-Eeite S« Dezember 1» 00. Wiesbadener Tagblatt (Morgen-Ausgave). Verlag-
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Ehristi anstellen ließ — die morgenländische Kirche feierte letztere
zugleich mit Christi Taufe am 6. Januar —, die Untersuchung aber resultatlos blieb, entschied sich das Priesterkollegium dafür das Geburtsfest Christi auf den Tag der Wintersonnenwende zu verlegen, als welcher irrthümlicher Weise der 25. Dezember ^"gesehen wurde. Die symbolische Beziehung des heidnischen Wintersonnenwendfestes auf das der Menschheit in Christo angebrochene geistige Licht lag sehr nahe, da fast alle alten Völker die Wintersonnenwende als den Beginn des erneuten Lebens der Natur zu feiern pflegten. Die Ausbreitung des Weihnachtsfestes stand im engen Zusammenhang mit dem Sieg über die Lehre der Arianer. In einer gewissen Beziehung zu dem alten Heidengott steht auch der seit dem 17. Jahrhundert übliche mir Lichtern und Gaben geschmückte Christbaum. Der Brauch des gegenseitigen Beschenkens war schon bei den alten Römern zur Zeit der Saturnalien, die Mitte Dezember zu Ehren des Gottes Saturnus gefeiert wurden, üblich und kam von Italien her nach Deutschland. In ihrem Ursprung ganz der christlichen Kirche angehörig, sind die besonders in Deutschland und Frankreich seit mittelalterlichen Zeiten vorgeführten Darstellungen der Ge- burtsgeschichte Jesu, die sogenannten Krippen, und die Weih- nachtsspiele.
o. Schulferien. Gestern haben die sämmtlichen Schulen Weihnachtsferien bekommen. In den städtischen Volks- und Mittelschulen dauern dieselben bis zum 3. und in den höheren Lehranstalten bis zum 7. Januar.
— Vom Kauarie»- und Vogelschutz-Verein Wies tzaden, welcher gegenwärtig im Hotel-Restaurant „Zum Friedrichshof", Friedrichstraße 35. nächst der Kirchgasse, seine diesjährige Allgemeine Kanarien-Ausstellung veranstaltet, fand am 21. d. M. die P r ä m i i r u n g der ausgestellten Vögel statt. Das Preisrichteramt lag in den bewährten Händen der Herren Sieber-Mannheim und Hahn-Wiesbaden. Dieselben hatten eine schwierige Aufgabe. Es wurden den nachstehenden Züchtern folgende Preise bezw. Ehrenpreise zuerkannt:
1. Preis mit 300 Punkten große goldene Medaille Herrn P. Metz- Mannheim, 2. Preis mit 294 Punkten kleine goldene Medaille Herrn Ph. Zehner hier. Albrechtstraße 8. 3. Preis mit 284 Punkten große silberne Medaille Herrn Paul Holzky-Cöthen,
4. Preis mit 269 Punkten große silberne Medaille Herrn P. Schuster-Köln, 5. Preis mit 267 Punkten kleine silberne Medaille Herrn Ph. Velde hier, 6. Preis mit 2O Punkten große broncene Medaille Herrn Bickert-Frankfurt a. M., 7. Preis mit 249 Punkten kleine broncene Medaille Herrn Radoy hier, 1. Per- eins-Ehrenpreis Herrn Rob. Doppelstein, 2. Herrn Phil. Voll,
3. Herrn Conr. Riechberg, 4. Herrn Heinr. Grün, 5. Herrn Heinr. Achter. 6. Herrn H. Geiselhardt, 7. Herrn W. Müller. Ferner erhielten Herr R. Bennemann hier eine silberne Medaille für eine Kollektion, Exoten, Sing- und Ziervögel, sowie Futterartikel, Firma H. Schindling hier einen 1. Preis für Futterartikel, Heil-und Hülfsmittel zur Pflege und Zucht der Kanarien, Futterständer, Nistkasten rc., Karl Ludw. Flemming, Globen- stein, Sachsen, einen 1. Preis für eine Kollektion praktischer Vogelkäfige rc.
