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601> Jahrgang. _ WiesbrchMer TaAdlatt (Abertd-Aus^abe). Verlag: Muggafse 87. 87. TezemLer ISSG. Seite 3,

Christkindes, war nicht geeignet, eine besondere Weih­

nachtsstimmung zu erzeugen. Der Tannenbaum in der Stube sagte: Heute ist Weihnachten, und wenn man hinauskam ins Freie, war aber auch garnichts Weihnacht­liches zu entdecken. Gerade als ob die Kinder ihre-Ostereier auf den grünen Wiesen hätten suchen sollen. Eine alte Regel sagt: „Grüne Weihnachten^ weiße Ostern". Es kann schon so kommen.

— Äie Stadtverordneten find auf Freitag, den 28. Dezember I. I-, Nachmittags 4 Uhr, in den Bürgersaal des Raihhauses zur Sitzung cingeladen. Tagesordnung: 1. Ver­pflichtung der neugewählten Mitglieder des Magistrats. 2. An­trag der Herren Stadtverordneten Dr. Alberti und v. Eck, zu beschließen: „Dir Stadiverordneten-Versammlung hält es für erforderlich, an Stelle der mit Januar 1901 ausscheidenden Mit­glieder der Stadiverordneten-Versammlung Ersatzmänner zu wählen". 3. Das Markthausprojekt. 4. Nachsorderung von 10,000 Mk. zu den Baukosten des Marktkellers. 6. Erhöhung des Schulgeldes der städtischen höheren Schulen. 6. Antrag auf Bewilligung eines Zuschusses von 634 Mk. zur Anschaffung einer Orgel für die Aula der höheren Mädchenschule. 7. Projekt über die Errichtung eines Anbaues an die alte Kolonnade zur Unterbringung ber Kurhausgärtnerei. 8. Erbreiterung des „Wasserleitungswegs" im Distrikt Hebenkics. 9. Anlegung eines Weges für Reiter und Radfahrer von den Herreneichen nach dem Rundfahrweg. 10. Verkauf einer Feldwegfläche an der Luxemburgstraße. 11. Ein Grsuch um Entschädigung des Unternehmers der Maurerarbeiten für den Marktkeller. 12. An­trag auf Bewilligung der Geldmittel zur Herstellung von Ein­friedigungen in den Kuranlagen, sowie zur Ausbesserung der Wachtstube im Thurm der Burgruine Sonnenberg. 18. Antrag auf Gewährung eines Nachkredits von 12,000 Mk. zu Straßen­bauten (F III, Nr. 25, i des Etats). 14. Beschlußfassung über die Erhöhung des Tilgungssatzes der aufzunehmenden An­leihe, von 14/2 auf 1 % pCt. des Anleihekapitals. 15. Auf­bringung der Geldmittel im Betrage bis zu 250,000 Mk. zur Erbauung von Wohnungen für die Arbeiter der Gasfabrik. 16. Zwei Baudispensgesuche, betr.: a) Errichtung eines Lager­gebäudes im Distrikt „Hasengarten"; b) Errichtung eines Wohn­hauses an der Frankfurterstraße. 17. Neuwahl eines Schieds- mannes für den 6. Bezirk. 18. Definitive Anstellung eines Bllreau-Assistenten. 19. Gewährung von Miethsentschädigung an den Direktor einer.städtischen Schule.

c>. Oberlehrer Schcdtlcr wird noch immer vergeblich gesucht. Nachträglich ist noch bekannt geworden, daß er an dem Mittwoch Abend, an dem er zuletzt in der Machenheimer'schen Wirthschaft in Biebrich bemerkt wurde, wahrscheinlich den Rückweg durch den Schloß­garten genommen hat, denn ein Wann, dessen Beschrei­bung genau auf den Vermißten paßt, ist daselbst von dem Parkwächter bemerkt worden und wieder nach dem Ein­gang in der Nähe des Rheins zurückgekehrt, als ihm be­deutet wurde, daß der Ansgang in Mosbach verschlossen sei. Herr Oberlehrer Schedtler hatte, wie wir hören, mitunter an Herzkomplikationen zu leiden, woraus ge­schlossen wird, daß er vielleicht in Folge eines solchen An- falls in dem Rhein verunglückt ist.

