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Sonntag, 9. Mai 1915. Nr. 215. . 63. Jahrgang.
Libau in deutschem Besitz!
Der Tagesbericht vom 8. Mai.
W. T.-B. Grußes Hauptquartier» 8. Mai. (Amtlich.)
westlicher Kriegsschauplatz.
Im wesentlichen nur KrtillerieKämpfe. Schwere Verluste der Zranzosen bei Steinabrück.
Vor Zeebrüqge brachten unsere Küstenbatterien gestern abend einen feindlichen Zerstörer zum Sinken.
Auf dem größten Teil der Front die üblichen Artilleriekämpfe, die sich an einzelnen Stellungen» so bei Np ern, nördlich Arras, in den Argonnen und auf den M a a s l> ö h e n, zeitweise steigerten. Zum Jnsanterickampf kam es nur in den Vagesen. Hier griffen die Franzosen unsere Stellungen bei Steinabrück beiderseits des Fcchttales nach stunden» langer Artillerievorbereitung abends an. S ö m t- liche Angriffe scheiterten unter starken Ver- lusten für den Feind.
DesUicher Kriegsschauplatz.
In Libau 1600 Gefangene und 12 Geschütze erbeutet.
Unsere gegen Libau vorgehenden Truppen setzten sich in Besitz dieser Stadt. Hierbei fielen 1606 Gefangene, 12 Geschütze und 4 Maschinengewehre in un» serc Hästde.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Auch der wislok überschritten. Die Gefangenenzahl auf 70 000 angewachsen. 38 Geschütze, darunter 9 schwere, erbeutet.
Die Verfolgung der geschlagenen Feinde durch die Armeegruppe Mackensen und die anschließenden Verbündeten ist auch gestern» von einigen erfolgreichen Nachhutkämpfen abgesehen, instetemFluß geblieben. Unsere Vortruppcn haben am Abend bereits den W i s- l o k in Gegend K r o s n o überschritten. Das gemeinsame Handeln aller beteiligten Hceresteile im Vor. wärtsdringen führte zum Abschneiden nicht unbeträchtlicher russischer Kräfte, wodurch die Gesamtzahl der seit dem 2. Mai aus dem galizischen Kriegsschauplatz gemachte^ Gefangenen bis jetzt auf etwa 7 000 0 gestiegen sein dürfte. Allein wurden den Russen 38 Geschütze, darunter 9 schwere, abgenommen. Oberste Heeresleitung.
von den östlichen Kriegsschauplätzen.
Die Siegesbeute in Westgalizien.
Br. Berlin, 8. Mai. (Eist. Drrchtbericht. Ktr. Bln.) Aus dem österreichisch-uN'garischcn KriLgspressequartier wird -dem ,L. A." über die Siegesbeute in Westgalizien gemeldet: Die bereits gemachte Beute ist u ngeheu er. An der Wisloka wurde der Wagenpark der 8. russischen Armee, etwa 30000 Fuhrwerke, unter Feuer genommen. Es entstand eine furchtbare Verwirrung. Ein kleiner Teil des Trains geriet in den Muß» der Rest wurde gefangen. Dukla wurde vor Einzug der Verbündeten von den Russen geräumt, welche jedoch im Nordosten der Stadt auf der nach Przemysl führenden Straße von unserer Kavallerie eingeholt und geschlagen wurden. In Dukla fand die verbündete Armee sechs Riesenmazine mit den Brotvorräten der russischen Armee vor. Das Brot ist jedoch so schwarz und trocken, daß es für unsere Soldaten schwerlich brauchbar sein wird. Im Bahnhof von Jaslo wurden zwei Züge des russischen Roten Kreuzes und 10 Waggon Liebesgaben erbeutet. Unweit Jaslo wurde der Vizegouverneur des Josloer Distrikts K i t s ch e n k o, ein Bruder des in Südostgalizien kommandierenden russischen Generals, gefangen genommen. Auch ein Viehdepot der Russen mit 2800 Stück Rindern wurde erbeutet, ferner das Hauptspital der Armee mit Ärzten, Pflegern, Train und vielen Verwundeten sowie auf allen Bahnhöfen reiches Eisenbahnmaterial.
Eine ganze russische Kolonne von mehreren
tausend Mann in den Beskiden eingekreist.
