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Dienstag. II. Mai 1915.

Morgen - Ausgabe.

Nr. 217. ♦ 63. Jahrgang.

Eine große MlfMle UOe m rille.

Der Tagesbericht vom 10. Mai.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 10. Mai. (Amtlich.)

westlicher Kriegsschauplatz. Fortschritte an der belgischen Büste. Oie Offensive bei Lille überall abgewiesen. Lin Zeppelin an der Themsemündung.

An der Küste machten wir iu den Dünen Fort­schritte in der Richtung auf N i e u p o r t, nahmen mehrere feindliche Gräben und Maschinengewehre. Ein Gegen st oß des Feindes während der letzten Nacht gelangte bis an Lombartzyde heran, wurde dann aber böllig zurückgeworfe«.

Auch in Flandern wurde wieder nach vor­wärts Gelände gewonnen. Bei Verlorenhoek machten wir 162 Engländer zu Gefangenen.

Südwestlich Lille setzte der als Antwort auf un­sere Erfolge in Galizien erwartete große franzö­sisch-englische Angriff ein. Er richtete sich gegen unsere Stellungen östlich Fleurbaix, östlich Richebourg, östlich Vermelles, in Ablain Carency, Neuville und St. Laurent bei Arras. Der Feind — Franzosen sowie Weiße und farbige Engländer — führte mindestens vier neueArmee- k o r p s in den Kampf, neben den in jener Linie schon längere Zeit verwendeten Kräften. Trotzdem sind wiederholte Angriffe fast überall mit sehr starken Verluste» für den Feind abge- wiesen worden. Insbesondere war das bei den eng­lischen Angriffsversuchen der Fall. Etwa 500 Ge­fangene wurden gemacht. Nur in der Gegend zwischen Carency und Neuville gelang es dem Gegner, sich in unserer vordersten Linie festzusetzen. Der Gegenangriff ist im Gange.

Nördlich von Steinabrück im Fechttale warfen wir' den Feind, der sich unmittelbar vor unserer Stel­lung in dichtem Nebel eingenistet hatte, durch Angriff zurück und zerstörten seine Gräben.

Eines unserer Luftschiffe belegte heute früh den befestigten Ort Southend an der Themsemün­dung mit einigen Bomben.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Die Lage ist unverändert.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

von der Heeresgruppe Mackensen bisher über 80 000 Gefangene gemacht. Der untere wislok erreicht.

Trotz aller Versuche des Feindes, durch eilig mit der Bahn oder Fußmarsch herangesührte neue Kräfte unsere Verfolgung aufzuhalten, warfen die verbündeten Truppen der Heeresgruppe des Generalobersten von Mackensen auch gestern den Gegner von Stel­lung zu Stellung zurück und nahmen ihm über 12 000 Gefangene mit vielem Material ab. Die Zahl der von dieser Heeresgruppe allein seit dem 2. Mai ge­machten Gefangenen steigt damit auf über 80 000. Un­sere Bortruppen näherten sich Stobnica-Ab- schnitt und erreichten die Brzezanka sowie den unteren Wislok. Die Verfolgung geht vor­wärts. Oberste Heeresleitung.

*

Die russische Rückzugsfront schon über 200 Kilometer lang.

lvir bis auf 3 Kilometer an Ypern heran.

s - Berlin, 10. Mai. (Eigene Meldung. Ktr. Bin.) Die militärische Lage an allen Fronten ist nach wie vor Mr uns außerordentlich günstig. Von den Karpathen und von Westgalizien liegen be­sondere Meldungen allerdings nicht vor. Die Gesamt- situation kennzeichnet sich dort wie folgt: Die

Verfolgung durch die Verbündeten, die zwischen dem Uzsoker Paß und der Weichsel vovgeht, ist in günstigem Fortschr eiten. Wahrscheinlich ist auch schon die östlich von dem U z s o k e r P a ß an­schließende deutsch-österreichische Armee zur Verfolgung mit angetreten. Noch weiter östlich gegen den äußer­sten rechten Flügel der Deutschen und Österreicher haben die Russen starke Angriffe angesetzt, die aber samt und sonders erfolglos geblieben sind. Besonders charakteristisch ist. daß die Russen ihren seit 2. Mai im Gange befindlichen Rückzug dem eigenen Volk nach wie vor verschweigen. Die russische Front, die in den Rückzug hineingezogen ist, hat heute schon eine Breite von mindestens 200

Kilometer erreicht. Trotzdem wird dem russischen Volk, wie den Verbündeten und Neutralen dos Einge- ständnis dieser Katastrophe vorentchalten.

In Polen ist nichts von Bedeutung geschehen.

Das Ausweichen unserer Truppen vor Mitau vor überlegenen Kräften bedeutet natürlich keinen Miß­erfolg. Schon die Tatsache, daß die Operationen in Kurland, die General v. Lauenstein führt, aus die Intentionen des Feldmarschalls v. Hindenburg zurückzuführen sind und unter seiner Oberleitung vor sich gehen, bürgt sür ihren Erfolg.