— Diamantene Hochzeit. Am zweiten Weihnachtstag feierte Herr Privatier Theodor Mühl das seltene Fest der diamantenen Hochzeit im Kreise seiner Familie. Herr Mühl wZr früher Schreinermeister und ein rühriges Mitglied des „Bürgerschützen-Corps". Er ist bei seinem hohen Alter nur noch selten einmal außerhalb seiner Wohnung zu sehen, aber feine Gesundheit ist ungefchwächt und sein Humor hat ihn bis­her nicht verlassen.

— Militärisches. Dem Eommandenr des Füsilier- Regiments v. Gersdorsf (Hess.) Sh. 80 war eine Anzahl Portraits des-Chefs des Reginrents, Ihrer Majestät der Kaiserin Friedrich, in Kabinettformat zur Vertheilung zugegangen. Letztere ist zu Weihnachten erfolgt und hat unter den Empfängern des wohlgelungenen Bildnisses lebhafte Freude hervorgerufen.

— Die Weihnachtsfeier in der Auge,Heilanstalt für Arme fand am 24. Dezember, Nachmittags 4 Uhr, in der üblichen Weise statt. Die Patienten, Aerzte, Pflegeschwesterir, das Personal und eine Anzahl Freunde der Anstalt hatten sich um die beiden Christbäume versammelt. Gaben der Liebe waren für 61 bedürftige Augenkranke, darunter 23 Kinder, auf langen Tafeln ausgebreitet. In Liedern und Deklamation wurde die Weihnachtsgeschichte vorgetragen. Der Vorsitzende der Ver­waltungs-Kommission, Herr Oberstleutnant a. D. W i l h e l m i, gedachte in seiner Ansprache der Freunde und Wohlthäter der Anstalt, die mit ihren Gaben gern dazu beigctrageu hätten, den armen Kranken diese Weihnachtsfreude zu bereiten. Mit Dank erkannte er es an, daß die barmherzige und opferfreudige Nächstenliebe, die schon seit 45 Jahren die Mittel zur Unter­haltung der Anstalt gewährt hat, sich auch in diesem Jahre in der Weihnachtszeit reichlich bethätigt habe. Insbesondere er­wähnte er dankbar des schönen Brauches, daß die mit welt­lichen Gütern gesegneten Augenkranken, die in der Pagen- stecher'schen Klinik ihre Sehkraft wiedererlangt haben, auch ihrer armen Leidensgefährten gedenken, indem sie dem Staar- fonds wie dem Freistellenfonds die Mittel zuführen, welche es den Bedürftigen ermöglichen, kostenlos ihr ungetrübtes Augen­licht und damit ihre Arbeitsfähigkeit wieder zu gewinnen; denn, in der Augenheilanstalt könne jeder bedürftige Staarkranke ohne Vergütung operirt, verpflegt und mit zwei Staarbrillen ver­sehen werden. Die hierdurch erwachsenden Kosten würden aus den Zinsen des Staarfonds gedeckt. Herr Verwalter Schminke vertheilte die meist praktischen Gaben, sowie Spielsachen und Backwerk an die Kinder, die in hellem Jubel ihrer Freude Aus­druck gaben.

— Die Weihnachtsbescheerung in der Blinden­anstalt am Sonntag Nachmittag 4 Uhr gestaltete sich zu einer erhebenden Feier. Viele Freunde und Wohlthäter der Blinden aus der Stadt, die Herren Vorstandsmitglieder, aber auch viele Angehörige der hier untergebrachten Kinder hatten sich zu der­selben eingefundcn. Ob man denn auch als Blinder ein fröh­liches Christfest feiern kann! Vielen einfachen Frauen vom Lande, die, ihre sehenden Kinder zu Hause lassend, hier zu ihrem „Sorgen­kind" geeilt waren, lasen wir in den kummervollen Augen, was ihr Inneres so schmerzlich bewegte. Welch ein trauriges, schweres Schicksal — gerade in der glänzenden Weihnachtszeit fühlt man es besonders — ist doch eingeschlossen in den zwei kleinen Worten „Kind" und „blind"! Es mögen wohl 60 Zöglinge ge­wesen sein, welchen in den festlich erleuchteten, mit zwei Tannen- Läumen geschmückten Arbeitsräumen der Anstalt durch die frei­