— Patente wurden ertheilt in Frankreich unter Nr. 303,397 und in Belgien unter 151,859 Herrn Alb. Kauffmann hier, auf: „Stativ für photographische oder dergleichen Apparate mit aus einem ausgewickelten und ausgezogenen Metallstreifen hergestellten Füßen". Gebrauchsmusterschutz wurde ertheilt Herrn L. Wagner, Baumeister, hier, unter Nr. 144,600 auf „Schornstein-Anlage mit durch eingebauten Luftschacht permanentem Dunstabzug", und Herrn W. Max an er, Rollladenfabrik hier, unter Nr. 144,786 auf „Rolladen-Gurthalter mit felbstthätig wirkendem, gezahntem und in Rille» laufenden Klemmefil". Sämmtliche Schutzrechte wurden durch das Patent- büreau Ernst Franke hier erwirkt.
— Die „Naffovia", Zeitschrift für naffauische Geschichte und Heimathkunde, herausgegeben von Dr. C. Spielmann, Verlag von P. Plaum in Wiesbaden, druckt in ihrer soeben erschienenen Nr. 24 folgende amtliche Bekanntmachung aus dem „Wiesbadener Wochenblatt" Nr. 42 von 1817 ab: „Die Anzahl der seit einem Jahre im Umfange des Herzogthums erlegten Wölfe und die Anzeigen aus verschiedenen Gegenden des Landes über das verderblich- Erscheinen dieser reißenden Thiere'g^ben die unerwartete und höchst unangenehme Gewißheit, daß eine Anzahl derselben, die sonst nur einzeln und im strengsten Winter unsere Gegend heimsuchten, ihren bleibenden Aufenthalt in derselben nehmen wollen. Um nun das von Herzoglich hoher Landesregierung mit der Verfolgung und Ausrottung dieser für den Besitz aller Arten vonNutzvieh und selbst für das Leben der Einwohner höchst gefährlichen Thiere beauftragte Forstpersonal in diesem Unternehmen möglichst unterstützen zu können so werden sämmtliche Stadtbewohner hiermit aufgefordert, bei der Unterzeichneten Stelle das Erscheinen eines Wolfs oder'ihre
° Wissenschaft von hem Aufenthalte dieser Thiere ohne Verzug anzuzeigen. . Wiesbaden, den 18. Oktober 1817. Herzogliche Polizeidirektion. Rath." Der Kampf gegen die reißenden chst^e, bi<r am Anfang dieses Jahrhunderts noch einmal unsere Waldungen unsicher zu machen drohten, ist mit Erfolg durch- Ifiuhrt worden. Wenigstens ist ein ernsterer durch sie verursachter „rxall nicht zu verzeichnen gewesen. — Die „Nassovia" hat mit der vorliegenden Nummer 24 ihr erstes Lebensjahr vollendet es ist zu wünschen, daß ihre Weiterentwickelung eine gesunde und ihre Lebensdauer eine recht lange ist.
o Vermißt. Gestern war das Gerücht verbreitet, in dem Schiersteiner Feld sei die Leiche eines Mannes gefunden worden was natürlich sofort mit dem Verschwinden des Herrn' Oberlehrers Schedtler in Verbindung gebracht wurde. Amtliche Nachforschungen der hiesigen Polizei in Schierstein haben dieses Gerücht nicht bestätigt; dort war von der Auffindung einer Leiche überhaupt nichts bekannt.
o. Unfälle. Ein Fahrbursche des Herrn Flaschenbier- handlers Hohmann gerieth gestern bei der Ausfahrt aus oehen Hause, Sedanstraße 3, unter den Wagen, wurde überfahren und erlitt so erhebliche Quetschungen an beiden Beinen, daß er in das städtische Krankenhaus ausgenommen werden ^ - ~ Em junger Mann, Namens H a ß l e r von hier, stürzte
gestern Nachmittag tn der oberen Platterstraße infolge eines epileptischen Anfalles so unglücklich auf den Hinterkopf, daß er eine klaffende Wunde davon trug. Ein in der Nähe postirter Schutzmann nahm sich des bedauernswerthen Menschen an und ihn, nachdem er sich wieder etwas erholt hatte, in das städtische Krankenhaus, wo ihm die nothwendige ärztliche Hülfe zu Theil wurde.
— „Tagblatt"-Sammlunge«. Im „Tagblatt"-Ver- ferner em: Für K o h l e n f ü r A r m e: Von Otto ? 0 ®- 5 Mk., E. v. K. 20 Mk., Frau E. W.
