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Samstag, 8. Mai 1915.

Der Krieg.

Der Tagesbericht vom 7. Mai.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 7. Mar. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Weitere Fortschritte vor ppern. — Der Gelände­gewinn auf den Maashöhen und im Aillqwalde behauptet.

Bei Ypern wurden alle Versuche der Engländer, uns die seit 17. April einen Brennpunkt des Kampfes bil­dende H ö h e 6 0, südöstlich von Zonnebeke, zu entreißen, vereitelt. Wir gewannen dort weiter Gelände a u f Ypern. Der Feind verlor bei diesen Kämpfen gestern 7 Maschinengewehre, einen Mincnwerfer und eine große Anzahl von Gewehren mit Munition. Bei Fortsetzung ihrer Angriffe erlitten heute früh die Eng­länder weitere große Verluste.

Zwischen Maas und Mosel behaupteten und be­festigten wir den ans den Maas Höhen und südwest­lich und südlich des A i I l v w a l d e s errungenen Ge­ländegewinn. Bei Flireh ist ein schmales Graben­stück unscrer Stellung noch im Besitz der Feinde. Sonst wurden dort alle Angriffe abgewiesen.

Angriffsversuche des Feindes nördlich von Steina­brück im Fechttale wurden durch unser Feuer im Keime erstickt.

Destlicher Kriegsschauplatz.

Line Niederlage der Nüssen nördlich Kowno. — Abwehr russischer Angriffe in Suwalki. — 2m

ganzen im Nordosten 2020 Gefangene.

Die Kämpfe südlich von S z a d o w und westlich von Rossienh endeten mit einer ausgesprochenen Niederlage der Russen, die starke Verluste erlitten, 1588 Gefangene verloren und sich in vollem Rück­zug befinden.

Südwestlich von K a l w a r i j a, südlich von Augustowo und westlich von Praschnüsch wurden ruffische Teilangriffe von uns blutig abge­schlagen. In diesen Kämpfen büßten die Ruffen 528 Gefangene ein.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

voller Erfolg auch am unteren Dunajec. Vor­dringen Mackensens östlich der wislokra. Zu­sammenstöße mit den vom Lupbower patz fliehen­den Ruffen. — Andauerndes Anwachsen der Siegesbeute.

Auch die Kämpfe auf dem rechten Ufer des unteren Dunajec endeten gestern mit einem vollen Er­folg für die verbündeten Truppen. Der Feind ist dort im schnell st em Rückzug nach Osten. Nur an der Weichsel hielt noch eine kleine Abteilung von ihm stand. Weiter südlich drangen wir auf dem rechten Ufer der W i s l o k a in Richtung auf den W i s l o k und über Jasionka vor. Vielfach stießen Teile des rech­ten Migels der Heeresgruppe des Generalobersten von Mackensen bereits mit den aus der Karpathen­front westlich des L u p k o w e r Passes vor den dicht anffolgenden Verbündeten in s ch l e u nigstem R ü ck- zug befindlichen Kolonnen der Russen zusammen. Mit jedem Schritt vorwärts ste i g c r t sich die Sieges- heute. ObersteHeeresleitung.

*

Die Bedeutung unserer Siege intvst und West.

s - Berlin, 7. Mai. (Eigene Meldung. Ktr. Bin.) Die Entwicklung der Errigniffe auf dem westgalizischen Kriegsschauplatz stellen sich als ein fortgesetzt wachsender Erfolg unserer Trrrppen dar, an dem n. a. auck General v. E m m i ch hervorragend beteiligt ist. In die Niederlage sind 8 bis 16 russische Armeekorps verwickelt. Vom Lupkowcr- Paß bis zur Weichsel sind die Ruffen in regel loser Flucht begriffen. Die Nordausgänge der Karpathen, wo sich noch ein Teil der Russen hält, find bereits von unseren Truppen gesperrt, so daß mit der Gefangennahme noch weiterer russischer Streit kräfte gerechnet werden kann. Die verzweifelten An strengungen, die die Russen anscheinend bei Krosno unseren ihnen folgenden Truppen leisten, dürften daran kaum etwas ändern.

