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Bette 2. 31. Dezember ISfOO. Wiesbadener Tagblatt (Abend-Ausgabe). Verlag: Langgafse 27.

Nolle, daß man auch auf solche, gewiß nicht nebensächliche

Dinge, wie es dies klerikaleStaatslexikon" ist, sein Augenmerk richten muß. M ' 1

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Gege» die Anarchisten. Die Anarchisten- Konferenz, welche am dritten Weihnachtsfeiertaqe nach Berlin einberufen worden war, ist vom Polizei-Präsidenten verboten worden, und zwar aus Grund des Allgemeinen Land­rechts aus stcherheitspolizeilichen Gründen. Als die Theil-

nehmer an dem Lokal, in welchem der Kongreß tagen sollte, er- schrenen fanden sie es von Polizeibeamten in Uniform und bürgerlicher Kleidung umstellt und mußten unverrichteter Sache wieder umkehren.. Von den von auswärts gekommenen Anar- chisten wurden einige ststirt, alsbald aber wieder freigelassen. Die Lokale, in denen Anarchisten zu verkehren pflegten, wurden von Beamten in bürgerlicher Kleidung überwacht. UcBer Itrenge Maßnahmen gegen die Anarchisten wird aus Görlitz Folgendes berichtet: Kürzlich fand bei dem Anarchisten Frau­bose eine Durchsuchung der Wohnung und Ermittelung an seiner Arbeitsstätte durch Polizei statt. Frauböse wurde ststirt. Bei der Durchsuchung wurden. Vereinsstempel des Textilarbeiter- Verbands, Bücher und verschiedene anarchistische Schriften ge­funden. Gegen diese Maßregel hat Frauböse beim ersten Staats­anwalt Beschwerde erhoben.

. - ä Rundschau im Reiche. Die Handelskammer zu Mül­heim a. Rh. beschloß, sich für eine Kanalisirung der Mosel und toaat auszusprechen, weil sie eine llngerechtkg- * e^lickt, wenn den im Binnenlande liegenden rheinisch-

westsalischen Konkurrenzgebieten durch die Kanalvorlage neue Verk-hrsvortheil- zugeführt würden, ohne daß man dem Be- zirks-rkheinland Kompensationen gewährt.

! Gesandten ein kaiserliches Edikt mit, worin der Kaiser erklärt China nehme die Note der Mächte an.. Er ermächtigt Li-Huna- die Verhandlungen zu eröffnen'und er- bittet Einstellung der Feindseligkeiten. - Prinz Tsching und Li-Hung-Lschang erklären, der Kaiser von China äußerte den -Wunsch, die Verhandlungen und die Unterzeichnung des Friedens- vertrages zu beschleunigen, da er Ende Februar nach Peking zuuckzurehren wünsche. J

hd. London, 31. Dezember.Daily News" bestätigen ans S z) a n g h ar, Li-Hung-Tschang habe an Tschina telegraphirt, er sei von seiner Regierung ermächtigt, die Friedensbedinaunaen f. u-nerzeichiien. - Weiter wird aus Shanghai gemeldet, Ll-Hung-Tschangs Gesundheitszustand habe sich gebessert doch ist er immer noch sehr schwach. " ' w

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h d - Berlin, 31. Dezember. Aus Wilhelmshaven erhalt dasBerliner Tageblatt" die Meldung, daß General- mazor v. Hopfner voin Kommando der 3. ostasiatischen Brigade enthoben ist. Generalmajor v. Höpfner befehligte die beiden nach Astasien entsandten See-Bataillone. Ueber die Gründe seiner Enthebung vom Kommando liegen nähere Meldungen noch nicht vor.