E -7 n’" ü n r 5 Mk., Frau D. 5 Mk. Für warmes Frühstück für Schulkinder: Von Otto Pfaff 6 Mk.
C. und H. R. 5 Mk., L. W. G. 3 Mk.. Frau D. 6 Mk. Für die schwer heimgesuchte P ä ch t e r s f a m i li e: Von Ungenannt 1 Mk. 50 Pf., von den Gästen „Zum rothen Haus"
? ^0 M. «. M. 2 Mk., C. M. 2 Mk.. Frau A. A.
2 Mk.,C. G. 5 Mk., O. Kießling 5 Mk., Frau Stupp 3 Mk.. Frau Heimerdinger 3 Mk., Kegelklub „Tittop" 13 Mk. 50 Pf.
P. Sch. 5 Mk., I. W. 3 Mk. Wir bemerken wiederholt, daß die Sammlung für die Pächtersfamilie nunmehr geschlossen ist Herzlichen Dank allen gütigen Gebern.
.. o. Vergebe« wurde von der städtischen Vaudeputation die Herstellung einer 360 Meter langen Betonrohr-Kanalstrecke der Profile 45 zu 30 Centimeter und 30 zu 30 Centimeter in der fortgesetzten Oranienstraße, vom Kaiser Friedrich-Ring'bis zur Alexandrastraße, an Herrn Maurermeister Hch. Dörr fiter als den Mindestfordernden.
Lauggafse 27. 48'. Jahrgang. No. fiTf«.
* b £L® nm! j er Ü örannte die Scheune des Tünchermeisters
Paulr am Mittwoch Abend ab. — Geisenheim bat bewobnte Häuser 478. Personenzahl 3885, das ist gegen 1895 eine Zmahme ^-Die Volkszählung in Cronberg hatte -geudes Resultat: Die Einwohnerzahl betrug 2834 gegen 2728 * n ,Die Zahl der Haushaltungen beträgt 443. — Bei den tzolzfaUungsaibeiten in Lorsbach wurde der Holzhauer Löbcr niedergehenden F'chte so unglücklich getroffen, daß er mehrere Rippen brach und sonstige schwere, innere Verletzungen sUltt. An seinem Auskommen wird gezweifelt. — In Rieder- ingelheim wird eine Wittwe beschuldigt, ihr kleines Kind in die Esse gehängt und verbrannt zu haben. Gerichtliche Untersuchung ist im Gange. — ^n Rudesbeim ergab die Volkszählung nach nunmehr erfolgten genauen Ziisamnicnstelliinq 4802 (1895: 4633) und zwar 2307 männliche und 2495 weibliche Personen — Nach der vorläufigen Feststellung des Ergebnisses der Volkszählung ioar facr ^ tr i‘f .H061 Einwohner, gegen 41,052 im Jahre Holzhauermeister Heinrich Moos zu Donsbach wuide^ das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen. — In, Garten des Herrn . de Ridder in S ch ö n b e r g hat man beim Ansgraben eines Baumes ein großes Gewölbe freiqelegt, das ohne Zweisel noch von dem Kloster Schömberg aus dem 16. Jahrhundert be>ruhrt. Stoci ' r -ans Wiesbaden haben beit Hof Z,"sberg besichtigt, den der Staat Zwecks Errichtung einer Musterwlrthlchaft unter Leitung des Üandwirthschastsinspektors übernehmen will. — Mit der Zustimmung des Kreistages m Höchst sind alle erforderlichen Bewilligungen erfüllt und die Bildung der Kleinbahn - Gesellschaft Höchst-König st ein kann nnnmehr erfolgen der dann ohne Weiteres die Konzession für den werden dürfte^rieb bet 2M;n @ntcn8 ber ®$- Regierung ertheilt
A M„iuz, 22. Dezember. Rheiupegel: 0 ,» 92 ein Vormittags gegen 1 in 00 ow am gestrigen Vormittag.
