L Beilage mm Miesbaüener Taoblatt.
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60(K Morgen-Ansgabe.
( 16 . Fortsetzung.)
(Nachdruck verboten.)
Drei Theilhaber.
Roman von Uret Karte.
Autorisiert.
dies Alles, sobald sich Stacy im Gesellschaftsanzug und tadelloser Haltung mit geschäftsmäßiger Pünktlichkeit eingestellt hatte. Es kam
m ? 0 o r 'J?J cin alter Theilhaber ein etwas er- l^bei der Mittheilung, daß sie iin großen T^aal speißen sollten; auch sah er, wie Stacy die schön geputzte Kitty mit scharfen Blicken musterte; er mochte wohl errathen, daß dies ihre Wahl sei, und ihren Be weggrund verstehen. Der junge Ehemann war überhaupt m etwas ängstlicher Spannung, was wohl Stacy Frau denken würde. Er fühlte sehr gut, daß W^en noch m ihrem Aeußern, der alten ^lly glrch, die Stacy gekannt hatte. Daß der Freund ie damals nicht zu würdigen wußte und ihre jetzige Er- AEung dem Geschmack des gewiegten Weltmanns besser Zusagen könne, daran dachte seine harmlose Seele SV® sah er denn mit einer Art schüchterner Freude, wie Stacy mit ihr zu sympathisiren schien, sich ihrer und sogar ihren halb scherzhaften, halb Ä Bemerkungen über seine, Barkers, Unerfahren- heck und Einfalt beistimmte. Er war froh, daß die Beiden Freundschaft schlossen, selbst auf diese Art. Stacy Kurde nun endlich verstehen, wie allerliebst sie in ihrem neckischen Eigenwillen war, uiid Kitty würde nicht länger MveiLreue seinesalrenKameradm zweifeln. Mit aufrich- tiger Befriedigung folgte er ihnen in den Speisesaal, ^KittY un er vertraulichem Geplauder, am Arm seines
®“ ft Är ?! ü l ba V^ r Benehmen nicht ganz frei Von Abstchtlrchkert war, beunruhigte ihn einigermaßen
Beim Eintritt der kleinen Gesellschaft entstand eine Plötzliche Bewegung im Saal. Alle Köpfe wandten sich nach dem großen Finanzmann hin, als würden sie magnetisch angezogen. Von Tisch zu Tisch flüsterte man sich feinen Namen zu, ja, manche Gäste waren keck genug, sich auf ihren Stühlen umzudrehen, während er bei ihnen vorbeikam. Frau Barker zeigte sich sehr gesprächig m ihrer Aufregung; sie sah rosig und hübsch aus; Stacy hatte eine würdevolle Miene angenommen. Nur Barker behielt seine natürliche Unbefangenheit.
Im Verlauf des Mittagessen fand Barker wenig Gelegenheit, mit seinem. früheren Theilhaber von alten Erinnerungen zu reden. Cr erfuhr nur, daß Stach einen Brief von Demorest erhalten habe, der seine baldige Heimkehr nach Europa ankündigte. Seine Briefe waren noch immer traurig — darin stimmten Beide uberein. Dabei sah Stacy zum ersten Male an diesem ^age Barker mit jenem Blick an, den er vom Kieferberq her genau kannte.
„Glaubst Du, daß es derselbe alte Kummer ist, der Zn noch immer quält?" fragte Barker im Ton inniger Therlnahme.
„Jawohl, ohne Zweifel", erwiderte Stach mit ebm- so tiefem Gefühl. — Kitty spitzte die hübschen Ohren; ihres Gatten stets reges Mitleid war für sie nichts
Dienstag» den 23. Dezember.
Neues, aber daß der kalte, praktischeHy^sich durch irgend etwas rühren ließ, reizte ihre Neugier ’ J
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.Die einzige Möglichkeit, die sich ihm bot, hat er ,W Ö6r ^Wielen", entgegnete Stacy mit Nach- £Hf~; "Statt allein nach Europa zu reisen und seiner Schwerinuth nachzuhängen, hätte er in mein Geschäft
gemacht°habem" toUr5e ^ 311 einem aubcren Menschen
„Aber er wäre nicht Demorest geblieben;" fiel Barker rasch ein.
^nd denn das für schrecklich geheimnißvolle Demorest krank?"^^ ^ Barker ungeduldig. „Ist
Beide Männer schwiegen, wie aus alter gemeinsamer Gewohnheit. Endlich sagte Stacy: „Nein!" in emem Ton der alles weitere Fingen abschnitt Barker io - er " t6 ' ' inra
r Öntte mit Wonne beobachtet, wie am Nebentisch die Aufmerk,an,keit sich auf sie lenkte und sogar Frau Hornburg von Zeit zu Zeit zu Stacy hinüber- l?™ te 0 v ^ aber diese Dame offenbar auf den Bankier einen ebenso tiefen Eindruck machte, überraschte sie außer- ordentlich Seine kalten Züge wurden warm, sein kritischer Buck rmlde, er fragte nach ihrem Namen. Kitty gab mit geläufiger Zunge Auskunft; sie war offenbar falsch unterrichtet, und jedenfalls voreingenommen.
