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3 Beilage ;um Wesbaüener Tagblatt.

Ko. 607. Abend-Ausgabe.

Montags den 31. Dezember.

48. Jahrgang. 1900.

Das ist die köstlichste der Gaben.

Die Gott dem Mcnschenhcrzen gicbt.

Die eitle Selbstsucht zu begraben,

Indeß die Seele glüht und liebt.

O süß Empfangen, selig Geben,

O schönes Jueinanderweber,

Hier heißt Gewinn, was sonst Verlust!

Je mehr Du schenkst, je froher scheinst Du;

Je mehr Du nimmst, je sel'ger weinst Du: — O gieb das Herz aus Deiner Brust!

Geibel.

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tSchluß.)

(Nachdruck verboten.)

Die Göttin des Glücks.

Noman von Iielnkold Orlmaun.

Achtzehntes Kapitel.

Es war dreizehn Monate später, als vor dem Hause, bau einst Professor Klemens Herbold bewohnt hatte, eine hochgewachsene, dunkel gekleidete Dame der Droschke entstieg, r ^nv, Dom ^ u Ö a I ter Bahnhof hierher gebracht hatte. Ein alter Mann kam ihr mit langen Schritten und mit strahlen­dem Gesicht aus dem Vorgärtcheu, von dem aus er sie er­späht hatte, entgegen.

„Fräulein Erika! Ist es möglich? Gott, welche Freude! Und was für eine Ueberraschung für unseren Herrn Harro! Das war einmal lieb von Ihnen! Und wie blühend Sie aus- sehen. Garnicht verändert! Ja, die Thüringer Luft — ja, ja! Wie er sich freuen wird! Er denkt ja doch immer nur an Sie."

So schwatzte der völlig außer Fassung gerathene Kruschkc unaufhörlich, während er die Tochter seines alten Herrn in das Haus geleitete, das sie am Tage von Professor Herbolds Begräbniß verlassen hatte, um sich mit ihrem Schmerz in der Einsamkeit eines Thüringer Gebirgdörfchens zu ver­bergen. Sie kam garnicht dazu, ihm etwas zu antworten, und auch, als er fragte, ob sie nicht gcradcswegs in das Atelier gehen wellte, gab sie nur durch ein Lächeln und ein Kopfnicken ihre Zustimmung zu erkennen.

, Nie waren die schweren Schiebethüren schneller aus­einander geflogen als jetzt, da sie KlemenL Herbolds Tocbter den Eingang freigeben sollten. Verwundert ob dieses Unge­stüms wandte Harro,. der im weißen Arbeitskittel an der gewaltigen Marmorgruppe inmitten des Ateliers stand, seinen lockigen Kops, dann aber als er die Eintretende erkannte, sckioß ihm das Blut bis in die Stirn hinauf über das Gesicht. „Erika!"

Das war Alles, was er in der ersten Ueberraschung herausbringen konnte, und sie mußte es schon ans seinen Augen und aus seinen Zügen zu lesen suchen, ob die Ueberraschung eine willkommene oder eine unerfreuliche sei. Offenbar vermuthete sie das Erstere, denn sie reichte ihm so herzlich ihre beiden Hände, als hätte er sie statt mit dem einzigen kurzen Ausruf mit Aeußerungeu überschwenglichsten Entzückens begrüßt.

„ „Sie schrieben mir, daß die Gruppe an einem der nächsten Tage in den Ausstellungspalast überführt werden sollte. Und da mußte ich doch wohl Verlangen tragen, sie zuvor an der Stätte zu sehen, wo sie entstand.

„Da ist sie, Erika!" sagte er nur. „Das Vermächtniß meines geliebten Meisters an die Welt, die ihn so lange verkannt."

Und dann gab es ein langes, langes Schweigen, das so feierlich und andächtig war, daß der alte Kruschke seine schwieligen Hände faltete, ohne recht zu wissen, waruni er es that. Erika sah, daß es ihres Vaters Werk war und doch nicht minder das ureigenste Werk des Mannes der da m seinem weißen Arbeitskittel bescheiden abseits stand um sie nicht zu stören. Sie sah, daß die Göttin des Glücks die schönen Züge der unglücklichen Hanna Sylvander trug, und Thrünen verdunkelten ihren Blick, als sie den mit großen Lettern in den Säbel eingemeißelten Namen Klemens Herbold las.. Aber sie schämte sich dieser Bewegung nicht, und sie bemühte sich nicht, die Thränen zu verbergen, die wie große Demanttropfen an ihren langen Wimpern zitterten, als sie sich endlich dem jungen Künstler wieder zuwandte.

„Ich kann Ihnen nicht mit Worten danken. Harro", sagte sie. „Das ist ja viel, viel mehr, als ich Jhnen'jemals zu vergelten verniöchte."

Er stand hart an ihrer Seite, und kaum mußte er, wie es geschah, daß er den Math fand, sie zu fragen:

.„Erinnern Sie sich auch noch jenes anderen Vermächt­nisses, Erika, das Ihr Vater uns aus seinem Sterbebette unterließ — oder eigentlich nur mir, da ich in jenem Augenblick mit tiefer Beschämung erkennen mußte, daß mir das Glück so nahe geivcsen war, und daß ich in thörichter Verblendung den rechten Augenblick versäumt hatte, es mir zu verdienen? Habe ich es niir damit wirklich für immer verscherzt, Erika? Und giebt es keine Hoffnung mehr für mich, daß der Jrrthum meines sterbenden Meisters eines Tages dennoch Wahrheit werden könnte?"

sie senkte den Kopf und schwieg. Hinter ihnen aber wurde ein seltsames Geräusch vernehmlich, fast wie ein Schluchzen, und als sie beide zugleich nmschauten, seine .Irsachc zu erkunden, sahen sie zu ihrer nicht geringen Ueberrajchung den alten Kruschke mit beiden Armen wie einen Besessenen in der Luft herumfuchteln, während sein altiges Gesicht sich auf eine höchst wunderliche Weise ver­zogen hatte — man wußte nicht, war cs zum Lachen oder zum Weinen.