Sport-
— Biebrich, 22. Dezember. Gestern traf per Bahn die Menagerie Fr. Berg hier ein, um während der Feiertage auf dem Wtlhelmsplatze dahier Dressur-Vorstellungen mit wilden Lhieren zu geben. Dieselbe enthält über 150 wilde Thierarten darunter 12 Löwen. 5 Königstiger, 8 Leoparden, 4 Eisbären,' Panther, Jaguare, braune Bären, Wölfe, Hyänen rc. u. A auch ein Gnu oder gehörntes Pferd. In den Vorstellungen wirken zwei Thierbandiger und zwei Thicrbändigerinnen, eine Erklärung sammtlicher Thiere geht jeder Vorstellung voraus. Zur Vorführung gelangen: Ringkampf mit einem Bären, Vorführung J* 6 dressirten Löwen, 4 Eisbären, 1 Löwe als Drahtseil- kunstler rc. Am Schluß der Vorstellung wird eine Thier- bandlgerin den Serpentinentanz im Löwenkäfig auffiihren. Die finden an Sonn- und Feiertagen um 4, 6 und 8 Uhr Abends, an Wochentagen um 6 und 8 Uhr Abends statt.
. t WmflttMitfl. Für das Nationaldenkmal
aus dem Niederwald, däs bei großen Festlichteiteu bisher des Flaggenschmuckcs vollkommen entbehrte, ist ei» solcher nunmehr in HAicht ^ genommen. Es sollen aus diesem Grunde wie das ?-ugeb,att berichtet, zwei riesengroße Flaggenmasten errichtet lberden deren Kosten die Summe von 42Wö^Mk. betrügen dursten., — Der Winden er Marderprozeß hat am Amts- m Nassau mit gänzlicher Freisprechung des Beklagten Herrn Pfarrer Haubrich zu Winden, geendigt, indem das Gericht sogar hie Kosten für den Anwalt des Beklagten der Staatskasse uberwiesen hat. Der Pfarrhof, in welchem der Marder erlegt wurde, wurde als ein geschlossenes Anwesen erklärt. - Nach der
!xn,r* ^AQ,? äa i' m VL bnt ^°rch eine Eiuwohnerzahl von 2216; nämlich. 1094 männliche und 1122 weibliche. Seit 1895 hat Lorch um 25 Einwohner zugeiiommen. — In M ai n z ist schon wieder ein nächtliches Attentat ans einen Posten verübt worden und zwar auf den Posten der Fort Elisabethwache. Aus dem dem Posteu- bereich gegenüberliegenden Gebüsche wurde der Posten mit Steinen e ^ b0 V b n ! ’ e:l Äsöclnc ein Gewicht von mchrercii Pfund völligen Duiltelhelt wegen konnte der angegAsfenc Tosten keinen Gebrauch von seiner Schußwaffe machen. Die Unter- silchung über den Vorfall ist im Gange. — J„ Sch Wicke rs-
Die Bieüricher Kmser-Rcgutta. Der Frankfurter i Regatta-Verein, welcher bekanntlich im vorigen Jahre das s Arrangement der Biebricher Kaiser-Regatta übernommen hatte, hielt kürzlich eine General-Versammlung ab, über deren Verlauf wir folgenden Berichtauszug aus dem „Wassersport" veröffent- uchen: „ .... Im Laufe des Monat März erfolgte vom
Deutschen Sport-Verein in Berlin eine Anfrage, ob der Regatta- Verein gesonnen sei, die anläßlich der Wiesbadener Festwoche vorgesehene Ruder-Regatta in die Wege zu leiten. Der Vorstand war einstimmig der Ansicht, daß er trotz der Schwierigkeit der zu lösenden Aufgabe den ehrenvollen Auftrag zu übernehmen habe, ordnete sein Vorstandsmitglied Heinrich Heyter zur Verhandlung mit dem Deutschen Sport-Verein ab, um in Berlin in gemeinsamer Sitzung die Einzelheiten und die finanzielle Grundlage der Veranstaltung festzulegen. Nach angestrengtester Thätigkeit des Vorstandes und mit Unterstützung aller Behörden gelang es, am 17. Mai eine Regatta zu veranstalten, auf deren Ergebniß der Verein mit berechtigtem Stolz zurückblicken darf. Es fanden sechs Rennen statt, an denen sich 22 Vereine mit 31 Booten betheiligten, und dem Präsidium des Vereins wurde von Allerhöchster Seite der Dank für die wohlgelungene Veranstaltung ausgesprochen." „ . . . Aus dem Kassenbericht ging hervor, daß die Kaffe in diesem Jahre mit einem Fehlbetrag von fast 2000 Mk., hervorgerufen hauptsächlich durch die Biebricher Regatta, abschließt. Die Regatta in Biebrich hat 11,972 Mk. 83 Pf. gekostet, die Einnahme von Eintrittsgeldern 6600 Mk., der Deutsche Sport-Verein leistete einen Zuschuß von 4000 Mk., wofür er 400 Eintrittskarten erhielt."