Auch die Lage im Nordosten berechtigt zu den besten Hoffnungen, besonders nachdem die russischen Streitkräfte bei Rossienh eine völlige Nieder­lage erlitten haben und nach S üd o st en zu au f Kowno verfolgt werden.

Unsere Angriffe im Westen werden zunächst aut Ypern mit ruhiger Energie fortgesetzt. Natürlich versuchen die Engländer, ihre festungsmäßig ausgebautc Stellung bis zum äußersten zu halten. Wir müssen uns daher noch einige Tage gedulden, bis un

Morgen - Ausgabe.

sere Artilleriewirkung ihre Schuldigkeit tut, ohne daß wir unnötige große Verluste in Kauf nehmen müssen. Die Eroberung im Aillywalde gehört zu den glänzend st en Waffentaten, so sehr auch fran­zösische und englische Nachrichten unseren Erfolg ab- treiten möchten. __

von den östlichen Kriegsschauplätzen.

Der österreichisch«ungarische Tagesbericht. Fortdauernde Verfolgung der aus den Karpathen fliehenden Ruffen. — wachsende Ziegesbeute.— Blutige Abweisung russischer Angriffe im öst­lichen Karpathenabschnitt. — Vernichtung fran­zösischer Geschütze in Belgrad, w. T.-B. Wien. 7. Mai. ^Nichtamtlich.) Amtlich ver­lautet v-m 7. Mai, mittags: Unter fortdauernden

erfolgungskämpfen überschritten die verbündeten österreichisch-ungarischen und deutschen Streitkräfte die iSlvka auf der Strecke Pilzno-Jaslo mit den Bortruppen. Südlich Jaslo sperren im Ranme Dukla- Rpmanow starke eigene Truppen die Karpathenstratze, auf denen die Russen in Kolonnen nach Norden und Nord­osten zurückgehen. Diesen feindlichen Kolonnen folgt auf den Fersen unsere über die Beskiden vordringende Armee, in deren Verbände auch deutsche Kräfte kämpfen. Die Zahl an Gefangenen und Kriegsmaterial nimmt weiter zu. Speziell unser 10. Armeekorps erbeutete gestern allein 5 schwere und 16 leichte Geschütze.

Unsere Truppen in dem östlichen Abschnitt der Karpathen wiesen unterdessen verzweifelte russische Angriffe unter den schwersten Verlusten für den Gegner ab. Sv wurde gestern ein neuer Vorstoß gegen die Höhe O st r i j dnrch wir­kungsvolles Artilleriefruer zurückgeschlagen, 1300 Mann des Feindes gefangen genommen, mehrere Abteilungen durch Flankenfeuer aufgerieben.

Auch an der Front in Südostgalizien scheiterten alle Versuche des Gegners, einzelne Stützpunkte zu erobern.

Auf den südlichen Kriegsschauplätzen keine Ereignisse. Jm Grschützkamps vernichteten unsere Mörser durch Volltreffer französische Marinegeschütze bei Belgrad.

Der Stellvertreter des Chefs des Genrralstabes: v. Höfer, Fetdmarschalleutnant.

Der Dnkla-Patz zurückerobert.

Br. Berlin, 7. Mai. (Erg. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der Berichterstatter des „B. T." meldet aus dem Kriegspressequartier: Die österreichisch-ungarischen Trup­pen haben heute den Dukla-Paß in der ganzen Breite besetzt.

weitere Einzelheiten zum Rückzug der Ruffen.

Große Verwirrung aus den Rückzugsstraßeu.