Im Westen haben erfolgreiche Angriffe die Un­seren vorgestern .und gestern ringsum Apern bis auf etwa 3 Kilometer an die Stadt herange­bracht. Damit widerlegt sich auch die Angabe im feindlichen Generalstabsbericht, daß die Höhe 60 uns wieder abgenommen worden sei. Die Meldung ist falsch. Zwischen Armentieres und Arras ist seit gestern früh ein außerordentlich starker französisch- englischer Angriff im Gange. Im Norden dieser Front fft der Angriff bereits abgewiesen und nur im Süden wir noch weiter gekämpft.

von den östlichen Kriegsschauplätzen«

Sechs Divisionen ver Beskidenarmee vernichtet.

Das Ungestüm der Bayern.

Br Berlin, 10. Mai. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Ans dem österreichisch-ungarischen Kriegspressequartier wird dem „B. T." gemeldet: Von den russischen Bes» kidentruppen dürften heute 6 Divisionen als gänz­lich oder in der Hauptsache verloren betrachtet werden. Ungarn ist nunmehr bis auf einzelne vorstoßende Punkte westlich und östlich des Uzsoker Passes wieder ganz frei von dem Feinde. Nach dem Dukla-Paß ist mich der L n p k o we r Paß durch einen Vorstoß des deutschen Beskidenkorps uyter General von der Marwitz für die Russen unhaltbar geworden. Die russischen Stellungen bei U z s o k sind bereits eben­falls ins W a n k e n gekommen. Der Kampf greift hier auf die Armee des Generals Czurmay über, die den W e st s l ü g e I von General v. Linsingens Süd­armee bildet. Diese selbst behauptet ihre weit vor­geschobene Stellung ans dem Zw inin und Ostry im Orawatale. Zur Siegesbeute gehören e i n i g e 7 0 G e s ch ü tz e, die Zahl der Gefangenen nähert sich 80 000.

Bei einem allgemeinen Sturmangriff tat sich beson­ders ein bayerisches Regiment durch Erstürmung der Höhe von Cemszchko hervor. In der Nacht hatten sich Pioniere an die Drahtverhaue herangc- schlichen, die am Fuße des Berges den feindlichen Schützengräben vorgelagert waren, morgens setzte unsere Artillerie ein. Die Bayern warteten währenddessen un g e d u l d i g auf das Kommando zum Sturm. So­bald das Kanonengebrüll verstummt war, waren die Bayern nicht mehr zu halten. Sie brachen sprungweise mit brausendem Hurra los. Die russische Artillerie hatte längst die schwachen Abwehr­versuche eingestellt. Aber ihre Flinten und Maschinen­gewehre knatterten desto wütender. Die Bayern küm- merte das nicht. Sie stürmten bergauf Graben nach Graben, Verhau nach Verhau, drehten d i e G e- wehre um und schlugen mit den Kolben drein, zogen die griffe st en Messer aus den Stiefel- schaften und wurden raufend der Russen Herr, die sich mit erhobenen Händen ergaben, soweit sie nicht tot oder verwundet am Boden lagen.

Lin Schweizer Urteil über die Lage in Westgalizien.

Stockholm, 9. Mai. „Svenska Dagbladets" militärischer Mitarbeiter schreibt über den Kampf in Westgalizien: Im

allgemeinen hat man gefunden, daß es Rußlands beste Truppen waren, die nach Galizien geschickt worden sind, und der Befehlshaber der russischen Armee, der am weitesten nach Westen stand, der bulgarische General Radko Dimitriew, ist derjenige unter den russischen Befehls­habern» der bisher am meisten vom Glück begünstigt war. Jetzt ist es Schluß damit. Tie Niederlage der Russen ist so gründlich geworden, wie sie nur sein kann. Haben die Deutschen Kräfte genug »och, um unmittelbar einen Tagesmarsch sortzusctzen und S a n o t zu erobern, beit wichtigsten Knotenpunkt am nördlichen Abhang der Kar­pathen. so ist das Schicksal der russischen Armee endgültig besiegelt, und wir stehen vor der bisher vollständigsten Katastrophe des Weltkriegs,

Ein kleines russisches Zugeständnis zur Karpathenschlacht.

W. T.-B. London, 10. Mai. (Nichtamtlich) Die „Daily News" melden aus Petersburg: Die Schlacht am Dunasec übersteigt an Heftigkeit alles Dagewesene. Die Deutschen führen iing ez ählte Truppen ins Feuer und weitere Verstärkungen kommen fortgesetzt an. Die russische Infanterie weicht etwas zurück.

Der russische Bericht.

Eingeständnis des Verlustes von Libau.