gebige Nächstenliebe unserer Mitbürger ein reicher Weihnachts­tisch gedeckt wvrden war. Der eigentlichen Bescheerung ging eine musikalische Feier und eine ergreifende Ansprache des An- staltsgeifilichen voraus. Besonders aufmerksam lauschten wir den reinen Klängen der vom gemischten Chor der Blinden sehr innig und mit tiefem Verständmßi vorgetragenen Weihnachts­lieder. Ein musikalisch sehr beaulagter Zögling überraschte durch den wirklich musterhaften Klaviervorirag der schwierigen Mazurk in B von B. Godard. Das kleine Orchester spielte Intermezzo von Mascagni und Lieder-Quadrille von Strauß- Schubert. Am besten gefiel wohl allgemein die Quartett- Nummer: „Paraphrase über ein Weihnachtslied" für Cello,

Violine und vierhändiges Klavier. Derselben lag das ebenso bekannte, wie beliebte „Stille Nacht, heilige Nacht" zu Grunde, und an geeigneter Stelle sprach ein Mädchen den Text zu der fein begleitenden Musik. Nach Beendigung dieses Vortragenden Theiles der Feier riefen Helle Glockentöne die Zöglinge an die Weihnachtstische. Flinke, tastende Hände hatten bald die Gaben des Christkindes, meist Gebrauchsgegenstände, Kleider, Werkzeuge, aber auch neueBücher und Spiele re. untersucht und er­kannt — innigste Freude verklärte das Angesicht über die er­füllten Wünsche, wie die jüngeren Kinder alsbald strahlenden Antlitzes ihre Pfeifen, Trommeln und Schießgewehre zu ge­brauchen wußten. Heller Weihnachtsjubel erfüllte die Anstalt, als wir sie gegen 6 Uhr verließen. Wir hatten das Bewußtsein, daß die der Anstalt gespendeten Weihnachtsgaben im Sinn der ! Geber verwendet waren und wahre Weihnachtsfreude in die Herzen der Lichtlosen getragen hatten.

— Wohlthätigreitsfcst der Gesellschaft „Drci- klang". Der schöne Erfolg des von diesem Verein veran­stalteten Kirchenkonzertes spiegelte sich in der Weihnachts- befcheerung wieder, die am vergangenen Sonntag Abend so vielen bedürftigen Kleinen geboten werden konnte. Das Fest fand, wie alljährlich, in den gastfreien Räumen des „Taunus-Hotels" statt, und auch diesmal hatte die Besitzerin, Frau Schmitz- Volkmuth, in hochherziger Weise den schönsten Saal zur Ver­fügung gestellt. Wie süß auch das Wöhlthun ist, so mag es den Damen des Vereins, und zumal ihrer unermüdlichen Führerin, Frau La Pierre, doch nicht so ganz leicht ge­wesen fern, für 120 Kleine, nach Alter, Größe und Geschlecht die paffenden Geschenke an Spielsachen, Schuhzeug und warmen Winterkleidern auszusuchen; nur die Vertheilung der gangbaren Artikel: Obst, Kuchen und Zuckersachen mag den in Kinder- augen so allwissenden Feen weniger Kopfzerbrechen verursacht haben. Von einem wirklich hübschen Effekt war der Anfang der Feier, als die Kinderfchaar, emporschauend nach dem Lichtmeer, das ihr von dem Tannenbaum entgegenstrahlte, das" feierliche Lied: „Stille Nacht" anstimmte, und das mit einem Ernst und einer Andacht in den kleinen Gesichtern, als ob Keiner etwas wüßte von den verlockenden Weihnachtssachen, wo doch so mancher Blick heimlich hinschielie. Das Lied klang wunder­schön, doch mögen da wohl einige Soprane und Baritons der Gesellschaft mitgewirkt haben. Als die letzten Töne verklungen waren, ging es an die langen Tische, wo dem kleinen Volk die Bescheerung winkte. Das frohe Gewimmel im Saale, die leuchtenden Kinderaugen, die Ausrufe der Freude und des Ent­zückens, das Lachen und Jauchzen, und sogar die stumme Selig­keit etlicher, wie in einem Märchentraum.befangenen Kleinen — es war für die freundlichen Veranstalterinnen der Lohn ihrer Mühe. Gegenüber diesen, sich seit 10 Jahren immer glänzender und umfangreicher gestaltenden Weihnachtsbe- scheerungen — umfangreicher und glänzender, was die Zahl der beglückten Kleinen betrifft — geziemt sich wohl ein Wort der Anerkennung an den Vorstand der Gesellschaft, der in so fein­fühliger Weise die Kunstpflege der Wohlthätigkeit dienstbar zu machen versteht und dabei solche Ergebnisse erzielt. Gewiß — die Herren Brückner, La Pierre und van Niessen können mit Genugthuung auf ihr Wirken zurückblicken, zumal der erstgenannte, der musikalische Leiter der Gesellschaft, unter dessen geschickter und fachmännischer Führung die vorerwähnten Kirchenkonzerte einen immer schöneren Erfolg aufzuweiscn haben.