44. Jahrgang. No. 607

* Italien. -Römische Blätter melden die bevorstehende Occupation der Bai von Nimrud, unweit von Sanmun

durch hie Italiener.

f Belgien. Mus Antwerpen, 30. Dezember, wird gemeldet: Der Ausstand dauert fort. Die Arbeitsgeber und Arbeitsnehmer bestehen auf ihren Forderungen. Die Arbeit­geber wollen erst dann verhandeln, wenn die Arbeiter ihre neuen Lobnsatze angenommen haben. Die Streikenden erklären aber einstimmig, erst dann zur Arbeit zurückzukehren, wenn die Arbeit­geber dann willigen, volle 14 Tage lang die alten Lohnsätze zu zay.en. . Gestern Abend drangen Streikende in eine Diamant­schleiferei ein. Sie wurden verhaftet, und bei der Untersuchung fanden sich mehrere werthvolle Diamanten bei ihnen vor. Eine Anzahl Streikender drang auf ein englisches Schiff und stahl dort mehrere Gewehre und eine leichte Kanone von 80 Kilo, rx ^ Hafens wurde ein Packet aufgefunden, worin

stch 63 Revolver befanden. Dieselben rührten von einem Dieb­stahl her, der im Laufe der Woche in einer Wafsenfabrik be­gangen worden war. Die Bllrgerwehr ist auch heute zusammen- berusen, um die Zugänge zum Hasen für die Streikenden ab­zusperren. Täglich treffen zahlreiche englische und deutsche Er­satzmannschaften für die Streikenden ein. Das Elend macht sich unter den Ausständigen bereits sehr fühlbar.

- Der I u st i z m i n i st e r hat an alle Ge-

richts-Prasidenten ein Rundschreiben gerichtet, worin er den­selben miltheilt, daß es in Zukunft Gerichtspersonen verboten 'st', an religiösen Ceremonien, also an Prozessionen und der- gleichen, cheilzunehmen.^ ausgenommen kirchliche Begräbnisse. Die Blätter erörtern in heftigen Artikeln einen Brief des Papstes nn b-n Pariser Kardinal Richard, um gegen die antiklerikalen Erscheinungen Waldeck-Rousseaus Einspruch zu erheben. Der Brief an den Kardinal Richard enthält dieselben Aeußerungen wie diejenigen, die der Papst an den Redakteur desMatin" gerichtet hat, und die von diesem veröffentlicht worden sind. DerGanlois" erklärt, die Republik könne mit der Kirche nicht zusammengehen, die Republik sei kirchenfeindlich und werde sich vom Papst trennen. Die unter dem Protektorat Frankreichs stehenden Christen im Orient werden wir verlieren und das Protektorat an^^eutschland abgeben müssen.

Der Aufstand i» China.

Z» den Fricdcnsverhaudlrlngcn. wb. Peking, 30. Dezember. (Meldung derAgence Ha vas.) Prinz Tsching und Li-Hnng-Tschang theilten den

BDL'IiTrfll

Der Krieg in Südafrika.

m ^ d ' ? 0},bon ' 31 - Dezember. Lord Kitchcncr meldet aus dr?toria vom 29. Dezember: Die Lage in Kapstadt ist un­verändert: -r-ie Buren, welche von Osten her in die Kolonie ein­gedrungen sind, haben sich in kleine Abtheilungen zerstreut wc.che das Land durchziehen, während sie Verstärkungen von Norden her erwarten. Im Westen dringen di- Buren gegen Carnarvon vor, verfolgt von den Generalen Delittle und Thornlkorff General French hat Wentersdorp besetzt. General Clemens stieß auf Widerstand an der Grenze von Rustenburq. Die Kolonne Knox und die Brigade Boyes verhindern Dewet nach Süden vorzudringen. Ein zweites Telegramm des o A'/chsuer aus Pretoria vom 30. Dezember berichtet: Lord Littleton meldet, daß die Buren am 30. Dezember sich des Postens von Helvetia bemächtigt haben. Die Engländer verloren 50 Todte und Verwundete und 200 ^^^"A.e n e. Wie es heißt, wurde dieser Posten später von den Engländern, nachdem die Verstärkungen aus Belfast ein- getrofsen waren, zurückerobert.

iid. London, 31. Dezember. Wie aus Burgersdorp gemeldet wird, ist eine neue Buren-Kolonne in die Kapkolome eingefallen. Ein weiteres Kommando wird von Steinbura her erwartet.

hd. London, 30. Dezember. Nach einer Meldung ans Kapstadt verständigte Louis Votha alle Buren-Anführer. Krüger habe telegraphirt, daß jede Aussicht auf eine Jnterven- twn geschwunden sei. Die Buren müßten entweder die Waffen niederlegen oder den Kampf allein fortsetzen.