Sr. Budapest. 7. Mar. (Erg. Drahtbericht. Ktr. Bln. Die .Kriegsberichterstatter ntefcbtn Einzelheiten über den gestri­gen Rückzug der Russen von der Dunajeclinie und aus den Karpathen. Der Rückzug kostete den Russen abermals ungeheure Opfer und brachte uns weitere grotzeBeute. Über die gegenwärtige Lage wird berichtet, alle Paß­straßen zur Bahnstrecke Jaslo-Szanok sind überfüllt bon fliehenden Kolonnen des Trains und der Reserven. Beim Zanh g rod stießen russische Karpathentruppen auf westgalizi- sche. Es gab eure h-eillose Verwirrung, Faust- und Bajonettkärnpse. In diefein Tohuwabohu fielen die ersten Schüsse unserer verfolgenden Swßtruppen des Generals v. Mackensen und riefen unbeschreibliche Panik hervor. Unsere Leute, Bayern, wie Ungarn, Niederdeutsche und Österreicher verfolgen den geschlagenen Feind im Rausche eines großen Sieges und nehmen Tausende und Aber­tausende gefangen. Der grotzangölegten Offensive ge­lang es, auf der 150 Kilometer langen Front den Pofitions- kampf in einen betveglichen Kampf umzugestalten, den Feind zu schlagen und ihn, trotzdem er auf einer 40 Kilometer 5cm gen Linie drei Verteidigungssteüen besaß, neuerlich zum Rück­zug zu zwingen.

Eine Würdigung Ungarns.

Das „Algemeen Handelsblad" würdigt in der Nr. 28 047 den Anteil Ungarns an dem Riesenkampf, den wir erleben. Es weist darauf hm, daß der Heldenmut und Opfergeist der Ungarn im Laufe der letzten Jahrhunderte derselbe geblieben ist, daß nur Verteidigung der Heimaterde die Ungarn in den Kampf getrieben. Sodann würdigt es das taktvolle und un­ermüdliche Arbeiten des Grafen Tisza, der 'das Volk von der Notwendigkeit zu überzeugen verstand, die Dienstpflicht vom 18. bis 50. Lebensjahre gesetzlich festzulegen. Es schließt: „Die Ungarn haben ihrem alten Ruhme Ehre angetan. Wie in den Tagen Maria Theresias, so erklären sie sich auch jetzt bereit, für den König zu streiten, wenn nötig, zu sterben Wiederum erklang der Jubelruf: M>riamnr pro rego nostro! (<3te rüsten sich wieder zum Streit), neue Regimenter werden gebildet, um den ungarischen Boden zu verteidigen. Nicht um Eroberungen zu machen, sondern um das Vaterland zu retten, um den drohenden Einfall abzuwehren, eilen sie jetzt zu 'den Waffen und geben so dem Aufruf ihres Führers tvillig Gehör."

Verschärfung der Zensur in Rußland.

Petersburg, 4. Mai. (Ktr. Bln.) Seit einigen Tagen ist eine wejentliHe Verschärfung der Nachrichtenzensur in

Nr. 213. ♦ 63. Jahrgang.

der Presse wahrzunehmen. Sogar die „Nowoje Wremja", die fast nie beanstandet wurde, erscheint jetzt mit zahlreichen' weißen Stellen. Gestrichen wurden Angaben über die Be­ratungen des Börfenkomitees und des Wirtschaftlichen Ver­bandes, die anscheinend eine ungünstige Lage feststellten. Weiter wurden Nachrichten aus den Ostfeeprovinzen unterdrückt, die sich auf Ereigniffe an der Küste heziehen. Die Nachrichten aus dem Kaukasus fühlen ganz,'seit die kau­kasische Presse für die ganze Dauer des Krieges verboten ist. Jm „Rußkoje Slowo" wurde eine satirische Darstellung größeren Umfangs unterdrückt, die sich gegen das offizielle Bulgarien gerichtet hatte.

Russische Gewalttaten gegen einen Priester.

w. T.-B. Wien, 6. Mai. (Nichtamtlich.) Ans dem Kriegs- pvesiequartier wird unter dieser Überschrift gemeldet: Beim Eindringen der Russen in Topornotz in der Bukowina stürzten Kosaken in das Haus des dortigen griechisch­orientalischen Pfarrers Mitrofanowicz, nahmen eine Haussuchung vor und raubten alle Wertgegenstände. Hierauf führten sie den Pfarrer in die Küche und verlangten, ihn mit Bajonetten und Nagaikas bedrohend, Geld. Als er beteuerte, kein Geld verwahrt zu haben, nMnen- sie ihm nach einer Leibesvisitation 80 Kronen aus der Tasche. Ein anderes Mal erbrachen Kosaken den Keller des Pfarrers und raubten den ganzen Weinvorrat. Ter orthodoxe Priester hatte drei­zehn solcher Überfälle mitzumachen und hat einen Schaden von mehreren tausend Kronen erlitten. Beim Abzug aus Topornotz beschossen die Raffen sein Haus wühl absichtlich be­sonders arg.

