit mit Mackensen überschritt die Armee des Erzherzogs Joseph Ferdinand am 6. Mai mit ihrem rechten Flügel die Wisloka. -

Die 10. österreichische Division, die sich unter Führung ihres Kommandeurs, des Generals von Mecenseffy, während der sämtlichen bisherigen Kämpfe ganz besonders ausgezeichnet hatte, setzte sich am 7. Mai nach einem erbitterten Straßenkampfe in todesmutigem Sturm in den Besitz der Stadt Brzostek, die die Russen hartnäckig, verteidigt hatten. Die Mitte und der linke Flügel der österreichischen Armee warfen den Feind aus verschiedenen zäh ver­teidigten Nachhutstellungen und setzten den Vormarsch fort. Die erzherzogliche Armee hatte bis zum Abend dieses Tages 16 000 Gefangene gemacht, sechs Geschütze und 31 Maschinengewehre erbeutet.

Line Ehrung des österreichisch-ungarischen ksöchstkammandierenden.

W. T.-B. Wien, 11. Mai. (Nichtamtlich.) Das „Fremden­blatt" meldet aus dem Hauptquartier: Aus Anlaß der Ver- lerhrmg des Militärverdienstkreuses in Brillanten an Feld­marschall Erzherzog Friedrich brachte gestern die Garnison dem allverehrten Feldherrn durch einen Fackel- zug eine begeisterte Ovation dar. Der Erzherzog dankte trefgerührt vom Balkon für die Aufmerksamkeit und gedachte in begeisterten Worten der ruhmreichen Armeen, denen er ein von den Militärs und der unabsehbaren Menschenmenge begeistert aufgenommenes Hoch widmete.

Oer Glückwunsch des Polenklubs an Kaiser Kranz Joseph.

W. T-B. Wien, 11. Mai. (Nichtamtlich.) Das Präfi- dium des Polenklubs hat in seiner letzten «Ätzung, welcher auch der Landmarschall und Minister für Galizien beiwohnte, beschlossen, nachstehendes Beglückwünschungstele­gramm an den Kaiser zu richten: „In unbegrenzter Ehr­furcht, Dankbarkeit und Liebe zu Ew. Majestät geheiligten Person gestattet sich der reichsrätliche Polenklub, anläßlich des glückverheißenden Sieges, den Ew. Majestät und die deutschen Heere unter den Augen des siegreichen Erz­herzogs-Feldmarschall erfochten haben, aufrichtigen und innigsten Glückwunsch dem allerhöchsten Thron zu unter­breiten." Dem Obmann B i I i n s k i ist hierauf folgendes Telegramm zugegangen: „Majestät dankt dem reichsrät- lichen PolenLub für die in bewährter Treue und Anhäng­lichkeit dargebvachten Glückwünsche zu dem hocherfreulichen Erfolge der verbündeten Heere."

Lin rusMchsr Bericht.

Auswaschung kleiner Plänkeleien und Verschleierung der Weder luge.

W. T.-B. Petersburg, 11. Mai. (Nichtamtlich.) Der Große Generrlftab gibt bekannt: In der Gegend von

Szawle schritt unsere Osssrrsive am 9. Mai in breiter Front erfolgreich fvrt. Eine von einem preußischen Garde - Infanterie - Regiment unterstützte baye­rische Kavallerie-Division, die unsere in der Richtung auf Kejdany und Bejsagola operierenden Truppen von Osten her umging, ist in der Umgebung des Bahnhofes von Jeimy erfolgreich von unserer Kavallerie angegriffen und am 9. Mai von ihr ohne Unterbrechung über viele Werst hin verfolgt worden. Auf dem linken Ufer des Njemen und an der Narewfront herrschte Vollkvmmsne Ruhe. Aus dem linken Weichselufer wiesen wir einen feind­lichen Angriff an der Dkündung der N i d a ab. In W e st - galizien wurde am 8. und 9. Mai in der Hauptsache auf der Linie Wjelopol-Nowotcnnco gekämpft. Nach erbitterten Kämpfen gelang es dem Feinde, in der Gegend von K r o S n o den Oberlauf des Wisloka zu überschreiten. Wäh­rend der Kämpfe in der vorigen Woche machten wir mehrere tausend '(?) unverwnndete Deutsche und Österreicher zu Ge­fangenen, deren genaue Zahl noch angegeben wird. Am Tuemockpaß unternahm der Feind einen vergeblichen Angriff. Anr 8. Mai griffen dichte Kolonnen des Feindes heftig Szanie und die Berge von Javornik am Oberlauf der Lomnica an. In einem Teil unserer Stellung, der von zwei Kompagnien gehalten wurde, waren die Verluste des Feindes ungeheuer groß. Trotz feindlichen Maschinengewehrfeuers gingen unsere Kompagnien zur Offensive über und fegten mit ihrem Feuer die stürmenden Kolonnen des Feindes fort. Der Feind irmrde in dieser Gegend überall geworfen. Am gleichen Tage zwang der Feind nach einem erbftterten Kampf unsere bei dem Dorf Zaleszcshcki stehenden Truppen, sich auf das linke Ufer des Dnjestr zurückzuziehen. Nachdem unsere Bmchaten in der Nacht vom 9. Mai den Dnjestr überschritten hatten, griffen sie den Feind in der Linie Zabokricki-Mündnng Sthpa au, machten 1300 Gefangene und erbeuteten eine Kanone und mehrere Maschinemgewehre. General Cherfils über die Bedeutung der Beskidrnschlacht.