„Um Alles in der Welt, Kruschke — was ist Ihnen?" rief Harro. „Was soll das bedeuten?"

„Nicht böse sein, Herr Harro — ich gehe ja schon hinaus. Und ick sage nichts weiter, als daß ich es immer gewußt habe. Es konnte ja garnicht anders sein. Und wenn es anders gekommen wäre, so hätte gar keine Ge­rechtigkeit niehr sein müssen im Himmel und aus Erden."

Er stampfte hinaus, noch immer mit seinen langen Armen gestiknlirend, und kopfschüttelnd blickte ihm Harro nach. °

„Verstehen Sie das, Erika? Wenn er nicht eben noch W vernünftig gewesen wäre, und wenn ich nicht zuver­lässig wußte, daß er nie einen Tropfen Branntwein trinkt so wurde ich wahrhaftig glauben-"

Mit einem holden Lächeln schüttelte sie den Kopf.

„Nein, er ist nicht betrunken, Harro! Und ich glaube auch zu verstehen, was er meint. Aber ivenn Sic es nicht errathen, kann ich es Ihnen freilich nicht sagen."

„Erika!' rief er in laut aufjauchzender Glückseligkeit, denn was ihre Lippen ihm nicht hatten sagen können, das hatten ihm das Erglühen ihrer Wangen und das Leuchten m chren Augen verrathen. „So soll ich das Vermächtniß Demes Vaters also wirklich antreten dürfen?"

Er hielt sie schon in seinen Armen, als sie ihm die Antwort gab, über deren Ausfall er nach ihren letzten Worten nicht mehr im Zweifel gewesen war. Aber sie be­gnügte sich nicht mit dem kleinen bedeutsamen Ja, sondern '"dem sie m,t einem Blick voll innigster Zärtlichkeit zu ihm aufsah, fugte sie hinzu:

- 5 - erä gehörte Dir ja immer, Harro! Aber ich

habe Dir meine Liebe verborgen, weil ich sah, daß Du Dich der Anderen zuwandtest, die so viel schöner und verführe­rischer war als ich." '

Er drückte sic fester an seine Brust, und nun wußten sie beide dem alten Kruschke von Herzen Dank, daß er

rf 0 ^” Schiebethüren so geräuschvoll hinter sich ge­schlossen hat e, um sie damit zu versichern, daß sie wirklich und wahrhaftig ganz allein seien mit ihrem jungen Glück.

* * *

. = Klemens Herbolds nachgelassene Gruppe „Die Göttin des Glucro hatte auf der großen Kunstausstellung einen geradezu beispiellosen Erfolg. Innerhalb weniger Wochen schon war der Name des halb vergessenen Künstlers wieder m aller. .Nunde, und die Zeitungen verlangten einmüthig, daß das meisterliche Werk voin Staate für seine öffentlichen Sammlungen angekauft werde.

Niemands in der Menge entzückter Bewunderer, die sich an einem «-ommernachmittag vor der genialen Schöpfung drängten, ahnte, welcher Aniheil deni mitten unter ihnen stehenden jungen Manne mit dem welligen Blondhaar und dem fröhlichen, treuherzigen Gesicht an diesem Erfolge ge­bührte. llnd er selbst dachte offenbar an ganz Anderes.

„Daß sie die Züge der armen Hanna trägt, so wie es der Bcerster beabsichtigt hatte — nicht wahr, Bernhard, Du bist mir darum nicht böse?"

Arit leiser Stimme hatte er es den ernst blickenden Mann an seiner Seite gefragt. Der Rechtsanivalt aber, der ans der Provinzstadt, mo^er sich seit seiner Verheirathnng nieder­gelassen, ans einen Lag hinübergekommen war, um die be- rnhnttc Gruppe zu sehen, drückte den Arm seiner lieblichen jungen Frau fester an sich und erwiderte:

„Nein, denn sie hat ja unsere Glücksgöttin sein wollen, und oaj es der Tod war, der sich, ohne daß sie es ahnte, hinter den galten ihres Gewandes verbarg — wir konnten eS anck ohne die stumme Mahnung dieses Bildwerkes doch mmmermehr vergessen. Mag es den Anderen nur zur Augenweide dienen, uns soll cs ein Grabmal meiner armen Schwester bedeuten."

zärtlich schmiegte Inge sich an seine Seite und dann wandten sie sich einem der stillen Seitengänge des noch sommerlich prangenden Ausstellungsparkes zu, um in ernstem Gespräch der gleich einem schweren Traume hinter ihnen liegenden Tage zu gedenken, da Hanna Sylvander gleich einem sllsdnen, strahlenden Meteor in ihrer Milte erschienen war. um gleich einem Meteor nach kurzem Aufleuchten spur­los zu verlöschen.

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Indem ich meinem gesummten treuen Kundenkreise für das mir auch im ver­flossenen Jahre in so überaus reichem Maasse geschenkte

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