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Dienstag, 11. Mai 1915 .

Kbend-Kusgo.be.

Nr. 218. ♦ 63. Jahrgang.

Der Krieg.

von den östlichen Kriegsschauplätzen.

Die Einkreisung der russischen vuklapatzarmee

Berlin, 11. Mai. Mr. Bln.) Die Einkreisung, Verfol­gung und Vernichtung der russischen Armee, die bei D u k l a gestanden hat, erfolgt laut „Bert. Lok.-Auz." durch die Armeen Mackensen, Boroevic und von der Marwitz mit drohender Schnelligkeit. Die Panik und der Zusammenbruch haben sich nunmehr auch auf die russi­sche Front bei Lupkow ausgedehnt. Schrecklich wütete die Schlackt bei Ostrowitza. In sechs Stunden waren neue 6000 Gefangene cingebracht und auch viel Kriegsgerät. Die vor- driugendeu verbündeten Truppen haben K o m a n a w a be­reits hinter stch, marschieren teils in der Richtung auf Baligro», teils in der Richtung zum obere» San und werfe« hierbei die feindlichen Nachhuten überall zurück.

Oie Verfolgung in den Beskiden.

Br. Graz, 11. Mai. (Eig. Dralhtbericht. Ktr. Mir.) Die „Grazer Tagespost" veröffentlicht folgenden Bericht aus dem Kriegspressequartier: Die Armee

Boroevic setzt die Verfolgung iu den Beskiden gegen die nordwärts zurückgehen de 8. russische Armee energisch fort und hat mit st a r k c n Kräften g a l i z i s ch e n Boden betreten. Die zwischen den Armeen M a ck e n s e n und Boroevic eingekeilten russischen K o lo n n e n, die westlich Stryo-Jaslicka jurückgeheu, muhten die W a f f e n st r e ck e n, schätzuugs- weise 20 000 Mann.

Ein Schweizer Zachurteil über die Narp ath en sch lo cht.

W.T.-B. Basel, 10. Mai. (Nichtamtlich.) Der Militärkritiker der „Basler Nachrichten" findet den Durchbruch durch die russische Front ga n z hervor- ragend angelegt. Er war in mehr als einer Be­ziehung eine Überraschung. Man hatte sich all­mählich zu der Ansicht bequsmt, daß rein frontal größere Erfolge überhaupt nicht mehr erzielbar seien. Dieser Glaube wurde dadurch gefördert, 'daß im Osten bisher alle großen Schläge durch eine Umfassung zur Entscheidung geführt wurden. Nun wird plötzlich auf einer Front, welche die von Gravelotte um mehr als das Doppelte übertrifst, ein großartiger einheitlicher Frontalangriff mitten in die feindliche Stellung hinein mit glänzendem Erfolge durchgeführt. Das ist nicht nur geschichtlich, son­dern auch rein militärtechnisch ein großes Er­eignis. In einer ausführlichen Besprechung des Schlachtverlaufes erwähnt der Kritiker, daß die mehr- fach festgestellte gegenseitige selbstlose Aus­hilfe der beiden Verbündeten einzig in der Kriegsgeschichte dastehe und sich auch diesmal glän­zend bewährte. Nicht recht begreiflich findet es der Kritiker, daß die groß angelegten ungeheuren Vorbe­reitungen so ganz unbemerkt von der russischen Aufklärung durzufübren waren.

Die Pariser Presse verschweigt die Niederlage m Westgalrzien.

Berlin, 11. Mai. (Ktr. Bln.) Die ganze Pariser Presse schweigt laut „Deutscher Tageszeitung" über die russische Niederlage in Galizien. Dagegen steht das Thema „Italien" im Vordergründe der Be­sprechungen. Ein Blatt sagt: Ohne Bulgarien

ist d>e italienische Intervention ein Stückwerk. Die Hauptsache ,ei der Fall von Byzanz, denn die Alliier­ten brauchten die dortigen Schiffe Und Soldaten.

Oes Raisers Dank an Mackensen.