Paris, 19. Mar. (Ktr. Bln.) In seiner gestrigen Aus­führung über die Beskrdenschlacht schreibt der militärffche Be­richterstatter des „Echo de Paris", General Cherfils: Die

Augrfffe der Truppen v. Mackensen vor Tarnow auf die Dunajec-Front haben eine große Tragweite und be­zwecken, die Russen auf dieser Front bis zum San und P r z e m y s l zum Rückzug zu zwingen sowie den russischen Kolonnen westlich des Lupkower Passes und in den ungarischen Grenzländern den Rückzug abzuschneiden und dem russischen Einfall auf ungarisches Gebiet ein Ende zu machen. Ferner würde diese Berbindungsstraße, welche durch die Eroberung von Przenchsl in rufsffche Hände kam, aufs neue gesperrt werden, Krakau würde dauernd ge - sichert^Schlesien geschützt und die russische Front in zwei Stücke gerissen sein. Aber es ist unnötig, die Russen über die Bedeutung der Dunajec-Front aufzuklären. Sie wissen, daß diese unverletzt bleiben muß. Ihre Reserven sind zahlreich, ihre Berteidigungsfront Garloce-Tarnow ist stark befestigt. Es ist sicher, daß die Angriffe von Mackensen sich an obigem Hindernis brechen toerden. — Die letzten Er­eignisse haben das Gegenteil bewiesen, und die Bestä­tigung General Cherfils' über die Folgen des Durch­bruchs heben den Erfolg des deutschen und österreichischen , Erfolges eben nur hervor.

vie schweren Geschütze der Skoda-Werk«:

Bon Krupp und Skoda gleichzeitig 42-Zentimeter-Geschütze konstruiert.

Brrliu, 12. Mai. (Ktr. Bln.) Frhr. v. Skoda, der sich in Karlsbad aushält, stellt in einem Scheiben cm die „Karls- bader Morgenzeitung" die Behauptung richtig, daß die Skoda­werke die Pläne für die deutschen 42-Zentimeter-Mörser ver­faßt hätten. Er schreibt: Die Skodawerke haben von schwer- kalibrigen Kanonen, außer den bekannten 30,5-Zentimeter- Mörsern (genannt Motorbatterien) auch 42-Zenttmeter- Haubitzen konstruiert und erzeugt. Diese Konstruktion urrd Erzeugung ging jedoch vollkommen unabhängig von den Kruppschen 42-Zentimeter-Mörsern vor sich und weder die Firma Krupp noch die Skodawerke haben gegenseitig gewußt, daß beide Firmen ein Geschütz des gleichen Kalibers 42, die eine jedoch als M ä r s e r, die andere als Haubitze, erzeugt hatten. Auf allen Kriegsschauplätzen stehen die 30,8-Zentimeter-Mörser in Verwendung, auf bem westlichen der Kruppsche 42-Zentimeter-Mövser und auf dem östlichen auch die 42-Zentimeter-Skoda-Haubitze. ,

Starker klnörang zur zweiten Kriegsanleihe in Desterrerch.