W. T.-B. Petersburg, 10. Mai. (Nichtamtlich.) Amt­licher Bericht des Großen Generalstabs. Südwestlich von Mitau machten die Unsrigen erfolgreiche Vorstöße. Am 7. Mai wurde der Feind gezwungen, schleunigst eine stark be- festigte Stellung bei I a u s z k i zu räumen, wobei er uns große Beute überließ. Am 8. Mai unternahmen die feind­lichen Truppen, unterstützt von ihrer Flotte, an der Küste eine Offensive und besetzten Libau nach einem Kampfe mit einer kleinen Abteilung unserer Reichswehr. Nördlich des N a r e w bei Wach stießen wir mit Erfolg einen schwachen deutschen Angriff zurück und warfen den Feind in seine Aus­gangsstellung zurück. An der Nida herrscht Ruhr. In Westgalizien dauerten am Abend des 7. Mai die hef­tigen Angriffe des Gegners fort, wenn sie auch weniger häu- ftg waren. In der Gegend, wo der Feind seine Haupt­anstrengungen macht, nahm eines unserer Regimenter bei einem unserer Gegenangriffe vier Maschinengewehre. In den Karpathen stießen wir mit vollständigem Erfolg An­griffe in der Richtung aus Mezölaborcz sowie am linken Ufer des Oberlaufes der Lomnica zurück.

m

Ein österreichisch-serbisches Artillerieduell an der rumänischen Grenze.

Br. Budapest, 10. Mai. (Eig. Dvcchtzbericht. Ktr. Bln. Nach der Meldung des Bukarest«: russopchilen Blattes „Diminiole" gab es in der Nacht zum 8. Mai Mieder ein Artillerieduell zwischen den bei T e k i a und bei O r s o v a aufgestellten feindlichen Batterien. Der Schauplatz des Kampfes wurde durch Scheinwerfer er- leuchtet. Nachmittags eröffneten die österreichisch-un- garischen schweren Geschütze ein heftiges Feuer auf die gegenüberliegende serbische Stellung. Ae ser­bischen Batterien wurden zum Schweigen gebracht. In den Mendstunden eröffneten die ser- bischen Batterien wieder die Beschießung von Orsova und seiner Umgebung.

vre Kämpfe bei l)pern.

II.

Etz erübrigt sich, den Kämpfen in den Tagen bis zum 2. Mai im einzelnen nachzugehen. Es ist ein zähes Ringen, in dem die Stärke der angreifenden Truppen be­deutend schwankt, größere zusammenhängende Angriffe des Gegners aber selten sind. Über Upern zieht er Verstärkungen heran, die auf etwa zwei englische und ein bis zwei franzö- sische Divisionen zu schätzen sind. Am 24. April wird der An­griff einer englischen Division unter schwersten Verlusten sür diese abgeschlagen. Am 25. werden fünf englische Bataillone westlich St. Julien durch flankierendes Maschinengewehrfeuer fast bis auf den letzte nMann vernichtet. Den stärksten Angriff brachte, der 26. April, als etwa ein Armeekorps zwischen den Straßen von Pilkem nach Dpern und St. Julien sowie weiter östlich vorging; es wurde blutig abgewiesen und 3000 tote Engländer blieben liegen. Denselben Mißerfolg hatte ein an dem Kanal angelegter breiter Angriff am folgenden Tage. Auch ans dem östlichen Punkt ihrer Stellung bei Broodseinde ver­suchten die Engländer einen Vorstoß. Ein starker, aber er­folgloser französischer Angriff am 1. Mai in unserem West- abschnitt stellte den letzten Versuch des Gegners dar, seine Stellung, in die er am 23. April gedrängt war und die er am 2. Mai ebenfalls aufgeben mußte, wieder vorzutragen.

Die außerordentlich großen Verluste in diesen Kämpfen

— vom 23. April bis 1. Mai — außer Tausenden Toten und Verwundeten — etwa 5000 Gefangene, 65 Ge­schütze, darunter vier schwere englische lange Kanonen, und anderes Kriegsmaterial — hat­ten den Verbündeten kein Stück des am 22. April verlorene« Geländes zurückgebracht. Dagegen war es unseren Truppen gelungen, die eigenen Linien langsam in Gegend St. Julien

— nordwestlich S'Gravenstafel — vorzufchieben. Von großer Wirkung war das Feuer der deutschen A r t i l l e r i e, das sich Tag und Rächt, außer auf die feind­liche Front, gegen die rückwärtigen Verbindungen sowie Upern richtete und sogar den 12 Kilometer westlich dieser Stadt gelegenen Etappenhauptort Poperinghe erreichte. Die Batterien unseres Südflügels konnten nach dem Erfolg des 22. April die Angriffe gegen unseren Nordflügel im Rücken wirkungsvoll unter Feuer nehmen. Der ganze Raum, den die Stellung des Gegners umschloß, war von drei Seiten durch unser Feuer beherrscht, dessen verheerende zahlreiche Brände bekundeten. Dpern brannte,