Gerichts saai.
Landes an, als ob sie uns die Ernennung zum Wirklichen Geheimen Rath aushändigten — kurz, Artigkeit, Aufmerksamkeit Dienstbeflisseuheit allüberall, nur spürt man dabei unwillkürlich ein merkwürdiges Zucken und Rucken an der Stelle, wo der Geldbeutel sitzt!
Ach, er muß jetzt unheimlich oft gezogen werden, und man versteht durchaus, daß zum Fest dem Hausherrn mit liebevoller Aufmerksamkeit ein Portemonnaie, eine Börse, eine Brieftasche verehrt wird, denn die alten Dinger sind ja völlig verbraucht worden, leider sind die an ihre Stelle tretenden neuen nur immer leer! Welche Ansprüche werden in diesen Wochen und Tagen an jedes männliche Individuum, das einige Goldstücke sein eigen nennt, gerichtet, wie regnet cs auf ihn herab mit verblümten und unverblümten Anspielungen, welche Schätze soll er am Heiligabend zum Vorschein bringen, wieviele bittende Hände strecken sich zu ihm aus, im eigenen Dienste, wie in demjenigen der Wohlthätigkeit — nie hat man so stark, als jetzt, den Wunsch, über Aladins Zauberlampe zu verfügen, um innerhalb seiner vier Wände ein ungeahntes Goldlager zu entdecken, damit man all die Erwartungen erfüllen kann, die an uns gestellt werden! * 1
Es ist mit den Erwartungen jedoch ein eigen Ding, selbst die noch so bestimmt vorausgesetzte Erfüllung täuscht häufig im letzten Augenblick. Und wo tritt dies mehr in die Erscheinung, als im Thcaterleben. Große Hoffnungen hatte man nach den m unseren Konzertsälen gehörten Bruchstücken aus Hans P f i tz u e r s Musikdrama „D e r a r m e H e i n r i ch" auf die Darstellung des gesummten Werkes gesetzt, aber die am Mittwoch sta gefundene Erstaufführung in unserem O Peru hause hielt denselben nicht Stand. Wohl war der äußere Erfolg ein ? b der Komponist konnte sich häufig vor^ dem h" rauschenden Beifall bedanken, der besonders Msk war nach dem ersten und dritten Aufzuge, aber trotz vieler lSchonheiten und großer Talentproben bereitete das Werk kein!
llanz einheitliche Freude, eine gewisse Unruhe in der Instrumentation, ein zu eifriges Haschen nach Originalität, ein zu ^Ermitteltes Hervordrängen gesuchter Eigenart ließen diese nicht aufkommen. Auch der Text trägt seinen Theil der Schuld daran; er ist nach Hartmann von der Aues Epos gearbeitet worden, mit dem Kern der Handlung, daß Ritter Heinrich nur von seiner todbringenden Krankheit genesen kann, wenn sich für
opfert, das in Agnes, der --ochter Dietrichs, des braven Knappen Ritter Heinrichs, gefunden wird Aber den Ritter reut das Opfer, wie durch ein Wunder wird er von seinem Siechthum geheilt und kann noch im entscheidenden Moment die holdselige Agnes retten - und in den Armen liegen sich beide — Wie gesagt Pfitzner
be Vü,- f v, a tb °?r er .3' usenb s^ht. verfügt über ein echtes Können Mal den Weg zu dauerndem Erfolg finden. Die Aufführung war tadellos, und unserer Oper gebührt beredter Dank, daß sie dies Werk in den Spielplan aufnahm, auch wenn es sich nicht einbürgern sollte!
Ans KnnS und sscberr.