W. T.-B. Wien, 11. Mai. (Nichtamtlich.) Wie schon fest- gestellt werden kann, vollzieht sich die Zeichnung auf die Kriegsanleihe in ganz Österreich bei steigendem An­drang des Publikums. Der gestrige dritte Zeichmingstag brachte bei allen stellen ein bedeutendes Hinauf» schnellen der Zeichnungen, sowohl der Zahl als an Be- ttägen. Insbesondere melden auch die Postämter zahl­reiche Zeichnungen an, bei denen der Durchschnittsbetrag be­deutend höher ist als im November 1914.

Der Krieg gegen England.

Sur Vernichtung der „Lusitania".

Die amtliche Erklärung der deutschen Regierung.

W. T.-B. Berlin, 11. Mai. (A m tl i ch.) Der Regierung der Vevermgteu Staaten von Amerika und den Regierungen der neutralen Mächte in Europa ist durch die bei ihnen be­glaubigten Kaiserlichen Vertreter eine Mitteilung folgenden JlchallS gemacht worden:

Die Kaiserliche Regierung bedauert aufrichtig den Verlust von Menschenlebeil durch den Untergang der „Lust, tania", muh jedoch die Verantwortung a b'l e h n e n. England hat Deutschland durch seinen Aushungerungsplan zu entsprechenden Vergeltungsmaßregeiin gezwungen, und das deutsche Anerbieten, für den Fall des Aufgebens des Arrs- huirgerungSplans den Unterseebootkrieg einzustellen, mit ver- -chärften LlockadLnraßnahmen beantwortet. Englische Handelsschiffe können schon deshalb nicht als gewöhn­liche Kauffahrteisthiffe behandelt werden, weil sie g e w »h n - he i t s m ä ß: g armiert sind und wiederholt durch R a m» men Angriffe auf unsere Schiffe unternommen haben, so daß schon aus diesem Grunde eine Durchsuchung ausgeschlossen fft. Der englische Parlamentssekrelär hat noch jüngst auf An­frage Lord Beresfords erklärt, daß nunmehr so gut wie alle englischen Handelsschiffe bewaffnet und auch mit Handgrana­ten versehen seien.

Übvrgens gibt die englische Presse offfn zu, daß die „Lus: tania" mit gefährltch-er Geschützftärke ausgerüstet war.

Der Kaiserlicheir Regierung ist ferner bekannt, daß die „Lusitania" auf ihren letzten Reisen tuiederholt große Mengen Kriegsmaterral beförderte, wie überhaupt die Cunard- dampfer „Mauretania" und „Lusitania" infolge ihrer Schnelligkeit als besonders geschützt gegen Unterseebootsan- griffe betrachtet und mit Borliebe zum Transport von Kriegs­material benutzt wurden. Die .Lusitania" hatte auf der jetzi­gen Resse erwiesenermaßen 5400 Kisten Munition an Bord, auch dir sonstige Ladung war größtentei-ls .Konterbande. Vor Benutzung der „Lusitaura" war rieben allgemeiner deutscher Warnung, noch durch den Botschafter Grafen B e r n st o r f f besonders gewarnt worden. Die Warnung fand jedoch bei den Neutralen keine Beachtung, seitens der Cunard-Lilüe urrd der englischen Presse sogar frevelhafte Ver­höhnung. Wenn England auf diese Warnungen hin die Ge­fährdung des Schiffes bestritt, das Vorhandensein ausreichen­der Schutzmaßnahmen vortäuschte und die Reisenden so zum Mißachtung der deutschen Warnung und zur Benutzung eines Schiffes irreführte, das nach Armierung und Ladung der Ver­senkung verfallen war, so ttifft die Verantwortung für den von der Kaiserlichen Regierung aufs treffte beklagten Ver­lust von Menschenleben ausschließlich die Königlich Großbitannische Negierung.

Anfragen wegen der „Lusitania" im Unterhaus

Unsinniges Schimpfen auf Deutschlands „Vertragsbrüche".

W. T.-B. London, 11. Mai. (Nichtamtlich) Auf eine An­frage, ob die Regierung Schritte getan habe, um Deutsch­lands wiederholte Übertretungen der Haager Konven- twu zur Kenntnis der Unterzeichner zu bringen, sagte Pre­mierminister Asquith im Unterhaus, daß Deuffchland den Krieg mit einem flagranten Vertragsbruch La- yonuen habe und mit zunehmender Mißachtung die Übereinkunft früher gutbefundener BLstimrmungen über die Krirzsfuhrung fort setze. Diese Tatsachen, 'bemerkte