— Volksunterhaltungsabeud. Nach dem allgemeinen Beifall, den der letzte Unterhaltungsabend in der Turnhalle Hellmundstraße gefunden, hat es sich der „Volksbildungs-Verein" doppelt angelegen sein, lassen, der am Sonntag, den 30. d. M., Nachmittags 4Yz Uhr, im selben Lokale stattfindenden Ver­anstaltung ein künstlerisch vornehmes und doch populäres Ge­präge zu bewahren. In liebenswürdigster Weise, mit der Ge­nehmigung der Kgl. Intendanz, der hierfür Dank gebührt, hat sich Herr Hermann Vallentin zur Verfügung gestellt, um durch Vorträge ernster und heiterer Gedichte das gesprochene Wort zu Ehren zu bringen. Fräulein Jenny Hoffmann, Schülerin der Frau Professor Wilhelms, in allen musikalischen Kreisen durch ihre schöne Altstimme wohlbekannt, wird eine Auswahl stimmungsvoller Lieder vortragen, und daneben wird es allen Musikfreunden ein besonderer Genuß sein, die so seltene Gelegenheit zu haben, ein so wohlklingendes Instrument, wie bie Harfe, unter den Händen unseres geschätzten Virtuosen aus der Kurkapelle, Herrn R. Wenzel, ertönen hören. Zu Beginn und am Schluß des Unterhaltungsabends wird dasGefangs - quartett des Wiesbadener „Turn-DereiuS", bekannt durch seine kürzlich erzielten künstlerischen Erfolge, mit der Wiedergabe einiger unserer schönsten deutschen Lieder excelliren.

— Wiesbadener Volksbücher. Als eine willkommene Gabe werden diese kleinen, gelben Bändchen wohl auf den meisten Weihnachtstischen in unserer Stadt geglänzt und von Neuem das Interesse an den Bestrebungen des nach so vielen Seiten hin thätigen „Volksbildungs-Vereins" angeregt haben. Dank der niemals vergeblich angerufenen Opfcrloilligkeit unserer Mit­bürger dürste auch das Fortrrscheinen der „Wiesbadener Volks­bücher" gesichert sein. Dir regen Gaben, die infolge des kürzlich erschienenen Aufrufs für den Betriebsfonds dieses Unternehmens bereits eingegangen sind, beweisen, daß die Pflege der ideellen Güter in hiesiger Stadt eine gute Stätte hat. Noch fehlt aller­dings an der aufzubringcndcn Summe ein namhafter Betrag und es ist somit dankend anzuerkennen, daß neben den bereits bekannten Sammelstellen sich neuerdings auch die Buchhand­lungen der Herren Heinrich Heuß, Kirchgaffe 26, und Heinrich Normer, Langgaffe 32, zur Entgegennahme von Beiträgen für den Betriebsfonds der „Wiesbadener Volksbücher" bereit erklärt haben. Die Thätigkeit der verschiedenen Sammelstellen, im Verein mit der Liberalität und dem Eifer der an der Sache in­tim bcthciligten Herren, dürfte den gewünschten Erfolg haben. Ueber die eingegangenen Gaben wird demnächst öffentlich quittirt werden.

