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„Tagblatt-Hemd" Nr. 6660-63.
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Nr. 214. . 63. Jahrgang.
Samstag, 8. Mai 1915.
Kbend-Ausgabe.
Der Krieg.
Der UnterseebootsKrieg.
Die „Lusitania" torpediert und gesunken!
^V. TB. Queenstown, 7. Mai. , (Nichtamtlich, Reuter.) Der Cunarbdampfer „Lu s i t a n i a" ist torpediert worden und gesunken. Hilfe ist abgrsaudt. Die „Lusitania" war der beste Dampfer der Cunardlinie mit 31500 Registertonnen, von I960 Menschen an Bord SOO—600 gerettet.
W.T.-B. London, 8. Mai. (Nichtamtlich.) „Reuter- Bureau" meldet: Die Torpedierung der „Lnsitmua" erfolgte gestern mittag 2 Uhr 33 Min., nach einer andren Meldung 2 Uhr 15 Min. Das Schiff blieb noch 20 Minuten flott. Passagiere und Bemannung zählten zusammen 1900 Personen. Nach einem anderen Bericht 1978, und zwar 290 Fahrgäste erster, 662 zweiter, 361 dritter Klasse und 665 Mann Besatzung. 20 Boote konnten zu Wasser gelassen werden. Nach einer Meldung der Admiralität wurden 500 bis 600 überlebende in Queenstown an Land gebracht. Biele mussten ins Krankenhaus gebracht werden, mehrere starben. Auch in K i n s d a l e ist eine Anzahl von Passagieren gelandet worden. Der Hafenadmiral von Queenstown sandte eine Anzahl kleinere Fahrzeuge nach der Stelle, wo der Dampfer sank.
*
Dass gerade die „Lusitania", das englische Renommierschiff, von unseren tapferen Unterseebooten zur Strecke gebracht worden ist, das wird in gang Deutschland eine ganz besondere Freude erwecken, ebenso wie es den Engländern Furcht und Schrecken einsagen muss. Die Gefahren des deuffchen Unterseebootskrieges, den die ruchlose englffche Aushungerungspolitik gegen unsere Zivilbevölkerung uns aufgenötigt hat, suchte die englische Berichterstattung bisher immer noch geflissentlich zu verkleinern. Jetzt aber hat das Geschick den grossen Ozeanrenner erwischt, der seinerzeit im Kampfe um das „blaue Band" des Ozeans gebaut wurde, um unserem Hamburger Dampfer „Deuffch- land" den Schnelligkeitsrekord abzunehmen. Wie ein furchtbarer Schlag muss diese Kunde in England wirken; die Vernichtung gerade dieses Schiffes — zu dem übrigens gerade heute die Erlegung noch mehrerer anderer, darunter eines sehr stattlichen Südafrikadampfers kommt — wird in ihrer moralischen Wirkung für die Stimmung in England unseres Erachtens sehr hoch einzufchähen fein, weil sie eben eine furchtbare Drohung bedeutet; weil sie be- wefft, dass unsere Unterseeboote auch die besten und grössten englischen Schfffe aufs Ziel zu nehmen wissen. Weim die Versenkung der „Lusitania", die bekanntlich bewaffnet war und viel Kriegsmaterial von Amerika htnüber- bringrn sollte, zugleich den Verlust von bis zu 1460 Menschen» leben bedeutet, so vermögen wir uns angesichts der Schändlichkeit der englischen Politik, die unser Volk, da sie es militärisch nicht kann, durch den Hunger bezwingen will, nur zu sagen: die Engländer haben es so gewollt. Und wenn Angehörige neutraler Staaten, insbesondere Amerikaner, ihr Leben bei der Katastrophe verloren haben, so bedauern wir das gewiss menschlich; aber diese Fahrgäste waren ausdrücklich durch die deutsche Boffchast in Washington gewarnt und konnten der „Lusitania" fernbleiben. Jetzt aber wird es auch der englischen Admiralität nachgerade ein- gehen, dass es sich nicht bloss .um Kleinigkeiten handelt, den einen oder anderen Fffckchampfer bei unserem Untersee- bootskrieg, sondern dass es furchtbarer Ernst ist. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Heil aber den tapferen Offizieren und Mannschaften unserer unvergleichlichen Untersee- bootswaffe, die sich dieses Erfolges rühmen dürfen, eines Totenopsers für unseren Weddigen und seine Helden!
Oer Gtt der Vernichtung.