. Kd. London, 31. Dezember. Der Kolonialminister hat dringende Telegramme an die Regierungen von Tasmanien, Viktoria, Queensland und West-Australien gerichtet, zwecks Anwerbung von Kolonialtruppen. Der Minister I ersuchte ferner um Absendung von Pferden.

London, 31. Dezember. Der Sachverständige, welcher vom Kolonialminister Ctzamberlain mit der Untersuchung der Finanzlage in -rransvaal und Oranje-Freistaat beauftragt ist hat gestern London verlassen und begiebt sich nach Kapstadt, wo er 6 Monate Aufenthalt nehmen wird.

wb. Brüssel, 31. Dezember. In Erwiderung auf das Telegramm desPetit Bleu" erklärt der Sekretär der Gesandt­schaft von Transvaal, v. Beschoten, im Namen des Präsidenten Krüger die Meldung englischer Blätter für falsch, wonach Louis Botha von Krüger Anweisungen erhalten habe, daß die Buren entweder die Waffen niederlegen oder den Kampf auf eigene Rechnung und Gefahr fortsetzen sollten, da jede Hoffnung auf Hulfe^/usgeschlossen sei.

. Roberts autorisirte gelegentlich seines Aufenthalts

in Madeira den Vertreter derDaily Mail", zu erklären, daß der Bericht, nach welchem er in Kapstadt gesagt haben soll, der Krieg sei thatsächlich vorüber, unrichtig sei.

Er habe nur gesagt, daß, soweit die organisirten Truppen des Feindes in Betracht kämen, der Krieg zu Ende sei. Er habe damit sagen wollen, daß die zerstreuten Banden der Buren nicht mehr als reguläre Armee angesehen werden könnten Er wisse sehr wohl, daß der Guerillakrieg fortdauerc und daß gerade diese Art der Kriegführung die

schwierigste sei, die es überhaupt gebe. Er erkenne die

Schwierigkeiten vollkommen an, mit denen Lord Kitchener zu kämpfen habe, er habe aber volles Vertrauen auf seine Fähiq- keiten.- Unklar bleibt dabei nach wie vor, weshalb Lord lioberts sich so frühzeitig aus Südafrika entfernt, wo doch die scywierigsten" Aufgaben des Krieges noch zu lösen sind.

^Deutschen Burcu-Ecntralc, München. Wilhelm- straße^L, 2, sind vom 22. November bis 28. Dezember 1900 etwas uBer Mk. für die Buren zugegangen. Das Geld liegt bis zur Aboerufung nach Südafrika zur vollkommenen Sicherheit auf der Bayrischen Hypotheken- und Wechselbank. Da die Zahl ~ £r -i' nn 3 enen mit Frauen und Kindern selbst die Zahl 4000 wett ubersteigt, so müssen wir alle werkthätigcn Burenfreunde er- mahnen, das LiebeSwerk nach allen Kräften zu unterstützen! Die Weiynachtsseiern und Sylvesterschmause sind die Zeit der Rllck- i: !~ e a Gl iJ Lute, edle Thaten. Möge kein deutsches Haus ein solches rzest feiern, in welchem nicht der Wunsch erklingt, den Wte Wiuftr Vuren-Gesangenen durch eine Gabe ihr hartes Schicksal zu erleichtern. Wer kann sich mit frohem Herzen ein glückliches neues Jahr wünschen, der nicht da hilft/wo jedes ^/lAe Herz die Hülfe ersehnt! Das ist nicht Politik und nicht Gehässigkeit gegen den reicheren Feind, sondern echter Edelmuth. der den Bedrückten hilft! '