* Berthoven-Koufervatorium. lieber das Weihnachtsund Kinder-Konzert des „Beethoven-Konservatoriums" z»m Besten der Christbescheerungen im Kinderhort, Rettungshans m der Kinderbewahranstali schreibt man uns: Das am ' verflossenen Donnerstag im Saale des „Katholischen Vereinshau e^ abgehaltene Konzert hatte eine große Schaar von Mir- wirkenden aufgeboten. Eine weihnachtliche Stimmung durch- wehte den^Saal, nachdem die Worte eines Prologs aus der be- wahrten ^xeder von Frau A. Wendel- Marburg verklungen waren. Ein „Weihnachts-Oratorium" (Geburt Christi) nach Worten und Weisen der Kirche und des Voltes in Musik gesetzt von Haus Georg Gerhard, dem Direktor des Konservatoriums, führte in wohlvorbereiteter Ausführung alle Kräfte
d- Wiesbaden, 22. Dezember. (Strafkammer.) Der Hudler L. aus Bingen hat sich im vorigen Jahr zu seiner hübschen jungen Frau ein Dienstmädchen genommen, und nun hatte er — zwei Weiber. Das Mädchen hatte bald unter den Folgen des Liebesverhältnisses mit ihrem Herrn zu leiden und uni diese Folgen aus der Welt zu schaffen, sollen beide, das Mädchen und der Dienstherr, sich der versuchten Abtreibung schuldig gemacht haben. In Mainz, wo die Beschuldigten jetzt "ustrsuchungshaft sitzen, genas das Mädchen eines Knäbleins Als dieses Knäblein geboren war, verabredeten seine Eltern brieflich eine Zusammenkunft in Rüdesheim. Dort trafen sie sich am 5. Oktober in einem Badhaus, aber auch die Frau des Händlers, die von der geplanten Zusammenkunft erfahren hatte erschien in dem Badhaus. Sie hatte sich mit einem kräftigen Tauende versehen und schlug nun damit in begreiflicher Er- rcgung aus ihre Nebenbuhlerin ein. Die Streitenden wurden an die Luft gesetzt; draußen auf der Straße aber machte sich der Zorn der betrogenen Ehefrau erst recht Luft. Sie schlug so lange auf das Mädchen ein, bis dessen Kopf zahlreiche Schwielen zeigte, und ruhte nicht eher, bis fremde Personen mit Gewalt der widerlichen Scene ein End- machten. Der blamirte Ehe
gemeinsam ms Feld, außer einem aus 25 Mitgliedern (darunter auch Damen) bestehenden Orchester einen Kinderchor, Damenchor und zahlreiche . Solokräfte. Fräulein Emmy K l o ck e, sowie Herr E. Habich, der den Evangelisten mit volltönendem Bariton sang, trugen unter letzteren wesentlich zu der warmen Aufnahme^ des Wertes bei. Es folgten, eröffnet durch einige reizende Kinderlieder einer kleinen 6-jährigen Sängerin, Klavier- vortrage von Schülern und Schülerinnen, welche sämmtlich Begabung und Fleiß, sowie gründliche musikalische Schulung der^ Spieler dokumentirten. Lieder von Hupiperdinck, von Fraulein Klocke mit Meisterschaft vorgetragen, brachten dazwischen erwünschte Abwechslung, Deklamationen mit lebenden Bi d und eine Weihnachts-Symphonie mit allerhand Kindcr- mstrumenten machten den freundlichen Schluß. Die lebenden Bilder, von Herrn Frankenbach freundlichst aufgestellt, miiterließen tiefen Eindruck durch ihre seingesiimmten Arrangements . und charakteristischen Gruppen. Alles, von wenigen zufälligen Störungen abgesehen, war wohlgel'ungen. mit Freude vorgetragen und von den Hörern mit Freude und Dank entgegengenommen. Das Wohlthätigkeits-Konteri brachte über 600 Mk. ein.
* Verschiedene Mittheilungen. Georg Engels hat seinen Vertrag mit dem Deutschen Theater gelöst.
Ein neues Aufführungsverbot kommt aus Kiel. Der dortige Polizeipräsident hat die Aufführung der Operette „Frau Leutnant" am Stadtthcater nicht gestattet.
Ji, London wurde vor Kurze», durch Stevens eine Tochter des Königs Ranpscs II. von Egypten zur Auktion ae- brächt. Die hol)e Dame ließ sich dies ruhig gefallen und äußerte nicht einmal.ihr Mißfallen über den niederen Preis, den ihr un- Versehrter Leib erzielte. Derselbe erreichte nur ein Resultat von 10 Guineen (etwa 2l0Mk.); die Prinzessin ist seit etwa dreieinhalb Jahrtausenden einbalsgiuirt.