W. T.-B. London, 8. Mai. (Nichtamtlich. Meldung des Reuterschen Bureaus) Der Direktor der Cunardlinie teilte dem „Liverpool Evening Express" mit, die „Lusitania" sei acht Merlen von der drahtlosen Station Old Head verserrkt worden.
Mitteilungen der Lunard-Gesellschaft.
Br. Amsterdam, 8. Mai. (Eig. Drahdbericht. Ktr. Mn.) Die „Lrrsitama" wurde von einem Torpedo getroffen. Sie hielt sich 20 Minuten über Wasser, bevor sie untergmg. Als die Katastrophe eintrat, waren 20 Boote zur Stelle. Die Cnnard-Gesellschast berichtet, es bestehe große Hoffnung, daß bei dem Untergang der .Lusitania" viele Menschenleben gerettet wurden. Eine Reuter-Meldung besagt: Die .Lusitania" wurde um 2 Uhr 12 Min. nachmittags torpediert. Die e r st e drahtlose Meldung üb« die Katastrophe lief 2 Uhr 15 Min. in Queenstown ein. Das Schiff versank um 2 Uhr 33 Min. Die 20 Boote, die sich an Ort und Melle befanden, waren Rettungsboote der „Lust tania". Die Cummd-Gesellschaft erklärt, daß die lusitania" ohne vor hergegangene Warnung st>rpckiert wurde.
Berliner Presseäutzeruvse«.
Berlin, 8. Mai. (Ktr. Bln.) Zur Torpedierung der ,LufiLant<r" erinnert der „Berl. Lok.-Anz." davcm, daß das Schiff sich anfangs Februar aus Furcht vor einem deutschen Angriff nicht scheute, zu den: Mittel der falschen Flagge Zuflucht zu nehmen. Alm 8. Februar erzählten Passagiere der „Lusitania", die in Liverpool eintvafen, dass, als sich das Schiff der irischen Küste näherte, eine drcchttose Weisung der Admiralität anlangte, das Schiff solle die amerikanische Flagge hissen. Dieser Fall des Mißbrauchs der amerikanischen Flagge hatte zur Folge, dass die Vereinigten Staaten in England vorstellig wurden und Grey eine Erklärung m seiner ausweichenden Art abgab.
In der „Tägl. Rundsch." wird hervorgehoben, dass die Feststellung des Untergangs nebensächlich angesichts der Tatsache sei, dass kein Mensch das englische Riesenschiff vor dem Schicksal bewahrt habe, das ihm cm der englischen Küste zugedacht war, urid das man vor acht Tagen in Liver- Pool er Schifsahrtskreisen mit lächelnder Miene aus dem Bereich des Möglichen hinwegwies. Alfred Danderbilt war telegraphisch davor gewarnt worden, die Reise von New Uork nach England auf der „Lusitania" anzutreten. Er erhielt ein Telegramm, dass die „Lusitania" torpediert werden würde. Die „Lusitania" tvar seit Ausbruch des Krieges als Hilfskreuzer armiert.
Ein englischer Südafrika dumpfer an der irischen Rüste versenkt.
W.T.-B. London, 7. Mai. (Nichtamtlich.) Lloyd Agentur meldet aus Liverpool: Der Dampfer „C e u- t ü r i o n", 5945 Tonnen Gehalt, von Liverpool »ach Südafrika unterwegs, ist an der irischen K ü st e in Grund gebohrt worden. Die Besatzung ist gerettet worden.
Lin englischer Dampfer in der Irischen See torpediert!
W. T.-B. Liverpool, 7. Mai. (Nichtamtlich. Reuter.) Der Dampfer „Candidate" ist am DienStag von einem deutschen Unterseeboot in der Irischen See torpediert worden und gesunken. Die ganze Besatzung ist gerettet worden. Oie Sonderbehandlung unserer H-Ooot-Mann- schaften.
Tie Stimmung für Rückgängigmachung im englffchen Unterhaus.