„vich weiß wie die Sachen stehen", entgegnete Stacy mit großer Bestimmtheit. „Ihr Mann war der schlechteste toi unter der Sonne. Nachdem er ihr das Leben mit ,hm unerträglich gemacht hatte, verließ er sie, damit sie chne ihn an ihrem guten Ruf Schiffüruch leiden sollte.
hatte Nch langst von ihm scheiden lassen können, aber sie will nicht."
«w "® a§ - ^ h)0 ^ 1 bpr Grund, weshalb sie für Euch Männer so anziehend ist?" fragte Frau Barker spöttisch.
. 'Ae ste heute zum ersten Male", fuhr Stacy in ruhigem Geschaftston fort, „obgleich mir und zwei anderen Herren die Verwaltung ihres Vermögens obliegt; wir haben es den Klauen ihres Gatten entrissen. Man sagte mir, sie sei, schön — und das ist sie auch." r y Birrwr der sich über diesen Beweis einer mensch- lichen Schwäche bei Stacy freute, warf seiner Frau einen verstandnißvollen Blick zu. Aber sie sah beharrlich nach oer anderen Seite und die Augen des jungen Ehemanns, die noch vor innerer Befriedigung strahlten, begegneten issrau Hornburgs Blicken. Diese wandte sich erröthend ab, was den leichtgläubigen Barker ohne Weiteres überzeugte, daß sie Stacys Bewunderung erwidere. Jugendliche Zukunststräume umgaukelten ihn, wie in früherer Zeit: er sah Stacy glücklich mit der schönen Frau vereinigt, und erst als das Mittagsmahl zu Ende war kehrte er wieder in die Gegenwart zurück. Stacy bot nun Frau ^arkev den Arm und führte sie, wie es die Sitte heilchte durch den großen Salon. Später besuchte er auch' den Kleinen un oberen Stock und nahm dann rasch Abschied ^edoch nicht bevor er Barker ganz nach alter Weise die Hand geschüttelt und gesagt hatte: „Komm an welchem Tag Du willst auf die Bank; wir frühstücken dann zu-
48. Jahrgang. 1900.
un £ plaudern von Philipp Demorest." Dies be- glmTte Barker so sehr, als hätte er ihn zu sich bestellt um ihm die Bitte zu gewahren, die er ihm am Morgen ab- gesch.agen. Aber seme Frau faßte die Einladung anders
„Du glaubst doch nicht wirklich, daß er Dich auffordert ihn zu besuchen, um mit Dir von Demorest und seinem albernen Gehennniß zu reden?" meinte sie veräiyrlich. o- "Bielleicht auch noch von anderen Dingen", versetzte fragte^ ^vh war, daß sie nicht nach dem Geheimniß
.-,"Glwnsogut hätte er auch hier frühstücken können, um mch. bloß über sie zu sprechen, sondern sie auch zu sehen", sagw Kitty sich abwendend.
Inzwischen hatte sich stacy in sein Klubhaus begeben, amer der nächsten Straßen lag. Dort erregte sein Erscheinen da-, gleiche Interesse wie im Hotel, nur daß die Klubgenossen kern Hehl daraus machten. „Haben Sie schon die große Neuigkeit gehört?" fragten wohl ein Dutzend Simmen auf einnial. Stacy wußte nichts davon; er hatte auswärts gespeist. '
r • be v Zweigbahn, dieser niederträchtige Schwindel, ist in der gesetzgebenden Versammlung durchgegangen." * ;
stacy mußte sogleich an Barkers lächerliche Zuversicht und deren Grunde denken. „Sind Sie denn so sicher, daß es Schwindel ist?" fragte er mit großer Gelassenheit.
Bei dieser kühlen Aeußerung des Mannes, der am melsteil gegen das Unternehmen geeifert hatte, entstand eine Todtenstille.
nahm endlich einer der Herren zögernd das ','lne Bahn fuhrt doch nirgends hin und hat nicht den geringsten Zweck." }
„Damit ist noch nicht gesagt, daß sie nicht einen Zweck m I b irgendwohin fuhren wird, nun sie thatsächlich zu stände kommt" entgegnete Stacy, das Gespräch ab- wechend. Er begab sich ruhig in das Lesezimmer; aber schon M nächsten Augenblick verließ er es wieder durch Nasch erreichte er auf einer anderen .^.reppe die Vorhalle und betrat gleich darauf wieder das Hotel, sofort Key - er Barker hecnnterrufen, legte ihm dw Hand auf den Arm und sagte in der alten herrischen
°^ e be r? jüngsten Aufschub, einen schrift- Uchen Vertrag über Temen Eriverb des Gebiets der Excel,ior-Gruben ausfertigen!" Barker lachte. Ist bereits geschehen. Habe ihn diesen Nachmittag erhalten " „So weißt Du es also schon?" rief Stacy überrascht.
-r^ nur", sagte Barker erröthend, „daß Du Mtest, ich konnte noch zurucktreten, wenn ich nicht unterschrieben hatte, und Kitty war derselben Meinung Da kam es mir ganz erbärmlich vor, einen Anderen an sein Wort zu binden, wenn der Handel so unsicher ist. Kurz imb .J u t — aber Du darfst nicht böse werden, altes Haus ~ ld) sollte die Sache schwarz auf weiß haben, damit es
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(Fortsetzung folgt.)
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