Br. Berlin, 8. Mai. (Arg. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Aus dem Kriegsprefsequartier wird der „58. Z." geschrieben: Unserem 10. Korps war gestern das Waffenglück besonders hold. Eine gange russische Kolonne konnte in den Beskiden
eingekreist werden. Sie fand keinen Ausweg mehr und es blieb den Kommandanten nichts anderes übrig, als sich mit der gesamten Kolonne zu übergeben. Es dürfte sich um mehrere tausend Mann und eine reiche Beute von Geschützen und Trainmaterial handeln.
Hindenburg und Erzherzog Friedrich.
W. T.-B. Wien, 8. Mai. (Nichtamtlich.) Aus dem Kriegsprefsequartier wird mitgeteilt: Generalkommandant
Feldmarschall Erzherzog Friedrich erhielt eine Depesche Hindenburgs: Eure Hoheit bitte ich zugleich
im Namen des mir unterstellten Ostheeres untertänigste Glückwünsche zu dem großen von uns mit Jubel begrüßten Erfolge in den Karpathen aussprechen zu dürfen. Der Erzherzog antwortete: Ich danke Eurer Exzellenz
für die mir auch namens des tapferen Ostheeres übersandten Glückwünsche zn den Erfolgen in den Karpathen, die unsere heldenhaften verbündeten Truppen mit wahrem Heroismus erkämpft, von ganzeni Herzen.
Englische Einsicht in Deutschlands Stärke.
W- T.-B. London, 8. Mai. (Nichtamtlich.) Während einige Blätter den Widerspruch der deutschen und der russischen Berichte über die Kämpfe in Galizien und den Karpathen durch Unwahrheit der deutschen Berichte erklären möchten, schreibt die „Daily Mail": Wenn die deutschen und österreichischen Berichte nicht lügen, scheint es, daß R.u ß - land einstweilen genötigt sein wird, den Bormarsch gegen Westgalizien aufzugeben. Sie müßten aber die San-Linie und Ostgalizien ohne Schwierigkeiten halten können. Die wahrscheinliche Erklärung der deutschen Erfolge ist die, daß die Deutschen früher frisch ausgebildete Reserven ins Feld stellen konnten, als die Alliierten. Die Deutschen haben anscheinend den Vorteil großer Stärke auf beiden Fronten und werden ihn behalten, bis die Alliierten neue Truppen gegen sie vorschicken können.
Haag, 7. Mai. (Ktr. Bin.) Der „Evcning Standard" meldet aus St. Petersburg: In den Karpathen werden die
heftigen Kämpfe fortgesetzt, doch ist es nicht zu leugnen, daß eine durchgreifende Rückwärtsveränderung der russischen Front vor sich geht. Die russische Flankenverteidigung des Dunajec und Biala scheint durchbrochen, so daß eine Umzingeln ngsgefahr durch Rückwärtslegung der ganzen Front abgewandt werden mußte. Die neue gekürzte Front dürfte am Wisloka-Flutz entlang eingerichtet werden. (Diese Möglichkeit ist den Russen auch schon genommen worden. Schriftl.) Die Loslösung vom Feinde hoflt man ohne weitere große Opfer durchführen zu können. Bei der Schnelligkeit der Russen, sich in die Widerstandsfähigkeit zurückzufinden, dürfte dem deutsch-österreichischen Heere erneut ein Wall entgegengesetzt werden.
Besichtigungen durch Erzherzog Leopold Salvator.
W. T.-B- Wien, 8. Mal. (Nichtamtlich.) Aus dem Kriegspressequartier wird mitgeteilt: Der Generalinspektor
der Artillerie Erzherzog Leopold Salvator traf am
28. April in dem Standorte des Kommandos der Armee Freiherrn Pflanzer-Baltin ein, nachdem er vorher die Karpathenfront voni Uzsokerpaß bis Homo na besucht hatte. Am 29. und 30. besuchte er die Artillerie verschiedener Divisionen und trat dann die Fahrt nach Tschernowitz an. Am 1. Mai setzte der Erzherzog die Besichtigung fort und begab sich am Nachmittag nach Z a l e s z c y k i, um die Wirkung der Artillerie gegen die russischen Befestigungen zu beobachten. Am 2. Mai besuchte der Erzherzog einen deutschen Flugplatz und an den nächsten drei Tagen wurde die Besichtigung der Artillerie fortgesetzt.
Russische „Kriegstrophäen".