W.T.-B. Berlin, 10. Mai. (Nichtamtlich.) Seine Majestät der Kaiser hat an den Generalobersten von Mackensen folgendes Telegramm gesandt:

„Unter Eurer Exzellenz erprobter Führung haben die Ihnen unterstellten verbündeten Armeen die russi­sche Front zwischen den Karpathen und der Weichsel mit mächtigen Schlägen durchbrochen, den Sähen Gegner in vieltägigen fortgesetzten Kämpfen von Stellung zu S t e l l ü n g gesagt, ihm eine un­übersehbare Siegesbeute abgenommen und schließlich rm Verein mit anderen Teilen des deutschen und öster­reichisch-ungarischen Heeres die weitausgedehnte feind­liche Karpathenstellung zum Wanken gebracht. Die- Führung und die unvergleichliche Tapferkeit der Trup­pen wetteiferten, einen Sieg zu erringen, der sich würdig den st o I z e st e n W a f f e n t a t e n dieses Krieges anreiht. Dafür gebührt Ihnen mein und des Vaterlandes Dank.

Als Ausdruck meiner besonderen Anerkennung für vas von allen Beteiligten Geleistete, verleihe ich Ihnen den Stern der G r o ß k o m t u r e und das Groß- komturkreuz des Königlichen Haus­ordens von Hobenzollern mit Schwertern.

tü-L») Wilhelm."

Die Rümpfe an der bessarabischen Grenze.

Budapest, 10. Mai. (Fr. Z.) Über die Kämpfe an der bessarabischen Front liegen in Bukarefter Blättern eingehende Berichte vor. Der „Universal" meldet aus Dorohoi , da ß gestern nacht an der bessarabische Grenze Vorpoftenkämpse stattsandrn, die gestern den ganzen Tag fortdauerten. Die österreichisch-ungarischen Truppen beschossen besonders die russischen Positionen um B o j a n. Die Kämpfe endeten mit einem Mißerfolg für die Russen, die bei Hotin Truppen sammeln, um ein weiteres Vordringen der österreichisch- ungarischen Heeresabteilungen nach Bessarabien zu verhin­dern. Alle diese Bemühungen können jedoch nicht verhindern, daß die Russen mehrere wichtige Positionen verloren. Die Russen beeilen sich jetzt, ihre in Bojcm aufgestapelten Vor­räte an Munition und Pontons über Gogolina ins Innere Rußlands zu bringen. Nach der „Dimineata" sind die Kämpfe hinter dem Bvjan-Berg sehr erbittert und am heftigsten zwischen Toporanc und dem Rarancsa-Wald. Die österreichisch- ungarischen Truppen benützen Geschütze schweren Kalibers. DK Russen haben überaus viele Verwundete und Tote.

„Russische Kbleugnungen."

W. T.-B. Berlin, 10. Mai. (Nichtamtlich.) Die „Nord­deutsche Allgemeine Zeitung" schreibt unter dieser Über­schrift: Es ist schon verschiedentlich darauf hingewiesen» wor­den, in welch naiver Werse die Vertreter der uns feindlichen Mächte zum Teil in Widerspruch mit den Meldungen ihrer eigenen Generalstäbe dem neutralen Ausland gegenüber ver­suchen, unsere militärischen Erfolge dadurch aus der Welt zu schaffen, daß sie diese einfach ableugnen. Wie weit sie darin gehen, was sie hierin dem neutralen Publikum zumuten, das doch auch Zeitungen liest und unsere Fortschritte auf den Karten verfolgen kann, beweist der Wortlaut einer amt­lichen russischen Erklärung, die im Laufe der vorigen Woche von den russischen Vertretungen im neutralen Aus­lande verbreitet worden ist. Diese merkwürdige Kundgebung lautet: Die kaiserlich russische Gesandtschaft ist ermächtigt, alle aus Berlin und Wien stammenden Nachrichten über den angeblichen großen deutsch-österreichischen Sieg in West- galizien kategorisch zu dementieren. Die Kämpfe, die in dieser Gegend stattfanden, lassen auch noch nicht einmal von einem Teilerfolg der deutsch-österreichischen Heere sprechen. In Washington ist dieser Wortlaut von der rus­sischen Botschaft sogar als Text eines von dem russischen Minister des Äußern selbst unterschriebenen Telegramms veröffentlicht worden. Ob Ssasonow mit dieser Bloßstellung seiner mangelnden militärischen Information durch seinen diplomatischen Vertreter im Ausland ein großer Dienst erwiesen wird, können wir dahingestellt sein lassen.

3um deutschen vorftotz nach tturland.

Berlin, 10. Mai. (Ktr. Bln.) Im „Corrieve della Sera" vom 5. Mai berichtet der Vertteter des Blattes aus Peters- bürg von: 3. Mai: Der deutsche Vormarsch wurde von einigen Kavallerie-Divisionen und leichter Artil­lerie ausgeführt. Der Hauptzweck des Feindes war, die Verbindungen der baltischen Provinzen auf der Eisenbahn­linie Lrbau-Wilna zu unterbrechen. Man muß anerkennen, daß dieser Versuch mit der Besetzung eines Teils der Enen- bahn zwischen Murawjewo und Radziwilischki geglückt ist.