W. T.-B. London, 7. Mai. (Nichtamtlich.) In der Unter- ha-usdebatie über die Behandlung englffcher Kriegsgefangener in der Einzelhaft legte A s q u i t h dar, welche Schritte die Regierung getan habe. — Bona: Law forderte die Regierung aus, auch ihrerseits alle Konventionen beiseite zu setzen, die sie verhinderten, einem Feinde im Felde wirksam beizukommen, der keine Achtung vor Konventionen zeige. AsguithS neulicher Ankündigung, daß man am Ende des Krieges die Bchandlung der Gefangenen nicht vergessen werde, müsse beigepflichtet werden, aber er verspreche sich wenig Wirksamkeit davon. Denn wenn die Zeit zur Erörterung der Friedensbedingungen komme, würden viele grosse Fragen austcmcheu. Auch sei kaum zu hoffen; dass man dann die Hauptschuldigen in die Gewalt bekommen und sie nach Gebühr würde bestrafen können. Er tadelte die abgesonderte Behandlung der UnterseebootSge- fq.ngensn und meinte, >die Regierung könne ohne Verlust ihres Prestiges und der nationalen Würde diese Politii rückgängig machen. — Der Radikale Dalz iel unter stützte diesen Vorschlag. Die Unterseebootsgefangenen sollte:! wie andere Kriegsgefangene behandelt und nur in einem besonderen Lager gehalten weiden. — Primrose erklärte, die Admiralität beabsichtige nicht, die Untersee- bootsgefangenen dauernd in Marinegefängnissen zu behalten. Sie würden dort nur bleiben, bis ein anderer Platz gesunden sei, wo ihre Trennung von den anderen Kriegsgefangenen fortgesetzt werden könne. Die deuffche Regierung habe erklärt, -daß die englischen Offiziere ebenso bchan delt werden würden wie die deuffchen Unterseebootsgesangenen hier. Der amerikanische Bericht bestätige dies. Wenn die deutsche Regierung ihrer Versicherung gemäss handle, brauche das Haus keine Besorgnisse wegen weiterer Leiden englischer Gefangener zu hegen.
Abschwächende Erklärungen auch im Oberhaus.
W. T.-B. London, 7. Mai. (Nichtamtlich.) Lord H a l d a n e sagte im Oberhaus auf eine Anfrage, betreffend den Widerspruch zwischen dem Briefe Ballins an die „Times" vom 2. Ang. und seiner späteren Unterredung mit einem Vertreter des „New York Herold": Dieser Widerspruch möge durch einen Gedächtnisirrtmn entstanden sein. Hakdane fügte hinzu, er selbst habe Ballin, der ein Mann von grossem Ansehen in Deutschland sei, nur oberflächlich gekannt und habe weder mit ihm noch mit anderen hochgestellten Deuffchen einen politischen Briefwechsel geführt. Er habe nur drei- oder viermal in seiner amtlichen Eigenschaft oder als Minister mit hohen Persönlichkeiten Verbindungen gehabt und mit der deutschen Regierung verkehrt.
Lord C r e w e sagte auf eine Anfrage, man dürfe der deuffchen Erklärung, dass sie die in Einzelhaft befindlichen Gefangenen ebenso behandeln werde, wie die Ge. far:genen aus den deutschen Unterseebooten in England behandelt würden, sobald der amerikanische Botschafter in London sie besucht haben würde, grosse Bedeutung bei
legen. Crewe sagte gegenüber einer Bemerkung des Lords Wbermarles, dass man berücksichtigen müsse, dass die deuffchen Unterseebootsleute aus Befehl gehandelt hätten. Dies wäre doch ein ähnlicher Fall, wie wenn eine Schwadron feindlicher Kavallerie, nachdem sie die gegnerische Linie durchbrochen hätte, eine Anzahl Bauern, die ihrem Berufe nachgingen, ermordet hätte. (Womtt also Lord Crewe im englffchen Oberhaus behauptet, dass di« deuffchen Offiziere solches befehlen! Schriftl.) Die Regierung sei daher berechtigt, diese Gefangenen abgesondert zu halten. Crewe fuhr fort, man könne nicht eigentlich sagen, dass die deuffchen Unter- seebootsgefangenen bestraft worden seien. Sie seien nur einer anderen Haftmassregel unterworfen worden, die nicht wesentlich (?) von der Behandlung aller anderen Kriegsgefangenen ubweiche. Er hoffe, dass die Verhandhungen bald eine beträchtliche Besserung in der Behandlung englffcher Gefangener in Deutschland herbeiführen würden. — Lord Emmot sagte, aus Trupperttransporffchiffen sei nach Mög- lichkeit für Rettungsboote und Rettnngsgxürtel für den Fall eines Unglücks vorgesorgt.
Zum Untergang des norwegischen Dampfers „Amerika".
Kein einziger Beweis für Torpedierung.
W. T-B. Christian!«, 7. Mai. (Nichtamtlich.) Bei der heutigen Seeverklarung über den Untergang des norwegischen Dampfers „Amerika" ist. obwohl der Kapitän daran seft- hielt, dass der Dampfer torpediert worden sei, kein stich, halttger Beweis hierfür erbracht worden.