Deutsche Freiwillige. Der Deutschen Buren-Centrale. --.iinchen, Wilhclmstraße 2, 2,gehen fortgesetzt Unterstütznngs- 2.7 U 7. e ,. ÖCI ? "us Transvaal ausgewiesenen Deutschen zu die Z? G bllch mittellos zurllckgekehrt, ihren Opfermuth durch bittere Roth büßen müssen, da für sie im alten Mutterlande nirgends Brod zu finden ist So wenig man diese Freiwilligen davon jieisprechen kann, sich selbst unüberlegt in schwere Roth gebracht f erscheinen, daß für diese Mitkämpfer letzt alle Thuren verschlossen sein sollen. Wer für diese Männer 5/nd eine Verufs-Veschaftigung hat, send- seine Offerte an d,e Deutsche Buren-Centrale, München, Wilhelmstraße 2

m d/se deutschen Freiwilligen müßten den aus­drücklichen Vermerkfür die deutschen Freiwilligen" tragen da lede vermerkliche Geldspende dem Vurenfonds zugeführt wird

Fixsternhimmel, der am 1. um 9, am 16. um 8 und am « 31. um 7 Uhr das gleiche Bild bietet. Wir wenden uns zunächst vcr westlichen Hälfte zu. Hoch über uns, doch schon etwas nach W. zu, funkeln die fünf größeren Sonnen der K,a f s i o p e j a. Im Feldstecher finden wir Tausends von glitzernden Sternchen, die ihr Licht zu uns herniedersenden. Unterhalb bemerken wir die Andromeda mit ihrem Nebel den man schon mit bloßen Augen sehen kann. Tief unten im NNW., dem Horizont nahe, flackert Wega in der Leier, während am nordwestlichen Himmelsrande der kleine Delphin zur Rüste geht. Der Polarstern, der dem Himmelspol am^ nächsten steht, befindet sich zwischen der Kassiopeja und der Deichsel des Gr. Himmelswagens. Prachtvoller zeigt sich letzt die O st h ä l f t c des Himmels. Im 80. flammt im Bilde des Gr. Hundes der S i r i u s oder Hundsstern auf, der hellste Fixstern, eine Sonne,. deren Helligkeit die der hoch über uns stehenden Kapella im Fuhrmann um das Siebenfache über­trifft. Nordwestlich vom Sirius begrüßen wir den Orion, das schönste Sternbild. Drei nahe beieinander stehende Sterne bilden den Gürtel des Riesen. Sie werden auch die heiligen drei Könige oder Jakobstab oder Rechen genannt und sind von einem länglichen Viereck eingeschlossen. Die hellsten Sterne des­selben sind oben links Beteigeuze, unten rechts Rigel. West­lich von jener steht Bellatrix, östlich vom Rigel der Stern Kappa. Südlich vom Gürtel bemerkt man den Nebel des Orion. West­nordwestlich von diesem breitet sich der Stier aus mit dem Siebengestirn oder den Plejaden, dem Rcgengestirn oder den Hhaden, denen der Helle röthliche Aldebaran angchört. Hinter dem Stier erkennen wir die Z w i l l i n g e Kastor und Pollux. Dieser ist heller als jener. Zwischen Pollux und Sirius flackert der gelbliche P r o k y o n im Kl. Hunde. Ziemlich nördlich von diesem steigt am Himmel der Löwe empor, dessen hellster Stern der Regulus ist. Nordnordwestlich von ihm erkennen wir den Gr. Himmelswagen, der eine südliche Richtung an­nimmt. Die Hinterräder werden Dubhe und Merak genannt- teuer steht östlich von diesem. Den mittleren Deichselstern nennt man Mizar. Dicht bei diesem befindet sich Alkor oder das R«t-rlein. Die Milchstraße erhebt sich im 080. und zieht sich nach NW. hm. An Sternen 1. Größe sind gleichzeitig