In Przemysl fielen in die Hände der Russen unter anderem auch einige Fahnen verschiedener ukrainischer Turnvereine. Jetzt toerden sie in Petersburg als „Kriegstrophäen" zur Schau des in dieser Hinsicht nicht allzu verwöhnten russischen Publikums ausgestellt. Eine der größten Petersburger Zeitungen bringt sogar die Photographie von zwei solchen Fahnen und inmitten — das Bildnis des Generals Selivanoff!
Der Kampf gegen die Deutsch-Balten.
Kopenhagen, 7. Mai. (Ktr. Bln.) „Rußkoje Slowo" berichtet ans Riga: Der Redakteur der „Düna-Zeitung",
Seraphim, ist wegen seiner deutschen schriftstellerischen Tätigkeit nach Nordsibiricn verbannt worden.
Guter Stau- der Obstkulturen in Österreich.
w. T.-B. Wien, 7. Mai. (Nichtamtlich.) Der Stand der Obstkulturen, besonders für. Kirschen, Pflaumen, Aprikosen und Pfirsiche ist sehr gut. Die Birnen zeigen reiche Blüte. Im Süden ist der Stand der Obstgärten befriedigend. Die Weingärten sind in sehr gutem Zustande, die Austriebe kräftig und gleichmäßig. Die Arbeiten werden allerdings durch Arbeitermangel verzögert.
Der Krieg gegen England.
Zur Vernichtung der „Lusitania".
von 2160 Personen nur 636 Ueberlebende:
W- T.-B. London, 8. Mai. (Nichtamtlich.) DaS Presse- bureau meldet, daß insgesamt 658 Personen gerettet und 45 als Leichen gelandet worden sind. Auf dem Dampfer befanden sich 2160 Personen. Nichtamtlich wird mitgrteilt, daß in Queenstown noch 22 Überlebende gestorben sind. Bon den Offizieren ist nur Kapitän Turner gerettet worden. Nach einer weiteren Meldung des Prcsseburcaus sind nur w c rt i g e Passagiere der e r ft c n Klasse gerettet worden. Man glaubt, daß die Passagiere dachten, das Schiff würde flott bleiben, doch sank cs in 15 bis 20 Minuten. Die Ankunft dreier Fischdampfer, die 160 Leichen an Bord haben sollen, ist signalisiert worden. Unter den Passagieren der zweiten Klasse befanden sich zwei Holländer.
Der wert des Schiffes und der Ladung.
Sr. Berlin, 8. Mai. (Erg. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die „Tägliche Rundsch." meldet noch zur Versenkung der „Lufi- tcmia": Die Baukosten des Schiffes, das mit einer Anzahl großer Geschütze zur Abwehr von fl-Booten ausgerüstet gewesen sein soll, betrugen über 40 Millionen Mark. Der Durchschnittswert der Ladung war für gewöhnlich 12 Millionen Mark, abgesehen von dem Wert der amerikanischen Post. Diesmal soll der Dampfer jedoch, wie in Londoner Bankkreisen verlautet, auch noch eine Goldbarrenscndung im Werte von 4 Millionen Mark an Bord gehabt haben. Die Cunardlinie hatte noch kürzlich darauf Angewiesen, daß alle ihre Dampfer unversehrt seien, und hatte das mit deren Bewaffnung be» gründet. 4
Bedeutende Mengen Kriegsgerät unter der Ladung.
w. T.-B. Berlin,*8. Mai. (Nichtamtlich.) Der Cunard. dampfer „L u s i t a n i a" ist den« Reuterbureau zufolge durch ein deutsches Unterseeboot zum Sinken gebracht worden. Die „Lusitania" war selbstverständlich, wie neuerdings die meisten englischen Handelsdampfer, mit Geschützen armiert. Sie hatte, wie hier einwandsfrei festgestellt ist, erhebliche Mengen von Munition und Kriegsgerät unter ihrer Ladung. Die Eigentümer waren sich daher bewußt, welcher Gefahr sich "ihre Passagiere aussetzten. Sie allein tragen die völlige Verantwortung für das, was geschehen ist. Von deutscher Seite ist nichts unterlassen worden, um wiederholt und eindringlich zu warnen. Der kaiserliche Botschafter in Washington machte noch am 1. Mai in einer öffentlichen Bekanntmachung auf diese Gefahr aufmerksam. Die englische Presse verspottete damals diese Warnung unter Hinweis auf den Schutz, den die britische Flotte dem transatlantischen Verkehr sichere.