o. Die Raufbolde stehen auch vor dem friedevollen Weih­nachtsfest nicht still. Am ersten Feiertag Abends hat ein solcher in der Faulbrunncnstraße einen Fuhrmann Namens Koch ohne jegliche- Veranlassung mit einem Stock über den Kopf geschlagen,

daß eine klafftnde Wunde entstand und der UeberfaÜene ärzt­liche Hülfe in Anspruch nehmen mußte. — In der „Männer- Turnhalle" fand der sonst sehr gemüthlich verlaufene Bäcker­ball feinen Abschluß in einer solennen Keilerei, die sich mehrere rauflustige Festtheilnehmer unter dem Geklirr der Scherben von Flaschen und Gläsern lieferten. Einer der Raufbolde er­hielt dabei einen Schlag mit einer Flasche, der eine erhebliche Verletzung über dem rechten Auge zur Folge hatte. Ein Schutz­mann, der dem Radau ein Ende gemacht, brachte den Verletzten in das städtische Krankenhaus.

— Neujahrsbriefe. Sonntag, den 30. Dezember, wer­den die Postämter in Wiesbaden für den Verkauf von Post- werthzcichen wie an Werktagen geöffnet bleiben.

^ — Genaue Briefaufschriften. Auf pünktliche Be­stellung der Neujahrsbriefe kann nur dann gerechnet werden, wenn die Aufschrift der Sendungen die vollständige Wohnungs- angabe enthält.

— Unfall. Gestern Abend 9% Uhr fand ein Zu­sammenstoß von zwei elektrischen Straßenbahnwagen in der Näh- des „Scheppen Ecks" in Biebrich statt. Beide Wagen wurden ziemlich stark beschädigt und mußten außer Betrieb ge­setzt werden.. Die Passagiere kamen mit dem Schrecken davon.

Kleine Notizen. In dem Schaufenster des Herrn I. Prätorins, Samenhaus, Kirchgaffe 23, sind die Ehren­preise der „Kanaria", welche dieser Verein an die besten Gesangskanarien gelegentlich seiner Ausstellung am 30., 31. Dezember und 1. Januar 1901 tm „Hotel Friedrichshof" vergäbt, ausgestellt.

KetztZ Nachrichten.

Levkscdenduri'au .NerolL

Berlin, 27. Dezember. Die Einsegnung der Leiche des Eeneral-Feldmarschall Grafen v. Blumenthal findet morgen Bormittag, 11 Uhr. in der hiesigen Garnisonkirche statt. Nach derselben erfolgt die Ueberflihrung mit militärischen Ehren nach dem Lehrter Bahnhof. Di- Beisetzung findet in Krampfer bei Perleberg statt. An der kirchlichen Feier und der Ueberführung der Leiche nehmen der Kaiser und sämmtliche Prinzen des königlichen Hauses, welche dem Garde-Corps an- gchören, ebenso sämmtliche Prinzen der regierenden Häuser, die Ritter des Schwarzen Adlerordens, die Generalität und alle Offiziere der Berliner Garnison Theil. Truppen bilden von der Schloßburg bis zur Alsenbrücke Spalier.

Paris, 24. Dezember. Die deutsche Kolonie veranstalteke gestern Abend zu Ehren des Fürsten M ü n st e r aus Anlaß von dessen 80. Geburtstag ein großes Festbankett, wobei der Fürst ein Hoch auf den deutschen Kaiser und die französische Republik ausbrachte. Fürst Münster drückte seine Befriedigung aus über die herzlichen Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland, und erinnerte daran, daß der deutsche Kaiser seine Sympathieen für Frankreich durch Hergab- seiner Privat- Sammlungen für die Ausstellung bekundet habe. Der Fürst sagte weiter, er beglückwünsche sich, daß während seiner fünf-' zehnjährigen Thätigkeit in Paris die Beziehungen zwischen den beiden Regierungen immer gute gewesen sind, was unter den Anwesenden große Begeisterung hervorrief. Die Menge sang die deutsche und französische Nationalhymne.