Rcdulond befürwortet die Dringlichkeit der Alkohol- brstruermlg.
W. T.-B. Rotterdam, 7. Mai. (Nichtamtlich.) Der „Rienwe Rotterd. Courant" meldet aus London: Im Unterhaus beaa- ttagte gestern Redmond, die Verhandlung über den Ge- setzentwurf, betreffend die Leistungen des Landes bis zur Erledigung der Frage der Besteuerung des Alkohols, guxi&t* zustellen. — Asquith führte aus, er bedauere diesen Antrag,
von den östlichen Kriegsschauplätzen.
Die günstige Entwicklung -er Schlag in westgalizien.
Nr. Berlin, 8. Mai. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Wn.) «uB dem österreichisch-ungarischen Kriegspressequartier wttd der „B. Z." gemeldet: Die enffcheidende Attion, die zur Einnahme von T a r n o w führte, war die Eroberung des von kaukasische« Truppen verteidigten starken Stützpunktes Nr. 483 im Südoften der Stadt. Nach dem Fall dieser .Höhe, auf der sofort Artillerie in Sttllung gebracht wurde, war dir von Tarnow nach Osten führende Straße dnrch audanerndes Feuer für die Russen gesperrt, die schleunigst de« Rückzug antraten. Dem weichenden Feinde blieben die siegreichen Trnppea ans den Fersen, sie solgttn ihm auf der Straße gegen F i l n o. Dieser Orr wurde bereits erreicht» so daß nun die ganze W i s l o k a - Ls n i e von der Tarn- w» st r a ß e nach Süden sich im Besitz der Verbündet«! befin- det. Bei Jaslo habe« die Borttuppen den Fluß übe,- schritten und sind im weiteren Borrücke» begriffe». Die Besetzung deS Duklagebiets hat die zu erwartende« Folgen gezeittgt. Mft Ausnahme des Lupkower-Passes siud den dort eingekeilten russischen Truppen alle Ausgänge verrammelt worden. Sie suchen sich auf dem Rordab- hang der Beskiden durch vereinzelte Stöße einerseits eine Lücke zu brechen, andercrfetts sich dem Druck der Armee Boroevic zu erwehren. Diese hat teilweise schon den H auptkamm der Karpathen überschritten und bedrängt mit starker Arttllerie den weichenden Feind.
Die Riesenverluste der Rüsten.
Sr. Berlin, 8. Mai. (Eig. Drahtbericht. Ktr.Wn.) Ans dem österreichisch-ungarischen Kriegsprcffegnartier meldet der Be- richterstatttrdes„B.T.": Der vollständig geschlagene Teil der dritten russischen Armee wird auf mindeste«'» vier kriegsstarke Korps geschätzt. Davon sind 30 Prozent in Gefangenschaft geraten, 2« Prozent tot »ud kaum
50 Prozent entkommen, überdies befinden sich unter dem Rest Tausende Verwundete. Was sich bei T a r n »w noch hält, ist mit z w e i K o r p ö zu veranschlagen, und hat bereits so schwer gelitten, daß sich nur wenige davon retten konnte«. Bon dem in den Rückzug hiuciugeriffenen Beskidrnkorps sind bis jetzt etwa 20 00« Mann gefangen. Die Einbuße der Russen durch Tote, Gefangenschaft oder schwere Berwuudua« übersteigt insgesamt schon die Ziffer von 1004)0 0, die sich durch Absangungder Veskideuarmee ver« doppeln würde.
Lin rttssischer Tagesbericht.
Schwache Zugeständnisse der Niederlagen in Kurland und Galizien.
W. T.-B. Petersburg, 7. Ntai. (Nichtamtlich) Der Stab des GensralffsimuS teilt mit: Bei Liban fand am 5. Wai ein Kampf mit deuffchen Torpedobooten statt. Südlich Mitau und bei dem Dorfe Beisalola süc uns gün- stige Scharmützel. Am rechten Orziruser wiesen wir am Wend des 4. Mai einen heftigen deutschen Angriff ab, der von starkem A r t i 11 er i e f eu et 1% Stunden vorbereitet war, und fügten dem Feind starke Verluste bei. Östlich der Eisenbahnlinie nach Mlawa gelang es uns, durch einen plötzlichen iäuftoss die Meierei Pvnnany zu nehmen. Alm k M-tt unternahm der Gcaner sechs Stunden hindurch raw