neun sichtbar, nämlich: Aldebaran, Beteigeuze, Kapella Pollux Prokyon, Regulus, Rigel, Sirius und Wega. Der D u r ch gang durch die obere Mittagslinie findet statt in der Nacht des 1. bei der Mitte der Kassiopeja und der Andromeda um 6 Uhr 15 Min. Abends, Polarstern 6 Uhr 48 Min., Mond der Erde 9 Uhr 9 Min., Siebengestirn 9 Uhr 12 Min., Aldebaran 10 Uhr 2 Min., Kapella 10 Uhr 26 Min., Rigel 10 Uhr 37 Min.. Neptun 11 Uhr 8 Min., Beteigeuze 11 Uhr 17 Min., Sirius 12 Uhr 12 Min.' Früh., Prokyon 1 Uhr 5 Min., Pollux 1 Uhr 10 Min., Regulus 3 Uhr 33 Min., Mars 4 Uhr 15 Mi,/ Dubhe und Merak 4 Uhr 27 Min. und Spika 6 Uhr 50 Min. Durch die untere Mittagslinie ziehen in derselben Nacht Wega 12 Uhr 6 Min. Früh, Deneb 2 Uhr 9 Min. und der Polarstern 6 Uhr 49 Min. In jeder nächsten Nacht erfolgen Aufgang, Durch­gang und Untergang der Fixsterne um 3,93, mithin'um rund 4 Minuten früher.

Sternschnuppen gehen im Januar aus am 2. und 3. östlich vom Gr. Wagen, am 11. vom Bootes, am 17. vom Schwan, am 22. von der Jungfrau, am '25. vom Krebs und am 29. von der Deichsel des Großen Himmelswagens. Dr. R.

Königliche Kchnnspiele.

©ctmftag, den 29. Dezember, zum ersten Male: ,'UjIachöma«n als Erzieher". Komödie in 3 Aufzügen von Otto Ernst. Regie: Herr K ö ch y.

Vor wenig Tagen erst ist das neue Stück von Otto Ernst von der maßgebenden Berliner Kritik nach allen Regeln der Kunstvermöbelt" worden. Während des Anfangs der hiesigen Ausführung wollte es uns erscheinen, als habe in Berlin vielleicht eine gewisse Voreingenommenheit gegen den Autor geherrscht und als habe man wieder einmal zu scharf über einen begabten Dichter abgeurtheilt. Aber je mehr das Stuck fortschritt und je mehr wir begannen, uns über die Aufführung herzlich zu amüstren, oder zu manch geistvoller Ausführung ein stummes sehr richtig!" zu bemerken, je mehr sahen wir ein, daß das Stück keinen Anspruch darauf machen kann, als ein vollgültiges Drama hingenommen zu werden. Daß eS keine dramatisch

Aus Stadt und Kaud.

W i e s b a d e n, 31. Dezember.

in D-r Oberförster Schlichter

m Wilhelmsburg, Regierungsbezirk Marienwerder, ist zum Regierungs- und Forstrath ernannt und der Regierung in Trier uberwiesen worden. Herr Dr. Quiriübach von hier ist an die St. Bartholomäuskirche in Frankfurt, Herr Vogt von Hochheim an die Maria-Hilfkirche in Wiesbaden versetzt.