. Weimar, 27. Dezember. Das gestern Morgen über das Befinden des an Influenza erkrankten, greisen G r o ß- li e r z o g sausgegebene Bulletin lautet: Se. Kgl. Hoheit haben den gestrigen Tag ohne besondere Zwischenfälle leidlich gut ver­bracht. Die Temperatur betrug am 25. Abends 38,5, am 25. Früh 37,8. Der Puls ist gleichmäßig. Die Nacht wurde durch Husten weniger gestört. Das Befinden ist heute ein besseres, gez. Dr. Pfeiffer, Dr. Matthes.

Wien, 27. Dezember. Als Vertreter des Kaisers Franz Joses begab sich der Corpskommandant Graf v. Uexkuell nach Berlin, um an der Leichenfeier für den Generalfeldmarschall Grafen Blumenthal beizuwohnen.

ttcl. Berlin, 27. Dezember. Direktor Warsinski von den salliten Spielhagen-Banken ist freiwillig nach Berlin zurück­gekehrt und hat sich selbst der Staatsanwaltschaft in Moabit gestellt, die ihn sofort in Untersuchungshaft nahm.

hd. Berlin, 27. Dezember. Das „Kleine Journal" meldet aus Mohelew: Ein schrecklicher U,nglücksfall hat sich zwei Meilen von der hiesigen Stadt ereignet. Ein Landwagen, auf welchem sich sechs Bauern und 4 Frauen befanden, wurde von einem Schnellzuge erfaßt und total zermalmt. Vier Männer und drei Frauen blieben sofort tobt, die übrigen wurden schwer verletzt. Die Barriere soll nicht geschlossen gewesen sein.

wb. Mannheim, 27. Dezember. Dienstag Früh iy 2 Uhr stieß ein außerhalb des Personenbahnhofs ausfahrendcr Güter­zug wahrscheinlich durch Ueberfahren des Semaphors auf einen von Heidelberg kommenden Eilgüterzug. Eine Lokomotive und etwa 17 Waggons sind entgleist und theilweise zertrümmert. Drei Bahnbedienstete des Eilgüterzugs wurden, der „N. Bad. Land.-Ztg." zufolge, verletzt.

wb. London, 26. Dezember. Nach einer bei Lloyds ein- gegangenen Depesche ist der Hamburger Dampfer „A r m e n i a " in Philadelphia mit'beschädigter Steucrmaschine eingetroffen.

tut. Nizza, 27. Dezember. Großes Aufsehen erregte gestern ein Eifersuchtsdrama. Der Graf Jules de Bernouilly hatte aus Eifersucht sechs Revolverschüsse auf seine 25-jährige Gattin abgefeuert und sie dadurch getödtet. Er stellte sich da­rauf der Polizei.

hd. Malaga, 27. Dezember. Die „Andalusia" ist Dienstag mit den Geretteten der „Gneisenau" abgedampft. Die Behörden und die Konsuln wohnten der Abfahrt bei. Die im Hafen liegenden Kriegsschiffe gaben Salutschüsse ab. Die Be­mannung stand in Parade auf Deck.

VoUrsmrrHschaWches.

Fruchtmarkt zu Wiesbaden vom 27.Dezember. 100 Kilo­gramm Weizen - Mk - Pf. bis - Mk. - Pf. 100 Kilogramm Roggen - M. — Pf. b« — Mk. - Pf. 10U Kilogramm Gerste ~ Mk. — Pf. bis — JJlt — Pf. 100 Kilogramm Hafer 13 Mk. 50 Pf. bis 14 Mk. 10 Pf. 100 Kilogrmmu Richtstroh — Mk. -- Pf. bis — Mk. — Pf. 100 Kilogramm Heu 8 Mk. — Pf. bis 8 Mk. 90 Pf. Anaefahrm warm: 3 Wagen mit-Frucht und 6 Wagen mit Heu und Strom

Die Abend-Ausgabe enthüll 4 Ksttagr»,

darniitcr die Sonderbcilage

„Amtliche Anzeige» des Wiesbadener Tagbliuis" Nr. 155.

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