Ein Vorstotz deutsch er Torpedoboote in der

Ostsee.

Berlin, 11. Mai. (Ktr. Bln.) Einen ausgedehnte­ren Vorstoß an der russischen Ostsceküste haben in den

letzten Tagen deutsche Torpedoboote unternommen und >rnd, wie die „Nationalzag." berichtet, hierbei auch in die Bucht von Riga cingedrungen. Vorgeschobene Küstenbefesti­gungen cröffneten das Feuer gegen die Torpedoboote. Diese antworteten und cs entspann sich ein kurzes, aber lebhaftes Feuergefecht. Die deutschen Kriegsschiffe erlitten anscheinend keine Beschädigungen, denn sie dampften bald darauf in ordnungsmäßigem Zustande außer Sehweite. Auch an anderen Küstenplätzen Rußlands sind deutsche Kriegsschiffe gesichtet worden.

Flüchtlinge in Riga.

W. T.-B. Petersburg, 10. Mai. (Nichtamtlich) „Nowoje Wremja" meldet: Riga ist überfüllt von Flüchtlingen aus Kurland. Viele sind geflohen, um nur ihr nacktes Leben zu retten. Die Wohltätizkeitsvereine tun alles, um die Not zu lindern.

Eine Reise des Königs von Sachsen nach dem ösllichen Kriegsschauplatz.

W. T.-B. Dresden, 10. Mai. (Nichtamtlich.) Der König begibt sich heute abend zu seinen Truppen nach 'dem östlichen

Kriegsschauplatz. Die RüKchr wird voraussichtlich am 22. Mai erfolgen.

Die Explosion in der Zabrik in Dchta.

Berlin, 10. Mai. (Ktr. Bln.) Die Untersuchung über die Ursachen der Melinit-Entladung in der genannten Fabrik in einer Vorstadt Petersburgs ist, wie der „Morning Post" vom 5. Mai aus Petersburg gemeldet wird, in bezug auf den Verlust an Menschenleben beendet. Die amtlichen Zahlen melden 8 4 Tote und an den erlittenen Verletzungen Gestorbene. 63 Verletzte sind im Krankenchause. Hierzu kommen noch 34 Personen, die nicht zur Fabrik gehören. 39 von den als tot angegebenen werden vermißt, d. h. nicht ein Sluck ihrer Körper wird je gefunden werden. Vier Leich­name sind nicht festgestellt worden. Die militärische Fabrik­wache bestand aus 18 Mann, von welchen 11 getötet wurden und 4 im Lazarett sind. Diese sind in den obengenannten Ziffern eingeschossen. Ein Mitglied der Vertvaltung ist ver­letzt und im Hospital.

Ein französisches Lob der Verteidiger von PrzemysI.

In der Pariser Zeitschrift „La Guerre des Nattons" wid­met der General Malleterre dem Wert der Festungen einen Artikel, worin er u. a. schreibt: „Wir müssen der glänzen­den Verteidigung Przemysls ein Lob spenden. Es heißt, daß diese Festung so zwecknräßig als möglich angelegt war. Wenn man dann an den geringen Widerstand denkt, den Maubeuge und die berühmte Festung Antwerpen ge­leistet haben, dann ftagt man mit Recht, ob das Los einer Festmig nicht vor allem von der Tapferkeit und Willenskraft der Verteidiger und Befehls­haber abhängt."

Sicherstellung der neuen Ernte in Ungarn.

W. T.-B. Budapest, 10. Mai. (Nichtamtlich.) Im Abge­ordnetenhanfe erklärte Ministerpräfident T i s z a bei Er­örterung der Ernährungsftage. daß die Regierung sich mit der Frage der Sichefftcllung und Verwertung der nächsten Ernte sotvie mit allen wichtigen Problemen beschäftigt, die damit zusammenhängen. Diese Aktion lverde in kurzer Zeit eingcleitet werden. Nachdem bereits früher ein Verbot des Vorverkaufs der Brotftüchte erfolgt sei, werde die Regie­rung für die Befriedigung des Kreditbedarfes der Landwirte Vorsorgen, der sonst aus dem Vorverkauf der Ernte aedeckt werde.