o. Der Wcrhnachtsfcstbnll, welchen die Kurverwal- tnng m herkömmlicher Weise am Samstag Abend ver- anitaitere, nahm und darüber waren sich alle Besucher f 1! rr 3 H e l net I außergewöhnlich schönen und stimmungs- vollen Verlauf, und die äußere Ausstattung des Festes verlieh dem,elben einen besonderen Glanz. Auf den Galleneen des großen Saales spielten abwechselnd zwei Orche,ter, bald aber war der Andrang so groß, daß den- letben enr drittes im Weißen Saale zugesellt werden wnple. Die große Festversammluiig, in welcher sich oie gelammte Fremdenkolonie, sowie Angehörige der ein- heunischen Gesellschaftskreise harmonisch vereinten, wurde durch einen reizenden Damenflor ausgezeichnet. Vielen Anklang fanden die von der Kurverwaltung ihren Gästen gewidmeten Tanzkarten. Der weihnachtliche Charakter ^ Festes ivurde insbesondere diirch drei riesige Weih­nachtsbaume gewährt, unter welchen die zwanzig ebenso geschniackvolleii wie werthvollen Gewinne aufgebaut waren, deren von Herrn Knrdirektor v. E b m e y e r mit emigen entsprechenden Worten eingeleitete Berloosung emen sehr anregenden Verlauf nahm und namentlich die Gewinner durchaus befriedigte. Da man sich nur schwer von dem schönen Feste trennen koiinte, so mußte mancher Banz zugegeben werden iind es war schon 4Uhr Morgens, als der letzte Ton desKehraus" erklang. Schließlich verdieuen noch die vortreffliche Küche und die reinen Weine des Herrn Kurhausrcstanrateurs Ruthe mit Anerkennung genannt zu werden.

gs. Residenz-Theater. Der Neujahrstag bringt eben­falls ein interessantes Programm: Nachmittags y 2 4 Uhr

'u . r iy a ' jMj a oCTacangn rs

fortschreitende Handlung hat, daß cs sich nur aus einer Menge gut beobachteter Genrebilder aus dem Berufsleben der Lehrer «deren Stande der Verfasser angehört), zusammensetzt und Sum Theil nur eine scharfe Satire gegen die Volksschullehrer enthalr, lst schon ein grundlegender Mangel, der fortzeugend .-doses gebären mußte. Und so kam es denn, daß immer mehr geredet, immer weniger gehandelt wurde. Die Reden wurden zu immerhin recht interessanten Leitartikeln über die Lehrer- und Schulfrage. Oft klang es wie kampffreudiges Fanfaren­geschmetter. Förmlich umstürzlerische Bemerkungen, welche die oppositionslustige Zuhörerschaft zu öfterem, spontanen Beifall hinrissen, wurden laut und dem Zopf und dem grünen Tisch ging es schlecht. Ist denn das Königliche Theater über Nacht rein demokratisch geworden? fingen wir uns verwundert. Aber nein, so Entsetzliches^ ist nicht geschehen. Der Verfasser vartirt ja nur in seiner Weise das Thema, das vor Zeiten der Kaiser selbst einmal in guter Stunde angeschlagen, das Thema von der Reform der Schule im Sinne eines lebensvolleren Unter­richts. Nun, mit behördlicher Approbation ist es leicht, ein Held' des Wortes und ein Reformer zu sein. Da kann man es noch zu einem Orden 4. Klasse oder zu einer Initial-Busennadel bringen. Wenn nur alle die schönen Worte nicht für die Katz wären- Ja, hätten wir nur Lehrer und Geistliche und Richter, die aus reiner Begeisterung für ihre Sache und nicht meist aus sehr äußerlichen Gründen ihren Beruf ergriffen hätten, dann wäre Alles ganz anders. Dann könnte die Begeisterung, von welcher der treffliche Schnlrath Dr. Prell, welchen Herr Valentin in seiner Weise wieder bärbeißig kurz und wirk­sam gab, so schön sprach, in Permanenz erklärt werden. Dan» würden aber auch so ideale Schulmeister, wie der von Herrn Leffler so rückgratstark und sympathisch gespielte Lehrer Flemming, so häufig sein, daß ein Dreher keinen Probe- kandidaten mehr zum Helden und ein Ernst keinen Flemming mehr zum pädagogischen Musterknaben machen könnte. Zur Handlung selbst sei nur kurz bemerkt, daß be­sagter Flemming, dev tüchtige Kerl, von zwei

streberischen und heimtückischen Kollegen, nämlich von dem durch Hcrrn Weg euer handgreiflich echt und zum Spucken unan­genehmen Lehrer Dierks und von dem durch Hcrrn Schreiner