Noch Kein Invalidenaustaufch mit Rußland.

W- T.-B. Berlin, 7. Mai. (Amtlich.) Die ausländische Drahtmeldung vom 27. April über den Beginn der Auswechs­lung von schwerverwundeten Gefangenen zwischen Deutschland und Rußland über Schweden ist verfrüht. Die Verchand- lungen mit Rußland wegen der Auswechslung dienstuntaug­licher Kriegsgefangener sind noch nicht abgeschlossen.

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Serbisch-rassische Verhandlungen.

Br. Wie«, 7. Mai. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Aus Risch wird gemeldet, daß MinifterprSfident Pasitsch drin­gend nach Petersburg gerufen wurde und bereits ab­gereist ist. — Der russische Minister des Äußern S s a s o - now hat sich in das russische Hauptquartier begeben.

Schulter an Schulter.

Ein unvergleichliches Schauspiel kriegerischer Käme- radschaft, das drei Reiche, das deutsche, das österreichisch­ungarische und das türkffche, umschließt, erleben wir seit Monaten. In Reih und Glied stehen VMerschaf- ten, die sonst GÄlüt, Glauben und Geschicke vonein­ander getrennt haben, beseelt von demselben Geiste der Waffengemeinschaff und der wechselseitigen Treue, ge­führt von dem gleichen Willen, gemeinsam für des Vaterlandes Freiheit und Unabhängigkeit zu bluten und 'zu siegen, — „vereint bis zum letzten Atemzuge", wie der ungarische Ministerpräsident, Graf Tisza, bei der Beratung der Vorlage über die AuSdvhWnng der Landsturmpflicht sagte.

Noch nie hat die Weltgeschichte die Wahrheit des Wortes „Schuster an Schulter" für die Waffenbruder - schast großer Völker und Staaten so großartig und wun­dersam wirklich werden sehen wie in diesem Weltkriege. Wie zu einem einzigen einmütigen Volkstum in Wehr und Waffen zusammengeschmiedet kämpfen nebenein­ander Brust an Brust Deutsche unter dem Zepter der Hohenzollern wie der Habsburger, Ungarn und Slawen. Christen und Mohammedaner, hier unter eigener, dort unter der Führerschaft der Bundesgenossen. An der Spitze zweier türkischer Heere stehen deutsche Feld­herren. Feld mm schall Freiherr v. d. Goltz-Pascha und General Liman v. Sanders. Deutsche Seeoffiziere stehen in türkischen Dienst. Unsere Blaujacken kämpfen auf türkischen Schiffen. An den Dardanellen und am Bosporus, in den Wüsten Arabiens, auf dem Wege nach dem Suezkanal ksttet treue Kameradschaft Deutsche und Osmanen zu fester Kampfeseinheit.

Ein höherer deuffcher Offizier, der jüngst an den Kämpfen um die Dardanellen teilnahm, erzählt er­hebende Beispiele türkischen Heldengeistes, dre ebenso­gut Zeugnisse des todesmutigen Pflichtbewußffeins der deutschen Kameraden sein könnten^ Denn es besteht da kein Unterschied. Schulter an Schulter tun Deutsche und Türken ihre Pflicht. Tapfer sind die einen wie die anderen. Als in der Dardonelleuschlacht am 18. März eine der schweren Feldhaubitzenbatterien vom Feinde entdeckt worden war mrd die Granaten immer nccher bei den Geschützen auffchlugen, rief ein türkischer Geschütz- führer im Krachen der platzenden Granaten: „Kame­

raden, dies ist der Tag, für den unsre Mütter uns ge­boren haben!" Ties Wott eines einfachen türkischen Soldaten könnte ebensogut ein deuffcher Krieger ge­sprochen haben, und es würde ihm nicht ininder zu höchster Zier und Eh« gerejchey.